Gedächtnisbuch und Geschichtswerkstatt trauern um Helmut Beilner

Helmut Beilner, emeritierter Professor für Didaktik der Geschichte der Universität Regensburg, ist am Freitag, den 29. März 2019 im Alter von 78 Jahren gestorben. Von Beginn an engagierte sich Beilner als Lehrgangsleiter und Forscher in der Geschichtswerkstatt im Landkreis Dachau.

Sabine Gerhardus, Leiterin des Gedächtnisbuchs und des Biographie-Projekts in der Geschichtswerkstatt „Das Lager und der Landkreis“, zeigt sich bestürzt über Beilners unerwarteten Tod: „Ich habe ihn als Kollegen und Unterstützer unserer Arbeit sehr geschätzt. In seiner bescheidenen, freundlichen Art hat er eine Güte und Herzenswärme ausgestrahlt, die man nur vermissen kann.“

Helmut Beilner, geboren am 24. April 1940 in Witkowitz (Mährisch-Schlesien), kam im Zuge der Vertreibung 1946 nach Bayern. Er wuchs in Wollomoos im Landkreis Aichach auf und lebte in Schwabhausen im Landkreis Dachau. Beilner entwarf und leitete zusammen mit Wilhelm Liebhart den Einführungslehrgang für die Teilnehmer der Geschichtswerkstatt. Von großer Bedeutung für das Gedächtnisbuch und die Geschichtswerkstatt war auch der von ihm durchgeführte Archiv-Workshop für Schüler. In seiner Heimatgemeinde Schwabhausen leitete Beilner eine Arbeitsgruppe zur Lokalgeschichte und forschte auch selbst rege mit.

„Die Geschichtswerkstatt hat ihm viel zu verdanken.“, erläuterte Annegret Braun,  Leiterin mehrerer Teilprojekte der Geschichtswerkstatt. Sie betonte beim Geschichtswerkstatt-Treffen am 3. April 2019 im Heimatmuseum Karlsfeld: „Er hat die Geschichtswerkstatt in Gang gebracht und mit dem Lehrgang Forschungsgrundlagen geschaffen. Seine Impulse und Beiträge haben die Geschichtswerkstatt sehr bereichert und nachhaltig geprägt.“ Die Mitarbeiter gedachten seiner in Dankbarkeit in einer Schweigeminute.

(15.4.2019; Text: Sabine Gerhardus/IS)

 

Studientag Zukunft Erinnerung: Vielfalt der Erinnerungsformen

Gastrednerin Aleida Assmann beeindruckte durch ihre genaue Einschätzung der deutschen Erinnerungskultur der letzten 100 Jahre. Die Vielfalt der gegenwärtigen Erinnungskultur zeigte sich in den anschließenden Workshops, unter anderem präsentierte Projektleiterin Sabine Gerhardus das Gedächtnisbuch als Form partizipativer Erinnerungsarbeit.

Zum Thema „Aktuelle Herausforderungen an die neue Erinnerungskultur“ sprach Aleida Assmann beim Studientag „Zukunft Erinnerung. Welche Erinnerungskultur brauchen wir?“.  Der Studientag fand in Dachau am 5. April 2019 statt und wurde veranstaltet vom Dachauer Forum in Kooperation mit der Katholischen Seelsorge an der KZ-Gedenkstätte Dachau.

Aleida Assmann: Vielstimmigkeit der gesellschaftlichen Erinnerung

Die Referentin berichtete über die Entwicklung der Erinnerungskultur vom Ersten Weltkrieg bis heute. Eine wichtige Wendung nahm der Umgang mit Geschichte in den 70er und 80er Jahren: Es entstand eine Erinnerungskultur, die durch die Erinnerung Orientierung für die Zukunft geben will.

Aleida Assmann entwickelte ihr Gegenmodell zu einer derzeit wieder verstärkt auftretenden Funktionalisierung der Geschichte. Von besonderer Bedeutung ist die Vielstimmigkeit in der gesellschaftlichen Erinnerung. Die Beteiligung der Zivilgesellschaft an  dieser vielstimmigen Geschichtskultur  ist Assmann deswegen besonders wichtig, weil Zivilgesellschaft immer lokal verankert ist.

