Seligsprechung des Pallottinerpaters Richard Henkes

Der Pallottinerpater Richard Henkes wird am Sonntag, dem 15. September 2019, im Dom zu Limburg seliggesprochen. Dort war er 1925 zum Priester geweiht worden. Henkes wurde am 26. Mai 1900 in Ruppach bei Montabaur geboren und starb am 22. Februar 1945 im Konzentrationslager Dachau. Manfred Probst hat über ihn ein Gedächtnisblatt geschrieben.

Mit der Seligsprechung wird Pater Henkes anerkannt und aufgenommen in die Reihe der damit 57  Seligen Märtyrer von Dachau. Jeweils am 12. Juni gedenkt das Erzbistum München und Freising dieser Menschen.

Richard Henkes hatte sich wie auch Pater Engelmar Unzeitig oder Stefan Wincenty Frelichowski und 17 andere im Februar 1945 freiwillig für die Pflege der Typhuskranken zur Verfügung gestellt. Alle wussten um die Gefahr für das eigene Leben. Nach wenigen Wochen der Seelsorge und der Pflege infizierte sich Henkes. Er starb innerhalb von fünf Tagen am 22. Februar 1945.

In das Konzentrationslager Dachau war Pater Henkes am 10. Juli 1943 wegen „Kanzelmißbrauch“ gebracht worden, nachdem er am 8. April 1943 wegen einer regimekritischen Predigt in Branitz von der Gestapo verhaftet und einige Wochen in Einzelhaft gehalten worden war. Im KZ Dachau musste er wie alle anderen unter menschenunwürdigen Bedingungen Zwangsarbeit leisten, unter anderem auf der Plantage der SS. Dabei blieb er im Glauben stark, teilte seine Lebensmittelpakete mit vielen anderen und ermutigte seine Mitgefangenen. Im KZ lernte er auch den späteren Prager Erzbischof und Kardinal Beran kennen und schätzen.

Das Gedächtnisblatt zu Richard Henkes findet sich hier:

Gedächtnisblatt Richard Henkes

Nähere Informationen gibt es auf folgenden Webseiten:

https://pater-richard-henkes.de

https://bistumlimburg.de/beitrag/reliquien-zur-seligsprechung/

Weitere Selige im Gedächtnisbuch:

Gedächtnisblatt Alojs Andritzki

Gedächtnisblatt Hubert (Engelmar) Unzeitig. Unzeitig erlitt das gleiche Schicksal wie Richard Henkes.

 

(Foto: https://pater-richard-henkes.de; Text: Ludwig Schmidinger/IS)

 

Gedächtnisblatt zu Hans Gasparitsch steht online

„Wie ich gesehen habe, ist das Gedächtnisblatt für Hans Gasparitsch online gestellt worden. Besten Dank dafür!“, schreibt uns Christoph Leclaire von der Lagergemeinschaft und dem Freundeskreis Buchenwald.

Das Gedächtnisblatt steht im Verzeichnis der Gedächtnisblätter:

Gedächtnisblatt zu Hans Gasparitsch

Von Christoph Leclaire stammt auch der Hinweis auf die Dokumentation auf der Website der Lagergemeinschaft Buchenwald, die  im vergangenen Jahr anlässlich des 100. Geburtstags von Hans Gasparitsch zusammengestellt wurde.

http://www.lagergemeinschaft-buchenwald.de/

Hier finden sich viele weiterführende Links und auch die Bezugsadresse für die von Christoph Leclaire und Ulrich Schneider erstellte Dokumentation zu Hans Gasparitsch.

(29.5.19; Abbildung aus dem Gedächtnisblatt, IS)

Georg-Scherer-Station am Internationalen Museumstag

Eine Station zu Georg-Scherer betreute Karin Schwenke beim 42. Internationalen Museumstag in der KZ-Gedenkstätte Dachau am 19. Mai 2019.

An der KZ-Gedenkstätte Dachau wurden anlässlich des Museumstags neun Stationen von den Referenten betreut. Eine davon berichtete über das Leben Georg Scherers.

Interessierte Besucher konnten das Biographie-Banner zum Gedächtnisblatt Georg Scherers studieren, Texte aus Interviews hören, Fragen stellen und die Broschüre „Georg Scherer – ein Dachauer Leben“ kostenlos mitnehmen. Es ergaben sich spannende Gespräche zwischen der Betreuerin der Station und den Besuchern, die alle sehr beeindruckt von der Persönlichkeit Georg Scherers waren.

