Ludwig Schmidinger beendet Tätigkeit im Trägerkreis des Gedächtnisbuchs

13 Jahre lang war Ludwig Schmidinger als Bischöflicher Beauftragter für Gedenkstättenarbeit Mitglied im Trägerkreis Gedächtnisbuch. Seit 31. Juli 2021 ist diese Zeit mit dem Ende seiner Berufstätigkeit vorbei und so muss sich der Trägerkreis leider von Ludwig verabschieden.

Ludwig Schmidinger und Sabine Gerhardus

Bei einem gemütlichen Biergartenbesuch im Schlossgut Mariabrunn kamen Kolleg*innen aus dem Trägerkreis und dem Bereich der Gedenkstättenarbeit im Dachauer Forum bzw. dem Umfeld des Gedächtnisbuchs zusammen. Nach einem Jahr coronabedingter Zoom-Besprechungen war es eine Wohltat, sich real gegenüberzusitzen, zusammen zu essen und zu feiern – und so war es ein fröhlicher Abend, obwohl der Anlass doch auch traurig war.

Ludwig Schmidinger hat sich von Anfang an tatkräftig in die Arbeit des Gedächtnisbuch-Projekts eingebracht: Zum Ökumenischen Kirchentag in München entstand 2010 auf seine Initiative hin die Ergänzungsausstellung „Geistliche im KZ Dachau“. Für diese Ausstellung hat er selbst ein neues Gedächtnisblatt über den griechischen Priester Meletios Galanopoulos verfasst, zusammen mit dem Erzpriester und Bischöflichen Vikar des Griechisch-orthodoxen Metropolie in Bayern, Apostolos Malamoussis. Wo immer seine Hilfe gebraucht war, war er zur Stelle, sei es ganz praktisch, bei der Betreuung der Ton- und Dolmetschertechnik während Veranstaltungen, organisatorisch, bei der Vermittlung von Ausstellungen oder inhaltlich durch seine Redebeiträge bei den Jahrespräsentationen des Gedächtnisbuchs. Tatkräftig hat er in der stets hektischen Zeit vor den Jahrespräsentationen das Layouten der Einladungen und Kurzbiografien übernommen. Dass Ludwig dem Projekt Gedächtnisbuch einen hohen Stellenwert in seiner Arbeit an der KZ-Gedenkstätte beimaß, zeigte sich auch darin, dass er die Gedächtnisblätter immer wieder für Kreuzwegsandachten nutzte oder Kontakte vermittelte.

Als Projektleiterin habe ich mich immer gerne an Ludwig gewandt, wenn ich einen kompetenten Rat zu katholischer Lexik und Kirchengeschichte suchte oder einen Tutor für eine*n Schüler*in, die an einer Biografie über einen katholischen Geistlichen arbeitete. Ebenso, wenn ich bei der Lösung eines Problems eine zweite Meinung oder Unterstützung brauchte.

Mit Ludwig verliert der Trägerkreis einen Kollegen, der allen ans Herz gewachsen ist. Deine Herzlichkeit und Hilfsbereitschaft, deine Fähigkeit, zugleich Ernsthaftigkeit und Frohsinn auszustrahlen und dein stets offenes Ohr werden uns fehlen. Im Namen des Trägerkreises möchte ich Dir von Herzen danken und wünsche Dir eine wunderschöne neue Lebensphase!
(Sabine Gerhardus)

(6.8.21; Foto: Klaus Schultz, Text: Sabine Gerhardus)

 

Alfred Ullrich unterschreibt Gedächtnisblätter für Rudolf, Theodor und Otto Endres

Der Künstler Alfred Ullrich unterschrieb diese Tage die Gedächtnisblätter für seine drei im KZ Dachau inhaftierten Onkel Rudolf, Theodor und Otto Endres. Verfasst wurden die Gedächtnisblätter von den Schülerinnen Lena Richter und Diana Unger.

Alfred Ullrich, geb. 1948, stammt mütterlicherseits aus einer österreichischen Sinti-Familie. Einen großen Teil seiner Angehörigen hat er in den Konzentrationslagern verloren. Ullrich ist Künstler und setzt sich in seiner Arbeit intensiv mit der Verfolgungsgeschichte der Sinti und Roma auseinander. Seit vielen Jahren lebt er im Landkreis Dachau.

