Spurensuche in der Familie

Jörg Watzinger beschäftigt sich eingehend mit der Geschichte seiner Familie. Sein Vater erlitt als Sozialist Gefängnis und Konzentrationslager, sein Onkel dagegen war überzeugter Anhänger der Nationalsozialisten. Darüber gibt es einen Kurzfilm der ARD.

Jörg Watzinger mit einem Foto seines Vaters

Jörg Watzinger unterstützte Benedikt Leonard, Schüler am Max-Mannheimer-Gymnasium in Grafing, intensiv bei der Erforschung der Lebensgeschichte Karl Otto Watzingers, seines Vaters. Das dabei entstandene Gedächtnisblatt ist hier auf unserer Website zu sehen:

Gedächtnisblatt Karl Otto Watzinger

Er selbst ist auch in einem anderen Zusammenhang tief in die Familiengeschichte eingetaucht und hat sich mit dem Leben eines Onkels beschäftigt, der überzeugter Nazi war. Die ARD hat dazu einen kurzen Film als Magazinbeitrag erstellt. In der ARD-Mediathek ist er abrufbar:

Zum Film in der ARD-Mediathek

(18.1.2021; Foto: Jörg Watzinger; IS)

Am wichtigsten: der Kontakt zur Familie

Was bedeutet die biographische Recherche für die Schülerinnen und Schüler, die ein Gedächtnisblatt erarbeiten? Theresa Ziegler hat darüber in ihrer Seminararbeit geschrieben.

Die Schülerin Theresa Ziegler recherchierte als Teilnehmerin am W-Seminar  „Biographisches Schreiben“ am Josef-Effner-Gymnasium in Dachau das Leben der beiden Brüder Arthur Asur und Abraham Berlinger. Sie schreibt dazu:

„Es ist wichtig, über die grausamen Geschehnisse in der Zeit des Nationalsozialismus zu sprechen. Es ist wichtig, der unschuldigen Männern, Frauen und Kindern zu gedenken, welche in dieser ‘unmenschlichen’ Zeit ihren Alltag, ihre Familie und zuletzt ihr Leben verloren haben. Eben aus dieser dunklen Vergangenheit müssen wir lernen und mit Erinnerungsprojekten die verstorbenen Menschen in unseren Herzen weiterleben lassen.

So ein Erinnerungsprojekt ist das Gedächtnisbuch für die Häftlinge des KZ Dachau. Die Teilnahme an dieser ehrenamtlichen Arbeit hat mir viel bedeutet. Durch viele Telefonate, Literatursuche und Besuche in unterschiedlichen Archiven konnte ich immer mehr über das Leben und das Schicksal zweier Brüder, Abraham und Arthur Berlinger, erfahren.

Je mehr Quellen ich fand, desto interessanter, aber auch berührender wurde meine Recherche. Man begann den Menschen kennenzulernen und gern zu haben.  Am Ende das Gedächtnisblatt zu Ehren eines besonderen Menschen in Händen zu halten, ist ein besonderes Gefühl.

Was mir am meisten bedeutet hat, war der Kontakt zur Familie von Arthur Berlinger. Nur durch Zufall bin ich auf die Adresse der Tochter gestoßen und schrieb einen Brief an sie. Wenige Wochen später erhielt ich eine herzliche Antwort ihres Enkels. Er schrieb mir, dass er und seine Familie mich unterstützen wollen, wo sie können. Nach vielen Stunden der Quellenauswertung wurde mir besonders durch den Kontakt zur Familie bewusst, wie wichtig es ist, sich mit der Vergangenheit zu beschäftigen und sich für eine bessere Zukunft einzusetzen.

Es ist fundamental, dass jeder Mensch egal welcher Religion oder Staatsangehörigkeit dasselbe Recht auf ein friedliches und erfülltes Leben hat. Die jüdische Bevölkerung sollte heutzutage ihren jüdischen Glauben nicht verstecken müssen, sondern selbstbewusst ihre Identität leben können.“

Rückblick auf 2021

Das vergangene Jahr brachte viele Überraschungen. Hier ein Rückblick auf unerwartete Ereignisse, Arbeitsumstände und Projektergebnisse trotz Corona.

Projektleiterin Sabine Gerhardus im Homeoffice

Die Vorbereitungen für die alljährliche Projektpräsentation am 22. März liefen auf vollen Touren, als die Veranstaltung abgesagt werden musste. Der persönliche Blick der Autorinnen und Autoren auf das von Ihnen erarbeitete Gedächtnisblatt in der Veranstaltung musste unterbleiben.

