Wanderausstellung in den Niederlanden

In der Grote Kerk in Dokkum in den Niederlanden ist ab dem 16. April 2022 die Wanderausstellung des Gedächtnisbuches „Geen nummers maar Namen“ zu sehen.

Anlass für die Ausstellung ist die Stolpersteinverlegung für Josef Cohen, der Pfarrer in der Grote Kerk in Dokkum gewesen ist. Während des Zweiten Weltkriegs sprach sich Cohen von der Kanzel gegen die deutsche Besatzung der Niederlande aus. Er wurde deshalb verhaftet und nach Dachau verschleppt. Cohen wurde in Hartheim ermordet. Anne-Lise Bobeldijk verfasste 2016 das Gedächtnisblatt für Josef Cohen. In der Wanderausstellung gibt es seitdem auch ein Banner über ihn.

Wanderausstellung

Die Wanderausstellung in der Grote Kerk in Dokkum am Markt 2 hat an folgenden Tagen jeweils von 14 bis 17 Uhr geöffnet:
Samstag, 16., 23.  und 30. April,
Mittwoch 27. April (Königstag),
Sontag 1. Mai
und Donnerstag, 5. Mai (Befreiungstag).

Der Eintritt ist frei.

Lesung

Freitagabend, dem 19. April um 19.30 Uhr, gibt es in der Grote Kerk eine Lesung. Jos Sinnema, ehrenamtlicher Mitarbeiter des Gedächtnisbuchs, wird dann über drei niederländische Geistliche sprechen: Josef Cohen, Titus Brandsma und Jo Kapteyn. Alle drei sind in Dachau umgekommen. Müssen wir sie als Märtyrer betrachten? Was würden sie selbst dazu sagen?

Links zu den Gedächtnisblättern

Hier geht es zu den Gedächtnisblättern:
Josef Cohen
Titus Brandsma
Jo Kapteyn

(11.4.22; Jos Sinnema/IS)

 

Jahrespräsentation im Film

Josef Pröll, selbst Ehrengast und Redner auf der Veranstaltung, hat die Jahrespräsentation des Gedächtnisbuchs als Film aufgezeichnet. Vielen Dank dafür!

Josef Pröll

Hier nun der Link zum Film:
https://vimeo.com/694753479

Es sprachen in dieser Reihenfolge:

  • 02:30 – Björn Mensing, Pfarrer der Evangelischen Versöhnungskirche in der KZ-Gedenkstätte Dachau, für den Trägerkreis
  • 12:00 – Sabine Gerhardus, Projektleiterin des Gedächtnisbuch und Koordinatorin des Projekts Erinnern des BLLV
  • 20:07 – Marie-Sophie Albrecht, Schülerin des Ignaz-Taschner-Gymnasiums Dachau (ITG), über Ernst Fränkl
  • 26:20 – Petra Stemplinger, Enkeltochter von Xaver Kinateder, anstelle von Andreas Decker, über Xaver Kinateder
  • 35:40 – Emanuel Kieslinger, Schüler des ITG, über Leonhard Roth
  • 44:57 – Amelie Sparr, Schülerin des ITG, über Ernst Jetter
  • 52:24 – Hans Paulus, Pfreimd,  über Petrus Mangold
  • 1:03:51 – Hedi Bäuml und Mileen Sentürk, Lehrerin und Schülerin des ITG, über Alfred Grünebaum/Gruen
  • 1:17:57 – Anna Brandmeier, Schülerin des ITG, über Georg Wagner
  • 1:27:11 – Jos Sinnema, niederländischer Journalist, über Nico Staal
  • 1:35:24 – Anna Schlichenmayer, Schülerin des ITG, über Josef Gunzenhäuser
  • 1:41:38 – Emilie-Sophie Gebhardt, Schülerin des ITG, über Josef Pröll sen.
  • 1:48:25 – Anna-Lena Köpf, Schülerin des ITG, über Karl Nolan
  • 1:52:54 – Josef Pröll jun., Sohn von Josef Pröll sen. und Enkel von Karl Nolan, als Ehrengast
  • 2:02:08 – Annerose Stanglmayr, Geschäftsführerin des Dachauer Forums, für den Trägerkreis

Musikalische Begleitung: Streichquartett des Ignaz-Taschner-Gymnasiums: Ozan Gündogdu, Marie König: Violine, Jutta Wörther: Viola und Leitung, Jonas Wende: Violoncello

(6.4.22; IS)

 

Elf neue Gedächtnisblätter. Erster Teil

In der Dachauer ASV-Theaterhalle präsentierten die ehrenamtlichen Autorinnen und Autoren des Gedächtnisbuchs am 22. März 2022 elf neue Biografien. Wir berichten über die Veranstaltung in zwei Blogbeiträgen und in chronologischer Reihenfolge.

