Neue Perspektiven, tiefgründige Gespräche und Gelegenheiten zum Lernen

Khrystyna Maksymliuk, Freiwillige der Aktion Sühnezeichen Friedensdienste bis Ende August 2026 in der Versöhnungskirche und im Gedächtnisbuch, nutzte ihre Rede beim Abschlussgottesdienst am 9. August 2026 zur Reflexion über das Jahr in Dachau und die Vorstellung der Biographie des Dachau-Häftlings Mychajlo Tschaika.

Zu ihren persönlichen Erfahrungen in Dachau erzählte Khrystyna Maksymliuk: „Jeder Tag brachte neue Perspektiven, tiefgründige Gespräche und Gelegenheiten zum Lernen mit sich – nicht nur über die Geschichte, sondern auch über die Menschen.“

Ihr Resümée zum Freiwilligenjahr fasste sie folgendermaßen zusammen:

„Natürlich war diese Arbeit nicht immer leicht. Die Auseinandersetzung mit einem so schwierigen Kapitel der Geschichte erfordert Geduld, Empathie und Reflexion. Aber ich glaube, dass genau das Orte wie Dachau so wichtig macht. Sie erinnern uns daran, dass das Gedenken an die Vergangenheit nicht einfach nur ein Blick zurück ist – es bedeutet auch, Verantwortung für die Gegenwart und die Zukunft zu übernehmen.

Als Ukrainerin hatte diese Erfahrung für mich eine ganz besondere Bedeutung. Mein eigenes Land durchlebt eine Zeit, in der Fragen der Erinnerung, des Verlusts und der Bewahrung von Geschichte zutiefst persönlich geworden sind. Die Art und Weise, wie Gesellschaften sich entscheiden zu erinnern, kann prägen, wie sie heilen, wie sie sich wieder aufbauen und wie zukünftige Generationen sowohl die Vergangenheit als auch ihre Verantwortung füreinander verstehen.“

Vorstellung der Biographie von Mychajlo Tschaika

In den vergangenen Monaten hatte Khrystyna Maksymliuk intensiv für das Gedächtnisbuch die Biographie von Mychajlo Tschaika recherchiert. Sie nutzte den Gottesdienst, um die Biographie des ehemaligen Dachau-Häftlings vorzustellen.

Tschaika wurde 1923 im ukrainischen Oblast Poltawa in der Sowjetunion geboren. Die Lebensumstände der Familie waren zunächst gut, mit der stalinistischen Kollektivierung und schließlich dem Holodomor, der politisch herbeigeführten Hungersnot, änderte sich aber alles entscheidend zum Negativen.

Der deutsche Überfall auf die Sowjetunion und die Besetzung Poltawas 1941 brachte bereits 1942 die Einziehung Mychajlo Tschaikas zur Zwangsarbeit in Deutschland. Tschaika wollte von seinem Einsatzort Darmstadt zu seinem Onkel nach Hannover reisen, wurde gefasst und im KZ Dachau, später in Sachsenhausen und daraufhin in Duisburg inhaftiert. Während einer Deportation mit dem Zug zur Kanalinsel Alderney konnte er in Arras aus dem fahrenden Zug springen und sich bis zur Befreiung 1944 versteckt halten.

Was nach dem Krieg geschah beschreibt Khrystina Maksymliuk so:

„Nach Kriegsende meldete sich Mychajlo 1946 in Paris bei der sowjetischen Botschaft, um in seine Heimat zurückzukehren. Wie viele Heimkehrer geriet er jedoch unter den Verdacht der Kollaboration mit dem Feind. Er wurde vom sowjetischen Geheimdienst in die Stadt Beresniki im Ural geschickt, wo er unter schlechten Lebensbedingungen in einem ehemaligen Gefängnis untergebracht war und zwei Jahre lang als Mechaniker in einem gefährlichen Soda- und Chlorwerk arbeitete.“

Mychailo Tschaika gelang es schließlich 1949, in die Ukraine zurückzukehren. Er arbeitete 45 Jahre in Kiew im Militär- und Maschinenbauwerk Nr. 7. Im Alter von 89 Jahren nahm er sich nach einem „langen, kräftezehrenden Kampf gegen eine schwere Krankheit“ das Leben, so berichtete Khrystina Maksymliuk in ihrem Vortrag.

