Grafikseminar in Treuchtlingen

Ein spannender Teil der W-Seminare des Gedächtnisbuchs ist immer die Gestaltung der Gedächtnisblätter. Sabine Gerhardus berichtet vom diesjähren Grafikseminar in Treuchtlingen. Hier ihr Bericht über den letzten Seminartag vor den Sommerferien.

Am 7.7.26 traf Sabine Gerhardus das W-Seminar in Treuchtlingen zum letzten Mal vor den Sommerferien. Sie schreibt:

Wir durften für unser Blockseminar zum ersten Mal in das neue Schulhaus gehen und dort einen Kunstraum nutzen.  Zu Beginn beschrieb jeder Schüler ein Bild, das er oder sie mit „ihrem“ Verfolgten verbindet. Das waren teils echte Fotos, die sie während der Recherche gefunden hatten, zum Teil aber auch Bilder von Schlüsselereignissen, über die sie Schilderungen in den Quellen gefunden hatten.

Sehr interessiert waren die Schüler an zwei Ansichtsmappen mit Gedächtnisblättern – dort konnten sie aus der Sicht der Leser erfahren, welche Gestaltungselemente sie persönlich ansprechen. Anschließend arbeiteten sie an den Entwürfen ihrer Gedächtnisblätter. Sie hatten dafür Fotos, Texte und Blindtexte mitgebracht. Zwischendurch besprachen wir noch, was bei der Verwendung von Bildern bedacht werden sollte.

Alle waren mit vollem Engagement dabei – das Grafikseminar war eine schöne Gelegenheit, in einer entspannteren Arbeitsatmosphäre als sonst miteinander ins Gespräch zu kommen und über die Lebensgeschichten nachzudenken.

Ich danke allen Beteiligten fürs Mitmachen und den Lehrerinnen Sigrid Meyer, Christine Venter und der Kunstlehrerin für die Organisation.

Nun wünsche ich allen schöne Ferien!

Sabine Gerhardus

Hinweis: Alle Schüler sind eingeladen, erste Textabschnitte und Entwürfe ihrer Gedächtnisblätter schon im August zur Erstkorrektur zu schicken.

(25.7.26; Sabine Gerhardus; Irene Stuiber)

Ab September: Ausstellung und Begleitprogramm in Treuchtlingen

Ab 23. September 2026 präsentiert das Museum Treuchtlingen die Gedächtnisbuch-Ausstellungen „Namen statt Nummern“ und „Geistliche im KZ Dachau“. Dazu gibt es ein umfangreiches Begleitprogramm.

Gezeigt werden beide Ausstellungen bis zum 18. März 2027. Veranstalter sind neben dem Museum Treuchtlingen das Gedächtnisbuch und die Katholische Erwachsenenbildung Altmühlfranken. Das Programm ist eingebunden in das LEADER-Projekt „Jüdisches Leben in Treuchtlingen“.

Einen wichtigen Platz im Veranstaltungsprogramm nehmen auch die Ergebnisse des derzeit laufenden W-Seminars in Treuchtlingen ein. Am 12. November 2026 geben die Schülerinnen und Schüler im Museum Treuchtlingen Einblicke in ihre Rechercheerfahrungen.

Die Ausstellung beginnt am 23. September 2026 mit einer Vernissage und einem Vortrag von Frank Schleicher, der die Versöhnungskirche im Trägerkreis des Gedächtnisbuchs vertritt, unter dem Thema „Am Anfang stand die Entmenschlichung. Das Konzentrationslager Dachau, die Schule für Gewalt und Unterdrückung“. Am 15. Oktober 2026 zeigt das Museum Treuchtlingen den Film über das Gedächtnisbuch und Sabine Gerhardus führt durch die Ausstellung.

Die Themen der weiteren Programmpunkte lassen sich dem Veranstaltungskalender rechts auf dieser Website entnehmen. Führungen durch die Ausstellung können sowohl zeitlich als auch inhaltlich für Schulklassen angepasst werden.

(13.7.26; Foto: Museum Treuchtlingen/Dietmar Denger, Ausschnitt; IS)

Theodolinden-Seminar feiert erfolgreichen Projektabschluss

Am Montag, den 22. Juni 2026  feierte das W-Seminar des Städtischen Theodolinden-Gymnasiums München den erfolgreichen Abschluss der gemeinsamen Projektzeit im Biergarten des Restaurants Schmock am Volkstheater. Sabine Gerhardus berichtet darüber.

