Führungen durch die Georg-Scherer-Ausstellung

Mehrere Führungen durch die Georg-Scherer-Ausstellung in Dachau gab es am 16. Juni 2019.

 

Acht Personen nahmen an der Führung von Kerstin Cser teil. Die Referentin erläuterte den Teilnehmenden die Ausstellung und die Geschichte ihrer Entstehung. Einige der Teilnehmerinnen haben bei Bardtke und Scherer gearbeitet.

Ebenfalls durch die Ausstellung führte am selben Tag Hedy Esters. Sie schreibt uns darüber:

„Bei meiner Führung waren 18 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus der Stadt und dem Landkreis Dachau. Leute  aus der Geschichtswerkstatt, von den Dachauer Stadtführerinnen und interessierte Bürgerinnen und Bürger.
Einige Teilnehmer konnten sich an Georg Scherer, an die Kleiderfabrik Bardtke & Scherer und den damaligen ASV erinnern. Die Ausstellung und besonders die Broschüre wurden sehr gelobt.“

(23.6.19; IS)

Interview mit dem ukrainischen Dachau-Häftling Peter Perel

Mit dem überlebenden Dachau-Häftling Peter Perel führten eine Grafinger Schülerin und Anastasiia Lapteva, ASF-Freiwillige im Gedächtnisbuch, ein Interview mithilfe eines Internet-Telefonats. Anastasiia hat darüber einen Bericht geschrieben.

Anastasiia Lapteva, ASF-Freiwillige im Gedächtnisbuch

Sie schreibt:

Am 30. Mai hatte ich die große Ehre das Interview mit Peter Perel und seiner Tochter Svetlana Perel zusammen mit einer Schülerin des Grafinger W-Seminars zu führen. Im Rahmen des Projekts „Gedächtnisbuch für ehemaligen Häftlinge des KZ Dachau“ schreibt die Schülerin die Biographie von Peter Israelowitsch Perel, der als sowjetischer Häftling im KZ Dachau inhaftiert war.

Peter Perel wurde 1928 in Oktoberfeld im Kreis Saporoschje in der Ukraine geboren. Als er nach Deutschland als Ostarbeiter kam, war er nur 14 Jahre alt. Er arbeitete in München zuerst in Berg am Laim für einen Münchner Schlosserbetrieb, dann in der Likörfabrik „Sager und Werner“  und danach als Helfer für einen Schlossermeister und daraufhin noch bei einer Barackenbaufabrik. Kurz vor der Befreiung wurde er im KZ Dachau inhaftiert und konnte während des Todesmarsches fliehen.

Das Interview wurde auf Russisch durchgeführt und dauerte zwei Stunden. Meine Aufgabe war es, wesentliche Passagen für die Schülerin zu übersetzen und die Fragen am Ende des Interviews zu stellen. Manchmal war es für uns sehr schwierig, unsere Emotionen zurückhalten, weil das Schicksal nicht immer glücklich war. Trotzdem erzählte Herr Perel viele interessante und gute Geschichten, obwohl er Ostarbeiter war, obwohl er im KZ Dachau war.     

Die Ergebnisse des Interviews werde ich auf dem ASF-Seminar in Polen präsentieren. Die Schülerin wird ihre fertige Biographie am 22. März 2020 bei der Jahrespräsentation des Gedächtnisbuchs vorstellen.

(14.6.2019; Text: Anastasiia Lapteva/IS)

 

 

Seligsprechung des Pallottinerpaters Richard Henkes

Der Pallottinerpater Richard Henkes wird am Sonntag, dem 15. September 2019, im Dom zu Limburg seliggesprochen. Dort war er 1925 zum Priester geweiht worden. Henkes wurde am 26. Mai 1900 in Ruppach bei Montabaur geboren und starb am 22. Februar 1945 im Konzentrationslager Dachau. Manfred Probst hat über ihn ein Gedächtnisblatt geschrieben.

Mit der Seligsprechung wird Pater Henkes anerkannt und aufgenommen in die Reihe der damit 57  Seligen Märtyrer von Dachau. Jeweils am 12. Juni gedenkt das Erzbistum München und Freising dieser Menschen.

Richard Henkes hatte sich wie auch Pater Engelmar Unzeitig oder Stefan Wincenty Frelichowski und 17 andere im Februar 1945 freiwillig für die Pflege der Typhuskranken zur Verfügung gestellt. Alle wussten um die Gefahr für das eigene Leben. Nach wenigen Wochen der Seelsorge und der Pflege infizierte sich Henkes. Er starb innerhalb von fünf Tagen am 22. Februar 1945.

