Gedächtnisbuch im Radio am 20. Juli 2024

Am 20. Juli 2024 sendet der Bayerische Rundfunk einen Beitrag über unbekannte Widerständler in Bayern. Der  Journalist Ulrich Trebbin stieß bei seiner Recherche für die Sendung auf das Gedächtnisbuch-Projekt und interessierte sich für die Biographie von Ludwig Wörl.

Der BR-Journalist Ulrich Trebbin beim Interview mit Isabella Rumpler (3.7.2024)

Im Rahmen des gerade erfolgreich abgeschlossenen Erasmus-Projekts hat die Schülerin Isabella Rumpler am Ignaz-Taschner-Gymnasium Dachau eine Seminararbeit über den Münchner Schreiner Ludwig Wörl geschrieben.

Ludwig Wörl gehörte in München der Roten Sportbewegung an, er war Bergsteiger und Kajakfahrer, außerdem in seiner Freizeit Sanitäter bei der Bergwacht und dem Roten Kreuz. Alarmiert durch die gewaltsamen Aktionen der Nazis in München, schloss er sich dem Widerstand an und trat sogar noch nach dem Machtantritt der NSDAP und dem KPD-Verbot in die inzwischen illegalen KPD ein. Als 1934 Sportkameraden aus dem KZ Dachau entlassen wurden und über die Verbrechen dort berichteten, beteiligte er sich an einer Flugblattaktion zur Aufklärung über die Zustände im KZ Dachau.

Verraten durch einen Spitzel wurde Wörl verhaftet und verbrachte 11 Jahre in den Konzentrationslagern Dachau, Flossenbürg, Auschwitz und Mauthausen. Wörl wurde schwer gefoltert und in Dachau neun Monate in Einzel-, davon sieben in Dunkelarrest gehalten. Nichtsdestotrotz behielt er seine Unbeugsamkeit bei und setzte sich als Häftlingspfleger und Mitglied der Häftlingsverwaltung für seine Mitgefangenen ein.

In der Nachkriegszeit wurde Ludwig Wörl zu einem der wichtigsten Zeugen in den Auschwitz-Prozessen. Für seinen Einsatz in Auschwitz, mit dem er unter Lebensgefahr vor allem jüdischen Häftlingen das Leben rettete, ehrte der Staat Israel Wörl als einen der ersten Deutschen 1963 als Gerechten unter den Völkern.

Das Gedächtnisblatt über diesen beeindruckenden und fast vergessenen Gegner der Nazis ist eine Gemeinschaftsarbeit, Verfasserinnen sind Sabine Gerhardus, Isabella Rumpler und Irene Stuiber. Am 3. Juli traf sich Sabine Gerhardus mit Isabella Rumpler, um den Entwurf des Gedächtnisblattes und letzte Änderungen zu besprechen. Dies nahm Ulrich Trebbin zum Anlass, die beiden zu besuchen, um mehr über Ludwig Wörls Geschichte und Isabellas Eindrücke von ihrer Recherche für das Gedächtnisbuch zu erfahren.

Der Beitrag wird auf Bayern 2 in der Sendung „Zeit für Bayern – Menschen und Geschichten aus Bayern“ am 20. Juli um 12:05 Uhr ausgestrahlt, eine Wiederholung gibt es am nächsten Tag um 21:05 Uhr. Danach können Interessierte die Sendung als Podcast nachhören.

Sendung und Podcast
https://www.ardaudiothek.de/sendung/zeit-fuer-bayern/7273948/

Link zum Gedächtnisblatt
Ludwig Wörl

(15.7.24; Sabine Gerhardus/IS)

„Wir waren immer im Austausch“

Bernadetta Czech-Sailer vom Landratsamt Dachau kennt das inzwischen abgeschlossene deutsch-polnische Projekt des Gedächtnisbuchs so gut wie nur wenige. Wir haben sie um ein Interview gebeten.

 

Sie haben das deutsch polnische Erasmus+-Projekt des Gedächtnisbuchs für die Häftlinge des KZ-Dachau von Anfang an begleitet, von der Planung bis zum Abschluss. In welcher Funktion haben Sie das gemacht?

Ich arbeite im Büro des Landrats im Landratsamt Dachau und seit 2016 betreue ich die Landkreispartnerschaft Dachau – Oświęcim/Auschwitz. Anfangs hat sich das Dachauer Forum an mich gewandt mit der Idee, das Gedächtnisbuch internationaler zu gestalten und dass es schön wäre, einen polnischen Partner mit dabei zu haben.

Die Frage war, ob ich einen Projektpartner wüsste. Ich habe dann sofort an die Internationale Jugendbegegnungsstätte in Oświęcim gedacht. Das ist eine Einrichtung, die für mich eine hervorragende Bildungsarbeit leistet. Sie sind sehr engagiert und es passte auch perfekt zum Thema.

Ich habe Kontakt mit meinen Kolleginnen dort aufgenommen und sie waren sofort sehr offen. Es hat mich gefreut, dass mit diesen beiden Einrichtungen so ein tolles Projekt entstanden ist.

Wie ist denn das Projekt für Sie gelaufen?

Ich bin ziemlich begeistert von der Organisation und von dem, was vom Dachauer Forum auf die Beine gestellt worden ist. Auch die Onlinemeetings mit unseren Kolleginnen aus Polen liefen reibungslos, wir wurden über alle Schritte informiert. Da kann man vom Dachauer Forum auf jeden Fall viel lernen!

Ich fand es sehr schön, dass Sabine Gerhardus und Annerose Stanglmayr so offen waren und sich bei der Planung der Programmpunkte sehr eingesetzt haben.

Wir waren immer im Austausch, beide waren sehr aufgeschlossen und haben auch die Kolleginnen von der Internationalen Jugendbegegnungsstätte in Oświęcim miteinbezogen, aber auch auf meine Erfahrung gehört. Das hat mir sehr gut gefallen.

Sind Videokonferenzen für Sie bei diesen internationalen Projekten ein bevorzugtes Arbeitsmittel?