Das W-Seminar „Biographisches Schreiben“, das am Josef-Effner-Gymnasium Dachau von 2019-2021 von Christoph Triebfürst durchgeführt wurde, unterstützte Ullrich sehr aktiv gleich in mehrfacher Hinsicht. In diesem Seminar erarbeiteten neben Lena und Diana zehn weitere Schüler*innen Biographien für das Gedächtnisbuch. Alfred Ullrich teilte seine Erinnerungen und Dokumente mit Diana und Lena und bot für alle einen Kunstworkshop an, als es an die Gestaltung der Gedächtnisblätter ging. Auch an der Filmpräsentation der neuen Gedächtnisblätter zum 22. März 2021 beteiligte er sich sehr engagiert.

Alfred Ullrich, Lena Richter und Diana Unger tragen durch die neuen Gedächtnisblätter dazu bei, dass die Erinnerung an die Verfolgungsgeschichte der Sinti auch im Gedächtnisbuch ermöglicht wird. Wir danken für das große Engagement!

Vom 3.8.-7.8.2021 gibt es in der Internationalen Jugendbegegnungsstätte Haus Szczypiorski in unmittelbarer Umgebung der Gedenkstätte Sachsenhausen die Projektwoche „Young Interventions: Erinnern an das Zerstörte und Verlorene. Verfolgung und Ermordung von Roma und Sinti im KZ Sachsenhausen“. Alfred Ullrich veranstaltet auch im Rahmen der Young Interventions einen Druckworkshop. Es sind noch Plätze frei. Die Young Interventions richten sich an Jugendliche ab 16 Jahren, Kostenerstattungen sind möglich. Weitere Informationen gibt es unter der E-Mail csutor@gedenkstaette-sachsenhausen.de.

(26.7.21; Text: Sabine Gerhardus/IS)

 

Layout und Inhalt verzahnen – Gestaltungsseminar am Taschner-Gymnasium

Im W-Seminar des Gedächtnisbuchs am Dachauer Ignaz-Taschner-Gymnasium geht es jetzt darum, das Layout für die Gedächtnisblätter zu gestalten. Zwei Gestaltungs-Workshops sorgen für ein gutes Gelingen.

Am Ignaz-Taschner-Gymnasium sind die Schüler*innen mit ihren Recherchen gut voran gekommen. In den letzten Wochen vor den Ferien geht es darum, das Layout der Gedächtnisblätter zu entwerfen. Für die Gestaltungs-Workshops durfte das Seminar einen der Kunsträume in der Moosschwaige nutzen.  Es war auch Zeit, die Arbeit des letzten Jahres zu reflektieren.

Die Schüler*innen erzählten davon, welche Bilder von „ihrer“ Person sie im Kopf haben und was sie während der Recherchezeit besonders beschäftigt hat. Intensiv diskutierten sie anhand von Beispiel-Gedächtnisblättern, welche Gestaltungsideen ihnen besonders gut gefielen. Gleichzeitig wurde auch schon fleißig an eigenen Entwürfen gearbeitet. Martin Off von Leporello-Company steuerte ein Handout mit Tipps vom Profi-Grafiker bei.

Gedächtnisbuchleiterin Sabine Gerhardus ist zufrieden mit den Workshops: „Ich fand es richtig schön, nach den vielen Seminare mit viel Lernstoff in diesen Workshops eine ganz andere Arbeitsatmosphäre zu finden. Es gab viel Ruhe und Zeit, sich individuell mit der eigenen Arbeit zu beschäftigen, nachzudenken, auszuprobieren, zu fragen oder auch eine Idee mit dem Nachbarn zu besprechen.“

(21.7.2021; Sabine Gerhardus/IS)

 

Resümée: Ausstellung „Namen statt Nummern“ in Minden

Die Wanderausstellung des Gedächtnisbuchs „Namen statt Nummern“ war vom 15. Juni bis zum 10. Juli 2021 in der Kirche St. Simeonis in Minden zu sehen. Nun ist sie zu Ende gegangen. Die Veranstalter ziehen ein positives Fazit.

 

Die Offene Kirche St. Simeonis in Minden zeigte die Ausstellung in Kooperation mit der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Minden und der Fachstelle NRWeltoffen im Schulamt des Kreises Minden-Lübbecke. Etwa 500 Personen besuchten die Ausstellung, darunter einige Schulklassen. Resonanz fand die Ausstellung auch in der örtlichen Presse, das Mindener Tageblatt berichtete.

Im Gästebuch kommentierte die Kurt-Tucholsky-Gesamtschule: „Sehr gute Ausstellung – sehenswert!“ Und für die Veranstalter schreibt uns Pfarrer Andreas Brügmann: „Ausstellung hervorragend, sehr zu empfehlen! Besonders auch für Schulklassen!!!“

(17.7.21: Foto Andreas Loschen; IS)

Erinnerungen an eine besondere Freundschaft

Am 25. April 2021 starb die letzte niederländische Überlebende des Dachauer KZ-Außenlagers Agfa Kamerawerke, Willemijn Petroff-van Gurp, im Alter von 102 Jahren. Die Schüler Jelle Braaksma und Jop Bruin verfassten 2013 ein Gedächtnisblatt für sie. Das war der Anfang einer tiefen Freundschaft. Jelle erinnert sich daran.