Aktuelle Entwicklungen standen im Zentrum der Wortmeldungen aus dem Publikum. Was bedeutet die derzeitige Diskussion um Kunstgegenstände aus den Kolonialländern? Aleida Assman ist sich sicher: Kolonialgeschichte kann eine neue Dimension zur Geschichtserinnerung hinzufügen und die Beziehungen zu den betroffenen Ländern neu justieren.

Die gesellschaftliche Aufgabe sei es, immer wieder anschlussfähige Geschichtsnarrative zu entwickeln. „Mit jeder neuen Phase kann man die Geschichte neu anordnen. Das heißt nicht, dass man sie verfälscht.“

Workshops zeigen vielfältige Herangehensweisen

Formen partizipativer Erinnungsarbeit stellten Annegret Braun und Sabine Gerhardus vor.  Annegret Braun sprach über die Arbeit der Geschichtswerkstatt, vor allem die Forschungen zu Kriegsende und Nachkriegszeit und das aktuelle Projekt „Die 50er Jahre im Landkreis Dachau. Wirtschaftswunder und Verdrängung.“ Sabine Gerhardus stellte das Gedächtnisbuch vor sowie die Biographie-Projekte der Geschichtswerkstatt „Das Lager und der Landkreis und des BLLV-Projekt „Erinnern“. Ihr Blick hinter die Kulissen beleuchtete die Motivation und die pädagogische Begleitung der Projekte. All diese Projekte leben wären ohne das Engagement von Ehrenamtlichen nicht denkbar. Ausstellungsbanner, Anschauungsmaterial und Quellenbeispiele veranschaulichten den Einblick in die praktische Arbeit. In der Diskussion ging es den Teilnehmerinnen und Teilnehmern des Workshops vor allem um Fragen der Perspektiven der zukünftigen Arbeit, etwa andere Formen der Arbeit mit Jugendlichen.

Ludwig Schmidinger thematisierte in seinem Workshop den Umgang mit militärischen Heldengedenken am Beispiel Schliersee, Steffen Jost zeigte Methoden und Erfahrungen der digitalen Bildungsarbeit in KZ-Gedenkstätten auf. Ein weiterer Workshop mit Norbert Göttler widmete sich unterschiedlichen Bedeutungszuweisungen an den Begriff Heimat.

Lesung „Leben mit dem Schatten“

Am Ende des Studientags stand eine Autorenlesung und damit eine sehr persönliche Dimension der Erinnerung: Norbert Göttler las aus seinem autobiographischen Essay „Leben mit dem Schatten“.

 

 

(9.4.2019; Fotos: Irene Stuiber; Text: Irene Stuiber, Sabine Gerhardus)

Ausstellungseröffnung Georg Scherer: Ein wahrer Demokrat

Unter großem Andrang wurde die Ausstellung über Georg Scherer am 28. März 2019 in Dachau eröffnet. Für das Gedächtnisbuch hatte sich Sabine Gerhardus federführend an der Erstellung der Ausstellung beteiligt.

In einer szenischen Lesung stellte das Ausstellungsteam wichtige Lebensabschnitte aus dem Leben Georg Scherers vor und präsentierte dabei eine ganze Reihe von Orginalzitaten des Porträtierten. Anknüpfungspunkte gab es für diese Darstellung mehr als genug: Scherer war Arbeiter, Sportler, Widerstandskämpfer, KZ-Häftling, Stadtrat, Bürgermeister und Unternehmer.