Die meisten der während der Jahrespräsentation vorgestellten Biografien entstanden im W-Seminar „Namen statt Nummern“ am Dachauer Ignaz-Taschner Gymnasium. Außerdem präsentierte Hans Paulus sein Gedächtnisblatt über Petrus Mangold, die Enkelin von Xaver Kinateder, Petra Stemplinger, sprang für den erkrankten Autor Andreas Decker ein und Jos Sinnema sprach über den Niederländer Nico Staal.

Ukraine: eine Kerze für die getöteten, die leidenden und die bedrohten Menschen

Björn Mensing, Pfarrer an der Versöhnungskirche, erinnerte in seiner Begrüßung für den Trägerkreis daran, dass exakt vor 15 Jahren am 22. März 2007 das Gedächtnisblatt für Wassyl Wolodko der Öffentlichkeit vorgestellt werden konnte. Heute lebt der 97jährige überlebende Dachau-Häftling etwa 20 Kilometer südwestlich von Kiew in der Datsche seiner Familie. Bereits seit Beginn des Krieges hört er die Einschläge und Detonationen des Kriegs. Das betreuende Maximilian-Kolbe-Werk hätte ihn gerne aus dem Gefahrenbereich herausgebracht, aber dies sei wegen der schweren Bettlägrigkeit seiner Frau nicht möglich, berichtete Mensing. Als Zeichen für den Frieden in  der Ukraine entzündete Mensing eine in der vorgangenen Woche von Schwester Benedikta im Karmel an der KZ-Gedenkstätte Dachau gestaltete Kerze und bat um eine Gedenkminute für die getöteten, die leidenden und die bedrohten Menschen in der Ukraine.

Nicht um der Erinnerung allein

Sabine Gerhardus, die Projektleiterin des Gedächtnisbuchs, sprach über die vielen Verbindungen des Gedächtnisbuchs in die Ukraine. „Von 2005 bis 2007 gab es sieben Arbeitsgruppen dort, mit Werkstattgruppenleitern und 40 Teilnehmenden, Kontakte zu KZ-Überlebenden, ihren Familien, dann die ASF-Freiwilligen, die bei unserem Projekt mitgearbeitet haben… Es ist unerträglich, sich vorstellen zu müssen, was ihnen in den letzten Wochen angetan wurde, wie ihre Lebensgrundlagen zertrümmert werden.“, so Gerhardus.

Das Gedächtnisbuch sei ein Projekt der Erinnerung, der Ehrung von NS-Verfolgten, des Sich-Stellens der Verbrechen des Nationalsozialismus, aber nicht um der Erinnerung willen allein, betonte die Rednerin. „Es geht doch darum, die Gesellschaft zu sensibilisieren für die Auswirkungen von Menschenrechtsverletzungen, darum, besser zu erkennen, wo Unterdrückung, Diskriminierung, Hetzpropaganda beginnt, einen anerkennenden und wertschätzenden Dialog über Grenzen hinweg aufrecht zu erhalten – und einen Beitrag zu leisten für die Stärkung der Demokratie und für unser aller friedliches Zusammenleben.“

Ernst Fränkl: Emigration nach Südafrika

Über den in Augsburg tätigen jüdischen Religionslehrer und promovierten Psychologen Ernst Fränkl berichtete Marie-Sophie Albrecht, die dessen Lebensgeschichte im W-Seminar am Dachauer Ignaz-Taschner-Gymnasium recherchiert und in einem Gedächtnisblatt festgehalten hat.

Fränkl wirkte in der jüdischen Gemeinde auch als Kantor sowie in mehreren anderen Funktionen. Kurz vor der Machtergreifung der Nationalsozialisten wurde er am 15. Januar 1933 zum Obmann des jüdischen Lehrervereins gewählt. Auch im Bayerischen Lehrerverein war Fränkl Mitglied. Nach der Reichspogromnacht 1938 wurde er für 8 Tage ins KZ Dachau gesperrt und am 20. November 1938 mit der Auflage entlassen, Deutschland zu verlassen. Im selben Jahr emigrierte Fränkl nach Südafrika. 1949 starb er in Kapstadt.

„Zu sehen, welche individuellen Schicksale hinter den großen Opferzahlen stecken, ist überwältigend.“, resümierte Marie-Sophie Albrecht ihre Erfahrungen im Gedächtnisbuch-Seminar.