Ich sage immer, das ist das Beste, was wir aus der Pandemiezeit mitgenommen haben. Diese technischen Möglichkeiten, die es vorher auch gab, aber keiner für selbstverständlich gehalten hat, haben sich etabliert. Wenn ich heute im Rahmen unserer Landkreispartnerschaft etwas mit den Kollegen vom Landratsamt Oświęcim zu besprechen habe, dann schreibe ich kurz „Kaffee online?“ und wir sehen uns und besprechen alles. Dies erleichtert viel.

Und so war das auch in diesen zwei Jahren mit den beiden Einrichtungen in Dachau und in Oświęcim. Videokonferenzen sind eine tolle Möglichkeit, sich auszutauschen. Man hat nicht nur den Eindruck, das findet irgendwie anonym im Netz statt, sondern man weiß, ich habe meine Kolleginnen in Polen gesehen, ich habe meine Kolleginnen in Dachau gesehen. Das war menschlich und persönlich. Und das war das Tolle bei diesem Projekt.

Was fanden Sie denn noch besonders an dem deutsch-polnischen Projekt des Gedächtnisbuchs?

Vor allem die Beteiligung von Jugendlichen. Die drei Stellen, die ich schon genannt habe, das Dachauer Forum, die Internationale Jugendbegegnungsstätte in Oświęcim und ich hier in meiner Funktion, wir wissen, was Erinnerungsarbeit ist. Uns muss man nicht erklären, wie wichtig sie für die deutsch-polnische Beziehungen ist.

Wenn sich aber dann tatsächlich Jugendliche für so ein Projekt engagieren, wenn sie recherchieren, wenn sie darüber eine Seminararbeit schreiben und danach die Ergebnisse ihrer Arbeit total souverän öffentlich präsentieren, und wenn sie uns erzählen, was dieses Projekt für sie persönlich bedeutet, da denke ich, ja, da wurde gute Arbeit gemacht.

Es ist oft so, dass die beiden Zielgruppen Jugendliche und Erwachsene in der Bildungsarbeit getrennt adressiert werden. Das war in diesem Projekt anders.

Das stimmt. Da war die tolle Betreuung von Frau Gerhardus und von Frau Bäuml vom Ignaz-Taschner-Gymnasium. Beide haben den Jugendlichen sehr engagiert vermittelt, wie man eine solche Arbeit macht. Aber es ging nicht nur um die Seminararbeit, sondern um die Inhalte und auch um das Menschliche.

Das ist für mich sehr wichtig in diesen deutsch-polnischen Beziehungen. Tatsächlich sind da großartige Arbeiten entstanden und ich glaube, diese Zeit hat für die Jugendlichen, die jetzt Abitur gemacht haben und ihren Weg gehen, eine besondere Bedeutung. Diese Erfahrungen bleiben ihnen.

Eine Studienreise nach Auschwitz, nach Oświęcim, ist ein Erlebnis, das die größte Dimension aufzeigt, die man sich von den furchtbaren nationalsozialistischen Verbrechen vergegenwärtigen kann. Die Teilnahme an dieser Studienreise informierte die Jugendlichen einerseits über das schreckliche Geschehen, aber andererseits haben sie überall in Polen Gastfreundschaft erfahren. Ich glaube tatsächlich, dass diese Zeit sie für immer prägen wird.

Es waren eine ganze Reihe erwachsener Teilnehmerinnen und Teilnehmer bei den Studienreisen dabei, die Bildungsarbeit im Landkreis Dachau oder in Oświęcim leisten. Was denken Sie, hat das deutsch-polnische Projekt hier bewirkt?

Ich denke, es hat für beide Seiten etwas angestoßen. Ich durfte die polnische Delegation hier die ganze Zeit begleiten und das war fantastisch, weil man sieht, dass solche Studienreisen für die Menschen eine besondere Wirkung haben können. Diese Reise hat gezeigt, wow, wir haben gemeinsame Interessen, wir wollen das Gleiche erreichen. Ich weiß, dass in der polnischen Gruppe Projektideen entstanden sind, die ohne diese Reise nicht möglich gewesen wären.

Und das Projekt, woran wir jetzt tatsächlich mit ganzer Leidenschaft und viel Herz arbeiten, ist die Schulpartnerschaft zwischen unseren beiden Gymnasien, also dem Gymnasium in Oświęcim und dem Ignaz-Taschner-Gymnasium hier in Dachau. Das ist so ein Projekt, das ohne diesen deutsch-polnischen Austausch vom Dachauer Forum vielleicht nicht entstanden wäre.

Natürlich, auf kommunaler Ebene arbeiten wir seit Jahren bestens mit unseren Kolleginnen und Kollegen vom Landratsamt Oświęcim zusammen und wir haben tolle Partner dort. Aber es geht mir darum, dass die Menschen auf mich zukommen und sagen, Frau Czech-Sailer, ich möchte ein Projekt mit Oświęcim machen, können Sie mir da helfen. Das war hier tatsächlich der Fall und deswegen ist mir das so wichtig.

Gab es auch Schwierigkeiten im Lauf des Projekts?

Von Schwierigkeiten ist mir nichts bekannt. Ich weiß natürlich, dass sich die Kollegin von der Internationalen Jugendbegegnungsstätte in Oświęcim verabschiedet hat und nach Deutschland umgezogen ist. Längere Zeit hatten wir keine „richtige“ Ansprechpartnerin auf der polnischen Seite, aber trotzdem hat die IJBS alles nur Mögliche getan, damit es reibungslos weiterläuft. Und tatsächlich haben sie das geschafft.

Und mit der neuen Kollegin, Frau Piotrowska, die auch hier war, hatten wir dann die denkbar beste Ansprechpartnerin, die mit neuen Ideen dazugekommen ist. Das war sehr schön, weil sich dieses Projekt durch die Menschen entwickelt hat, die daran teilgenommen haben. Jeder von uns hatte andere Vorstellungen, andere Erfahrungen und dieser Austausch hat dieses einzigartige Projekt begleitet.