Als Ehrengast für die Veranstaltung war Wladimir Dschelali angefragt. Er ist im November 2020 an einer Covid-19-Erkrankung gestorben.

Nicht nur das ihm gewidmete, sondern auch viele weitere der für die Veranstaltung vorgesehenen Gedächtnisblätter können auf dieser Website gelesen werden. Hier sind die Links:

Wladimir Dschelali
Peter Perel
Friedl Volgger
Erich Finsches
Abraham Müller
Carla Gastkemper
Karl Watzinger
Wolfgang Meier sen.
Wolfgang Meier jun.
Martin Meier

Trotz der internationalen Corona-Krise entschlossen sich Kristina Eremina und Paul Canneva, ihr Freiwilligenjahr in Dachau abzuschließen. Beide haben in Interviews für diesen Blog ihre Erfahrungen zusammengefasst:

Kristina Eremina
Paul Canneva

Alle Mitwirkenden im Projekt fanden sich mit völlig veränderten Arbeitsumständen konfrontiert. Projektleiterin Sabine Gerhardus notierte beeits im April erste Erfahrungen:

Biographisches Arbeiten trotz Corona

Eine Projektchronik gibt Einblick in die wesentlichen Vorgänge des Jahres 2020:
Chronik 2020

Wer an weiteren Berichten aus dem vergangenen Jahr oder an Einzelheiten interessiert ist, wird hier im Blog in früheren Artikeln fündig.

(3.1.2021; IS)

Per Mobilgerät auf den Spuren von Geistlichen im KZ Dachau

Die Erzdiözese München und Freising veröffentlicht eine Gedenk-App, um die Erinnerung an von den Nationalsozialisten verfolgte Geistliche zu bewahren.

Ausschnitt Gedächtnisblatt Joseph Kentenich

Die Katholische Seelsorge an der KZ-Gedenkstätte Dachau, im Trägerkreis des Gedächtnisbuchs vertreten, hat eine Smartphone-App entwickelt, mit deren Hilfe man die Lebensdaten von 2.720 Geistlichen verschiedener Konfessionen und Religionen abrufen kann, die im Konzentrationslager Dachau von 1940 bis 1945 inhaftiert waren.

In keinem anderen Lager wurden Geistliche in so großer Zahl gefangen gehalten. Finanziert wurde die App von der Erzdiözese München und Freising, die damit die Erinnerung an die Opfer nationalsozialistischer Gewalt bewahren will. Neben der Einsicht in die Biographien der Geistlichen führt die App Besucherinnen und Besucher vor Ort (zur Zeit ist die Gedenkstätte leider geschlossen) oder virtuell auf zwei Rundgängen über das Gelände der KZ-Gedenkstätte. Die Gedenk-App mit dem Titel „Geistliche im KZ Dachau“ ist kostenlos über den App Store oder den Google Play Store erhältlich.

„Die Gedenk-App hilft, dass das Schicksal dieser Geistlichen nicht in Vergessenheit gerät“, sagt der Bischöfliche Beauftragte für KZ-Gedenkstättenarbeit in der Erzdiözese und Leiter der Katholischen Seelsorge an der KZ-Gedenkstätte, Ludwig Schmidinger. In Kooperation der Erzdiözese mit der KZ-Gedenkstätte Dachau / Stiftung Bayerische Gedenkstätten wurden alle zur Verfügung stehenden Daten zusammengetragen. „Der Wert der App liegt nicht zuletzt darin, dass diese Daten von Geistlichen zum ersten Mal gebündelt dargestellt werden und gezielt abgefragt werden können“, so Schmidinger, Initiator des neuen digitalen Angebots. Ludwig Schmidinger ist Mitglied im Trägerkreis des Gedächtnisbuchs.

In die Datenbank aufgenommen wurden unter anderem Pfarrer, Kapläne, Vikare und Ordensmänner, darunter zum Beispiel der Selige Karl Leisner oder der im September 2019 selig gesprochene Pater Richard Henkes SAC. Per Suchfunktion können Namen, Geburts- und Sterbedaten, Geburts- und Sterbeoret, Wohnorte, Nationalitäten, Konfessionen sowie Diözesan- oder Ordenszugehörigkeiten recherchieren werden. Wer die App öffnet, bekommt auf einem Gedenkkalender als ersten Hinweis angezeigt, wenn sich der Todestag eines Häftlings am betreffenden Tag jährt. Darüber hinaus kann man auf den beiden Rundgängen „Geistliche im KZ“ und „Namen statt Nummern“ in jeweils sieben Stationen durch das Gelände der KZ-Gedenkstätte gehen. An den Haltepunkten erfahren die Besucherinnen und Besucher Details der Lebens- und Haftgeschichte von Insassen, ergänzt um biblische Texte und einen geistlichen Impuls. Diese Informationen sind nicht an den Besuch der Gedenkstätte gebunden, sondern können unabhängig davon nachgelesen oder als Meditationsvorlage verwendet werden.