(19.5.2019; Text: Karin Schwenke/IS)

Ausstellung zu Georg Scherer: Broschüre zum Download

Noch bis Ende Juli läuft die Ausstellung über Georg Scherer in der Dachauer ASV-Halle. In diesem Artikel finden Sie den Link zum Download der Begleitbroschüre zur Ausstellung.

„Georg Scherer. Ein Dachauer Leben“, so lautet der Titel der Ausstellung. Wesentliche Stationen dieses Lebens lassen sich in der Begleitbroschüre zur Ausstellung nachlesen, die dem engagierten Dachauer Bürger, Widerstandskämpfer und Kommunalpolitiker gewidmet ist. Die Broschürentexte befassen sich mit folgenden Themen:

  • Kindheit in Armut und Not
  • Der Aufstieg des Hütebuben zum Werkmeister
  • Zweite Heimat ATSV
  • Widerstand, Verhaftung und Konzentrationslager
  • Zwischen Haft und Befreiung
  • Politikerleben: Stadtrat, Bürgermeister, Parteimitgliedschaften
  • Wirtschaftswunderzeiten
  • Vorstand des ASV Dachau
  • Erinnerungen und Ehrungen.

Hier gibt es die Broschüre zum Download:

Begleitbroschüre „Georg Scherer. Ein Dachauer Leben“ (5 MB)

Die Ausstellung über Georg Scherer ist noch bis zum 27. Juli 2019 in der Dachauer ASV-Halle zu sehen. In ihr finden sich auch Hörstationen mit O-Tönen von Georg Scherer und seiner Familie. Ergänzt wird die Ausstellung durch Ausstellungsbanner, die ein Schlaglicht auf das Leben weiterer KZ-Häftlinge aus dem Landkreis Dachau werfen. Auch können die Besucher eine ganze Reihe von Gedächtnisblättern in eigens dafür zusammengestellten Mappen betrachten.

(14.5.2019; Text: IS)

 

Befreiungsfeier in Dachau: „Ich erinnere mich und werde immer erinnern“

„Als ich zum ersten Mal in die KZ-Gedenkstätte gekommen bin und mit einem Audioguide in russischer Sprache einen Rundgang gemacht habe, konnte ich meine Tränen nicht aufhalten.“, erzählte Anastasiia Lapteva, ASF-Freiwillige in Dachau, am 5.5.2019 in ihrer Rede am Mahnmal für die ermordeten sowjetischen Kriegsgefangenen.

Anastasiia Lapteva stammt aus Perm, einer Stadt am Ural. Derzeit arbeitet sie als Freiwillige für Aktion Sühnezeichen Friedensdienste in der Versöhnungskirche und im Gedächtnisbuchprojekt.

Auf der Feier zum 74. Jahrestag der Befreiung des KZ-Dachau am Mahnmal für die ermordeten sowjetischen Kriegsgefangenen in Hebertshausen erläuterte die junge Frau ihre Motivation für diese Freiwilligentätigkeit: „Als ich zur Schule ging und auch während des Studiums hatte ich nicht nur Interesse an der russischen Geschichte, sondern auch an der Weltgeschichte. Aber wir haben viel zu wenig Informationen über den Holocaust, das faschistische Deutschland und auch über Konzentrationslager bekommen. Deshalb entschied ich mich, an einem geschichtlichen Projekt teilzunehmen.“

Ihren Wunsch zum Befreiungstag formulierte  Anastasiia Lapteva in ihrer Ansprache so: „Ich möchte, dass alle Menschen sich immer an die Opfer des nationalsozialistischen Regimes erinnern. Ich sage es laut, so dass es alle hören: „Ich erinnere mich und werde immer erinnern.“ Diesen Satz wiederholte Anastasiia Lapteva auch auf Russisch.

(5.5.2019; Foto: Klaus Schultz; Text: Irene Stuiber)

Renée Lacoude ist gestorben

Die französische Widerstandskämpferin Renée Lacoude ist im Dezember 2018 gestorben. Bereits 2005 widmete ihr Monika Böck, damals Schülerin, ein Gedächtnisblatt.

Renée Lacoude mit Gedächtnisbuchautorin Monika Böck

Renée Lacoude wurde  am 12. April 1917 am  Renée Dufau in Bordeaux geboren. Ihre Tätigkeit in der Resistance führte dazu, dass sie 1944 verhaftet wurde und schließlich mit dem Geisterzug, dem Train fantôme, nach Dachau deportiert wurde. Nach wenigen Tagen Aufenthalt wurde sie nach Ravensbrück überstellt und erlebte dort die Befreiung. 2005 besuchte Renée Lacoude Dachau und war bei der Präsentation ihrer Biographie anwesend. Sie verstarb im Alter von 101 Jahren.

