Erfahrungsbericht von Kiky Heinsius auf Deutsch veröffentlicht

Der eindrückliche Bericht von Kiky Gerritsen-Heinsius lässt sich nun in deutscher Übersetzung im Buch „Kamera“ des icon-Verlags nachlesen. Die Niederländerin wurde wegen ihrer Widerstandstätigkeit in Vught, Ravensbrück und im Dachauer Außenlager Agfa-Kamerawerk in München gefangengehalten. Ihre Geschichte hat die Schülerin Anna Krombacher 2012 in einem Gedächtnisblatt festgehalten.

Ausschnitt aus dem Buchcover, Icon-Verlag

Jan van Ommen, dessen Mutter einen ähnlichen Leidensweg erleben musste wie Kiky Heinsius, schreibt dazu:

„Teile der Geschichte von Kiky Heinsius wurden in den Niederlanden bereits 1985 veröffentlicht. Eine Kopie der gesamte unveröffentlichte Geschichte von Kiky Heinsius erhielt ich 2005 von Kikys Witwer, Piet Gerritsen. Die Geschichte enthält den kompletten Haftweg der Frauen die, wie meine Mutter, im September 1944 vom Lager Herzogenbusch (Vught, südliche Niederlande) nach Ravensbrück und etwa 6 Wochen später nach München gebracht wurden. Die Geschichte ist einfühlsam geschrieben, ihre Reflektionen über u.a. verordneten Hass sind einmalig. Im Laufe der Jahren hat sich die Verlässlichkeit der Geschichte erwiesen. Als sich Anna Krombacher im Rahmen des Projekts „Namen statt Nummern“ mit der Geschichte befasste, kamen Einzelheiten zutage über den Umfang und die Konsequenzen der von Kiky Heinsius geleisteten Judenhilfe.“

Die Erinnerungen von Kiky Heinsius standen im Mittelpunkt einer Begleitveranstaltung zur Ausstellung „Namen statt Nummern. Niederländische politische Häftlinge im KZ-Dachau“ in der KZ Gedenkstätte Dachau am 5. Juni 2018. Die Ausstellung war zunächst im Widerstandsmuseum Amsterdam gezeigt worden und basiert auf der Arbeit des Gedächtnisbuchs Niederlande.

Das Buch enthält außerdem Beiträge von Historikern und Medienwissenschaftlern über Kiky Heinsius, das Dachauer Außenlager Agfa-Kamerawerk und das künstlerische Projekt Kamera. Eine Buchvorstellung ist für den 21. November 2019 in München geplant.

Buchtitel
Alexander Steig: Kamera – Ein künstlerisch-wissenschaftliches Projekt zum Außenlager Agfa-Kamerawerk in München-Giesing 1944-45, mit einem Erinnerungsbericht von Kiky Gerritsen Heinsius.
Weitere Infos zum Buch auf der Verlagswebsite: http://icon-verlag.de/

Gedächtnisblatt zu Kiky Heinsius
Kiky Gerritsen-Heinsius

Infos zum Gedächtnisbuch Niederlande
Gedächtnisbuch Niederlande

(19.8.2019; IS)

Georg-Scherer-Ausstellung: Graffiti-Workshop

Einen Bericht vom Graffiti-Workshop am 7.8.2019 zur Georg-Scherer-Ausstellung schickt uns Sabine Gerhardus.

Sie schreibt: Am Anfang stand die Führung durch die Ausstellung. Hier waren 13 Jugendliche dabei, darunter zehn von der IJB, der Internationalen Jugendbegegnung, aus Serbien, Russland, Polen, Spanien, zwei aus Dachau und eine Austauschschülerin sowie die beiden Graffiti-Künstler. Die Führung fand auf Englisch statt und dauerte mit einem einführenden Spiel und kurzer Vorstellungsrunde etwa zwei Stunden.

Anschließend sind die Teilnehmer mit Johannes Wirthmüller und Adrian Till vom Outer Circle zur Übungsmauer an der Papierfabrik in der Ostenstraße gelaufen. Jojo Wirthmüller hat mir berichtet, dass der Rückweg schon zur Reflexion über die Ausstellung genutzt wurde. In der Ostenstraße gab es erstmal eine Brotzeit und dann wurde die Mauer grundiert. Anschließend begannen die Teilnehmer, sich mit den Spraydosen vertraut zu machen.