Kostenlos über App-Stores erhältlich

Die Gedenk-App mit dem Titel „Geistliche im KZ Dachau“ ist kostenlos über den Applestore oder Google Play Store erhältlich. Neben Einzelpersonen können auch beispielsweise Pädagogen sie im Religionsunterricht einsetzen. Sie ist in den Sprachen Deutsch, Englisch und Polnisch verfügbar. Wer sich über die Nutzungsmöglichkeiten der App informieren möchte, findet dazu auf der Seite www.erzbistum-muenchen.de/spiritualitaet/gedenk-app weitere Hinweise. Dort ist auch ein Interview mit Ludwig Schmidinger nachzulesen.

Infos

APP Geistliche im KZ Dachau – im Google Playstore (Android)
https://play.google.com/store/apps/details?id=de.offergeldapplications.geistliche

APP Geistliche im KZ Dachau – im Applestore (iOS)
https://apps.apple.com/de/app/geistliche-im-kz-dachau/id1535535419

Informationsblatt zur APP „Geistliche im KZ Dachau“ zum Ausdrucken
https://www.gedenkstaettenseelsorge.de/files/dokumente/389-2020_11_01_KS_newsletter_APP_Geistliche.pdf

Falt-Informationsblatt zur APP
https://www.gedenkstaettenseelsorge.de/files/dokumente/389-2020_11_01_KS_APP_Geistliche_Faltblatt.pdf

Auch interessant

Im alphabetischen Verzeichnis der Gedächtnisblätter auf dieser Website finden sich Gedächtnisblätter für mehrere Geistliche, darunter auch die in diesem Beitrag erwähnten Personen.

Das Gedächtnisbuchprojekt bietet als Ergänzung zur Wanderausstellung „Namen statt Nummern“ eine Ausstellung „Geistliche im KZ Dachau“ zum Verleih. Weitere Informationen finden sich hier:

Internationale Wanderausstellung

(27.12.2020; IS)

Unterstützung für das Gedächtnisbuch

Karla Steeb, Teamunterstützerin an der Versöhnungskirche, arbeitet in den nächsten Monaten beim Gedächtnisbuch mit. Wir freuen uns sehr darüber! Wie es dazu kommt, berichtet Karla selbst:

„Bereits Anfang Oktober berichtete der Blog über meinen Besuch beim Gedächtnisbuch, als Frank Schleicher und ich in einem Gespräch mit Sabine Gerhardus die Möglichkeit bekamen, mehr über das Projekt zu erfahren. Damals war noch nicht klar, ob ich ab Ende November meinen Freiwilligendienst in Moskau doch noch antreten kann und mein Praktikumsvertrag an der Versöhnungskirche war bis Ende November befristet.

Diese Situation hat sich grundlegend verändert: Ich habe die Möglichkeit bekommen, bis zum Herbst des nächsten Jahres die Versöhnungskirche als Teamunterstützerin zu begleiten. Aus diesem Grund haben Sabine Gerhardus und ich uns am 10. Dezember erneut zu einem Gespräch zusammengesetzt.

Als Ergebnis dieses Gespräches werde ich ab Januar 2021 das Gedächtnisbuch-Projekt an einem Tag pro Woche unterstützen. Voraussichtlich wird meine Arbeit darin bestehen, französische Gedächtnisblätter zu übersetzen und somit auch für die deutschen Leser*innen zugänglich machen. Auch bei organisatorischen Aufgaben werde ich im Projekt mitwirken.

Wie genau sich die Zusammenarbeit im Laufe des Jahres entwickelt, wird sich sicherlich noch zeigen. Ich freue mich auf jeden Fall sehr auf die Zeit und darüber, dass ich jetzt doch noch die Möglichkeit habe, am Gedächtnisbuch mitzuwirken.“

(19.12.2020; Karla Steeb)

Das Gedächtnisbuch trauert um Wladimir Iwanowitsch Dschelali

Am 13. November 2020 starb der Überlebende des Konzentrationslagers Dachau, Wladimir Dschelali, in seiner Heimatstadt Mariupol. Im März 2020 wollte Wladimir Iwanowitsch noch zusammen mit seiner Tochter Vera Zolotar zur Präsentation der neuen Gedächtnisblätter nach Dachau kommen. 