Das in französischer Sprache verfasste Gedächtnisblatt von Monika Böck ist in der Versöhnungskirche einsehbar. Renée Lacoude erbat sich für die Veröffentlichung im Internet ausschließlich eine Kurzinformation.

(2.5.2019; Text: IS)

Link zum Film: Ernst Sillem und Jan de Vaal erzählen

Berend Katz interviewte für seinen Film „Die Reise von van Eijsden“ Ernst Sillem und Jan de Vaal. Über beide gibt es Gedächtnisblätter. Der Film kann nun mit deutschen Untertiteln geschaut werden.

Der Filmautor im Gespräch nach der deutschen Uraufführung

Berend Katz verfolgte den Weg seines Urgroßvaters Gommair van Eijsden durch deutsche Konzentrationslager und berichtete darüber in einem Dokumentarfilm. Die deutsche Uraufführung fand anlässlich der Finissage der Ausstellung „Namen statt Nummern. Niederländische politische Gefangene im Konzentrationslager Dachau“ in der Gedenkstätte Dachau am 28. Februar 2019 statt.

Die Zuschauer waren vor allem von den Interviews mit Ernst Sillem und Jan de Vaal sehr beeindruckt. Beide Zeitzeugen sind im Gedächtnisbuchprojekt wohlbekannt, ihre Gedächtnisblätter finden sich auf dieser Website im Verzeichnis der Gedächtnisblätter. Berend Katz Film entstand in enger Zusammenarbeit mit dem Gedächtnisbuch Niederlande, die Untertitel machte ein ehrenamtliches Team möglich.

Verschiedene niederländische Fernsehsender haben „Die Reise von van Eijsden“ bereits gezeigt. Eine deutsche Fernsehpremiere steht noch aus. Hier der Link zum Film  (Niederländisch mit deutschen Untertiteln):

Die Reise von van Eijsden

(25.4.2019; Foto und Text: Irene Stuiber)

Gedächtnisbuch und Geschichtswerkstatt trauern um Helmut Beilner

Helmut Beilner, emeritierter Professor für Didaktik der Geschichte der Universität Regensburg, ist am Freitag, den 29. März 2019 im Alter von 78 Jahren gestorben. Von Beginn an engagierte sich Beilner als Lehrgangsleiter und Forscher in der Geschichtswerkstatt im Landkreis Dachau.

Sabine Gerhardus, Leiterin des Gedächtnisbuchs und des Biographie-Projekts in der Geschichtswerkstatt „Das Lager und der Landkreis“, zeigt sich bestürzt über Beilners unerwarteten Tod: „Ich habe ihn als Kollegen und Unterstützer unserer Arbeit sehr geschätzt. In seiner bescheidenen, freundlichen Art hat er eine Güte und Herzenswärme ausgestrahlt, die man nur vermissen kann.“

Helmut Beilner, geboren am 24. April 1940 in Witkowitz (Mährisch-Schlesien), kam im Zuge der Vertreibung 1946 nach Bayern. Er wuchs in Wollomoos im Landkreis Aichach auf und lebte in Schwabhausen im Landkreis Dachau. Beilner entwarf und leitete zusammen mit Wilhelm Liebhart den Einführungslehrgang für die Teilnehmer der Geschichtswerkstatt. Von großer Bedeutung für das Gedächtnisbuch und die Geschichtswerkstatt war auch der von ihm durchgeführte Archiv-Workshop für Schüler. In seiner Heimatgemeinde Schwabhausen leitete Beilner eine Arbeitsgruppe zur Lokalgeschichte und forschte auch selbst rege mit.

„Die Geschichtswerkstatt hat ihm viel zu verdanken.“, erläuterte Annegret Braun,  Leiterin mehrerer Teilprojekte der Geschichtswerkstatt. Sie betonte beim Geschichtswerkstatt-Treffen am 3. April 2019 im Heimatmuseum Karlsfeld: „Er hat die Geschichtswerkstatt in Gang gebracht und mit dem Lehrgang Forschungsgrundlagen geschaffen. Seine Impulse und Beiträge haben die Geschichtswerkstatt sehr bereichert und nachhaltig geprägt.“ Die Mitarbeiter gedachten seiner in Dankbarkeit in einer Schweigeminute.