Jojo und Adrian zeigten den Jugendlichen und mir verschiedene Tricks, wie man Linien, graphische Elemente und Flächen an die Wand bringt. War gar nicht so einfach, hat aber viel Spaß gemacht. Einen Schriftzug, z.B. den Namen von Georg Scherer so hinzubringen, dass man zufrieden sein konnte, war schon ein Erfolgserlebnis. So haben die meisten erstmal an kleineren Elementen, Zeichen oder Ausrufen wie „Peace“ geübt.

Dann kam leider eine Schlechtwetterfront dazwischen und nach einer halben Stunde Wartezeit in Kälte und Regen hat sich der Großteil verabschiedet. Ein kleiner Kern ist aber noch geblieben und hat weitergearbeitet. Mateusz aus Polen sagte, das sei der „beste Workshop“ gewesen.

Wer die Bilder im Original sehen möchte, findet sie in der Ostenstraße in Dachau.

 

Fotos vom Workshop

(8.8.2019; Text: Sabine Gerhardus)

Trägerkreis: Danke an Nina Ritz!

Nina Ritz beendet ihre Tätigkeit am Max Mannheimer Studienzentrum. Wir danken ihr für die langjährige Unterstützung des Gedächtnisbuchs im Trägerkreis.

Nina Ritz leitete das Max Mannheimer Studienzentrum seit 2008 und vertrat diese Institution im Trägerkreis des Gedächtnisbuchs. Vielen Dank, liebe Nina, für deine Unterstützung!

(31.7.2019; IS)

 

 

Informativ und interessant: Junior Guide Workshop zur Georg-Scherer-Ausstellung

Am 22. und 23. Juli nahmen die ASF-Freiwilligen Anastasiia Lapteva und Maeva Keller an der Peer-Guide-Schulung teil, die im Rahmen der Georg Scherer Ausstellung von Sabine Gerhardus organisiert wurde. Die anderen Teilnehmer waren Schülerinnen und Schüler des Josef-Effner-Gymnasiums Dachau.

Silke Nörenberg, ASV, während des Junior Guide Workshop

Maeva berichtet über den Workshop: „Während dieser zwei Tage haben die Schülerinnen und Schüler viel über Scherers Leben erfahren, um eine Führung vorzubereiten. Jeder Schüler wählte ein Banner und recherchierte das Thema des Banners. Was hat mir sehr gefallen hat, war der Enthusiasmus der Schüler. Sie waren sehr interessiert an Scherers Leben und seinen Auswirkungen auf die Stadt Dachau. Es ist toll, junge Leute mit Interesse an der Geschichte ihrer Stadt zu sehen.“

Anastasiia erzählt: „Am Montag und Dienstag gab es eine Junior-Guide-Ausbildung über Georg Scherer. Dieser Workshop wurde für Jugendliche gemacht, die mehr über Dachau und über Georg Scherers Leben wissen wollen. Ich persönlich fand diesen Workshops informativ, interessant und auch interaktiv. Wir haben mit den Fotos gearbeitet, Fragmente von Interview gehört und hatten auch ein Brainstorming – wie können wir unseren Rundgang interessanter machen? Am nächsten Tag hat jede von uns einen Teil des Lebens von Georg Scherer erzählt. Ich wählte den Zeitraum, in dem er Häftling im KZ Dachau war. Das ist ein großes Thema, zu dem ich aber viel erzählen kann,  weil ich selbst Rundgänge durch die KZ-Gedenkstätte Dachau durchführe. Daher kann ich auch auf Fragen antworten. Es hat mir gefallen, dass bei unserem Probe-Rundgang Karen Schwenke und Kerstin Csir dabei waren. Beide haben selbst Rundgänge in der Ausstellung gemacht. Sie gaben uns sehr wichtige Tipps, was wir verbessern können und was wir außerdem noch sagen können. Das war sehr hilfreich für mich.“

(24.7.2019; Anastasiia Lapteva und Maeva Keller/IS)

 

 

Gedächtnisblatt zu Léon Boutbien: Spurensuche in Paris

Im März 2019 besuchten die Grafinger Schülerin Marlene Bülow, Teilnehmerin im Projekt Gedächtnisbuch, und die ASF-Freiwillige Maeva Keller zwei Pariser Archive,  um über den ehemaligen Häftling Léon Boutbien zu forschen, für den Marlene ein Gedächtnisblatt schreiben will.