Die im Projekt entstandene Ausstellung „Namen statt Nummern – Menschen in Auschwitz und Dachau“ ist ja zurzeit in Polen unterwegs und es soll eine Veranstaltung im „Zentrum für Dialog und Gebet“ in Oświęcim geben. Gibt es neben der hoffentlich realisierbaren Schulpartnerschaft und diesen Aktivitäten rund um die Ausstellung noch weitere Planungen oder Ideen?

Zu der Veranstaltung, die Sie angesprochen haben, ist es ja gekommen, weil die stellvertretende Leiterin des „Zentrums für Dialog und Gebet“ auch mit dieser Delegation aus Oświęcim hierhergekommen ist. Sie war begeistert davon, was die Jugendlichen hier auf die Beine gestellt haben. Sie hat sich die neuen Banner dieser Ausstellung im Ignaz-Taschner-Gymnasium angesehen. Aber sie hat auch von der Geschichte des Gedächtnisbuchprojekts gehört, vergessen wir nicht, das Gedächtnisbuch gibt es seit 25 Jahren, das ist unglaublich.

Dann hat sie den Kontakt aufgenommen und sagte, vielleicht sei es möglich, mit dem Dachauer Forum und dem Gedächtnisbuch weiterzuarbeiten. Sie fragte auch, ob Frau Gerhardus bereit wäre, eine Schulung zu geben, wie man so etwas auf die Beine stellt.

Man kann sich nichts mehr wünschen als einen solch positiven Projektabschluss. Ich bin mir sicher, das war nicht die letzte Zusammenarbeit zwischen dem Dachauer Forum und den Bildungseinrichtungen in Oświęcim, beide leisten tolle Arbeit.

Mit Sicherheit wird sich der deutsch-polnische Austausch auch nach seinem offiziellen Abschluss ausweiten.

Gibt es etwas, was Sie uns noch sagen wollen?

Ja. Dass ich mich auf weitere Vorhaben sehr, sehr freue. Egal ob es mit dem Dachauer Forum ist oder mit anderen Vereinen in Dachau. Wir sind immer offen und  hoffen tatsächlich, dass dieses Zusammenbringen von Menschen in unseren beiden Landkreisen stattfindet und weiter stattfinden wird.

Das ist eigentlich mein Ziel und mein größter Wunsch, dass die Menschen sich kennenlernen – auf Augenhöhe. Und dass sie verstehen, dass wir gleich sind, mit denselben Problemen, mit denselben Wünschen. Nur wenn man offen ist, kann man Vorurteile abbauen, und man hat keine Angst vor dem Fremden oder Nicht-Bekannten. Das ist das Wichtigste in diesen internationalen Projekten.

Mehr zum deutsch-polnischen Projekt auf dieser Website
https://www.gedaechtnisbuch.org/deutsch-polnisches-projekt/

(12.7.24. Interview und Foto Irene Stuiber)

 

Bericht über die Tagung des Arbeitskreises Kirchliche Gedenkstättenarbeit

Vom 17. bis 19. Juni 2024 fand auf Einladung der Evangelischen Versöhnungskirche in Dachau die Tagung des bundesweiten ökumenischen Arbeitskreises Kirchliche Gedenkstättenarbeit statt. Sabine Gerhardus nahm teil. Hier hier Bericht.

Latifa Tanja Mancinelli sprach über Noor-un-Nisa Inayat Khan

Themenschwerpunkt der Tagung war die religiöse Praxis im Konzentrationslager und Angebote von Religionsgemeinschaften an Gedenkorten für NS-Opfer. Zum Beispiel sprach  Katja Happe über die Rolle der Religion bei der besonderen Versöhnungsgeschichte zwischen Ladelund (D) und Putten (NL). Guido Hassel, Mitglied der Lagergemeinschaft Dachau und ehemals auch im Trägerkreis Gedächtnisbuch, berichtete über die religiöse Praxis der Jehovas Zeugen im KZ Dachau und über deren Erinnerungsarbeit in Dachau.  Sr. M. Elinor Grimm, Mitverfasserin des Gedächtnisblatts über Joseph Kentenich, erzählte über die religiöse Praxis der katholischen Schönstatt-Bewegung in KZ und Gedenkstätte. Latifa Tanja Mancinelli stellte die 1944 im KZ Dachau ermordete Widerstandskämpferin Noor-un-Nisa Inayat Khan vor, die dem Inayati-Sufi-Orden angehörte, und berichtete über die religiöse Praxis dieser Glaubensgemeinschaft.

Beim Essen und zwischen den Vorträgen gab es reichlich Gelegenheit zum Gedankenaustausch und zur Vernetzung. Ich bedanke mich für die Einladung zur Tagung und für die Möglichkeit, in diesem Rahmen auch die Arbeit des Gedächtnisbuch-Projekts etwas bekannter zu machen.

(4.7.2024; Sabine Gerhardus/IS)

ASF-Seminar in Oświęcim/Auschwitz

Aktion Sühnezeichen Friedensdienste lädt seine in Deutschland tätigen Freiwilligen immer wieder zu mehrtätigen Seminaren ein. Marine Charbonneau war Anfang Juni auf einem Seminar in der Internationalen Jugendbegegnungsstätte Auschwitz/Oświęcim. Dort traf sie die neue Ausstellung des Gedächtnisbuchs wieder. Sie berichtet für uns darüber auf Deutsch und Französisch.

In der IJBS: Marine Charbonneau und Judith Hoehne-Krawczyk

Am 2. Juni reiste ich mit der ASF-Freiwilligengruppe nach Polen, genauer gesagt nach Auschwitz. Wir wurden im IJBS-Zentrum von Judith Hoehne-Krawczyk, der Leiterin unserer Gruppe für unsere Seminarwoche, herzlich willkommen geheißen. Das Zentrum beherbergt derzeit die Ausstellung „Namen statt Nummern – KZ-Häftlinge in Auschwitz und Dachau““ in der großen Halle. Ich war begeistert, diese Ausstellung hier zu sehen und sie endlich auch allen anderen ASF-Freiwilligen zeigen zu können, wodurch den Biografien und dem von Sabine Gerhardus geleiteten Gedächtnisbuch-Projekt eine neue Sichtbarkeit verliehen wurde. Meine Kameradinnen und Kameraden hatten während der vier Tage die Freiheit, die ausgestellten Biografien zu entdecken und zu lesen.