(15.4.2019; Text: Sabine Gerhardus/IS)

 

Studientag Zukunft Erinnerung: Vielfalt der Erinnerungsformen

Gastrednerin Aleida Assmann beeindruckte durch ihre genaue Einschätzung der deutschen Erinnerungskultur der letzten 100 Jahre. Die Vielfalt der gegenwärtigen Erinnungskultur zeigte sich in den anschließenden Workshops, unter anderem präsentierte Projektleiterin Sabine Gerhardus das Gedächtnisbuch als Form partizipativer Erinnerungsarbeit.

Zum Thema „Aktuelle Herausforderungen an die neue Erinnerungskultur“ sprach Aleida Assmann beim Studientag „Zukunft Erinnerung. Welche Erinnerungskultur brauchen wir?“.  Der Studientag fand in Dachau am 5. April 2019 statt und wurde veranstaltet vom Dachauer Forum in Kooperation mit der Katholischen Seelsorge an der KZ-Gedenkstätte Dachau.

Aleida Assmann: Vielstimmigkeit der gesellschaftlichen Erinnerung

Die Referentin berichtete über die Entwicklung der Erinnerungskultur vom Ersten Weltkrieg bis heute. Eine wichtige Wendung nahm der Umgang mit Geschichte in den 70er und 80er Jahren: Es entstand eine Erinnerungskultur, die durch die Erinnerung Orientierung für die Zukunft geben will.

Aleida Assmann entwickelte ihr Gegenmodell zu einer derzeit wieder verstärkt auftretenden Funktionalisierung der Geschichte. Von besonderer Bedeutung ist die Vielstimmigkeit in der gesellschaftlichen Erinnerung. Die Beteiligung der Zivilgesellschaft an  dieser vielstimmigen Geschichtskultur  ist Assmann deswegen besonders wichtig, weil Zivilgesellschaft immer lokal verankert ist.

Aktuelle Entwicklungen standen im Zentrum der Wortmeldungen aus dem Publikum. Was bedeutet die derzeitige Diskussion um Kunstgegenstände aus den Kolonialländern? Aleida Assman ist sich sicher: Kolonialgeschichte kann eine neue Dimension zur Geschichtserinnerung hinzufügen und die Beziehungen zu den betroffenen Ländern neu justieren.

Die gesellschaftliche Aufgabe sei es, immer wieder anschlussfähige Geschichtsnarrative zu entwickeln. „Mit jeder neuen Phase kann man die Geschichte neu anordnen. Das heißt nicht, dass man sie verfälscht.“

Workshops zeigen vielfältige Herangehensweisen

Formen partizipativer Erinnungsarbeit stellten Annegret Braun und Sabine Gerhardus vor.  Annegret Braun sprach über die Arbeit der Geschichtswerkstatt, vor allem die Forschungen zu Kriegsende und Nachkriegszeit und das aktuelle Projekt „Die 50er Jahre im Landkreis Dachau. Wirtschaftswunder und Verdrängung.“ Sabine Gerhardus stellte das Gedächtnisbuch vor sowie die Biographie-Projekte der Geschichtswerkstatt „Das Lager und der Landkreis und des BLLV-Projekt „Erinnern“. Ihr Blick hinter die Kulissen beleuchtete die Motivation und die pädagogische Begleitung der Projekte. All diese Projekte leben wären ohne das Engagement von Ehrenamtlichen nicht denkbar. Ausstellungsbanner, Anschauungsmaterial und Quellenbeispiele veranschaulichten den Einblick in die praktische Arbeit. In der Diskussion ging es den Teilnehmerinnen und Teilnehmern des Workshops vor allem um Fragen der Perspektiven der zukünftigen Arbeit, etwa andere Formen der Arbeit mit Jugendlichen.

Ludwig Schmidinger thematisierte in seinem Workshop den Umgang mit militärischen Heldengedenken am Beispiel Schliersee, Steffen Jost zeigte Methoden und Erfahrungen der digitalen Bildungsarbeit in KZ-Gedenkstätten auf. Ein weiterer Workshop mit Norbert Göttler widmete sich unterschiedlichen Bedeutungszuweisungen an den Begriff Heimat.

Lesung „Leben mit dem Schatten“

Am Ende des Studientags stand eine Autorenlesung und damit eine sehr persönliche Dimension der Erinnerung: Norbert Göttler las aus seinem autobiographischen Essay „Leben mit dem Schatten“.

 

 

(9.4.2019; Fotos: Irene Stuiber; Text: Irene Stuiber, Sabine Gerhardus)