Gedenkstättenseminar: viele Möglichkeiten

Eine beachtliche Bandbreite an Möglichkeiten bieten die Blended-Learning-Seminare des Dachauer Forums, die sich in vielen Bereichen auf Gedächtnisblätter beziehen. Falls nötig, lässt sich das ganze Seminar online durchführen.

Schulklassen und Gruppen können eigene Termine für die Gedenstättenseminare des Dachauer Forums vereinbaren. Themen sind

  • Häftlingsschicksale – Leben und Leiden im KZ-Dachau
  • Jüdische Häftlingsschicksale – Leben und Leiden jüdischer Gefangener im KZ Dachau
  • Antisemitismus – Geschichte und Gegenwart judenfeindlicher Vorurteile und Gewalt
  • Meine Geschichte? – Identität und nationale Geschichte(n) in der Migrationsgesellschaft
  • Glaube in der Diktatur – Religion und Kirche im Nationalsozialismus

In der ursprünglichen Fassung enthalten alle Seminare neben Online-Terminen einen Rundgang über die Gedenkstätte Dachau. Auch die komplett digitale Durchführung der einzelnen Angebote ist möglich, sofern dies erforderlich ist. In Absprache mit den Referentinnen und Referenten lassen sich die Seminare an die Bedürfnisse der einzelnen Gruppen anpassen.

Weitere Informationen zu den Seminaren finden sich hier:
https://www.dachauer-forum.de/themen/gesellschaft-geschichte/fuehrungen-kz-gedenkstaette-dachau/

(16.1.22; Foto: Dachauer Forum; IS)

Geschichtswerkstatt: Ausstellung zeigt Textilfabrik Bardtke & Scherer

Dem Dachauer Georg Scherer war bereits 2019 ein Gedächtnisblatt und eine Ausstellung gewidmet. Nun nimmt eine Ausstellung im Bezirksmuseum Dachau zum Thema „Arbeitswelten – Geschichte(n) über Handwerk und Gewerbe“ seine Textilfabrik Bardtke & Scherer in den Blick.

„Mit 100 Nähmaschinen aus der Stadtschneiderei und Stoffen starten Georg Scherer und der Schneidermeister Ernst Bardtke ihre Unternehmerkarriere im April 1946.“, heißt es im von Kerstin Cser, Jessica Scherer und Rudolf Scherer verfassten Gedächtnisblatt zu Georg Scherer. Das Unternehmen beschäftigte zeitweise über 500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

Nicht nur um diese Fabrik geht es in der Ausstellung der Geschichtswerkstatt im Landkreis Dachau, die sich unter dem Titel „Arbeitswelten – Geschichte(n) über Handwerk und Gewerbe“  mit dem Wandel der Berufe beschäftigt. So wird über Schneiderinnen erzählt, die noch auf die Stör gingen und sehr viele Aufträge hatten, so dass sie fast Tag und Nacht gearbeitet haben. Andererseits war auch schon ein Rückgang des Schneiderhandwerks spürbar. Die industrielle Textilproduktion wuchs.

Die ehrenamtlichen Forscher und Forscherinnen der Geschichtswerkstatt haben im Landkreis recherchiert, nach Fotos gesucht und Interviews geführt und stellen ihre Ergebnisse erstmals im Bezirksmuseum Dachau aus. Gezeigt wird, wie sich die Arbeitswelt in den letzten Jahrzehnten verändert hat. Wie sah die Arbeit des Schuhmachers oder der Schneiderin aus, als sie noch auf die Stör gingen? Wie wurde aus dem Handwerk des Webens ein Kunsthandwerk? Und wie veränderte sich der Beruf des Apothekers bis zum Zeitalter des Online-Handels? Kehren die neuen Unverpackt-Läden zur Tradition des Kramerladens zurück?

Berufe, die jahrhundertelang den ländlichen Alltag prägten, sind selten geworden oder ganz verschwunden. Manche haben auch neue Formen gefunden. Das zeigt die Geschichtswerkstatt anhand von zehn Berufen aus Handwerk und Gewerbe. Die Ausstellung mit Texten, Fotos, Objekten und einer Hörstation ergänzt die Dauerausstellung des Bezirksmuseums.

Im Mittelpunkt stehen Menschen, die den Wandel der Berufe erlebt haben. Die Schneiderin Rosmarie Henkel aus Pipinsried erzählt von ihren Erfahrungen, als sie auf die Stör ging, der Schuhmacher Adi Heinzinger aus Sulzemoos erzählt, wie die Arbeit in der Werkstatt nachließ und er in einer Schuhfabrik arbeitete. Der Apotheker Max-Peter Lernbecher berichtet über die Anfänge der ersten Apotheke in Dachau und Paul Sessner erzählt über den Wandel der Fotografie, wie sein Vater die Anfänge erlebt hat und der Sohn die modernen Entwicklungen mitgestaltet hat. Die Geschichte wird anhand der Geschichten lebendig. Eine Ausstellungsbroschüre mit Berichten, Fotos und Lebensgeschichten gibt einen tieferen Einblick in den Wandel von Handwerk und Gewerbe.