Sabine Gerhardus betonte in ihrer Ansprache zur Ausstellungseröffnung: „Georg Scherer hat für seine Mithäftlinge im Konzentrationslager viel gewagt, er hat gute Arbeit für die Bewohner der Stadt Dachau geschaffen und beim ASV Spiel, Sport, Spaß und eine Gemeinschaft.“

Kai Kühnel, Bürgermeister der Stadt Dachau, würdigte Georg Scherer als wahren Demokraten, „der bereit war, für die Rechte seiner Mitmenschen viel aufs Spiel zu setzen.“ Kühnel betonte: „In unserer Zeit, in der nationalistische und rassistische Parteien Stimmung gegen Minderheiten und Andersdenkende machen und von vielen Menschen in Europa der Wert der Demokratie bezweifelt wird, zeigt Georg Scherer uns eindringlich, wohin ein solcher Weg führen kann, welche Grausamkeit und Zerstörungskraft hinter der menschenverachtenden Diktatur des Nationalsozialismus steckte. Georg Scherer zeigt uns auch, wie es ihm gelungen ist, diesen Weg nicht mitzugehen, sich gegen Hass und Ausgrenzung und für Menschlichkeit und Solidarität zu entscheiden.“

(4.4.2019; IS)

 

Jahrespräsentation: Zehn neue Gedächtnisblätter

Bei der 20. Jahrespräsentation des Gedächtnisbuchs stellten ehrenamtliche Autorinnen und Autoren zehn neue Biographien von Häftlingen des KZ Dachau vor. Der 92jährige Dachau-Überlebende Riccardo Goruppi schickte aus Triest eine Grußbotschaft, da er seinen Besuch aus gesundheitlichen Gründen kurzfristig absagen musste.

Riccardo Goruppi mit Gedächtnisblatt und den Autorinnen Luisa Ferrero-Heinz und Marizia I. Puglia in Triest 2018

Goruppi war als Angehöriger einer slowenischen Partisanengruppe zusammen mit seinem Vater verhaftet worden. Sein Leidensweg führte durch mehrere Konzentrationslager, den Tod des Vaters musste er im Außenlager Leonberg des KZs Natzweiler miterleben. Bis heute ist er unermüdlich als Zeitzeuge und Gesprächspartner vor allem für junge Leute unterwegs. Sein Gedächtnisblatt erstellten Samantha Candreva, Luisa Ferrero-Heinz und Marizia I. Puglia.

Johann Vogl blieb seiner Überzeugung treu

Nicht sein erstes Gedächtnisblatt stellte Tom Nowotny mit der Lebensgeschichte des Rosenheimer Arbeiters und Kioskbesitzers Johann Vogl vor. Schülerinnen und Schüler der Stephanskirchener Mittelschule begleiteten den Vortrag durch eine szenische Lesung.

Vogl war Mitglied der proletarischen Freidenker und der Roten Hilfe, auch während der NS-Zeit blieb er seinen Idealen treu. Am 27. März 1938 wurde er im KZ Dachau ermordet. Nach seiner Verhaftung 1936 hatte er zu Protokoll gegeben: „Auf Grund meiner Weltanschauung wende ich auch nicht den deutschen Gruß „Heil Hitler“ an, weil ich niemanden vorheucheln will, umso weniger als ich unbedingt zu Menschenrecht und Menschenwürde die Gewissensfreiheit rechne.“

Zu Samuel Gilde existiert keine persönliche Überlieferung

„Dieses Gedächtnisblatt über Samuel Gilde, diese Recherche, ist ein wichtiger Teil meines Unterrichts geworden,“ erzählte Gedächtnisbuchautor Christoph Triebfürst, Lehrer am Dachauer Josef-Effner-Gymnasium. Der Münchner Arzt Samuel Gilde lebte nach seinem Berufsverbot im Herbst 1938 kurze Zeit in Augustenfeld bei Dachau. Nach der Pogrammnacht 1938 wurde er drei Wochen im KZ Dachau gequält, die anschließenden verzweifelten Bemühungen um eine Emigrationsmöglichkeit blieben erfolglos. Gilde wurde am 30.6.1944 im Ghetto Theresienstadt ermordet.

Bei seinen Recherchen musste Christoph Triebfürst feststellen, dass kein einziger persönlicher Satz, keine einzige persönliche Notiz des Münchner Facharzts erhalten ist. Akribisch dokumentiert ist dagegen die Verfolgung, Entrechtung und die Ermordung Samuel Gildes.