Am 3. Juni erkundeten wir das Stadtzentrum von Auschwitz in Begleitung von Philip, einem ASF-Freiwilligen in Auschwitz. Seine Führung war sehr interessant und gab uns einen Einblick in die Geschichte der Stadt seit dem Mittelalter. Eine perfekte Einführung, um uns mit dem Ort bekannt zu machen. Anschließend besuchten wir das jüdische Zentrum, bestehend aus dem Museum und der Synagoge, der einzigen verbliebenen in Auschwitz, um unser Wissen über die jüdischen Praktiken zu vertiefen. Der Vormittag endete mit einem Besuch des Sinti- und Roma-Zentrums, wo wir uns darauf konzentrierten, mehr über diese Minderheit zu erfahren. Am Nachmittag brachte uns Judith mit einem Fotoworkshop andere Aspekte Polens näher, was einen dynamischen und interaktiven Austausch über die Fotos ermöglichte.

In den folgenden Tagen besuchten wir drei Mal die Gedenkstätten Auschwitz I und II, wo wir unsere Begleiterin Ilona trafen. Für einige Freiwillige war dies der erste Besuch einer Gedenkstätte, eine informationsreiche Erfahrung, die viele Gedanken über die Ereignisse der Vergangenheit auslöste. Am Abend gab es von Anne Katrin Scheffbuch (ASF-Leiterin) und Judith moderierte Diskussionen, in denen wir unsere Eindrücke austauschten: Was haben wir von dem Rundgang mitgenommen? Was hat uns überrascht oder irritiert? Welche Fragen haben wir noch? Die Atmosphäre des Austauschs war sehr offen, und dieser Besuch hat sich allen intensiv eingeprägt.

Wir hatten auch die Gelegenheit, zur Gedenkstätte zurückzukehren, um die nationalen Ausstellungen individuell zu besuchen. Ich ging in Block 21, wo ich die französische Ausstellung von 2005 kennenlernte. Ich war angenehm überrascht von der Ausgewogenheit dieser Ausstellung, die sowohl Wissen über den französischen Widerstand als auch über das Vichy-Regime vermittelte. Auch die Inszenierung mit ihrem Spiel aus Licht und Schatten war beeindruckend.

An unserem letzten Tag in der Gedenkstätte hatten wir schließlich das Glück, einen privaten Rundgang durch die Kunstausstellung der Gedenkstätte zu bekommen. Der leidenschaftliche Rundgangsleiter stellte uns verschiedene Kunstwerke vor, darunter heimlich von Häftlingen gemalte Bilder, Bilder, die unter Zwang von den Nazis angefertigt wurden, und solche, die direkt von Überlebenden stammten. Diese Ausstellung, die nur in Gruppen und nach vorheriger Anmeldung zugänglich ist, war besonders interessant.

Jeden Abend organisierte Judith einen Filmabend zum Thema Auschwitz. Besonders beeindruckt war ich von der Dokumentation „Why we work at Auschwitz“, in der mehrere Rundgangsleiter der Gedenkstätte zu Wort kamen. Eine bedeutungsvolle, sehr inspirierende und bewegende Dokumentation, die die persönlichen Gründe der Rundgangsleiter enthüllte.

Um uns von der Gedenkstätte zu verabschieden, organisierten wir eine Gedenkzeremonie an der „Judenrampe“, jeder auf seine eigene Art und Weise. Wir konnten auf unsere Weise gedenken, und ich legte eine Kerze zum Gedenken an alle Opfer von Auschwitz nieder.

Wir beendeten unser Seminar mit einem Besuch in Krakau, einer lebendigen Kulturstadt mit ausgezeichneten kulinarischen Spezialitäten. Eine angenehme Art, dieses ASF-Seminar abzuschließen, war ein Treffen mit den drei ASF-Freiwilligen aus Krakau bei einem Essen in einem Restaurant.

Dieses Seminar wird mir in Erinnerung bleiben und hat mir viel gegeben. Es hat all der Arbeit, die ich in diesem Jahr sowohl im Gedächtnisbuch als auch in der Versöhnungskirche leiste, noch mehr Sinn verliehen.

Version française

Le 2 juin, je me suis rendue en Pologne, plus précisément à Auschwitz, avec le groupe de volontaires ASF. Nous avons été chaleureusement accueillis au centre IJBS par Judith Hoehne-Krawczyk, responsable de notre groupe pour notre semaine de séminaire. Le centre accueille actuellement l’exposition « Namen Statt Nummern » dans le grand hall. J’étais ravie de voir cette exposition ici et de pouvoir enfin la montrer à tous mes camarades volontaires ASF, offrant ainsi une nouvelle visibilité aux biographies et au projet porté par Sabine Gerhardus. Mes camarades ont eu la liberté, pendant les quatre jours, de découvrir et lire les biographies exposées.

Le 3 juin, nous avons exploré le centre-ville d’Auschwitz en compagnie de Philip, un volontaire ASF à Auschwitz. Sa visite était très intéressante et nous a permis de mieux connaître l’histoire de la ville depuis le Moyen Âge. Une introduction parfaite pour nous familiariser avec l’endroit. Nous avons ensuite visité le centre juif, comprenant le musée et la synagogue, la seule restante à Auschwitz, pour approfondir nos connaissances sur les pratiques juives. La matinée s’est terminée par une visite au centre Sinti et Roma, où nous nous sommes concentrés sur la découverte de cette minorité. L’après-midi, Judith nous a fait découvrir d’autres aspects de la Pologne à travers un atelier de photographie, permettant des échanges dynamiques et interactifs autour des photos.

