Erwin Schild

9.3.1920

  • Geb. 9. März 1920 in Mülheim/Köln.
  • Student der Israelitischen Lehrerbildungsanstalt (ILBA) Würzburg, später Rabbiner der Gemeinde Adath Israel in Toronto.
  • Vom 12. November 1938 bis 13. Dezember 1938 im Konzentrationslager Dachau.

Erwin Schild wuchs zusammen mit zwei Geschwistern in Köln-Mülheim in der Familie des Geschäftsmannes Hermann Schild und seiner Frau Hetti, geb. Neugarten, auf. Erwin besuchte das Gymnasium, als die Nazionasozialisten die Macht übernahmen. Zwei jahre später wechselte er an ein jüdisches Gymnasium. Obwohl er sich hier sehr wohl fühlte und das Niveau gut war, ging Erwin 1937 zurück an ein deutsches Gymnasium, weil die jüdische Schule den Lehrplan an das britische Schulsystem angepasst hatte. 1938 verließ er die Schule mit dem Abitur.

Im April 1938 begann er an der Isralitischen Lehrerbildungsanstalt in Würzburg (ILBA) zu studieren. Er lebte im Wohnheim, fand neue Freunde und arbeitete fleißig. In der Reichspogromnacht am 9. November 1938 „brach die Welt für ihn zusammen“. Eine Horde brach in das Wohnheim ein und zerstörte alle Möbel, ohne jedoch die Studenten zu verletzen. Am nächsten Tag musste Erwin mit ansehen, wie das Seminargebäude und die Bibliothek mit den Torahrollen brannten. Eine Gruppe Nazis brachte die Studenten ins Gefängnis. Sie waren voller Angst und beteten in tiefster Verzweiflung. Nachdem sie verhört worden waren, wurden alle, die älter als 16 Jahre waren, ins Konzentrationslager Dachau verschleppt.

Nach seiner Entlassung aus dem Konzentrtionslager, bemühte er sich verzweifelt um ein Auswanderungsvisum. Schließlich gelang es ihm im Frühjahr 1939, erst nach Holland und dann nach London zu fliehen. Im Juli 1940 erreichte er Kanada. Hier wurde er zunächst als „feindlicher Ausländer“ in einem Kriegsgefangenenlager interniert, später in einem Flüchtlingslager. Erst im Februar 1942 konnte er das Lager verlassen.

Erwin studierte an der Yeshiwa von Abraham Price, später auch an der Universität von Toronto. Im Dezember 1944 heiratete er Laura Saxe. Das Paar bekam 1945 einen Sohn, 1947 und 1952 zwei Töchter. 1947 wurde Erwin Schild zum Rabbiner ordiniert. Fortan setzte er sich auch für die Erinnerungsarbeit und den Dialog zwischen Juden und Deutschen ein.

„Das Gespräch zwischen Deutschen und Juden ist sehr problematisch, delikat, oft auch peinlich. Mit schwerem Gepäck belastet, kann man die Hindernisse nicht einfach so übersteigen. Die Tragödie der Vergangenheit beraubt uns der Sprachfähigkeit. Aber trotzdem! […] Deutschen und Juden mag es schwerfallen, miteinander zu reden, aber Christen und Juden, auch Christen in Deutschland und Juden haben eine gemeinsame Sprache. Wenn wir einander als Mitglieder von nah verwandten Religionstraditionen begegnen, dann glüht ein Funke der Hoffnung. Gott befreit und versöhnt.“

Rabbi Erwin Schild in einer Ansprache am Reformationstag in Köln am 31. Oktober 1988, zitiert nach: Erwin Schild: Die Welt durch mein Fenster, Köln 1996

Verfasserin des Gedächtnisblatts

Steffi Falk (Schülerin), 2005.

Weitere Hinweise im Blog

7.3.2018: Neues Buch von Rabbi Erwin Schild: The Crazy Angel

[Qu.: GB]