Wladimir Dschelali mit seinen Schülerinnen und Schülern (Ausschnitt)

Die Schülerin Magdalena Gartner vom Max-Mannheimer-Gymnasium Grafing hat ein Gedächtnisblatt für ihn verfasst – es wäre ihr erstes Treffen mit Dschelali geworden, mit dem sie bis dahin nur via Email in Kontakt gestanden hatte. Die Präsentation musste wegen der Pandemie abgesagt werden und sollte 2021 nachgeholt werden. Nun ist der ehemalige Zwangsarbeiter in seiner Heimat einer Covid-19-Erkrankung erlegen. „Mich hat diese Nachricht sehr getroffen!“ schreibt Magdalena Gartner, als sie von Wladimir Dschelalis Tod erfährt.

Wladimir Dschelali wurde am 10. März 1925 in Wolnowacha / Ukr. SSR (UdSSR) geboren und wuchs als Angehöriger einer griechischen Minderheit in der ukrainischen Hafenstadt Mariupol auf. Mit fast 17 Jahren wurde er zur Zwangsarbeit nach Deutschland verschleppt. Er floh aus dem Zwangsarbeiterlager in Saarbrücken, wurde verhaftet und im Juli 1942 ins KZ Dachau gebracht. Kurz vor der Befreiung gelang ihm die Flucht aus dem Außenlager Gendorf.

Wladimir Dschelali wurde erst Agronom, dann studierte er Musik. Er arbeitete als Musikdozent in Mariupol, schrieb zahlreiche Gedichte und liebte es, griechische Gerichte zu kochen. Das ehemalige Konzentrationslager Dachau hat er mehrfach besucht und auch als Zeitzeuge bei der Internationalen Jugendbegegnung gewirkt.

Wir wünschen der Familie von Wladimir Dschelali für diesen schmerzlichen Verlust Kraft und Trost.

Link zum Gedächtnisblatt:
Wladimir Dschelali

(12.12.2020; Text: Sabine Gerhardus)

 

Fazit aus der Projektarbeit „Biographisches Schreiben“

Antonia Mayer hat im Rahmen des W-Seminars „Biographisches Schreiben“ am Josef-Effner-Gymnasium in Dachau ein Gedächtnisblatt über Richard Titze geschrieben. Hier ihr persönliches Fazit aus der Projektarbeit:

„Die Arbeit für das Gedächtnisbuch ist meiner Meinung nach sehr wichtig. Sie sorgt dafür, dass die Opfer des Nationalsozialismus nicht in Vergessenheit geraten und für ihre Taten gewürdigt werden. Außerdem lernt man beim Stöbern durch die verschiedensten Quellen viel über den Nationalsozialismus.

Im Gedenken an Menschen wie Richard Titze ist das Erinnern an die Geschehnisse besonders wichtig, da er in seinem Leben viel dafür gearbeitet hat, dass keine der Taten der Nationalsozialisten in Vergessenheit geraten. Um seine Arbeit fortzuführen und ihr einen weiteren Sinn zu geben, indem man sie mit anderen teilt, schrieb ich diese Seminararbeit.

Diese Recherche ist jedoch anders als im Geschichtsunterricht der Schule ein sehr spannender Prozess, da man jeden Teil der Geschichte direkt mit der jeweiligen Person verbinden kann […]. Durch das Verknüpfen zahlreicher Informationen beginnt man eine tiefe Verbindung mit der jeweiligen Person aufzubauen, ohne sie persönlich gekannt zu haben. In meinem Fall erfuhr ich neue Fakten über den Dachauer Aufstand, der mir zuvor nicht bekannt war. Durch das Suchen von Quellen über Richard Titze erfuhr ich viele Einzelheiten des Widerstands und konnte somit das Schicksal der Häftlinge des Konzentrationslagers  Dachau besser verstehen.

Besonders spannend an der Recherche war für mich, dass selbst aus sehr kurzen Quellen unglaublich viele Informationen entnehmbar sind. Dies macht das Auslesen der Quellen jedoch auch schwer, da diese Informationen in verschiedenster Weise ausgewertet werden können. Sehr dankbar war ich aus diesem Grund über die Hilfe von Herrn Triebfürst und Frau Gerhardus, die mir bei der Auswertung geholfen haben und mir Tipps gaben, wie ich besonders viele Informationen aus einer Quelle ziehen kann.