Les jours suivants, nous nous sommes rendus à trois reprises aux mémoriaux d’Auschwitz I et II, où nous avons rencontré notre guide Ilona. Pour certains volontaires, c’était la première visite au mémorial, une expérience riche en informations qui a suscité beaucoup de réflexions sur les événements du passé. Le soir, des discussions animées par Anne Katrin Scheffbuch  (directrice ASF) et Judith ont été organisées pour échanger nos impressions : qu’avons-nous retenu de la visite guidée ? Qu’est-ce qui nous a surpris ou irrité ? Quelles questions avons-nous encore ? L’atmosphère d’échange était très ouverte, et cette visite a marqué tous les esprits de manière intense.

Nous avons également eu l’opportunité de retourner au mémorial pour visiter individuellement les expositions nationales. Je suis allée au bloc 21, où j’ai découvert l’exposition française de 2005. J’ai été agréablement surprise par l’équilibre de cette exposition, qui offrait à la fois des connaissances sur la résistance française ainsi que sur le régime de Vichy. La mise en scène, avec son jeu d’ombres et de lumières, était également impressionnante.

Enfin, lors de notre dernier jour au mémorial, nous avons eu la chance d’avoir une visite privée de l’exposition d’art du mémorial. Le guide passionné nous a présenté différentes œuvres, dont des tableaux peints clandestinement par des prisonniers, d’autres réalisés sous contrainte par les nazis, et d’autres qui étaient directement des œuvres de survivants. Cette exposition, accessible uniquement en groupe et sur réservation, était particulièrement intéressante.

Chaque soir, Judith organisait une soirée film sur Auschwitz. J’ai été particulièrement marquée par le documentaire « Why we work at Auschwitz », où plusieurs guides du mémorial s’expriment. Un documentaire plein de sens, très inspirant et émouvant, révélant les raisons personnelles des guides.

Pour dire au revoir au mémorial, nous avons organisé une commémoration à la « Judenrampe », chacun de manière individuelle. Nous avons pu nous recueillir à notre façon, et j’ai déposé une bougie en hommage à toutes les victimes d’Auschwitz.

Nous avons terminé notre séminaire en visitant Cracovie, une ville culturelle et animée, avec d’excellentes spécialités culinaires. Un moyen agréable de clôturer ce séminaire ASF avec une  rencontre avec les trois volontaires ASF de Cracovie autour d’un repas au restaurant.

Ce séminaire restera gravé dans ma mémoire et m’a beaucoup apporté. Il a donné encore plus de sens à tout le travail que je réalise cette année, tant au Livre de la Mémoire qu’à l’église de la Réconciliation.

(23.6.2024; Marine Charbonneau)

Angehörige fordern mehr staatliche Unterstützung der Nachkommen NS-Verfolgter

Thomas Nowotny, Mitveranstalter und Gedächtnisbuchautor, berichtet über das Symposium „Erinnern heute – Zeugnis der Nachkommen“, das vom 5. bis 6. Juni 2024 in Dachau stattfand.

Die Regionalgruppe Süd der Nachkommen NS-Verfolgter, der ich angehöre, veranstaltete am 5. und 6. Juni 2024 in Dachau das Symposium „Erinnern heute – Zeugnis der Nachkommen“ mit ca. 80 Teilnehmenden. Die Veranstaltung wurde unterstützt von der Stiftung Bayerische Gedenkstätten und von der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschisten.

Zum Auftakt sahen wir den Film „Viktors Kopf – eine Spurensuche“ über den Urgroßvater der Regisseurin Carmen Eckhardt, der als Opfer der NS-Justiz in München-Stadelheim enthauptet wurde. Das anschließende Filmgespräch thematisierte die Hindernisse, die Angehörige bei der Spurensuche innerhalb der Familie, besonders aber auch von Behörden und Institutionen erleben müssen.

In einem Podiumsgespräch, moderiert von Sibylle von Tiedemann, gaben vier Angehörige der 2. Generation einen sehr persönlichen Einblick, was die Traumatisierung ihrer aus unterschiedlichen Gründen verfolgten Eltern und das Aufwachsen als Außenseiter in der Mehrheitsgesellschaft für sie bedeutete. In einer zweiten Runde berichteten sie über ihre politischen, publizistischen und künstlerischen Aktivitäten.

Es folgten Vorträge, die fast ausschließlich Nachkommen NS-Verfolgter hielten. So berichtete die Historikerin Edith Raim über Kontinuitäten in der Justiz der Nachkriegsgesellschaft, die Publizistin und Journalistin Nora Hespers über persönliche Aufarbeitung und mediale Vermittlung in den Folgegenerationen. Der Psychotherapeut  Helmut Wetzel fragte: „Wann ist Geschichte vorbei?“ und sprach über Vermächtnisse und brisante Gefühlserbschaften. Sein positives Fazit: „Die Zeitzeugen werden immer weniger, wir Nachkommen aber immer mehr! Mit jeder Generation…“.

Die Nachkommen mischen sich ein in die aktuelle gesellschaftspolitische Debatte über die „Zukunft der Erinnerung“ und positionieren sich klar gegen jede Relativierung des Naziterrors. Sie fordern von den zuständigen Stellen Unterstützung für ihre Recherche- und Biographiearbeit und die Ausrichtung eines jährlichen Treffens nur für Angehörige. Von den bayerischen Justizbehörden fordern sie eine zentrale Stelle für die Angehörigen der von der NS-Justiz Verfolgten, die der Forschung und der Betreuung der Nachkommen aus vielen europäischen Ländern dienen soll.

(13.6.2024; Thomas Nowotny)

Internationaler Workshop zu emigrierten Rabbinern in Fürth

Sabine Gerhardus verfolgte die Tagung „Deutsche emigrierte Rabbiner nach 1933 und ihr kulturelles Erbe in global-vergleichender Perspekte“ als Teilnehmerin und als Referentin. Hier ihr Bericht auf Deutsch und darunter in der englischen Übersetzung.