Silke Bergau, die Lehrerin, hatte das Restaurant von Florian Gleibs vorgeschlagen, der in München und Israel aufgewachsen ist und das Restaurant inspiriert von den Rezepten seiner Oma in Israel führt. Ein schöner und passender Rahmen für unseren Abschlussabend!

Im kühlen Innenhof genossen wir die leckeren Speisen, die fröhliche Stimmung nach den erfolgreich bestandenen Abiprüfungen und auch, dass wir einfach Zeit zum Ratschen hatten. Ich fand es toll, die Schüler so lustig und entspannt zu sehen nach der langen intensiven und oft auch anstrengenden Arbeit. Und von all den Plänen und Ideen zu hören, für die kommende Zeit nach der Schule. In einer Eisdiele in der Nähe ließen wir den Abend ausklingen.

Vielen Dank für das interessante, engagierte und schöne Zusammenarbeiten, an Silke Bergau für die großzügige Einladung und an alle für den schönen Abschlussabend. Ich wünsche Euch allen viel Glück und Erfolg für Eure Zukunftspläne und freue mich, ab und zu mal eine Nachricht zu erhalten!

BR-Film zum Restaurant Schmock

(5.7.26; Sabine Gerhardus/IS)

Neu online: Alfred Grünebaum

Auf unserer Website ist jetzt auch die Biografie des jüdischen Lehrers und späteren Inhaber eines kleinen Geschäfts Alfred Grünebaum, nachzulesen. Grünebaum änderte seinen Namen nach seiner Emigration in die USA in Gruen. Leider musste zur Veröffentlichung des Gedächtnisblatts ein Foto abgedeckt werden.

Das nicht gezeigte Porträt von Alfred Grünebaum stammt aus dem Würzburger Stadtarchiv. Dort gibt es aber nur einen Abzug, der kein Veröffentlichungsrecht beinhaltet. Das Porträt war von einem professionellen Atelier angefertigt werden, dem Photo-Atelier G(eor)g Wedel, Würzburg, Kaiserstraße 9. Dies zeigt sich durch einen Stempel auf der Rückseite.

Der derzeitige Inhaber der Urheberrechte konnte leider nicht ermittelt werden. Falls ihn jemand kennt – wir freuen uns über einen Hinweis.

Hier geht’s zum Gedächtnisblatt
https://www.gedaechtnisbuch.org/gedaechtnisblaetter/?f=G&gb=15000

(22.6.2026; Foto: aus dem Gedächtnisblatt, Ausschnitt; IS)

Neu online: Gedächtnisblatt über Richard Piper

Online präsentiert wird auf dieser Website jetzt auch das von der Schülerin Nuria Christ verfasste Gedächtnisblatt über Richard Piper.

Richard Piper als Regierungsrat

Nuria Christ stellte ihr Gedächtnisblatt bei der Jahrespräsentation des Gedächtnisbuchs im März 206 vor. Sie hatte die Biographie im Seminar des Gedächtnisbuchs am Münchner Theodolinden-Gymnasium verfasst.

Hier geht es zum Gedächtnisblatt
Richard Piper

(8.6.2026; Foto: privat, aus dem Gedächtnisblatt, Ausschnitt; IS)

Familie Gruen: Angehörige auf den Spuren des Vaters und Großvaters

Sabine Gerhadus hatte Gelegenheit, am 26. Mai 2026 die Tochter und den Enkel des ehemaligen Dachau-Häftlings Alfred Gruen (Grünebaum) kennenzulernen. Sie berichtet für den Blog vom Treffen und dem Besuchsprogramm der Familie. Die Schülerin Mileen Sentürk hatte 2022 ein Gedächtnisblatt über Alfred Gruen verfasst.

Hier der Bericht von Sabine Gerhardus:

„Ich habe am 26.5.26 im Besucherzentrum der Gedenkstätte die Familie Gruen getroffen, die Nachkommen des jüdischen Lehrers und ehemaligen Dachau-Häftlings Alfred Gruen (Grünebaum), dessen Gedächtnisblatt 2022 von Mileen Sentürk am ITG verfasst wurde.

