Sowohl online als auch vor Ort: Seminare zu Häftlingsschicksalen

Auf Gedächtnisbuchbiographien basieren zwei hybride Seminarangebote des Dachauer Forums, bei denen zwei Onlinetermine einen Gedenkstättenrundgang vor Ort flankieren.

Das erste dieser Seminare beschäftigt sich mit dem Leben und Leiden der Häftlinge des Konzentrationslagers Dachau. Es findet von Freitag, den 13. November 2020 bis Sonntag, den 15. November 2020 statt. Referentinnen sind Karin Schwenke und Brigitte Fiedler. Das Seminar ist kostenlos, eine Anmeldung ist jedoch nötig. Nähere Angaben finden sich im Veranstaltungskalender rechts auf dieser Website.

Einen genaueren Blick auf das Leben und Leiden jüdischer Häftlinge wirft das zweite Seminar. Wieder referieren Brigitte Fiedler und Karin Schwenke. Das Seminar startet am 1. Dezember 2020 und endet am 3. Dezember 2020. Zur Teilnahme am Seminar ist eine Anmeldung nötig. Weitere Einzelheiten entnehmen Sie bitte  dem Veranstaltungskalender.

Beide Seminarangebote sind kostenlos und werden aus Mitteln des Bayerischen Kultusministeriums und des Bezirks Oberbayern gefördert.

(17.10.2020; IS)

 

W-Seminar „Biographisches Schreiben“: Erste Layoutentwürfe liegen vor

Drei Teilnehmende des W-Seminars „Biographisches Schreiben“ am Josef-Effner-Gymnasium in Dachau stellten am Freitag, den 9. Oktober 2020, Layoutentwürfe für ihre Gedächtnisblätter vor.

Anfangs sprach das Seminar über Fragen wie Bildrechte, Bildunterschriften und Bildnachweise, alles Themen, die beim Layouten aktuell werden. Lena Richter, Diana Unger und Peter Frey stellten dann ihre Gedächtnisblattentwürfe über Rudolf, Otto und Theodor Endres sowie Hermann Enzmann der Klasse vor. Es gab viele positive Rückmeldungen von den anderen im Kurs und auch die eine oder andere Nachfrage.

Alfred Ullrich, der Neffe der Endres-Brüder, nahm am Seminar teil. Die Gestaltungsideen fanden viel Beifall. Alle drei Verfasser haben ein Konzept, mit dem sie zentrale Lebensthemen der dargestellten Personen in die Gestaltung einfließen lassen.

Sabine Gerhardus freut sich auf die Fortsetzung der Layoutpräsentation: „Ich bin schon sehr gespannt auf die nächsten Entwürfe, die wir am kommenden Freitag sehen werden. Fast alle Schülerinnen und Schüler haben inzwischen auch einen Textentwurf abgegeben und warten jetzt auf Rückmeldungen. Vielen Dank dafür!“

(13.10.20; Sabine Gerhardus/IS)

Praktikum in der Versöhnungskirche: Gespräch über das Gedächtnisbuch

Ein Gespräch über das Gedächtnisbuch gehörte zum Praktikum, das Karla gerade in der Versöhnungskirche absolviert. Die junge Frau hofft, trotz Corona demnächst als ASF-Freiwillige für ein Jahr ins Ausland gehen zu können.

Diakon Frank Schleicher und Praktikantin Karla

Den Termin am 29. Oktober 2020 nutzten Sabine Gerhardus, die Praktikantin Karla und Frank Schleicher zum Kennenlernen und zum vertieften Austausch über das Gedächtnisbuch. Sabine Gerhardus erläuterte, wie sie selbst zum Gedächtnisbuch gekommen ist und stellte die Arbeit im Gedächtnisbuch vor. Sie sprach über die W-Seminare, das BLLV-Projekt Erinnern, die Geschichtswerkstatt und auch die Arbeit der ASF-Freiwilligen für das Gedächtnisbuch.

Karla meint dazu: „Auch wenn ich im Gegensatz zu den vorherigen Freiwilligen vorläufig nur bis Ende November an der Versöhnungskirche bin und nicht direkt im Gedächtnisbuch mitarbeiten werde, freue ich mich, dass ich erfahren durfte, wie viel neben bloßer Recherche an einem solchen Projekt hängt.“

Einige Recherchetipps nimmt Karla auf alle Fälle für ihre künftige Arbeit mit. Und sie hofft: „Vielleicht kann ich doch bei der einen oder anderen Kleinigkeit mithelfen.“

(4.10.2020; IS)

W-Seminar am Dachauer Ignaz-Taschner-Gymnasium startet

Am Ignaz-Taschner-Gymnasium in Dachau begann am 22. September 2020 ein neues W-Seminar „Namen statt Nummern“ unter der Leitung von Hedi Bäuml.

 

Drei Schüler und zehn Schülerinnen beginnen in den nächsten Monaten die Spurensuche nach den Lebensgeschichten von Häftlingen des KZ Dachau. Dabei werden auch Gedächtnisblätter über jüdische Lehrer oder Lehrerinnen und über Verfolgte aus dem Landkreis Dachau entstehen.