In das Konzentrationslager Dachau war Pater Henkes am 10. Juli 1943 wegen „Kanzelmißbrauch“ gebracht worden, nachdem er am 8. April 1943 wegen einer regimekritischen Predigt in Branitz von der Gestapo verhaftet und einige Wochen in Einzelhaft gehalten worden war. Im KZ Dachau musste er wie alle anderen unter menschenunwürdigen Bedingungen Zwangsarbeit leisten, unter anderem auf der Plantage der SS. Dabei blieb er im Glauben stark, teilte seine Lebensmittelpakete mit vielen anderen und ermutigte seine Mitgefangenen. Im KZ lernte er auch den späteren Prager Erzbischof und Kardinal Beran kennen und schätzen.

Das Gedächtnisblatt zu Richard Henkes findet sich hier:

Gedächtnisblatt Richard Henkes

Nähere Informationen gibt es auf folgenden Webseiten:

https://pater-richard-henkes.de

https://bistumlimburg.de/beitrag/reliquien-zur-seligsprechung/

Weitere Selige im Gedächtnisbuch:

Gedächtnisblatt Alojs Andritzki

Gedächtnisblatt Hubert (Engelmar) Unzeitig. Unzeitig erlitt das gleiche Schicksal wie Richard Henkes.

 

(Foto: https://pater-richard-henkes.de; Text: Ludwig Schmidinger/IS)

 

Gedächtnisblatt zu Hans Gasparitsch steht online

„Wie ich gesehen habe, ist das Gedächtnisblatt für Hans Gasparitsch online gestellt worden. Besten Dank dafür!“, schreibt uns Christoph Leclaire von der Lagergemeinschaft und dem Freundeskreis Buchenwald.

Das Gedächtnisblatt steht im Verzeichnis der Gedächtnisblätter:

Gedächtnisblatt zu Hans Gasparitsch

Von Christoph Leclaire stammt auch der Hinweis auf die Dokumentation auf der Website der Lagergemeinschaft Buchenwald, die  im vergangenen Jahr anlässlich des 100. Geburtstags von Hans Gasparitsch zusammengestellt wurde.

http://www.lagergemeinschaft-buchenwald.de/

Hier finden sich viele weiterführende Links und auch die Bezugsadresse für die von Christoph Leclaire und Ulrich Schneider erstellte Dokumentation zu Hans Gasparitsch.

(29.5.19; Abbildung aus dem Gedächtnisblatt, IS)

Georg-Scherer-Station am Internationalen Museumstag

Eine Station zu Georg-Scherer betreute Karin Schwenke beim 42. Internationalen Museumstag in der KZ-Gedenkstätte Dachau am 19. Mai 2019.

An der KZ-Gedenkstätte Dachau wurden anlässlich des Museumstags neun Stationen von den Referenten betreut. Eine davon berichtete über das Leben Georg Scherers.

Interessierte Besucher konnten das Biographie-Banner zum Gedächtnisblatt Georg Scherers studieren, Texte aus Interviews hören, Fragen stellen und die Broschüre „Georg Scherer – ein Dachauer Leben“ kostenlos mitnehmen. Es ergaben sich spannende Gespräche zwischen der Betreuerin der Station und den Besuchern, die alle sehr beeindruckt von der Persönlichkeit Georg Scherers waren.

(19.5.2019; Text: Karin Schwenke/IS)

Ausstellung zu Georg Scherer: Broschüre zum Download

Noch bis Ende Juli läuft die Ausstellung über Georg Scherer in der Dachauer ASV-Halle. In diesem Artikel finden Sie den Link zum Download der Begleitbroschüre zur Ausstellung.

„Georg Scherer. Ein Dachauer Leben“, so lautet der Titel der Ausstellung. Wesentliche Stationen dieses Lebens lassen sich in der Begleitbroschüre zur Ausstellung nachlesen, die dem engagierten Dachauer Bürger, Widerstandskämpfer und Kommunalpolitiker gewidmet ist. Die Broschürentexte befassen sich mit folgenden Themen:

  • Kindheit in Armut und Not
  • Der Aufstieg des Hütebuben zum Werkmeister
  • Zweite Heimat ATSV
  • Widerstand, Verhaftung und Konzentrationslager
  • Zwischen Haft und Befreiung
  • Politikerleben: Stadtrat, Bürgermeister, Parteimitgliedschaften
  • Wirtschaftswunderzeiten
  • Vorstand des ASV Dachau
  • Erinnerungen und Ehrungen.

Hier gibt es die Broschüre zum Download:

Begleitbroschüre „Georg Scherer. Ein Dachauer Leben“ (5 MB)

Die Ausstellung über Georg Scherer ist noch bis zum 27. Juli 2019 in der Dachauer ASV-Halle zu sehen. In ihr finden sich auch Hörstationen mit O-Tönen von Georg Scherer und seiner Familie. Ergänzt wird die Ausstellung durch Ausstellungsbanner, die ein Schlaglicht auf das Leben weiterer KZ-Häftlinge aus dem Landkreis Dachau werfen. Auch können die Besucher eine ganze Reihe von Gedächtnisblättern in eigens dafür zusammengestellten Mappen betrachten.