In diesem Haus in Montgeron lebte Léon Boutbien bis zu seiner Verhaftung 1943.

Léon Boutbien war ein französischer Häftling in den Konzentrationslagern Natzweiler und Dachau. Er war Mitglied der SFIO (Sozialistische Partei Frankreichs), Arzt und Mitglied des Französischen Widerstands. Nach der Befreiung wurde er als sozialistischer Abgeordneter in die Nationalversammlung gewählt. Marlene und Maeva besuchten die Archive der Nationalversammlung und der Französischen Sozialistischen Partei, um mehr über seine politische Karriere und Ideen zu entdecken. Sie fanden viele politische Artikeln und Informationen über seine Arbeit als Abgeordneter.

Marlene Bülow berichtet über den zweiten Teil der Recherche, den sie gemeinsam mit ihrem Vater unternommen hat:

„Nachdem Maeva abgereist war, wollten mein Vater und ich die Recherche noch nicht aufgeben und beschlossen, ein weiteres Archiv aufzusuchen.Wir entschieden uns für das Stadtarchiv Paris, da Léon den Großteil seines Lebens in Paris verbracht hatte und für dieses Archiv keine Anmeldung im Voraus nötig war. Wir hatten Glück: Im Archiv befanden sich interessante Informationen bezüglich Léons Militärdienst sowie eine Hochzeitsurkunde.

Nachdem wir alles, was wir im Archiv finden konnten, für uns dokumentiert hatten, machten wir uns auf den Weg zur Metro, um in den 2ième Arrondissement zu fahren, wo Léon in den 50er Jahren eine Wohnung besessen hatte.

Im Wohnhaus trafen wir auf die Concièrge, die sich dort schon seit 30 Jahren um das Haus kümmert. Wir erkundigten uns, ob sie von Léon wissen würde, der vermutlich während seiner Zeit als Abgeordneter im Haus gewohnt habe. Leider verneinte sie dies.

Nach dem erfolglosen Gespräch mit der Concièrge machten wir uns auf den Weg zur RER, der Pariser S-Bahn, um die Fahrt in den Vorort Montgeron anzutreten, wo Léon bis zu seiner Verhaftung 1943 gewohnt hatte.

Glücklicherweise fanden wir mit Google Maps relativ zügig die Adresse. Das Haus genauer ansehend, befiel uns ein beklemmendes Gefühl: Hier wurde 1943 ein unschuldiger Mann verschleppt, vermutlich geschlagen und bedroht – 76 Jahre später kaum noch vorstellbar.

In der Hoffnung, der jetzige Hausbewohner könnte vielleicht etwas über Léon als ehemaligen Hausbesitzer wissen – vielleicht hat er das Haus ja unter einem Vorwand nach Léons Verhaftung billig gekauft – klingelten wir an der Tür. Zu unserer Enttäuschung öffnete uns niemand.

Trotz einiger Rückschläge, was die Recherche außerhalb von Archiven betrifft, war die Reise sehr aufschlussreich und interessant. Ich bin zuversichtlich, dass ich mit den gesammelten Informationen zumindest einen Teil von Léons Lebensweg rekonstruieren und so seine anonyme Häftlingsnummer wieder mit einer Identität füllen kann.“

(16.7.2019; Text: Maeva Keller, Marlene Bülow)

Gedächtnisbuch Niederlande: Exkursion nach Haaren und Vught

Anouk van Zandbergen, Schülerin am Hyperion Lyzeum in Amsterdam, erstellt ein Gedächtnisblatt über die niederländische Widerstandskämpferin Carla Gastkemper. Nach den Sommerferien wird die 17-jährige Schülerin ein Interview mit der jetzt 94-Jährigen Carla führen. Als Carla 1944 wegen Spionage verhaftet wurde, war sie nur wenig älter als Anouk heute: 19. Im Rahmen der Recherchearbeit besuchte Anouk das ehemalige SD-Gefängnis Haaren und die KZ-Gedenkstätte Vught. Anouk berichtet darüber.