Charles Delestraint: eine zentrale Figur des französischen Widerstands

Maeva Keller verfasste als Freiwillige von Aktion Sühnezeichen Friedensdienste die Biographie des französischen Generals Charles Delestraint für das Gedächtnisbuch. „Dieses Projekt war für mich sehr bedeutsam, weil es mir ermöglicht hat, eine wichtige Figur des französischen Widerstands näher kennenzulernen.“ Delestraint kommandierte die Armee secrète, wurde im Juni 1943 verhaftet und im September 1944 aus dem KZ Natzweiler in das KZ Dachau deportiert. 10 Tage vor der Befreiung des Lagers exekutierte die SS Charles Delestraint. Noch kurz vor seinem Tod notierte der Häftling ein spirituelles Vermächtnis.

Georg Scherer: Kommunalpolitiker und Widerstandskämpfer in Dachau

Kerstin Cser und Jessica Scherer konnten bei ihrer Vorstellung der Biographie Georg Scherers aus dem Vollen schöpfen. Die Ergebnisse der Recherchen lassen sich nicht nur im Gedächtnisbuch nachlesen, sondern sie werden demnächst auch in der in Dachau stattfindenden Ausstellung über Georg Scherer zu sehen sein.

Scherer wurde 1935 wegen seines Widerstands gegen die Nazis verhaftet und ins KZ Dachau gebracht, erst 1941 wurde er wieder freigelassen. Am Dachauer Aufstand kurz vor Kriegsende war er federführend beteiligt. Der Kommunalpolitiker und Sportfunktionär erlag 1985 auf der Tribüne seines Sportvereins einem Herzinfarkt.

Roger Valroff wurde mit dem Train Fantôme nach Dachau deportiert

Gerhard Bökel stellte die Lebensgeschichte des franzöisischen Résistance-Mitglieds Roger Valroff vor, der als Mitarbeiter von Imam Abdelkader Mesli Flüchtlinge versteckt und unterstützt hatte. Valroff wurde am 5.7.1944 verhaftet und mit dem Train Fantôme, dem sogenannten Geisterzug, ins KZ Dachau gebracht. Das Gedächtnisblatt für Roger Valroff hat Gerhard Bökel zusammen mit der französischen Historikerin Bénédicte Penn verfasst, die bei der Präsentation ebenfalls anwesend sein konnte. Bereits 2017 konnte Bökel die Biographie von Abdelkader Mesli präsentieren.

Emanuel Strauß war jüdischer Gemeindelehrer in Weiden

Fast 40 Jahre lang war Emanuel Strauß Gemeindelehrer und Kantor in Weiden in der Oberpfalz. Seine Lebensgeschichte, deren Bearbeitung bereits Julia Otto begonnen hatte, brachte Anastasiia Lapteva dem Publikum näher. Strauß war nach der Reichspogromnacht eine gute Woche im KZ-Dachau inhaftiert. Nach seiner Entlassung gelang ihm 1939 die Emigration über Großbritannien nach Montevideo in Uruguay. Dort starb er im Jahr 1948.

Josef Moser: Haft als zerstörerische Lebenszäsur

Entschieden trat Josef Moser als Chefredakteur der Steyrer Zeitung in den 30er Jahren gegen den Nationalsozialismus auf. Bereits zwei Tage nach dem Anschluss Österreichs wurde er inhaftiert und am 24.5.1938 schließlich ins KZ Dachau verschleppt. Im Konzentrationslager Dachau musste er bis zu seiner Entlassung am 13.9.1938 bleiben. Nach der Haft litt Moser zeitlebens an gesundheitlichen Problemen. Zu seinem Beruf fand der vorher leidenschaftliche Journalist niemals zurück, bis zur Pensionierung arbeitete er als Buchhalter.

Mosers Biographie erläuterte seine Tochter Martina Riepl, die das von ihr vorgestellte Gedächtnisblatt im Einvernehmen mit den beiden anderen Kindern Josef Mosers verfasst hat.