Organisatorin Cornelia Wilhelm (LMU München, ganz rechts) mit Referent*innen

English version at the bottom of the page

Die Abteilung für Jüdische Geschichte und Kultur der LMU München organisierte vom 20. bis 22. Mai 2024 im Jüdischen Museum Franken eine internationale Konferenz zur Migrationsgeschichte deutscher Rabbiner nach 1933. Unter Federführung von Cornelia Wilhelm trugen Wissenschaftler aus Deutschland, USA, Israel und Österreich ihre Forschungsergebnisse vor. Dabei beleuchteten sie u.a. den Exodus des Rabbinats aus Deutschland, die schwierigen Anfänge in der Emigration, die Entstehung neuer Gemeinden und die Handlungsmacht der emigrierten Rabbiner in der Öffentlichkeit. Eine wichtige Rolle spielte auch der Vergleich der rabbinischen Schulen sowie der Einfluss des deutsch-jüdischen Erbes auf die theologische und philosophische Ausrichtung des Rabbinats in den jeweiligen Emigrationsländern. Ein weiterer Schwerpunkt der Konferenz lag auf Rekonstruktion, Auswertung und Archivierung des deutsch-jüdischen Erbes nach dem Holocaust.

Wir, Sabine Gerhardus und Marine Charbonneau, freuen uns, dass wir die Gelegenheit hatten, an dieser interessanten Konferenz teilzunehmen. Wir haben einen spannenden Einblick in die vielfältige jüdische Geistesgeschichte, insbesondere in Entwicklungen nach der Emigration bekommen. Besonders schön fand ich, dass es neben den Vorträgen auch immer Gelegenheit zum informellen Austausch gab, der von allen rege genutzt wurde.

Liliana Feierstein (Humboldt Universität, Berlin) berichtete über deutschsprachige Rabbiner im lateinamerikanischen Exil und ihren Einfluss auf den interreligiösen Dialog. Cornelia Wilhelm (LMU München und Initiatorin der Konferenz) sprach über die unerwartete späte Wirkungsmacht geflüchteter deutscher Rabbiner in den USA nach 1933, die sich nicht nur in beeindruckenden Karrieren in neugegründeten jüdischen Gemeinden zeigte, sondern unter anderem auch in der Qualität der Kontakte, die sich nach und nach zu den alten Wirkungsstätten in der Bundesrepublik entwickelten.

Ich durfte die Biographiearbeit der beiden Projekte Erinnern (BLLV) und Gedächtnisbuch Dachau und die Biographie von Erwin Schild vorstellen. Erwin Schild war vor seiner Haft im Konzentrationslager Dachau Student an der Israelitischen Lehrerbildungsanstalt Würzburg. Er setzte seine Studien in Großbritannien und in Kanada fort, studierte auch im kanadischen Internierungslager, bevor er 1947 zum Rabbiner ordiniert wurde und über 40 Jahre Rabbiner der Adath Israel Gemeinde in Toronto war. Raphael Thurm (Bar-Ilan University, Tel Aviv) wurde online zugeschaltet und berichtete über die von Joseph Breuer gegründete neo-orthodoxe Gemeinde Khal Adath Yeshurun (Breuer-Gemeinde) in Washington Heights.

Astrid Zajdband (Embry Riddle University, Daytona/Florida) berichtete von ihren Forschungen über deutsche Rabbiner im Exil in Großbritannien. Kimmy Caplan (Bar-Ilan University, Tel-Aviv) schilderte Versuche der Delegitimierung des Erbes orthodoxer Emigranten in Palästina bzw. Israel von ultra-orthodoxer Seite. Christian Kraft (Tübingen) hat über zwei aus der deutsch-orthodoxen Tradition hervorgegangenen Gemeinden im Jerusalemer Stadtteil Rechavia geforscht. Die kleine Gemeinde „Binjan Zion“ wurde von dem ehemaligen Mannheimer Stadtrabbiner Isak Unna gegründet. Die Gemeinde „Chorev“ folgte der neo-orthodoxen Tradition nach dem Frankfurter Rabbiner Samson Raphael Hirsch (1808-1888).

Dieter J. Hecht (Institut für Kulturwissenschaften und Theatergeschichte an der österreichischen Akademie der Wissenschaften, Wien) sprach über die schwierige Suche der österreichischen Rabbiner nach neuen Gemeinden in Palästina und ihre teils berufliche Neuorientierung nach der Emigration.

Wie man von den historischen Quellen zu einer digitalen Forschungsdatenbank kommen kann, zeigte Tabea Henn (LMU, München) anschaulich anhand eines digitalen Stammbaums und einer interaktiven Karte zur Emigrationsgeschichte der deutschstämmigen Rabbiner in den USA. Jeffrey Edelstein (JDC-Archives, New York) stellte digitalisierte Bestände des New Yorker Archivs des American Jewish Joint Distribution Committees vor, die für die Forschung über emigrierte Rabbiner bedeutsam sein können. Isaac Hershkovitz (Bar-Ilan University, Tel Aviv) warf angesichts der Ermordung vieler deutscher Rabbiner die Frage nach der Bewahrung ihres kulturellen Erbes auf.

Die Konferenz bot eine willkommene Gelegenheit zur Vernetzung und zum Gedankenaustausch von Forschern unterschiedlicher internationaler Einrichtungen. Die Grundlagen für weitere Zusammenarbeit und Vernetzung sind gelegt. Wir möchten uns bei Cornelia Wilhelm und beim BLLV für die Möglichkeit bedanken, an der Konferenz teilzunehmen. Bei allen Referenten bedanken wir uns für die anregenden Beiträge und für das Interesse an der Biographiearbeit des Gedächtnisbuchs und des Projekts Erinnern.