(19.8.26; IS)

Ab September 2026: W-Seminar am St.-Anna-Gymnasium München

Die Vorbereitungen für das neue W-Seminar am Städtischen St.-Anna-Gymnasium in München laufen auf Hochtouren. Zu Beginn des neuen Schuljahres werden 14 Schüler*innen unter Anleitung der Lehrerin Iris Vogeltanz die Arbeit an ihren Seminararbeiten und Gedächtnisblättern beginnen.

Iris Vogeltanz, Geschichtslehrerin am St.-Anna-Gymnasium

Kurz vor den Sommerferien fand das erste Treffen von Gedächtnisbuchleiterin Sabine Gerhardus mit Iris Vogeltanz, Geschichtslehrerin am Städtischen St.-Anna-Gymnasium im Münchner Lehel, statt. Iris Vogeltanz interessiert sich sehr für das Gedächtnisbuch-Projekt. Sie hat sogar angeboten, die Projektleitung bei Recherchen und Archivarbeiten zu unterstützen. Auf ihr Seminarangebot hin haben sich zehn Schülerinnen und vier Schüler  für das Seminar angemeldet.

Sabine Gerhardus berichtet: „Bei einem Treffen im Dachauer Forum haben wir die ersten Wochen des Seminars geplant. Frau Vogeltanz hat viele Informationen über das Gedächtnisbuch-Projekt bekommen und Beispiele von Gedächtnisblättern und Seminararbeiten gesehen. Wir beide freuen uns jetzt auf das neue Seminar und unsere Zusammenarbeit!“

(8.8.26; Sabine Gerhardus/IS)

Grafikseminar in Treuchtlingen

Ein spannender Teil der W-Seminare des Gedächtnisbuchs ist immer die Gestaltung der Gedächtnisblätter. Sabine Gerhardus berichtet vom diesjähren Grafikseminar in Treuchtlingen. Hier ihr Bericht über den letzten Seminartag vor den Sommerferien.

Am 7.7.26 traf Sabine Gerhardus das W-Seminar in Treuchtlingen zum letzten Mal vor den Sommerferien. Sie schreibt:

Wir durften für unser Blockseminar zum ersten Mal in das neue Schulhaus gehen und dort einen Kunstraum nutzen.  Zu Beginn beschrieb jeder Schüler ein Bild, das er oder sie mit „ihrem“ Verfolgten verbindet. Das waren teils echte Fotos, die sie während der Recherche gefunden hatten, zum Teil aber auch Bilder von Schlüsselereignissen, über die sie Schilderungen in den Quellen gefunden hatten.

Sehr interessiert waren die Schüler an zwei Ansichtsmappen mit Gedächtnisblättern – dort konnten sie aus der Sicht der Leser erfahren, welche Gestaltungselemente sie persönlich ansprechen. Anschließend arbeiteten sie an den Entwürfen ihrer Gedächtnisblätter. Sie hatten dafür Fotos, Texte und Blindtexte mitgebracht. Zwischendurch besprachen wir noch, was bei der Verwendung von Bildern bedacht werden sollte.

Alle waren mit vollem Engagement dabei – das Grafikseminar war eine schöne Gelegenheit, in einer entspannteren Arbeitsatmosphäre als sonst miteinander ins Gespräch zu kommen und über die Lebensgeschichten nachzudenken.

Ich danke allen Beteiligten fürs Mitmachen und den Lehrerinnen Sigrid Meyer, Christine Venter und der Kunstlehrerin für die Organisation.

Nun wünsche ich allen schöne Ferien!

Sabine Gerhardus

Hinweis: Alle Schüler sind eingeladen, erste Textabschnitte und Entwürfe ihrer Gedächtnisblätter schon im August zur Erstkorrektur zu schicken.

(25.7.26; Sabine Gerhardus; Irene Stuiber)

Ab September: Ausstellung und Begleitprogramm in Treuchtlingen

Ab 23. September 2026 präsentiert das Museum Treuchtlingen die Gedächtnisbuch-Ausstellungen „Namen statt Nummern“ und „Geistliche im KZ Dachau“. Dazu gibt es ein umfangreiches Begleitprogramm.