Jacobus de Vries  gehörte zum Führungsstab des niederländischen Ordedienst

Jos Sinnema, der das Gedächtnisbuch Niederlande betreut, präsentierte die Biographie von Jacobus de Vries. Verfasst hat er dieses Gedächtnisblatt zusammen mit der  ehemaligen ASF-Freiwilligen Maja Lynn. Jacobus de Vries gehörte dem Führungsstab der militärischen niederländischen Widerstandsgruppe Ordedienst an. Verhaftet wurde de Vries 1941. Er wurde er mehrere Jahre als Nacht-und-Nebel-Häftling in verschiedenen Konzentrationslagern gefangengehalten, darunter zweimal in Dachau. Anfang Januar 1945 starb Jacobus de Vries im KZ Dachau.

Franz Sales Müller: Pfarrer im Landkreis Dachau

Katharina Wolf berichtete über Franz Müller, der ab 1961 Pfarrer in Westerholzhausen im Landkreis Dachau war. Der gebürtigte Zwittauer wirkte ab 1926 als Kaplan und Vikar, später als Pfarrer im deutschsprachigen Wigstadtl/Vítkov in der damaligen Tschechoslowakei. Müller wurde 1941 verhaftet, nachdem die Gestapo regimekritische Briefe gefunden hatte. Von November 1941 bis April 1945 musste er im KZ Dachau unter anderem auf der Plantage Zwangsarbeit leisten, drei Wochen vor der Befreiung des Lagers wurde er entlassen.

(28.3.2019; Irene Stuiber)

 

 

 

 

 

 

 

Einladung: Eröffnung der Ausstellung „Georg Scherer. Ein Dachauer Leben“

Dem Leben Georg Scherers widmet sich eine Ausstellung in Dachau, die am 28. März 2019 um 19 Uhr eröffnet wird. Scherer war Arbeiter, Sportler, Widerstandskämpfer, KZ-Häftling, Stadtrat, Bürgermeister und Unternehmer.

Die Ausstellungsmacher im ASV-Theatersaal

Viele Menschen kennen in Dachau den Namen Georg Scherer, die meisten verbinden damit aber die Georg-Scherer-Halle. Der langjährige ASV-Vorsitzende hat nicht nur im Sport, sondern auch in Gesellschaft und Politik Akzente gesetzt, die bis heute nachwirken. Georg Scherer war Arbeiter, Sportler, Widerstandskämpfer, KZ-Häftling, Stadtrat, Bürgermeister und Unternehmer. Sein Leben war geprägt von Armut und Unterdrückung, aber auch von Sports- und Unternehmergeist.

In den vergangenen Monaten beschäftigte sich eine Arbeitsgruppe mit dem Leben Georg Scherers und sammelte zahlreiche Quellen aus allen Lebensabschnitten. Hörstationen ergänzen die abwechslungsreiche Ausstellung.

Die Ausstellung entstand in Zusammenarbeit von ASV Dachau, Dachauer Forum, der Geschichtswerkstatt und des Gedächtnisbuchs Dachau. Sie wird vom 28. März bis 27. Juli 2019 im Foyer des ASV-Veranstaltungszentrums zu sehen sein. Wir laden herzlich zur Ausstellungseröffnung am 28. März um 19 Uhr ein.

Die Website des ASV verlinkt zu einem Video über die Ausstellung

https://www.asv-dachau.de/verein/georg-scherer/

(23.3.2019: Foto: Irene Stuiber; Text: PM/IS)

 

Programmänderung Jahrespräsentation am 22. März

Leider kann Ehrengast Riccardo Goruppi nicht anreisen, da der 92jährige wegen einer Krankheit nicht reisefähig ist. Wir wünschen ihm gute Besserung!
Neben Goruppis Biographie stellen Ehrenamtliche neun weitere Lebensgeschichten von Häftlingen des KZ Dachau vor. Das Zeitzeugengespräch um 17.30 Uhr muss leider entfallen.

Josef Moser, Chefredakteur der Steyrer Zeitung, 1977

Als Ehrengast wollte der 92jährige KZ-Überlebende Riccardo Goruppi aus Triest der Jahrespräsentation des Gedächtnisbuchs am Freitag, dem 22. März 2019 beiwohnen. Nun musste er aus Krankheitsgründen seinen Besuch in Dachau kurzfristig absagen. Seine Biographie wird am 22. März 2019 trotzdem in der Kirche des Karmel vorgestellt, zusammen mit neun weiteren.