Hedi Bäuml hat bereits 2010 als erste Lehrerin ein W-Seminar mit dem Gedächtnisbuch angeboten – damals, als das G8 ganz neu war. Jetzt freut sie sich darauf, wieder mit ihren Schülerinnen und Schülern Biographien für das Gedächtnisbuch zu recherchieren.

Beim ersten Seminartermin am 22. September 2020 stellten sich alle Schüler vor, einzelne konnten von Groß- oder Urgroßeltern berichten, die die NS-Zeit miterlebt haben. Sabine Gerhardus, die Leiterin des Gedächtnisbuchs, meint zum Start des W-Seminars: „Ich freue mich auf die Zusammenarbeit mit diesem netten und offenen Kurs und hoffe, dass die Corona-Beschränkungen den Schülerinnen und Schülern die Arbeit nicht zu schwer machen – und vor allem, dass alle gesund bleiben! Ich wünsche uns allen ein spannendes Jahr und eine erfolgreiche Spurensuche.“

(26.9.2020; Sabine Gerhardus/IS)

Dachauer Forum: Neues Programm, wie immer mit Gedächtnisbuch

Das Dachauer Forum hat sein umfangreiches Jahresprogramm 2020/21 vorgelegt. Wie immer nimmt das Gedächtnisbuch einen prominenten Platz ein.

Annerose Stanglmayr, Geschäftsführerin des Dachauer Forums und Trägerkreisvertreterin im Gedächtnisbuchprojekt, erläutert das Programm: „Das Dachauer Forum startet in das neue Programmjahr und geht neue Wege. 1.000 Veranstaltungen in Präsenz, digital oder hybrid sind ausgeschrieben. Das Jahresthema lautet „Mut zum Aufbruch in Kirche und Gesellschaft“.

Wer in Ruhe durch das Programm stöbern möchte, findet das Programmheft in allen Banken, Pfarreien und im Dachauer Forum. Das Programm ist auch online und ab Ende September auf der neuen Internetseite des Dachauer Forums zu finden.

(17.9.2020; IS)

Neue Gedächtnisblätter online und offline lesen

In diesem Jahr fertiggestellte Gedächtnisblätter lassen sich jetzt komfortabel am neuen Display in der Versöhnungskirche lesen.

Einmal im Jahr werden die digitalen Gedächtnisblätter in der Versöhnungskirche aktualisiert. Das  Ringbuch mit den laminierten Biographien wird sogar häufiger ergänzt. Nun gibt es gute Nachrichten: Dank eines neuen Displays und einer neuen Gestaltung des Lesetisches ist sowohl die digitale wie auch die analoge Fassung der Gedächtnisblätter besser zugänglich.

Soweit aus rechtlichen Gründen möglich, veröffentlichen wir die Gedächtnisblätter so schnell wie möglich online. Einige der neuen Gedächtnisblätter können Sie bereits auf auf dieser Website im Katalog der Gedächtnisblätter online finden:

Charles Delestraint

Erich Finsches

Carla Gastkemper  (niederländisch)

Friedl Volgger

Karl-Otto Watzinger

 

(13.9.2020; Foto: Frank Schleicher; IS)

Ein Jahr Freiwilligenarbeit in Dachau – Interview mit Paul Canneva

Ein Jahr lang hat Paul Canneva für Aktion Friedensdienste Sühnezeichen in Dachau auch im Gedächtnisbuchprojekt mitgearbeitet. Im Interview erzählt er von seinen Erfahrungen.

 

Paul, was wird dir von diesem Jahr in Erinnerung bleiben?

Für mich ist es schwierig, nur wenige Punkte zu sagen – ich habe so viele Sachen in meinem Kopf. Aber wahrscheinlich werde ich mich genau an den Moment meines Arbeitens erinnern, als ich mit einer Tochter von Leon Boutbien telefoniert habe und sie gesagt hat: „Vielen, vielen Dank für Ihre Arbeit, das ist wirklich wichtig!“ Dieser Moment war ein Höhepunkt meines Freiwilligendiensts, weil sich in diesem Moment meine Arbeit, die ganze viele Arbeit, konkret in einem Punkt verdichtet hat. Und ich habe auch gelernt, dass es viele unterschiedliche Formen der Erinnerung gibt, das war für mich auch sehr wichtig. Erfahren habe ich auch, dass Dachau als Stadt auch eine Geschichte vor der Nazi-Zeit und nach der Nazi-Zeit hat. Und ich habe den Unterschied zwischen Geschichtsarbeit und Erinnerungsarbeit gelernt.

Gibt es große kulturelle Unterschiede zwischen deiner Heimat und Deutschland?

Na ja, ich komme aus Westfrankreich, der Unterschied ist nicht so groß. Vielleicht aber das Essen, das Mittagessen. In Frankreich ist es normal, eine oder gar zwei Stunden Mittagessen zu haben. Dass die Sprachen sehr unterschiedlich sind, fällt vielen Menschen auf – aber es ist nicht so verschieden, was die Leute denken. Es gibt viele Unterschiede, aber auch viele Gemeinsamkeiten.