Noch bis 18. September 2022 ist die Ausstellung im Dachauer Bezirksmuseum zu sehen. Weitere Infos finden sich hier:
https://dachauer-galerien-museen.de/category/bezirksmuseum/derzeit-zu-gast/

Das Gedächtnisblatt zu Georg Scherer und auch die Broschüre zur Ausstellung 2019 lassen sich hier nachlesen:
https://www.gedaechtnisbuch.org/gedaechtnisblaetter/?f=S&gb=9616

(3.1.2022; Geschichtswerkstatt Annegret Braun/IS)

Rückblick auf 2021: ein hybrides Jahr

Vieles war im vergangenen Jahr 2021 im Gedächtnisbuchprojekt nur online möglich, die Corona-Regeln prägten aber auch die Präsenzaktivitäten des Gedächtnisbuchs. Immerhin zweimal konnten neue Gedächtnisblätter der Öffentlichkeit präsentiert werden.

Im März 2021 ging der Präsentationsfilm von Julian Monatzeder online und stellte neue Gedächtnisblätter der Öffentlichkeit vor, im Oktober folgte dann eine Live-Präsenation an einem für das Gedächtnisbuch neuen Ort: In der großen ASV-Theaterhalle konnten Abstandsregeln und Zugangsbestimmungen gut eingehalten werden.

Für verschiedene Blended-Learning- oder Online-Seminare des Dachauer Forums boten die Biographien des Gedächtnisbuchs eine vielfältige Grundlage und ermöglichten zumindest eine virtuelle Auseinandersetzung mit dem Geschehen im KZ Dachau.

Karla Steeb, Studentin und Teamunterstützerin der Versöhnungskirche, arbeitete von Januar bis August im Gedächtnisbuch ehrenamtlich mit. Im September konnten dann mit Ioanna Taigacheva aus Russland und Zoriana Shainiuk aus der Ukraine wieder zwei Freiwillige von Aktion Sühnezeichen Friedensdienste ihre Mitarbeit im Projekt beginnen.

Im Trägerkreis des Gedächtnisbuchs gab es im vergangenen Jahr wieder einen Wechsel: Ludwig Schmidinger beendete seine Berufstätigkeit, auf ihn folgte als Bischöfliche Beauftragte für KZ-Gedenkstättenarbeit in der Erzdiözese München und Freising Judith Einsiedel.

Weitere Informationen zum Gedächtnisbuch im Jahr 2021 finden sich hier im Blog und in der Chronik des Gedächtnisbuchs:
Chronik 2021

(24.12.2021; IS)

Mittelschule Jo-Mihaly: Digitale Seminare zu Häftlingsschicksalen

Vier Klassen der Mittelschule Jo-Mihaly aus Neufahrn nahmen im Dezember 2021 am zweiteiligen Online-Seminar „Häftlingsschicksale“ des Dachauer Forums teil.

Jo-Mihaly-Mittelschule

Die Seminare fanden an jeweils zwei Terminen statt. Neben einer Einführung zur Geschichte des Konzentrationslagers Dachau standen bei einem digitalen Rundgang über die Gedenkstätte die Gedächtnisblätter zu Hanna Birnfeld, Kurt Landauer, Waldimir Dschelali und Ludwig Wittmann im Mittelpunkt der Seminare. Mit großem Interesse und vielen Fragen beteiligten sich die Schüler*innen.

Klaus Schultz, einer der vier beteiligten Referenten, berichtet: „Dieses Angebot kann keinen Besuch der Gedenkstätte ersetzen, aber in der Zeit der Pandemie einen Eindruck von diesem Ort, aber auch davon vermitteln, was die Zeit in den Konzentrationslager für die Menschen bedeutet haben muss. Für die meisten gab es eine Zeit vor und eine Zeit nach Dachau.“

Wer Interesse an einem Online-Seminar zum Thema Häftlingsschicksale hat, kann sich mit dem Dachauer Forum in Verbindung setzen: https://www.dachauer-forum.de/.  Das Seminar lässt sich an die Interessen der beteiligten Gruppen anpassen.

(16.12.21; Klaus Schultz/IS)

W-Seminar am ITG Dachau: Abgabe der Seminararbeiten

Ihre Seminararbeiten mit Biographien von Häftlingen des KZ Dachaus oder verfolgten Lehrerinnen und Lehrern gaben die Teilnehmer*innen des W-Seminars „Namen statt Nummern“am 9.11.2021 ab.