In der öffentlichen Feierstunde „Namen statt Nummern“ in der Kirche des Karmel stellen ehrenamtliche Autoren neue Beiträge für das Gedächtnisbuch Dachau vor. Es gibt Informationen unter anderem zu folgenden Biographien: Roger Valroff wurde als Sohn eines französischen Beamten in Meknès im französischen Protektorat Marokko geboren und unterstützte den Imam Abdelkader Mesli in Bordeaux im Widerstand gegen die Nationalsozialisten. Der Arbeiter Johann Vogl aus Rosenheim gehörte den „proletarischen Freidenkern“ an. 1936 wurde er verhaftet, als er den deutschen Gruß `Heil Hitler´ verweigerte, weil er, wie er zu Protokoll gab, „niemandem vorheucheln will, umso weniger, als ich unbedingt zu Menschenrecht und Menschenwürde die Gewissensfreiheit rechne.“ Vogl wurde 1938 im KZ Dachau ermordet. Überlebt hat die KZ-Haft Josef Moser, ein tief religiöser Katholik und der Chefredakteur der Steyrer Zeitung. Seine Tochter schrieb seine Geschichte für das Gedächtnisbuch auf.

Die Biographie Riccardo Goruppis wurde von der Studentin Samantha Candreva und den Referentinnen der KZ-Gedenkstätte Luisa Ferrero-Heinz und Maurizia I. Puglia zusammengetragen. Goruppi wurde als Angehöriger einer slowenischen Partisanengruppe in Italien verhaftet und ins Konzentrationslager Dachau verschleppt. Im KZ Leonberg musste er den Tod seines Vaters miterleben. Er brauchte viele Jahre, um nach der KZ-Zeit wieder auf die Beine zu kommen. Bis vor kurzem war er als Zeitzeuge aktiv für die italienische Häftlingsorganisation ANED. Auch für den Besuch in Dachau waren eigentlich Begegnungen mit Schülern geplant. Der Trägerkreis Gedächtnisbuch hofft, dass sich der 92-Jährige bald wieder erholt.

Roland Prantl aus Vierkirchen begleitet die Veranstaltung musikalisch.

(14.3.2019; Foto: privat; Text: PM/IS)

Einladung: Gedächtnisbuchpräsentation am 22. März

Das Gedächtnisbuch präsentiert am 22. März 2019 zehn neue Biographien von Dachauer Häftlingen, die von ehrenamtlichen Autoren verfasst wurden. Als Ehrengast ist der 92jährige Riccardo Goruppi anwesend. Das Veranstaltungsprogramm beginnt am frühen Abend mit einem Zeitzeugengespräch.

Als Ehrengast wohnt der 92jährige KZ-Überlebende Riccardo Goruppi aus Triest der Jahrespräsentation des Gedächtnisbuchs am Freitag, dem 22. März 2019 bei. Neben seiner Biographie stellen Ehrenamtliche neun weitere Lebensgeschichten von Dachauer KZ-Häftlingen und verfolgten jüdischen Lehrern vor.

Ein Zeitzeugengespräch mit Riccardo Goruppi  eröffnet das Veranstaltungsprogramm um 17.30 Uhr in der evangelischen Versöhnungskirche. Im Anschluss daran stellen Ehrenamtliche bei der öffentlichen Feierstunde „Namen statt Nummern“ in der Kirche des Karmel neue Beiträge für das Gedächtnisbuch Dachau vor, darunter auch die Biographie Riccardo Goruppis.  Seine Lebensgeschichte wurde von der Studentin Samantha Candreva und den Referentinnen der KZ-Gedenkstätte Luisa Ferrero-Heinz und Maurizia I. Puglia zusammengetragen.