An welchen Gedächtnisblättern hast du mitgewirkt?

Ich habe ein eigenes Blatt zu Gabriel Piguet geschrieben und ich habe an dem Blatt über Leon Boutbien mitgearbeitet.

Was würdest du deinen Nachfolgern als ASF-Freiwillige in Dachau raten?

Man muss viel Neugierde mitbringen. Ich denke, es ist auch wichtig, sich für die Geschichte dieses Orts sehr zu interessieren, es ist gut, schon viel zu wissen. Je mehr man weiß, desto mehr Anknüpfungspunkte hat man. Und wenn man man die Möglichkeit hat, zu einer Veranstaltung zu gehen, zum Beispiel zu einer Gedenkfeier, dann ist es wichtig, das auch zu machen, möglichst viele dieser Anlässe wahrzunehmen.

Was hast du jetzt vor nach deinem Freiwilligenjahr in Dachau?

Ich werde jetzt dann in Strassburg studieren. Als nächstes mache ich den Bachelor in Philosophie fertig. Und dann will ich den Master in Geschichte an der Sorbonne in Paris und auch in München ablegen.

(5.9.2020; IS)

 

Ein Jahr Freiwilligenarbeit in Dachau Interview mit Kristina Eremina

Zum Abschluss ihres Freiwilligenjahrs für Aktion Sühnezeichen Friedensdienste erzählt Kristina Eremina von ihren Erfahrungen in Dachau und im Gedächtnisbuchprojekt.

Kristina, was wird dir von diesem Jahr in Erinnerung bleiben?

Corona, natürlich. (Lacht) Aber abgesehen davon: Ganz spannend war, wie die Geschichte in der westlichen Welt betrachtet wird. Ich komme aus Osteuropa, aus Russland, also aus der ehemaligen Sowjetunion, da betrachtet man natürlich die Geschichte als Heldentat der Sowjetunion. Ein anderer Punkt: Ich habe hier vor allem über ehemalige ukrainische Häftlinge gearbeitet, es war sehr interessant, deren Biographien von einer anderen Seite zu hören. Und noch etwas: Aus diesem Jahr nehme ich so viele Erfahrungen mit, diese Erfahrungen hätte ich nie in Russland machen können.

Gibt es große kulturelle Unterschiede zwischen deiner Heimat und Deutschland?

Ja, schon, aber ich war gut darauf vorbereitet, weil ich ja Deutsch studiert habe und viel Landeskunde gelernt habe. Es war also kein so ganz großes kulturelles Erlebnis, kein Kulturschock.

An welchen Gedächtnisblättern hast du mitgewirkt?

Ein eigenes ging leider nicht mehr. Aber ich habe geholfen, mehrere Gedächtnisblätter fertigzustellen. Es war sehr interessant, wie unterschiedlich die Kontakte und die Kommunikation mit den Angehörigen verlaufen sind.

Was würdest du deinen Nachfolgern als ASF-Freiwillige in Dachau raten?

Alle Freiwilligendienste sind für den internationalen Austausch gemacht und die Voraussetzung dafür ist immer die englische Sprache. Für Dachau würde ich sagen: Die englische Sprache muss man nicht können, aber die deutsche Sprache muss man schon sehr gut sprechen, mindestens auf Niveau B2. Es geht nicht allein mit Englisch, du arbeitest mit der deutschen Sprache, du musst andere verstehen, deine Kollegen sprechen alle nur Deutsch. Man muss sich auch für Erinnerungsarbeit interessieren und sehr geduldig sein, denn für ein Gedächtnisblatt braucht man Geduld und Engagement. Das lässt sich nicht einfach und schnell erledigen.

Was hast du jetzt vor nach deinem Freiwilligenjahr in Dachau?

Ich werde in Dresden Soziale Arbeit studieren. Es macht mir Spaß, mit Menschen zu arbeiten. Ich finde, es ist für viele Menschen nützlich, wenn man sich in zwei Kulturen bewegen kann und in diesem Bereich will ich später dann arbeiten.

(30.8.20; IS)

Abschiedsgottesdienst für ASF-Freiwillige

Kristina Eremina und Paul Canneva beenden Ende August ihr Freiwilligenjahr für Aktion Sühnezeichen Friedensdienste in Dachau.  Beide haben im vergangenen Jahr regelmäßig im Gedächtnisbuchprojekt mitgearbeitet. Am Sonntag, dem 23. August 2020, findet um 11 Uhr ein Abschiedsgottesdienst in der Versöhnungskirche statt.

Paul und Kristina im September 2019

Im Verlauf des Gottesdiensts werden beide in Abschiedsreden auf ihr Jahr in Dachau zurückblicken. Durch Corona ist es gänzlich anders gelaufen als geplant, aber beide bereuen die Entscheidung nicht, trotzdem in Dachau zu bleiben.

Nach dem Gottesdienst besteht die Gelegenheit, sich persönlich von den beiden zu verabschieden im Innenhof und mit Abstand, auch ohne „Maske“.

(21.8.2020; IS)