Es kamen seine Tochter, Sylvia Salomon und der Enkel Todd Gruen mit seiner Frau Margo. Alle drei sind in der Früh am Flughafen in München angekommen und gleich mit dem Mietwagen nach Dachau gefahren. Ich habe mich mit ihnen zum Mittagessen getroffen und anschließend hat Björn Mensing sie durch die Gedenkstätte geführt. Für Sylvia Gruen war es der erste Besuch in Deutschland überhaupt.

Die Familie ist auf der Spuren ihrer Vorfahren unterwegs und besucht vom 26.5.-30.5.26 nach dem Halt in Dachau noch Sulzbürg, Prichsenstadt, Obbach und Würzburg. Das Besuchsprogramm wurde von Wolf-Dieter Gutsch und  Heide Inhetveen organisiert, die zur Familiengeschichte recherchiert hatten und auch schon Mileen bei ihrer Recherche geholfen haben.

Ich habe mich sehr über die Gelegenheit gefreut, die Familie kennenzulernen. Wir hatten eine schöne Begegnung und sehr anregenden Austausch – die Zeit war leider viel zu kurz. Ich bedanke mich bei Herrn Gutsch für die Vermittlung, bei der Familie Gruen für ihr Interesse und ihre große Offenheit und wünsche ihnen noch einen möglichst guten Aufenthalt in Franken.“

Und hier geht es zum Gedächtnisblatt:
Alfred Grünebaum 

(29.5.26; Sabine Gerhardus/IS)

 

Neu online: Biografien von Nick Hope, Karl Knapp und Walerian Krzymiñski

Drei der Biografien, die in der Jahrespräsentation am 22. März 2026 vorgestellt wurden, konnten wir jetzt online veröffentlichen. Sie finden diese Gedächtnisblätter im alphabetischen Verzeichnis in der Mitte dieser Website.

Nick Hope im ehemaligen BMW-Werk

Bei den Porträtierten handelt es sich um Nick Hope, Karl Knapp und Walerian Krzymiñski.

Hier geht es zu den Gedächtnisblättern:

Nick Hope

Karl Knapp

Walerian Krzymiñski.

(17.5.26; Bildnachweis: Privatsammlung George Hope; IS)

Befreiungsfeier: Jean Lafaurie in Dachau

Der 102-jährige Jean Lafaurie sprach bei der Befreiungsfeier am 3. Mai 2026 in Dachau am Denkmal des unbekannten Häftlings. Er wünschte sich, dass sich die Tore der Erinnerung nie wieder schließen.

Noémie Hernandez Bernard hat während ihres Freiwilligenjahrs in Dachau 2024/2025 ein Gedächtnisblatt über Jean Lafaurie erarbeitet. Nun ist diese Biografie endgültig fertiggestellt, alle Änderungen sind eingearbeitet. Sabine Gerhardus nutzte die Gelegenheit am 3. Mai 2026 und überreichte das Gedächtnisblatt Jean Lafaurie. Das Foto zeigt ihn beim Tag der Begegnung im Max Mannheimer Studienzentrum.

(8.5.26; Foto: Sabine Gerhardus; IS)

Jahrespräsentation vom 22. März 2026 – Teil 3

Einen Blick auf weitere vier Präsentationen wirft dieser letzte Blogpost zur diesjährigen Jahrespräsentation des Gedächtnisbuchs.

Die Schülerin Eva Sommer stellte die Lebensgeschichte der Lehrerin Irma Reh vor. Diese Biographie entstand Rahmen des BLLV-Projekts Erinnern ebenfalls im Seminar am Münchner Theodolinden-Gymnasium. Beim Projekt Erinnern handelt es sich um ein Schwesterprojekt des Gedächtnisbuchs, das sich verfolgten Lehrerinnen und Lehrern widmet.

Irma Reh: ein hartes Leben in der Emigration

Nichts deutete bis in die 30er Jahre darauf hin, dass Irma Reh vorhatte, Deutschland zu verlassen. Sie war in München aufgewachsen, studierte in München und arbeitete schließlich als Lehrerin an einer katholischen Mädchenschule in Neuburg an der Donau. Am 1. März 1933 wird ihr dort gekündigt, weil sie Jüdin ist. „Einige Wochen nach der Reichspogromnacht wird der 42jährigen klar: Sie hat keine sichere Zukunft mehr in Deutschland.“, erläuterte die Referentin.