“Wenn wir Deportierten ein Viertel des Hasses angenommen hätten, wären wir Mörder geworden. … Dass es mir gelungen ist, nicht zu hassen, ist wirklich was ganz Großes, denn Hass bringt nur wieder Hass.“ Dieses Fazit zieht Goruppi im Rückblick auf seine Haft in den Konzentrationslager Dachau und Leonberg/Natzweiler. Als Angehöriger einer slowenischen Minderheit in Italien schloss er sich der Partisanengruppe „Srečko Kosovel“ an. Er wurde zusammen mit seinem Vater Edoardo Goruppi im November 1944 verhaftet, schwer misshandelt und ins KZ Dachau deportiert. Von dort kamen beide in das Außenlager Leonberg des KZ Natzweiler. Goruppi musste dort den Tod des Vaters erleben. Krank und sehr geschwächt wurde er nach Dachau zurückgebracht. In den letzten Kriegstagen überlebte er nur knapp schwere Kämpfe um einen Evakuierungszug in Schwabhausen bei Landsberg. Es brauchte drei Monate Pflege im Krankenhaus St. Ottilien, bis er soweit hergestellt war, dass er – immer noch nur „Haut und Knochen“ – die Heimreise antreten konnte.

Nie hat er vergessen, was ihm sein sterbender Vater sagte: „Einer von uns beiden muss überleben. Ich werde es nicht schaffen. Aber Du schon! Alle sollen erfahren, was wir erlitten haben!“ An das Versprechen, das er seinem Vater gegeben hat, fühlt sich Goruppi bis heute gebunden. Der 92-Jährige ist engagiert bei der italienischen Häftlingsorganisation ANED und trifft sich auch während seines Besuchs in Dachau mit Schülern.

Freiwillige der Aktion Sühnezeichen Friedensdienste sowie interessierte Privatpersonen recherchierten neun weitere Biographien. Unter anderem werden die Lebenswege von Charles Delestraint, Général der französischen Armee, Josef Moser, Journalist und Chefredakteur der Steyrer Zeitung und von Franz Sales Müller, einem katholischer Geistlichen, vorgestellt.

Roland Prantl aus Vierkirchen begleitet die Veranstaltung musikalisch.

Zeitzeugengespräch mit Riccardo Goruppi: Freitag, den 22. März 2019 um 17.30 Uhr
in der Evangelischen Versöhnungskirche

Präsentation der neuen Gedächtnisblätter: Freitag, den 22. März 2019 um 19.30 Uhr in der Kirche im Karmel Heilig Blut an der KZ-Gedenkstätte

(12.3.2019; Foto: privat (Ausschnitt); Text: PM/IS)

Ausstellungseröffnung in Pittsburgh

„Alle waren sehr beeindruckt!“, heißt es in einer Mail, die das Gedächtnisbuchprojekt nach der Ausstellungseröffnung in Pittsburgh erreichte.

Initiiert wurde die Ausstellung von Deutsch-Dozentin Viktoria Harms, die Ausstellungsorganisation liegt bei  Maureen Gallagher, Visiting Assistant Professor an der dortigen Universität. Bei der Veranstaltung sprachen John B. Lyon, Direktor der deutschen Fakultät der Uni, Maureen Gallagher und Maja Lynn, früher ASF-Freiwillige im Gedächtnisbuch. Die Wanderausstellung ist an der Pitt noch bis zum 10. März zu sehen.

(3.3.2019; IS)

Uni Pittsburgh zeigt „Namen statt Nummern“

Die Wanderausstellung des Gedächtnisbuchs „Namen statt Nummern“ ist bis zum 10. März 2019 an der University of Pittsburgh zu sehen.

Ausschnitt aus dem Ausstellungsplakat

Die Ausstellung läuft in der Posvar Hall der Universität Pittsburgh im US-Bundesstaat Pennsylvania. Geöffnet ist sie ab dem 25. Februar 2019 jeden Tag von 16 bis 18 Uhr. Möglich gemacht wurde die Ausstellungspräsentation durch das German Department, die Dietrich School of Art and Sciences, das European Studies Center und das Jewish Studies Program der Universität.

(25.2.2019; Text: Irene Stuiber)