Die Seminararbeiten enthalten eine erste Version des Gedächtnisblatts, dazu Lebensläufe mit Quellenangaben, und eine ausführlichere Version der Biographie. In den nächsten Wochen präsentieren die Schüler*innen ihre Arbeiten noch in der Schule. Parallel arbeiten sie Korrekturen in die Gedächtnisblätter ein, um die Arbeiten für die Veröffentlichung im Gedächtnisbuch vorzubereiten.

Die Projektleiterin des Gedächtnisbuchs Sabine Gerhardus freut sich über die Seminararbeiten und meint: „Es sind wirklich einige beeindruckende Arbeiten darunter!“

(8.12.21; IS)

Hilfreiche Tipps für biografische Arbeit

Einer Einladung der Senefelder-Schule in Treuchtlingen zu einem Online-Seminar folgte Sabine Gerhardus, um dort ein W-Seminar über das Gedächtnisbuch zu informieren.

Das Foto zeigt ein W-Seminar der Senefelder-Schule Treuchtlingen bei einem Besuch der Gedenkstätte Dachau. Die Schülerinnen und Schüler wollten sich in ihrem Seminar auch über das Gedächtnisbuch informieren und haben daher Sabine Gerhardus, Projektleiterin des Gedächtnisbuchs, zu einem Online-Seminar am 30.11.2021 eingeladen.

Die Senefelder-Schule in Treuchtlingen ist Gesamtschule und „Schule ohne Rassismus“. Das W-Seminar findet unter der Leitung von zwei Lehrerinnen, Christine Venter und Frau Meyer, statt und befasst sich mit verschiedenen Themen zu Nationalsozialismus und jüdischer Geschichte in Treuchtlingen. Einige Schüler*innen sind auch an biografischer Arbeit interessiert.

Die Schüler*innen  sahen dafür den Projektfilm des Gedächtnisbuchs „Namen statt Nummern“. Sabine Gerhardus berichtet: „Anschließend haben sie mit mir über ihre W-Seminar-Themen, biografische Bezüge und das Erinnern in Projekten wie dem Gedächtnisbuch gesprochen. Aus der Erfahrung der Projektarbeit konnte ich den Schüler*innen  hoffentlich ein paar hilfreiche Tipps für ihre Arbeit geben.  Es würde mich freuen, wenn sich aus diesem Kontakt in einem der nächsten Schuljahre ein W-Seminar in Kooperation entwickelt.“

(2.12.21; Foto: Senefelder-Schule Treuchtlingen; Text: Sabine Gerhardus/IS)

 

Biographie von Paul Lachawietz in Ausstellungskatalog veröffentlicht

2014 schloss Annalena Elsner ihr Gedächtnisblatts zu dem aus Schlesien stammenden Pfarrer Paul Lachawietz ab. Nun findet sich ein Nachdruck dieser Biografie im Ausstellungskatalog „Galerie der Aufrechten“.

Paul Lachawietz mit seinen Eltern, ca. 1958

Noch bis 5. Dezember zeigt das Museum Altomünster die Ausstellung „Galerie der Aufrechten“ mit Porträts von von Widerstandkämpfern im Nationalsozialismus. Im Begleitkatalog zur Ausstellung findet sich die Biographie von Paul Lachawietz, die Annalena Elsner in einem W-Seminar am Josef-Effner-Gymnasium erarbeitete.

Lachawietz war von Juli 1941 bis Anfang April 1945 Häftling des KZ Dachau. In der Nachkriegszeit wirkte er als Kaplan in Altomünster und als Pfarrer in Sittenbach. Seinen Ruhestand verbrachte er in Altomünster. Informationen zu Paul Lachawietz finden sich im Verzeichnis der Gedächtnisblätter:
https://www.gedaechtnisbuch.org/gedaechtnisblaetter/?f=L&gb=3430

Der Katalog erscheint unter dem Titel „Galerie der Aufrechten. Porträts von Frauen und Männern gegen den Nationalsozialismus“. Herausgegeber sind Gerhard Gerstenhöfer und Wilhelm Liebhart.

(25.11.21; IS)

ASF-USA Programmdirektorin besucht Gedächtnisbuch

Monika Moyrer arbeitet seit zwei Jahren im Länderbüro von Aktion Sühnezeichen Friedensdienste in den USA. Anlässlich eines Heimatbesuchs besuchte sie die Präsentation des Gedächtnisbuchs und traf sich mit dem Gedächtnisbuch-Team.