Links
Bericht Marine Charbonneau hier im Blog
Gedächtnisblatt Erwin Schild

Englisch Text Version

International workshop on emigrated rabbis in Fürth

From 20 to 22 May 2024, the Department of Jewish History and Culture at LMU Munich organized an international conference on the migration history of German rabbis after 1933 at the Jewish Museum Franconia. Under the leadership of Cornelia Wilhelm, scientists from Germany, the USA, Israel and Austria presented their research findings. Among other things, they shed light on the exodus of the rabbinate from Germany, the difficult beginnings in emigration, the emergence of new communities and the power of the emigrated rabbis in the public sphere. The comparison of rabbinical schools and the influence of the German-Jewish heritage on the theological and philosophical orientation of the rabbinate in the respective countries of emigration also played an important role. The conference also focused on the reconstruction, evaluation and archiving of the German-Jewish heritage after the Holocaust.

We, Sabine Gerhardus and Marine Charbonneau, are delighted to have had the opportunity to take part in this interesting conference. We gained an exciting insight into the diverse Jewish intellectual history, especially in developments after the emigration. I was particularly pleased that, in addition to the lectures, there was always the opportunity for informal dialogue, which was actively used by everyone.

Liliana Feierstein (Humboldt University, Berlin) reported on German-speaking rabbis in Latin American exile and their influence on interreligious dialogue. Cornelia Wilhelm (LMU Munich and initiator of the conference) spoke about the unexpected late impact of German rabbis who had fled to the USA after 1933, which was reflected not only in impressive careers in newly founded Jewish communities, but also in the quality of the contacts that gradually developed with the old places of activity in the Federal Republic of Germany.

I was able to present the biography work of two projects: the Remembrance Project on Jewish teachers of the Bavarian Teachers´ Association (BLLV) and the Remembrance Book for the Prisoners of Dachau Concentration Camp and the biography of Erwin Schild. Before his imprisonment in the Dachau concentration camp, Erwin Schild was a student at the Jewish Teachers´ Seminary (ILBA) in Würzburg. He continued his studies in Great Britain and Canada and also studied in a Canadian internment camp before being ordained as a rabbi in 1947. Erwin Schild served as rabbi of the Adath Israel congregation in Toronto for over 40 years.

Raphael Thurm (Bar-Ilan University, Tel Aviv) was connected online and reported on the neo-orthodox community Khal Adath Yeshurun (Breuer Community) in Washington Heights, which was founded by Joseph Breuer. Astrid Zajdband (Embry Riddle University, Daytona/Florida) reported on her research on German rabbis in British exile. Kimmy Caplan (Bar-Ilan University, Tel-Aviv) described attempts by the ultra-Orthodox to delegitimize the legacy of Orthodox emigrants in Palestine and Israel. Christian Kraft (Tübingen) researched two communities in the Jerusalem neighborhood of Rechavia that emerged from the German Orthodox tradition. The small congregation „Binjan Zion“ was founded by the former Mannheim city rabbi Isak Unna. The „Chorev community“ followed the neo-orthodox tradition of the Frankfurt rabbi Samson Raphael Hirsch (1808-1888).

Dieter J. Hecht (Institute for Cultural Studies and Theatre History at the Austrian Academy of Sciences, Vienna) spoke about the difficult search of Austrian rabbis for new communities in Palestine and their partly professional reorientation after emigration.

Tabea Henn (LMU, Munich) illustrated how to go from historical sources to a digital research database using a digital family tree and an interactive map on the emigration history of rabbis of German descent in the USA. Jeffrey Edelstein (JDC Archives, New York) presented digitized holdings from the New York archives of the American Jewish Joint Distribution Committee, which could be significant for research on emigrated rabbis. Isaac Hershkovitz (Bar-Ilan University, Tel Aviv) raised the question of preserving their cultural heritage in view of the murder of many German rabbis.

The conference provided a welcome opportunity for networking and an exchange of ideas between researchers from different international institutions. The foundations for further co-operation and networking have been laid. We would like to thank Cornelia Wilhelm and the BLLV for the opportunity to take part in the conference. We would also like to thank all the speakers for their inspiring contributions and for their interest in the biographical work of the Remembrance Book Project and the Remembrance Project.

Group photo: organizer Cornelia Wilhelm (LMU Munich, far right) with speakers

(10.6.2024; Sabine Gerhardus)

Camerloher-Gymnasium zeigte Gedächtnisbuchausstellung

Im Mai war die Ausstellung des Gedächtnisbuchs „Namen statt Nummern“ im Camerloher-Gymnasium in Freising zu sehen. Zwei Wochen lang konnten sich Schulangehörige und andere Interessierte informieren.

Organisiert hatte die Präsentation der Ausstellung Andreas Decker, Lehrer am Camerloher Gymnasium. Auch Freisinger Bürger konnten die Ausstellung im Camerloher besichtigen.

Andreas Decker erläutert, wie die Ausstellung in das Schulleben eingebunden war: „Am 6. Mai besuchten die 9. Klassen und die Einführungsklasse 11a des Camerloher-Gymnasiums die KZ-Gedenkstätte Dachau. Als Ergänzung zeigten wir in den zwei Wochen darauf die Ausstellung „Namen statt Nummern“ mit ausgewählten Häftlingsbiografien in unserer Aula, so dass die ganze Schulfamilie sich informieren konnte.“

Wir freuen uns über jeden, der die Wanderausstellung des Gedächtnisbuchs an seiner Schule oder in einem anderen Rahmen zeigen möchte. Anfragen bitte an info@gedaechtnisbuch.org.

Weitere Informationen zur Ausstellung:
https://www.gedaechtnisbuch.org/internationale-wanderausstellung/themen-und-inhalte/

(6.6.2024; IS)

Ankündigung: Symposium „Erinnern heute – Zeugnis der Nachkommen“

Vom 5. bis zum 6. Juni 2024 findet im Max Mannheimer Haus in Dachau das Symposium „Erinnern heute – Zeugnis der Nachkommen“ statt. Der Untertitel der Veranstaltung lautet: „Rolle und Aufgabe der Nachkommen von NS-Verfolgten in der aktuellen gesellschaftspolitischen Debatte über die »Zukunft der Erinnerung«“.