Jelle (links) und Jop (rechts) mit Willemijn Petroff-van Gurp

Tekst in het Nederlands

Eine formelle Begegnung im Rahmen des Gedächtnisbuchprojektes war 2012 der Anfang einer langen, herzlichen Freundschaft. In den folgenden Jahren stand ich, ebenso wie Jop, Willemijn sehr nahe. Wir besuchten sie sehr gerne. Jedes Mal verbrachten wir schöne Stunden zusammen, schwelgten in Erinnerungen und genossen leckeres Essen und Trinken. Willemijn wollte alles über unser Leben als junge Studenten wissen. Und wir wollten gerne erfahren, wie ihr Leben, beispielsweise die Jahre, die sie in Kanada und Italien verbracht hat, verlaufen ist. Wir waren wirklich aneinander interessiert und dies führte zu einer gewissen Ausgeglichenheit in unserer Beziehung. Wir waren schon bald sehr vertraut mit ihr, auch weil sie sehr gut wusste, was sich in ihrer Umgebung abspielte und was die Menschen beschäftigte. Der Altersunterschied von 76 Jahren, der zwischen uns bestand, fiel weg. Er spielte keine Rolle mehr.

Wir haben schöne Erinnerungen an unsere gemeinsamen Stunden: eine Bootfahrt über die Eems, die vielen Spaziergängen um den Teich vor dem Altersheim, in dem sie die letzten Jahren wohnte, einen Ausflug zum Strand. Es war immer toll. Willemijn lehrte uns nicht nur Limoncello zu genießen (sie hatte ja lange in Italien gewohnt), sondern machte uns auch deutlich, wie wir unserem Leben einen Sinn geben können – für uns selbst und für andere. Für ihre Freundschaft sind wir ihr dankbar. Eine schöne Erinnerung, die uns immer begleiten wird.

 

Herinneringen aan een bijzondere vriendschap

Op 25 april 2021 overleed Willemijn Petroff-van Gurp. Ze was 102 jaar en de laatste Nederlandse overlevende van Agfa Kamerawerk, een buitenkamp van Dachau. Voor het herinneringsboek schreven scholieren Jelle Braaksma en Jop Bruin in 2013 een biografie over haar. Dat was het begin van een hechte vriendschap. Jelle blikt terug.

Een formele ontmoeting voor het schoolproject Geen nummers maar Namen in 2012 was de start van een warme, jarenlange vriendschap. In deze jaren ben ik, en dan spreek ik ook namens Jop Bruin, bijzonder gehecht geraakt aan Willemijn. We zochten haar graag op. Elke ontmoeting stond in het teken van het delen van fijne momenten, het ophalen van mooie herinneringen en lekker eten en drinken. Willemijn wilde graag over het leven van jonge studenten praten en wij, als jonge studenten, wilden graag weten hoe haar leven eruit zag toen zij bijvoorbeeld in Rome en Canada woonde. We waren oprechte geïnteresseerd in elkaars leven en dat creëerde een bepaald mate van gelijkwaardigheid. Het voelde al snel bijzonder vertrouwd met Willemijn. Dit kwam mede doordat zij goed op de hoogte was van wat er speelde in haar omgeving en in de omgeving van anderen. Het leeftijdsverschil van 76 jaar speelde geen rol. Wij hebben warme herinneringen naar aan de momenten die we met Willemijn deelden. Een boottochtje over de Eems, een rondje lopen om de vijver, een dagje naar het strand. Het waren allemaal prachtige momenten. Buiten het waarderen van een koud glas limoncello (Willemijn woonde lange tijd in Italië) maakte ze ons duidelijk hoe wij betekenis kunnen geven aan onszelf en aan anderen. Het was een mooie vriendschap waar wij erg dankbaar voor zijn. Een mooie herinnering die ons altijd zal bijblijven.

(5.7.21; Text: Jelle Braaksma)

„Namen statt Nummern“ in Minden

Zur Wanderausstellung des Gedächtnisbuchs in der Simeonis-Kirche in Minden erreichten uns einige Fotos.

In der Fotogalerie lässt sich sehen, wie die Ausstellung in der Kirche St. Simeonis in Minden aufgestellt ist. Hier ist sie bis zum 10. Juli zu sehen – weitere Infos im Veranstaltungskalender rechts auf dieser Website.