Gezeigt werden beide Ausstellungen bis zum 18. März 2027. Veranstalter sind neben dem Museum Treuchtlingen das Gedächtnisbuch und die Katholische Erwachsenenbildung Altmühlfranken. Das Programm ist eingebunden in das LEADER-Projekt „Jüdisches Leben in Treuchtlingen“.

Einen wichtigen Platz im Veranstaltungsprogramm nehmen auch die Ergebnisse des derzeit laufenden W-Seminars in Treuchtlingen ein. Am 12. November 2026 geben die Schülerinnen und Schüler im Museum Treuchtlingen Einblicke in ihre Rechercheerfahrungen.

Die Ausstellung beginnt am 23. September 2026 mit einer Vernissage und einem Vortrag von Frank Schleicher, der die Versöhnungskirche im Trägerkreis des Gedächtnisbuchs vertritt, unter dem Thema „Am Anfang stand die Entmenschlichung. Das Konzentrationslager Dachau, die Schule für Gewalt und Unterdrückung“. Am 15. Oktober 2026 zeigt das Museum Treuchtlingen den Film über das Gedächtnisbuch und Sabine Gerhardus führt durch die Ausstellung.

Die Themen der weiteren Programmpunkte lassen sich dem Veranstaltungskalender rechts auf dieser Website entnehmen. Führungen durch die Ausstellung können sowohl zeitlich als auch inhaltlich für Schulklassen angepasst werden.

(13.7.26; Foto: Museum Treuchtlingen/Dietmar Denger, Ausschnitt; IS)

Theodolinden-Seminar feiert erfolgreichen Projektabschluss

Am Montag, den 22. Juni 2026  feierte das W-Seminar des Städtischen Theodolinden-Gymnasiums München den erfolgreichen Abschluss der gemeinsamen Projektzeit im Biergarten des Restaurants Schmock am Volkstheater. Sabine Gerhardus berichtet darüber.

Silke Bergau, die Lehrerin, hatte das Restaurant von Florian Gleibs vorgeschlagen, der in München und Israel aufgewachsen ist und das Restaurant inspiriert von den Rezepten seiner Oma in Israel führt. Ein schöner und passender Rahmen für unseren Abschlussabend!

Im kühlen Innenhof genossen wir die leckeren Speisen, die fröhliche Stimmung nach den erfolgreich bestandenen Abiprüfungen und auch, dass wir einfach Zeit zum Ratschen hatten. Ich fand es toll, die Schüler so lustig und entspannt zu sehen nach der langen intensiven und oft auch anstrengenden Arbeit. Und von all den Plänen und Ideen zu hören, für die kommende Zeit nach der Schule. In einer Eisdiele in der Nähe ließen wir den Abend ausklingen.

Vielen Dank für das interessante, engagierte und schöne Zusammenarbeiten, an Silke Bergau für die großzügige Einladung und an alle für den schönen Abschlussabend. Ich wünsche Euch allen viel Glück und Erfolg für Eure Zukunftspläne und freue mich, ab und zu mal eine Nachricht zu erhalten!

BR-Film zum Restaurant Schmock

(5.7.26; Sabine Gerhardus/IS)

Neu online: Alfred Grünebaum

Auf unserer Website ist jetzt auch die Biografie des jüdischen Lehrers und späteren Inhaber eines kleinen Geschäfts Alfred Grünebaum, nachzulesen. Grünebaum änderte seinen Namen nach seiner Emigration in die USA in Gruen. Leider musste zur Veröffentlichung des Gedächtnisblatts ein Foto abgedeckt werden.

Das nicht gezeigte Porträt von Alfred Grünebaum stammt aus dem Würzburger Stadtarchiv. Dort gibt es aber nur einen Abzug, der kein Veröffentlichungsrecht beinhaltet. Das Porträt war von einem professionellen Atelier angefertigt werden, dem Photo-Atelier G(eor)g Wedel, Würzburg, Kaiserstraße 9. Dies zeigt sich durch einen Stempel auf der Rückseite.