Auf die Tagungsteilnehmer wartet ein vielfältiges Programm mit dem Film von Carmen Eckhardt „Viktors Kopf – eine Spurensuche“ und Referaten, einer Podiumsdiskussion sowie einer Gesprächsrunde. Es sprechen, moderieren und diskutieren unter anderem Heidi Delbeck, Thorsten Fehlberg, Sibylle von Tiedemann und Helmut Wetzel.

Das vollständige Programm und die Möglichkeit zur Anmeldung findet sich hier im Tagungsflyer:
Erinnern heute – Zeugnis der Nachkommen (PDF, 3 MB)

Veranstaltet wird das Symposium von der VVN-BdA Bayern e.V. im Auftrag der Nachkommen NS-Verfolgter Regionalgruppe Süd in Kooperation mit der Stiftung Bayerische Gedenkstätten. Zum Veranstaltungsteam gehört Tom Nowotny, der bereits mehrere Gedächtnisblätter verfasst hat.

(30.5.2024; IS)

 

Tagung „Deutsche emigrierte Rabbiner“: ein persönlicher Blick

Marine Charbonneau, ASF-Freiwillige im Gedächtnisbuch, war als Teilnehmerin auf der Tagung „Deutsche emigrierte Rabbiner nach 1933 und ihr kulturelles Erbe in global-vergleichender Perspektive“. Hier ihre Eindrücke von der Tagung auf Deutsch und Französisch.

Zufälliges Zusammentreffen: Die aktuelle und zwei ehemalige ASF-Freiwillige auf der Tagung, v.l.n.r. Marine Charbonneau, Christian Kraft, Sabine Gerhardus

Vom 20.-22 Mai 2024 veranstaltete das Jüdische Museum Franken, Cornelia Wilhelm vom Historischen Seminar der LMU München/Abt. Jüdische Geschichte und Kultur und die Hanns-Seidel-Stiftung die Tagung „Deutsche emigrierte Rabbiner nach 1933 und ihr kulturelles Erbe in global-vergleichender Perspektive“. Sabine Gerhardus sprang als Referentin ein, Marine Charbonneau hatte Gelegenheit, am Seminar teilzunehmen. Ein ausführlicher Tagungsbericht folgt.

Zunächst einmal Marines Blick auf die Tagung auf Deutsch und, weiter unten, auf Französisch:

Auch ich hatte das Glück, mit Unterstützung des BLLV an der Konferenz teilnehmen zu können. 

Bereits am ersten Abend konnten wir die verschiedenen Teilnehmer und Akteure des Seminars bei einem gemütlichen Essen kennenlernen, das vom Jüdischen Museum Franken in Fürth organisiert wurde. 

Der Dienstagnachmittag war etwas freier und ich nutzte die Gelegenheit, das Museum zu besichtigen. Ich konnte mein Wissen über die jüdische Kultur, die Bräuche sowie die religiösen Rituale in Franken vertiefen. Die reichhaltige Ausstellung versammelt verschiedene Gegenstände aus dem Alltag jüdischer Familien vom Mittelalter bis heute. Auch das Gebäude ist beeindruckend und befand sich vom 17. bis zum Ende des 19. Jahrhunderts im Besitz jüdischer Familien. 

Die beiden Konferenztage waren reich an verschiedenen Workshops, in denen jeder Redner mit Leidenschaft über sein Thema sprach. Einige waren sogar extra aus den USA und Israel angereist. Sabine Gerhardus konnte das Projekt „Gedächtnisbuch“ vorstellen, das auf großes Interesse stieß. Dies war eine weitere gute Gelegenheit, die Sichtbarkeit des Projekts zu erweitern. 

Besonders beeindruckt war ich von der Präsentation von Tabea Henn (LMU München), in der sie uns neue Technologien näher brachte, insbesondere mit einem interaktiven Stammbaum und einer sehr dynamischen Zeitkarte, die die Reisen deutscher Rabbiner in die ganze Welt zeigte. 

Es war eine großartige Gelegenheit, mein Wissen zu erweitern, neue Leute kennenzulernen und mit ihnen zu diskutieren, die alle gleichermaßen interessant waren. Ich bin sehr froh, dass ich neben Sabine als Teilnehmerin an der Konferenz teilnehmen konnte.

Version française

J’ai eu également la chance de participer à la conférence avec le soutien de la BLLV. 

Dès le premier soir, nous avons pu faire connaissance avec les différents participants et acteurs du séminaire autour d’un repas convivial organisé par le Musée Juif Franken de Fürth. 

Le mardi après-midi était un peu plus libre, et j’en ai profité pour visiter le musée. J’ai pu approfondir mes connaissances sur la culture, les coutumes ainsi que les rituels religieux juifs en Franconie. L’exposition, très riche, rassemble divers objets du quotidien des familles juives, de la période du Moyen Âge à nos jours. Le bâtiment est également impressionnant et a appartenu à des familles juives du XVIIe siècle jusqu’à la fin du XIXe siècle. 

Les deux jours de conférence étaient riches en ateliers divers où chaque intervenant s’est exprimé avec passion sur son sujet. Certains sont même venus des USA et d’Israël exprès. Sabine a également pu présenter le projet du Livre de la Mémoire, qui a suscité un vif intérêt. Encore une belle occasion d’élargir la visibilité du projet. 

J’ai particulièrement été impressionnée par la présentation de Tabea Henn (LMU München), où elle nous a fait découvrir de nouvelles technologies, notamment avec un arbre généalogique interactif et une carte chronologique très dynamique qui montrait les voyages des rabbins allemands dans le monde entier. 

Ce fut une belle opportunité d’élargir mes connaissances, de rencontrer de nouvelles personnes et de discuter avec elles, toutes aussi intéressantes les unes que les autres. Je suis ravie d’avoir pu assister à la conférence en tant que participante aux côtés de Sabine.

(29.5.2024; Marine Charbonneau/IS)