(21.6.21; Fotos: Alfred Loschen; IS)

 

 

 

 

„Namen statt Nummern“ öffnet in Minden

Die Offene Kirche St. Simeonis im ostwestfälischen Minden zeigt die Wanderausstellung „Namen statt Nummern“ des Gedächtnisbuchs vom 15. Juni bis zum 10. Juli 2021.

Im Flyer zur Ausstellung heißt es: „Nijmegen, Bordeaux, Wien, Lublin, Saporischja, Berlin – aus diesen und tausend anderen großen und kleinen Orten Europas deportierten die Nationalsozialisten in den Jahren 1933 bis 1945 Menschen in das Konzentrationslager Dachau. Die Internationale Wanderausstellung „Namen statt Nummern“ zeigt eine Auswahl von 22 Biographien des Dachauer Gedächtnisbuch-Projekts. Die Banner der Ausstellung beschreiben die Schicksale einzelner Häftlinge und vermitteln Hintergrundinformationen über das Projekt Gedächtnisbuch und die Geschichte des KZ Dachau. Hinzu kommen acht Biographien der ergänzenden Ausstellung „Geistliche im KZ Dachau“.“

Veranstalter ist die Offene Kirche St. Simeonis in Kooperation mit der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Minden. Eine Förderung für diese Ausstellung haben die Veranstalter durch die Fachstelle NRWeltoffen im Schulamt des Kreises Minden-Lübbecke erhalten.

Nina Pape von der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit eröffnet die Ausstellung am 15. Juni um 17:30 Uhr. Die Ausstellung ist bis zum 10. Juli 2021 dienstags bis samstags von 11 bis 17 Uhr geöffnet. Sie findet in der Kirche St. Simeonis, Simeonskirchhof, 32423 Minden statt.

(14.6.2021; IS)

Wieder live! Schreibseminar am Taschner-Gymnasium

Endlich wieder gemeinsam im wirklichen Klassenzimmer: Am 8. Juni 2021 fand der letzte Teil des Schreibworkshops im W-Seminar des Dachauer Ignaz-Taschner-Gymnasiums statt.

„Texte lassen sich viel besser besprechen, wenn man wirklich zusammensitzt, nicht nur virtuell.“, meint Sabine Gerhardus. Die Projektleiterin des Gedächtnisbuchs freut sich, dass der dritte und letzte Teil des Schreibworkshops am Ignaz-Taschner-Gymnasium nicht mehr als Online-Konferenz stattfinden musste.

In den beiden ersten Einheiten hatten die Schüler*innen bereits eine Erzählidee entwickelt und ausprobiert. Nun war Redaktionsarbeit an der Reihe. Sabine Gerhardus berichtet: „Wir haben Textproben nach inhaltlichen, stilistischen und sprachlichen Kriterien mit entsprechenden „Korrekturbrillen“ gelesen, besprochen und Korrekturlesen geübt.“ Dabei ging es auch darum, die Betriebsblindheit gegenüber eigenen Texten zu überwinden.

(9.6.21; IS)

Film auf DVD: „Anna, ich hab Angst um dich“

Mit dem Leben von Anna Pröll und ihrer Familie befasst sich der Film von Josef Pröll „Anna, ich hab Angst um dich“. Anna Pröll hat vor 20 Jahren die Verfasserin des Gedächtnisblatts zu Heini Döppel mit einem Interview unterstützt.

Tafel am Geburtshaus von Anna Pröll in Augsburg (Ausschnitt)

Der Film erzählt die Geschichte der im Widerstand sehr aktiven Augsburger Familie Pröll und handelt, so die Website zum Film, von „Widerstand, Zivilcourage, Liebe, Leid, Solidarität und Freundschaft“. 2003 wurde Anna Pröll von der Stadt Augsburg zur Ehrenbürgerin ernannt, 2006 starb sie.

Zur Zeit arbeiten Seminarteilnehmer an Gedächtnisblättern über Anna Prölls Vater Karl Nolan und über ihren Ehemann Josef Pröll. Anna Pröll starb Ende Mai 2006. Wir nehmen dies zum Anlass, an den noch zu Anna Prölls Lebzeiten entstandenen Film ihres Sohnes Josef Pröll zu erinnern, der nach wie vor erhältlich ist.

Film-Website
https://www.anna-film.de/

Gedächtnisblatt zu Heini Döppel
https://www.gedaechtnisbuch.org/gedaechtnisblaetter/?f=D&gb=9951

(6.6.21; Foto: VVN-BdA Augsburg – Eigenes Werk, CC BY 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=5139356; IS)