(14.5.2019; Text: IS)

 

Befreiungsfeier in Dachau: „Ich erinnere mich und werde immer erinnern“

„Als ich zum ersten Mal in die KZ-Gedenkstätte gekommen bin und mit einem Audioguide in russischer Sprache einen Rundgang gemacht habe, konnte ich meine Tränen nicht aufhalten.“, erzählte Anastasiia Lapteva, ASF-Freiwillige in Dachau, am 5.5.2019 in ihrer Rede am Mahnmal für die ermordeten sowjetischen Kriegsgefangenen.

Anastasiia Lapteva stammt aus Perm, einer Stadt am Ural. Derzeit arbeitet sie als Freiwillige für Aktion Sühnezeichen Friedensdienste in der Versöhnungskirche und im Gedächtnisbuchprojekt.

Auf der Feier zum 74. Jahrestag der Befreiung des KZ-Dachau am Mahnmal für die ermordeten sowjetischen Kriegsgefangenen in Hebertshausen erläuterte die junge Frau ihre Motivation für diese Freiwilligentätigkeit: „Als ich zur Schule ging und auch während des Studiums hatte ich nicht nur Interesse an der russischen Geschichte, sondern auch an der Weltgeschichte. Aber wir haben viel zu wenig Informationen über den Holocaust, das faschistische Deutschland und auch über Konzentrationslager bekommen. Deshalb entschied ich mich, an einem geschichtlichen Projekt teilzunehmen.“

Ihren Wunsch zum Befreiungstag formulierte  Anastasiia Lapteva in ihrer Ansprache so: „Ich möchte, dass alle Menschen sich immer an die Opfer des nationalsozialistischen Regimes erinnern. Ich sage es laut, so dass es alle hören: „Ich erinnere mich und werde immer erinnern.“ Diesen Satz wiederholte Anastasiia Lapteva auch auf Russisch.

(5.5.2019; Foto: Klaus Schultz; Text: Irene Stuiber)

Renée Lacoude ist gestorben

Die französische Widerstandskämpferin Renée Lacoude ist im Dezember 2018 gestorben. Bereits 2005 widmete ihr Monika Böck, damals Schülerin, ein Gedächtnisblatt.

Renée Lacoude mit Gedächtnisbuchautorin Monika Böck

Renée Lacoude wurde  am 12. April 1917 am  Renée Dufau in Bordeaux geboren. Ihre Tätigkeit in der Resistance führte dazu, dass sie 1944 verhaftet wurde und schließlich mit dem Geisterzug, dem Train fantôme, nach Dachau deportiert wurde. Nach wenigen Tagen Aufenthalt wurde sie nach Ravensbrück überstellt und erlebte dort die Befreiung. 2005 besuchte Renée Lacoude Dachau und war bei der Präsentation ihrer Biographie anwesend. Sie verstarb im Alter von 101 Jahren.

Das in französischer Sprache verfasste Gedächtnisblatt von Monika Böck ist in der Versöhnungskirche einsehbar. Renée Lacoude erbat sich für die Veröffentlichung im Internet ausschließlich eine Kurzinformation.

(2.5.2019; Text: IS)

Link zum Film: Ernst Sillem und Jan de Vaal erzählen

Berend Katz interviewte für seinen Film „Die Reise von van Eijsden“ Ernst Sillem und Jan de Vaal. Über beide gibt es Gedächtnisblätter. Der Film kann nun mit deutschen Untertiteln geschaut werden.

Der Filmautor im Gespräch nach der deutschen Uraufführung

Berend Katz verfolgte den Weg seines Urgroßvaters Gommair van Eijsden durch deutsche Konzentrationslager und berichtete darüber in einem Dokumentarfilm. Die deutsche Uraufführung fand anlässlich der Finissage der Ausstellung „Namen statt Nummern. Niederländische politische Gefangene im Konzentrationslager Dachau“ in der Gedenkstätte Dachau am 28. Februar 2019 statt.

Die Zuschauer waren vor allem von den Interviews mit Ernst Sillem und Jan de Vaal sehr beeindruckt. Beide Zeitzeugen sind im Gedächtnisbuchprojekt wohlbekannt, ihre Gedächtnisblätter finden sich auf dieser Website im Verzeichnis der Gedächtnisblätter. Berend Katz Film entstand in enger Zusammenarbeit mit dem Gedächtnisbuch Niederlande, die Untertitel machte ein ehrenamtliches Team möglich.

Verschiedene niederländische Fernsehsender haben „Die Reise von van Eijsden“ bereits gezeigt. Eine deutsche Fernsehpremiere steht noch aus. Hier der Link zum Film  (Niederländisch mit deutschen Untertiteln):

Die Reise von van Eijsden

(25.4.2019; Foto und Text: Irene Stuiber)