Im Gespräch: Anouk und Henk van Helvert, ehrenamtlicher Mitarbeiter der Gedenkstätte Haaren

Carla wurde zur gleichen Zeit wie ihr Freund Carel Bos in Amsterdam verhaftet. Beide wurden sofort nach Haaren ins Polizei- und Untersuchungsgefängnis gebracht. Mein Besuch im damaligen Gefängnis hat mir eine viel bessere Vorstellung davon gegeben, wie es für Carla gewesen sein muss. Nach 75 Jahren in derselben Zelle zu sein, in der sie gelitten und geschlafen hat und auf dem gleichen Flur zu laufen, wie sie damals, war eine wirklich besondere Erfahrung. Das Gebäude ist riesig und hat mehrere Funktionen gehabt. Bevor es in ein Gefängnis umgewandelt wurde, war es ein Priesterseminar. Nach dem Krieg kehrten die Studenten zurück und später wurde es ein Heim für geistig Behinderte. Der Ort hat unterschiedliche Bedeutungen gehabt, für verschiedene Menschen. Carla hat bestimmt ganz andere Erinnerungen daran als jemand, der hier zum Priester ausgebildet wurde. Jetzt ist das Gebäude leer. Dass hier insgesamt ungefähr 4100 Menschen eingesperrt waren, ist kaum vorzustellbar.

Haaren: der Innenhof für den Freigang der Gefangenen

Nach dem Gefängnis in Haaren haben wir die KZ-Gedenkstätte Vught besucht. Vom SD-Gefängnis aus sind Carla und Carel in dieses KZ verschleppt worden. Am nächsten Tag, dem 5. September 1944, wurde Carel hingerichtet. Nachdem wir das Lager besucht hatten, fuhren wir zur nahegelegenen Hinrichtungsstätte. Die grüne Umgebung und das sonnige Wetter erweckten den Eindruck eines gelassenen Ortes, obwohl hier vor nicht allzu langer Zeit Schreckliches passiert ist. Das verursachte bei  mir ein sehr zwiespältiges Gefühl. Als wir zum Namendenkmal auf der Hinrichtungsstätte kamen, las mein Begleiter Jos Sinnema aus den Memoiren eines Mit-Häftlings von Carla vor. Sie schrieb, dass sie gedacht haben, sie würden bald befreit werden, und dass sie die Schüsse auf der Hinrichtungsstätte von ihrer Baracke aus hören konnten. Während ich dastand und zuhörte, versuchte ich mich einzufühlen. Ich fragte mich, ob Carla die Schüsse auch gehört hat, und ob sie sich gefragt hat, für wen sie bestimmt waren. 

Namendenkmal auf der damaligen Hinrichtungsstätte

1995 wurde das Namendenkmal von Unbekannten schwer beschädigt. Darauf hängte eine unbekannte Person als Protest ein Gedicht am Zaun der ehemaligen Hinrichtungsstätte auf. Es enthält unter anderem die Zeile: „Solche Namen kann man nie auslöschen! Sie sind in zahllose Menschenseelen eingraviert.“ Ich dachte daran, wie bei Carla die Erinnerung an ihrem Freund in der Erinnerung eingraviert ist.

Der Tag war sehr interessant, aber auch heftig: Weil die Orte jetzt Bedeutung für mich bekommen haben, aber auch, weil ich mich auf die Lebensgeschichte einer einzelnen Person konzentriere. Ich habe Carla noch nicht kennengelernt, habe aber schon vieles über sie gelernt. Das hat den Besuch in Haaren und der KZ-Gedenkstätte Vught noch eindrucksvoller gemacht als ohnehin schon.

(10.7.2019; Text: Anouk van Zandbergen)

 

Angebot für Dachauer Jugendliche: Junior-Guide werden

Entdecke deine Stadt auf den Spuren von Georg Scherer und zeige sie Jugendlichen aus aller Welt! Interessierte Jugendliche ab 15 Jahren können Junior Guide werden.