Der derzeitige Inhaber der Urheberrechte konnte leider nicht ermittelt werden. Falls ihn jemand kennt – wir freuen uns über einen Hinweis.

Hier geht’s zum Gedächtnisblatt
https://www.gedaechtnisbuch.org/gedaechtnisblaetter/?f=G&gb=15000

(22.6.2026; Foto: aus dem Gedächtnisblatt, Ausschnitt; IS)

Neu online: Gedächtnisblatt über Richard Piper

Online präsentiert wird auf dieser Website jetzt auch das von der Schülerin Nuria Christ verfasste Gedächtnisblatt über Richard Piper.

Richard Piper als Regierungsrat

Nuria Christ stellte ihr Gedächtnisblatt bei der Jahrespräsentation des Gedächtnisbuchs im März 206 vor. Sie hatte die Biographie im Seminar des Gedächtnisbuchs am Münchner Theodolinden-Gymnasium verfasst.

Hier geht es zum Gedächtnisblatt
Richard Piper

(8.6.2026; Foto: privat, aus dem Gedächtnisblatt, Ausschnitt; IS)

Familie Gruen: Angehörige auf den Spuren des Vaters und Großvaters

Sabine Gerhadus hatte Gelegenheit, am 26. Mai 2026 die Tochter und den Enkel des ehemaligen Dachau-Häftlings Alfred Gruen (Grünebaum) kennenzulernen. Sie berichtet für den Blog vom Treffen und dem Besuchsprogramm der Familie. Die Schülerin Mileen Sentürk hatte 2022 ein Gedächtnisblatt über Alfred Gruen verfasst.

Hier der Bericht von Sabine Gerhardus:

„Ich habe am 26.5.26 im Besucherzentrum der Gedenkstätte die Familie Gruen getroffen, die Nachkommen des jüdischen Lehrers und ehemaligen Dachau-Häftlings Alfred Gruen (Grünebaum), dessen Gedächtnisblatt 2022 von Mileen Sentürk am ITG verfasst wurde.

Es kamen seine Tochter, Sylvia Salomon und der Enkel Todd Gruen mit seiner Frau Margo. Alle drei sind in der Früh am Flughafen in München angekommen und gleich mit dem Mietwagen nach Dachau gefahren. Ich habe mich mit ihnen zum Mittagessen getroffen und anschließend hat Björn Mensing sie durch die Gedenkstätte geführt. Für Sylvia Gruen war es der erste Besuch in Deutschland überhaupt.

Die Familie ist auf der Spuren ihrer Vorfahren unterwegs und besucht vom 26.5.-30.5.26 nach dem Halt in Dachau noch Sulzbürg, Prichsenstadt, Obbach und Würzburg. Das Besuchsprogramm wurde von Wolf-Dieter Gutsch und  Heide Inhetveen organisiert, die zur Familiengeschichte recherchiert hatten und auch schon Mileen bei ihrer Recherche geholfen haben.

Ich habe mich sehr über die Gelegenheit gefreut, die Familie kennenzulernen. Wir hatten eine schöne Begegnung und sehr anregenden Austausch – die Zeit war leider viel zu kurz. Ich bedanke mich bei Herrn Gutsch für die Vermittlung, bei der Familie Gruen für ihr Interesse und ihre große Offenheit und wünsche ihnen noch einen möglichst guten Aufenthalt in Franken.“

Und hier geht es zum Gedächtnisblatt:
Alfred Grünebaum 

(29.5.26; Sabine Gerhardus/IS)

 

Neu online: Biografien von Nick Hope, Karl Knapp und Walerian Krzymiñski

Drei der Biografien, die in der Jahrespräsentation am 22. März 2026 vorgestellt wurden, konnten wir jetzt online veröffentlichen. Sie finden diese Gedächtnisblätter im alphabetischen Verzeichnis in der Mitte dieser Website.

Nick Hope im ehemaligen BMW-Werk

Bei den Porträtierten handelt es sich um Nick Hope, Karl Knapp und Walerian Krzymiñski.

Hier geht es zu den Gedächtnisblättern:

Nick Hope

Karl Knapp

Walerian Krzymiñski.

(17.5.26; Bildnachweis: Privatsammlung George Hope; IS)