Jahrespräsentation vom 22. März 2026 – Teil 3
Einen Blick auf weitere vier Präsentationen wirft dieser letzte Blogpost zur diesjährigen Jahrespräsentation des Gedächtnisbuchs.
Die Schülerin Eva Sommer stellte die Lebensgeschichte der Lehrerin Irma Reh vor. Diese Biographie entstand Rahmen des BLLV-Projekts Erinnern ebenfalls im Seminar am Münchner Theodolinden-Gymnasium. Beim Projekt Erinnern handelt es sich um ein Schwesterprojekt des Gedächtnisbuchs, das sich verfolgten Lehrerinnen und Lehrern widmet.
Irma Reh: ein hartes Leben in der Emigration
Nichts deutete bis in die 30er Jahre darauf hin, dass Irma Reh vorhatte, Deutschland zu verlassen. Sie war in München aufgewachsen, studierte in München und arbeitete schließlich als Lehrerin an einer katholischen Mädchenschule in Neuburg an der Donau. Am 1. März 1933 wird ihr dort gekündigt, weil sie Jüdin ist. „Einige Wochen nach der Reichspogromnacht wird der 42jährigen klar: Sie hat keine sichere Zukunft mehr in Deutschland.“, erläuterte die Referentin.
Irma Reh gelingt es nach Nordirland zu fliehen, 1949 reist sie zu ihren Schwestern nach Israel. Ihr Leben in der Emigration war schwer. Eva Sommer fasste dies so zusammen: „Am 24.9.1976 endet Irma Rehs Leben nach 79 Jahren. Damit ein Leben voller Träume, Hoffnung und dem Wunsch, Menschen Wissen zu vermitteln. Durch den Nationalsozialismus war es ein Leben voller schwerer körperlicher Arbeit, Angst und Verfolgung.“
Max Moritz Klar: engagiertes Mitglied der Münchner Stadtgesellschaft
Der promovierte Arzt hatte seit 1906 eine Praxis in der Münchner Luisenstraße. Nach dem Ersten Weltkrieg wurde er Mitglied der Deutschen Friedensgesellschaft – Vereinigte Kriegsdienstgegner. Jakob von Borries berichtete: „Neben seiner Arbeit und seinem Engagement in der Deutschen Friedensgesellschaft war Klar von 1920 bis 1933 Fördermitglied beim FC Bayern. Politisch stand er wohl der SPD nahe.“
Sylvia Klar, die Ehefrau von Max Klar, unterstützte Wilhelm Hoegner 1933 bei seiner Flucht aus Deutschland. Max Moritz Klar war zu diesem Zeitpunkt eventuell noch aus derzeit nicht bekanntem Grund in Stadelheim in Haft. Er kam frei und konnte seine Praxis noch bis 1938 weiterführen, dann wurde ihm die Zulassung entzogen. In der Reichspogromnacht wurde er verhaftet, drei Wochen später starb er im KZ Dachau, vermutlich weil ihm als Diabetiker seine Medikamente verwehrt wurden.
Über die Bestattung weiß Jakob von Borries zu berichten: „Bei der Beerdigung auf dem Neuen Israelitischen Friedhof in München legte Sylvia Klar ihrem Ehemann ein schwarz-rot-goldenes Bändchen unter den Kopf. Die Farben der Republik.“
Alois Hundhammer: bäuerliche Herkunft, katholisch und konservativ
Dem BVP- und CSU-Politiker Alois Hundhammer widmet Veronika Stuckenberger ihr Gedächtnisblatt. Hundhammer stellte sich während der Weimarer Republik gegen die Nationalsozialisten und wurde im Juni 1933 verhaftet und in das KZ-Dachau gebracht, einige Wochen später jedoch wieder freigelassen.
In der Nachkriegszeit setzte er sich für eine KZ-Gedenkstätte in Dachau ein, bei deren Eröffnung 1965 trat er als Redner in Erscheinung. Auch das 1968 eröffnete Internationale Mahnmal war ihm ein Anliegen.
Ihren Eindruck von Hundhammer fasste Veronika Stuckenberger so zusammen: „Bis zu seinem Rückzug aus der Politik Ende der 1960er Jahre bleibt Hundhammer eine prägende Figur der bayerischen Nachkriegspolitik. Sein politisches Wirken war stark geprägt von seinem katholischen Glauben, konservativen Überzeugungen und seiner engen Verbindung zur Landwirtschaft.“
Walerian Krzyminski: gebildet, mutig und tiefgläubig
Die Schülerin Mila Ruchatz hat ihren Urgroßonkel Walerian Krzyminski zum Thema ihres Gedächtnisblatts gemacht. Ausgangspunkt war die eher karge familiäre Überlieferung. Mila Ruchatz erzählte: „Auch über Walerian wurde gelegentlich gesprochen. Bekannt war vor allem, dass er fünf Jahre lang im KZ Dachau inhaftiert war, weil er ein gebildeter polnischer Priester war. Doch über die Zeit im Krieg und die genauen Hintergründe wusste meine Familie nur wenig.“
Walerian Krzyminski wurde 1940 verhaftet, zunächst nach Buchenwald, dann nach Dachau überstellt. Im Lager musste er als Lagerschreiber arbeiten. Nach einem mehrmonatigen Aufenthalt in Paris kehrte er 1946 nach Polen zurück und arbeitete als Priester an verschiedenen Orten.
Die Referentin hielt als Resümée ihrer Nachforschungen fest: „Walerian war ein bewundernswerter Mensch: gebildet, mutig, tiefgläubig und eng mit seiner Familie verbunden. In meiner Recherche über ihn war das Prägnanteste, dass er trotz allem Leid immer an seinem Glauben festhielt.“
(28.4.26; Irene Stuiber)
















