Jahrespräsentation vom 22. März 2026 – Teil 1
Gleich drei Blogposts widmen sich der diesjährigen Jahrespräsentation vom 22. März 2026. Vorwiegend Schüler*innen des Münchner Theodolinden-Gymnasiums berichteten über elf Männer, die im KZ Dachau inhaftiert waren, sowie über eine verfolgte Münchner Lehrerin. Hier der erste Teil der Rückschau im Blog.
Dieser Beitrag stellt die ersten drei Präsentationen vor. Den Anfang machte Leni Messutat, die vom Leben der Brüder Max und Albert Grünzeug erzählte und auch von den Überlegungen, die sie an ihre Rechercheergebnisse knüpft.
Max und Albert Grünzeug: Flucht nach Lateinamerika
Mit den Brüdern Max und Albert Grünzeug hat Leni Messutat ihr Gedächtnisblatt gleich zwei Personen gewidmet. Die Familie Grünzeug wohnte im heutigen Münchner Glockenbachviertel. Hier wurden die Max und Albert Grünzeug 1903 und 1904 geboren, berichtet Leni Messutat. Sie erzählt auch, dass die beiden Brüder und auch ein Teil ihrer vier Geschwister zu den Siebten-Tags-Adventisten konvertierten und dies später die Emigration nach Lateinamerika ermöglichte.
Über das Leben beider Brüder vor der NS-Zeit weiß die Referentin: „Max war Handelsvertreter und später Religionslehrer bei den Siebten-Tags-Adventisten. Sein Bruder Albert betrieb einen Autozubehör-Laden, wo Schwester Bella als Buchhalterin tätig war. 1929 traten beide dem FC Bayern bei.“
Mit Machtantritt der Nationalsozialisten verschärften sich die Lebensverhältnisse für die Familie Grünzeug dramatisch. In der Nacht des Novemberpogroms 1938 wurden Max und Albert Grünzeug verhaftet und bis zu ihrer Entlassung im Februar 1939 im KZ Dachau gequält. Beiden Brüdern gelang die Emigration nach Lateinamerika, später lebten sie an unterschiedlichen Orten in Florida.
„Bis heute treiben mich die offenen Fragen um“, erzählte Leni Messutat dem Publikum. Die Erinnerung an die beiden Brüder halten Stolpersteine in der Münchner Hans-Sachs-Straße wach.
Franz Meissel: ein verfolgter Sozialdemokrat
Dem sozialdemokratischen Milieu zugehörig war Franz Meissel, ein in der Nähe von Karlsbad in der tschechoslowakischen Republik lebender Gärtner. Über sein Schicksal berichtete der Schüler Fabian Hopf.
Bald nach der Annexion seines Heimatgebiets durch das deutsche Reich wurde Meissel 1938 verhaftet und schließlich im Dezember desselben Jahres in das KZ-Dachau überstellt. Fünf schreckliche Jahre verbrachte er in den Konzentrationslagern Dachau und Flossenbürg, nach seiner Entlassung 1943 wurde er umgehend zum Militär eingezogen.
Die Aussiedlung Deutscher in der Nachkriegszeit aus der Tschechoslowakei führte ihn wieder nach Dachau – im ehemaligen KZ entstand eine Siedlung für Vertriebene. Nach Einrichtung der KZ-Gedenkstätte entstand für die Bewohner dieser Siedlung der neue Stadtteil Dachau-Ost. Hier lebte Franz Meissel bis zu seinem Tod 1981. „Bis zu seinem Lebensende setzte sich Meissel gegen den Faschismus ein.“, konnte Fabian Hopf dem Publikum mitteilen.
Richard Piper: Vom Schweißer zum Abgeordneten
Nuria Christ stellte den fest in der Arbeiterbewegung verankerten Richard Piper vor, der, 1907 dort geboren, in Augsburg aufwuchs und schließlich als Schweißer bei MAN arbeitete. Parallel zu dieser Berufstätigkeit engagierte er sich in der KPD und deren Umfeld. Als ausgewiesener Gegner der Nationalsozialisten war er 1934 für einige Monate im KZ Dachau inhaftiert und auch 1939 für mehrere Wochen abermals in Haft.
Unter amerikanischer Besatzung übernahme Richard Piper einige öffentliche Ämter: Piper war Landrat in Griesbach, Bürgermeister der Gemeinde Pöcking und Leiter des Arbeitsamts Pfarrkirchen. In der zweiten Wahlperiode des bayerischen Landtags wurde er für die SPD in den Landtag gewählt. Piper starb überraschend 1955.
(14.4.26; Irene Stuiber)