V.r.n.l.: Monika Moyrer und Sabine Gerhardus

Seit zwei Jahren ist Monika Moyrer Programmdirektorin im Länderbüro von Aktion Sühnezeichen  Friedensdienste in Philadelphia in den USA. Jetzt war sie auf Heimatbesuch in Baden-Württemberg und folgte kurz entschlossen der Einladung zur Präsentation der neuen Gedächtnisblätter am 25. Oktober in Dachau.

Sabine Gerhardus und die beiden Freiwilligen von ASF in Dachau, Ioanna Taigacheva und Zoriana Shainiuk, freuten sich über diese Gelegenheit, Monika Moyrer kennenzulernen. Es gab viel zu besprechen: Monika Moyrer betreut ASF-Freiwillige in amerikanischen Projekten und amerikanische Freiwillige, die sich darauf vorbereiten, ihren Freiwilligen-Dienst in Deutschland abzuleisten. So war es interessant für sie, einen wichtigen Einsatzort für die Freiwilligen kennenzulernen – und von Ioanna und Zoriana gleich Eindrücke aus erster Hand zu erfahren.

Überdies hat ASF-USA die Lagerung und Betreuung der englischsprachigen Version der Internationalen Wanderausstellung des Gedächtnisbuchs „Names Instead of Numbers“ übernommen. Besprochen wurden zahlreiche gemeinsame Interessen und Berührungspunkte in den jeweiligen Projekten: An der Wanderausstellung haben ASF-Freiwillige, auch aus den USA mitgearbeitet. Wenn die deutschen Freiwilligen in den USA die Banner während ihrer Seminare kennenlernen könnten, ergäben sich daraus möglicherweise eigene Projektmöglichkeiten für sie an ihren Einsatzorten. Auch die Biografiearbeit des Projekts Erinnern beim Gedächtnisbuch über jüdische Lehrer und Lehrerinnen könnte ein Ansatzpunkt für zukünftige Kooperationsprojekte werden: Es gibt bereits einige Gedächtnisblätter über bayerische jüdische Lehrende, die in die USA, vor allem nach New York, emigriert sind.

Sabine Gerhardus freut sich über das Treffen ganz besonders: „Ich war ja selbst ASF-Freiwillige in den USA, in New York, 1990/91 – das ist zwar schon sehr lange her, aber es war ein wichtige, prägende Erfahrung für mich. Die Arbeit von ASF in den USA liegt mir natürlich ganz besonders am Herzen. Auch der Initiator des Projekts Erinnern beim BLLV, Dieter Reithmeier, war ASF-Freiwilliger in den USA – noch einige Jahre vor mir.“, meint die Projektleiterin. Und seit vielen Jahren ist das Gedächtnisbuch selbst Einsatzort für Freiwillige, auch aus den USA. „So gibt es nicht nur viele inhaltliche, sondern auch personelle Überschneidungen. Schön, dass sich Monika so dafür eingesetzt hat, unsere Arbeit kennenzulernen. Wer weiß, welche Möglichkeiten sich dadurch für die Zukunft ergeben!“

Auch Monika Moyrer freute sich sehr, die Arbeit des Gedächtnisbuchs intensiv kennengelernt zu haben. Besonders vom Engagement der Schüler und Schülerinnen, die sie während der Präsentation im Theatersaal des ASV erlebt hat, zeigte sie sich beeindruckt.

(15.11.21; Text: Sabine Gerhardus/IS)

Gedenken an die Novemberpogrome 1938

Drei jüdische Häftlinge des Konzentrationslagers Dachau stehen im Mittelpunkt des ökumenischen Gedenkgottesdiensts der Versöhnungskirche am 14. November 2021 anlässlich des 83. Jahrestags der Novemberpogrome: Edith Grünberger-Taus, Heinz Landmann und Abraham Müller.

Zu Landmann und Müller liegen Gedächtnisblätter vor, die hier auf dieser Website eingesehen werden können:

Heinz Landmann/Henry Landman
Abraham Müller.

Abraham Müller und Heinz Landmann wurden beide am 10. November 1938 nach Dachau verschleppt. Abraham Müller war Lehrer und Kantor der Israeliti­schen Kultusgemeinde München. Heinz Landmann stammte aus Augsburg und arbeitete als Kürschner. Abraham Müller wurde am 8. Dezember 1938 im KZ Dachau ermordet, Heinz Landmann überlebte die Torturen und konnte 1939 über England in die USA fliehen. Edith Grünberger-Taus (1923-2021) aus der Slowakei steht für die im Zweiten Weltkrieg nach Dachau Deportierten.

Weitere Informationen zum Gottesdienst finden sich in dieser Pressemitteilung:
Ökumenischer Gottesdienst 14.11.21

Die Zeichnung, ein Ausschnitt der im Gedächtnisblatt verwendeten Illustration, stammt von der Gedächtnisblatt-Autorin Lisa Mainz und zeigt Abraham Müller.

(9.11.21; IS)