Irma Reh gelingt es nach Nordirland zu fliehen, 1949 reist sie zu ihren Schwestern nach Israel. Ihr Leben in der Emigration war schwer. Eva Sommer fasste dies so zusammen: „Am 24.9.1976 endet Irma Rehs Leben nach 79 Jahren. Damit ein Leben voller Träume, Hoffnung und dem Wunsch, Menschen Wissen zu vermitteln. Durch den Nationalsozialismus war es ein Leben voller schwerer körperlicher Arbeit, Angst und Verfolgung.“

Max Moritz Klar: engagiertes Mitglied der Münchner Stadtgesellschaft

Der promovierte Arzt hatte seit 1906 eine Praxis in der Münchner Luisenstraße. Nach dem Ersten Weltkrieg wurde er Mitglied der Deutschen Friedensgesellschaft Vereinigte Kriegsdienstgegner. Jakob von Borries berichtete: „Neben seiner Arbeit und seinem Engagement in der Deutschen Friedensgesellschaft war Klar von 1920 bis 1933 Fördermitglied beim FC Bayern. Politisch stand er wohl der SPD nahe.“ 

Sylvia Klar, die Ehefrau von Max Klar,  unterstützte Wilhelm Hoegner 1933 bei seiner Flucht aus Deutschland. Max Moritz Klar war zu diesem Zeitpunkt eventuell noch aus derzeit nicht bekanntem Grund in Stadelheim in Haft. Er kam frei und konnte seine Praxis noch bis 1938 weiterführen, dann wurde ihm die Zulassung entzogen. In der Reichspogromnacht wurde er verhaftet, drei Wochen später starb er im KZ Dachau, vermutlich weil ihm als Diabetiker seine Medikamente verwehrt wurden.

Über die Bestattung weiß Jakob von Borries zu berichten: „Bei der Beerdigung auf dem Neuen Israelitischen Friedhof in München legte Sylvia Klar ihrem Ehemann ein schwarz-rot-goldenes Bändchen unter den Kopf. Die Farben der Republik.“

Alois Hundhammer: bäuerliche Herkunft, katholisch und konservativ

Dem BVP- und CSU-Politiker Alois Hundhammer widmet Veronika Stuckenberger ihr Gedächtnisblatt. Hundhammer stellte sich während der Weimarer Republik gegen die Nationalsozialisten und wurde im Juni 1933 verhaftet und in das KZ-Dachau gebracht, einige Wochen später jedoch wieder freigelassen.

In der Nachkriegszeit setzte er sich für eine KZ-Gedenkstätte in Dachau ein, bei deren Eröffnung 1965 trat er als Redner in Erscheinung. Auch das 1968 eröffnete Internationale Mahnmal war ihm ein Anliegen.

Ihren Eindruck von Hundhammer fasste Veronika Stuckenberger so zusammen: „Bis zu seinem Rückzug aus der Politik Ende der 1960er Jahre bleibt Hundhammer eine prägende Figur der bayerischen Nachkriegspolitik. Sein politisches Wirken war stark geprägt von seinem katholischen Glauben, konservativen Überzeugungen und seiner engen Verbindung zur Landwirtschaft.“

Walerian Krzyminski: gebildet, mutig und tiefgläubig

Die Schülerin Mila Ruchatz hat ihren Urgroßonkel Walerian Krzyminski zum Thema ihres Gedächtnisblatts gemacht. Ausgangspunkt war die eher karge familiäre Überlieferung. Mila Ruchatz erzählte: „Auch über Walerian wurde gelegentlich gesprochen. Bekannt war vor allem, dass er fünf Jahre lang im KZ Dachau inhaftiert war, weil er ein gebildeter polnischer Priester war. Doch über die Zeit im Krieg und die genauen Hintergründe wusste meine Familie nur wenig.“

Walerian Krzyminski wurde 1940 verhaftet, zunächst nach Buchenwald, dann nach Dachau überstellt. Im Lager musste er als Lagerschreiber arbeiten. Nach einem mehrmonatigen Aufenthalt in Paris kehrte er 1946 nach Polen zurück und arbeitete als Priester an verschiedenen Orten.

Die Referentin hielt als Resümée ihrer Nachforschungen fest: „Walerian war ein bewundernswerter Mensch: gebildet, mutig, tiefgläubig und eng mit seiner Familie verbunden. In meiner Recherche über ihn war das Prägnanteste, dass er trotz allem Leid immer an seinem Glauben festhielt.“

(28.4.26; Irene Stuiber)