Für mich persönlich war die Arbeit im Archiv der KZ-Gedenkstätte vor Ort oder das Durchsuchen der Fotografien im Förderverein für Internationalen Jugendbegegnung und Gedenkstättenarbeit in Dachau e.V. am spannendsten. Vor dem Besuch war nicht klar, auf welche Informationen und vor allem auf wie viele Informationen man stoßen würde, doch dies machte jeden neuen Fund besonders.“

(5.12.2020; IS)

W-Seminar Namen statt Nummern am Ignaz-Taschner-Gymnasium: Themenwahl getroffen

Zehn Schülerinnen und zwei Schüler des W-Seminars „Namen statt Nummern“ von Hedi Bäuml am Ignaz-Taschner-Gymnasium Dachau wissen jetzt, über welchen NS-Verfolgten sie ihre Gedächtnisblätter schreiben werden.

Die Schüler*innen werden sich in den nächsten Monaten mit Recherchemethoden, Archivarbeit, und Interviewführung beschäftigen und wollen bald selbst mit der Spurensuche beginnen. Bis auf eine Schülerin, die über eine ehemalige Lehrerin der Wirtschaftlichen Frauenschule in Wolfratshausen forscht, schreiben alle Beteiligten ihre Gedächtnisblätter über ehemalige Häftlinge des KZ Dachau und somit für das Gedächtnisbuch Dachau.

Fünf der neuen Biographien entstehen im Rahmen des Biographie-Projekts „Erinnern“ des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbands (BLLV), sie handeln von jüdischen Pädagogen. Drei Biographien betreffen Menschen, die im Landkreis Dachau zu Hause waren. Sie sollen die Biographie-Sammlung der Geschichtswerkstatt im Landkreis Dachau ergänzen.

Einzelne Schüler*innen werden eng mit den Nachkommen der ehemaligen Häftlinge zusammenarbeiten. Bis Weihnachten stehen aber erst noch Seminarsitzungen auf dem Programm, in denen die die Recherchearbeit vorbereitet und die deutsche Schreibschrift geübt wird. Wir hoffen, dass die Pandemie diese wichtigen Vorbereitungen möglichst lang im Präsenzunterricht in der Schule zulässt. Noch wichtiger ist aber, dass die Archive Möglichkeiten finden werden, die Rechercheanfragen der Schüler*innen trotz erschwerter Bedingungen in Corona-Zeiten zu bearbeiten.

Die Schüler*innen sind jedenfalls schon gespannt auf alles, was sie herausfinden werden und ich freue mich auf ein spannendes neues Projektjahr am ITG.

(29.11.20; Text: Sabine Gerhardus)

Statt Blended Learning Online Only

Ursprünglich als Blended Learning-Veranstaltung geplant, musste das Seminar „Häftlingsschicksale – Leben und Leiden im KZ Dachau“ dann ausschließlich digital durchgeführt werden. Teilnehmende und Dozentinnen sind trotzdem zufrieden.

Screenshot aus dem Seminar „Häftlingsschicksale“

Auf Basis der Gedächtnisblätter führte das Dachauer Forum im November 2020 ein dreiteiliges Seminar zum Thema „Häftlingsschicksale – Leben und Leiden im KZ Dachau“ durch. Geplant waren digitale Vor- und Nachbereitung und ein Rundgang durch die KZ-Gedenkstätte Dachau. Dieser Rundgang musste schließlich durch eine digitalen Rundgang ersetzt werden, da die KZ-Gedenkstätte Dachau aufgrund der aktuellen Corona-Restriktionen geschlossen war.

Die vier Teilnehmerinnen und Teilnehmer bewerteten das Seminar durchweg mit sehr guten Noten. Sie erwähnten im Feedback-Fragebogen auch, was ihnen besonders gut gefallen hat: „Der kollegiale Austausch, die entspannte Atmosphäre und die vielen Ideen.“ – „Einbezug der Gedächtnisblätter sowie die Art und Weise, wie das didaktisch geschah.“– „Die Referentinnen, das Miteinander, die Häftlingsbiographien.“

Zufrieden sind die beiden Referentinnen Brigitte Fiedler und Karin Schwenke, dass alles trotz der Umplanung in letzter Minute gut gelaufen ist. Brigitte Fiedler meint dazu: „Vorteil beim ersten Durchlauf [des Seminars] war sicher, dass es ein kleiner Kreis war. Das Arbeiten mit den Lebensgeschichten von Häftlingen macht es einfühlsamer und bleibt besser im Gedächtnis der Seminarteilnehmer!“

Karin Schwenke urteilt ähnlich: „Ich finde auch, dass das Seminar recht gut gelaufen ist. Es war eine offene Atmosphäre, die sowohl für uns Referentinnen wie auch für die Teilnehmer*innen viele Anregungen brachte. Die Auseinandersetzung mit den Gedächtnisblättern bringt das Schicksal der Häftlinge sehr nahe. Erleichtert bin ich, dass der digitale Rundgang so gut geklappt hat.“

(20.11.2020; IS)