Weitere Einzelheiten zu den Workshop-Angeboten am 12. Juli 2019 und am 26. Juli 2019 findest du in diesem PDF:

Junior-Guide werden (250 KB)

Update 12.7.19:

Die bisher angekündigten Workshop-Termine müssen leider entfallen. Alternativtermine findest du in diesem Beitrag, sobald sie feststehen, und im Veranstaltungskalender dieser Website.

Update 15.7.19:

Ein Alternativtermin steht nun fest: Montag, 22. Juli und Dienstag, 23. Juli 2019, jeweils von 8.30 bis 12.30 Uhr.

Weitere aktuelle Infos dazu im Veranstaltungskalender rechts auf dieser Website.

(3.7.2018; Foto: Sammlung Scherer; IS)

 

Führungen durch die Georg-Scherer-Ausstellung

Mehrere Führungen durch die Georg-Scherer-Ausstellung in Dachau gab es am 16. Juni 2019.

 

Acht Personen nahmen an der Führung von Kerstin Cser teil. Die Referentin erläuterte den Teilnehmenden die Ausstellung und die Geschichte ihrer Entstehung. Einige der Teilnehmerinnen haben bei Bardtke und Scherer gearbeitet.

Ebenfalls durch die Ausstellung führte am selben Tag Hedy Esters. Sie schreibt uns darüber:

„Bei meiner Führung waren 18 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus der Stadt und dem Landkreis Dachau. Leute  aus der Geschichtswerkstatt, von den Dachauer Stadtführerinnen und interessierte Bürgerinnen und Bürger.
Einige Teilnehmer konnten sich an Georg Scherer, an die Kleiderfabrik Bardtke & Scherer und den damaligen ASV erinnern. Die Ausstellung und besonders die Broschüre wurden sehr gelobt.“

(23.6.19; IS)

Interview mit dem ukrainischen Dachau-Häftling Peter Perel

Mit dem überlebenden Dachau-Häftling Peter Perel führten eine Grafinger Schülerin und Anastasiia Lapteva, ASF-Freiwillige im Gedächtnisbuch, ein Interview mithilfe eines Internet-Telefonats. Anastasiia hat darüber einen Bericht geschrieben.

Anastasiia Lapteva, ASF-Freiwillige im Gedächtnisbuch

Sie schreibt:

Am 30. Mai hatte ich die große Ehre das Interview mit Peter Perel und seiner Tochter Svetlana Perel zusammen mit einer Schülerin des Grafinger W-Seminars zu führen. Im Rahmen des Projekts „Gedächtnisbuch für ehemaligen Häftlinge des KZ Dachau“ schreibt die Schülerin die Biographie von Peter Israelowitsch Perel, der als sowjetischer Häftling im KZ Dachau inhaftiert war.

Peter Perel wurde 1928 in Oktoberfeld im Kreis Saporoschje in der Ukraine geboren. Als er nach Deutschland als Ostarbeiter kam, war er nur 14 Jahre alt. Er arbeitete in München zuerst in Berg am Laim für einen Münchner Schlosserbetrieb, dann in der Likörfabrik „Sager und Werner“  und danach als Helfer für einen Schlossermeister und daraufhin noch bei einer Barackenbaufabrik. Kurz vor der Befreiung wurde er im KZ Dachau inhaftiert und konnte während des Todesmarsches fliehen.

Das Interview wurde auf Russisch durchgeführt und dauerte zwei Stunden. Meine Aufgabe war es, wesentliche Passagen für die Schülerin zu übersetzen und die Fragen am Ende des Interviews zu stellen. Manchmal war es für uns sehr schwierig, unsere Emotionen zurückhalten, weil das Schicksal nicht immer glücklich war. Trotzdem erzählte Herr Perel viele interessante und gute Geschichten, obwohl er Ostarbeiter war, obwohl er im KZ Dachau war.     

Die Ergebnisse des Interviews werde ich auf dem ASF-Seminar in Polen präsentieren. Die Schülerin wird ihre fertige Biographie am 22. März 2020 bei der Jahrespräsentation des Gedächtnisbuchs vorstellen.

(14.6.2019; Text: Anastasiia Lapteva/IS)