„Ich habe ein Bild von meinem Großvater bekommen, den ich nie kennenlernen durfte“

Petra Stemplinger übernahm die Präsentation der Biografie ihres Großvaters, Xaver Kinateders, da der Verfasser des Gedächtnisblatts Andreas Decker wegen einer Krankheit leider nicht anwesend sein konnte. Sie berichtete, dass sie die Recherchen Deckers eng begleitet habe, auch selbst einmal mit in einem Archiv war. „Ich habe ein Bild von meinem Großvater bekommen, den ich nie kennenlernen durfte, das war schon toll.“, so die Referentin.

Xaver Kinateder lebte als Müller, Landwirt, Gastwirt und Politiker in der Nähe von Hauzenberg in Niederbayern. Wegen NS-kritischer Äußerungen wurde der BVP-Politiker er zweimal verhaftet, einmal davon nachweislich aufgrund einer Denunziation. Fünf Monate musste er im KZ Dachau verbringen. Nach dem Krieg engagierte sich Kinateder für die CSU in der Kommunalpolitik.

Der KZ-Überlebende stellte nach dem Krieg Antrag auf Entschädigung, das Verfahren zog sich über 16 Jahre, berichtete Petra Stemplinger. Vier Jahre nach dem Tod Xaver Kinateders erhielt die Familie einen Brief, dass das Verfahren eingestellt worden sei. Die Witwe erreichte eine Wiederaufnahme des Verfahrens und erhielt schließlich die Zahlung von 300 DM, bitter benötigtes Geld in der kinderreichen Familie.

Leonhard Roth: der einzige Priester mit schwarzem Winkel

Mit dem Lebensweg von Pater Leonhard Roth beschäftigte sich Emanuel Kieslinger im Rahmen des W-Seminars am Ignaz-Taschner-Gymnasium.

Kieslinger berichtete, dass Leonhard Roth bereits 1936 als Prior des „Studenkonvents für das Generalstudium“ in Walberberg in den Fokus der Gestapo geriet. Neben NS-kritischer Reden wurde ihm Homosexualität vorgeworfen. Roth gelang die Flucht in die Schweiz, die ihn allerdings 1941 nach Deutschland abschob. Es folgte eine Zeit im Gefängnis und danach im KZ Dachau. Hier lebte Roth als einziger Priester mit dem schwarzen Winkel im Priesterblock.

Nach dem Krieg wirkte Roth mit einer kurzen Unterbrechung in Dachau im Bereich des ehemaligen Konzentrationslagers als Seelsorger für SS-Internierte und Flüchtlinge. Als der Dachauer Bürgermeister Zauner die früheren KZ-Häftlinge gegenüber einem britischen Journalisten als mehrheitlich kriminell bezeichnete und eine KZ-Gedenkstätte heftig ablehnte, nahm Roth dagegen öffentlich Stellung. Dies führte zu seiner Suspendierung aus dem Seelsorgedienst. Leonhard Roth kam 1960 bei einer Wanderung ums Leben, die Behörden gingen von Suizid aus.

Emanuel Kieslinger schloß seinen Bericht mit folgender Einschätzung: „Ich persönlich finde Pater Roth sehr bewundernswert, weil er nach seiner KZ-Zeit mit seinen Peinigern zusammenlebte und ein gewisses Verständnis für sie aufbringen konnte. Außerdem finde ich sein Durchhaltevermögen sehr bemerkenswert, und seinen Kampf gegen den Nationalsozialismus während, aber auch nach dem Ende der NS-Herrschaft.“

Bewegende Erfahrung

Die Lebensgeschichte von Ernst Jetter schilderte Amelie Sparr, Teilnehmerin des W-Seminars am Ignaz-Taschner-Gymnasium. Jetter war Rechtsberater, Kaufmann und KPD-Mitglied. Innerhalb der NS-Zeit wurde er viermal inhaftiert und überlebte mehr als 11 Jahre in Gefängnissen und Konzentrationslagern. Jetter trat als Zeuge in den Dachauer Prozessen auf und erzählte als Zeitzeuge über seine Erlebnisse in den Konzentrationslagern.

„Die Recherche über Ernst Jetter und seine Geschichte sowie das Kennenlernen seiner Tochter haben mich sehr bewegt.“, berichtete die Referentin dem Publikum.

Ehemalige Plantage: „Das ist erschütternd, wie der Zustand ist“

Hans Paulus hat sich die letzten beiden Jahre intensiv mit dem Leben von Petrus Mangold beschäftigt. Der Franziskanerpater Mangold geriet ab 1934 immer wieder in Auseinandersetzungen mit den Nationalsozialisten.

Charakteristisch für Mangold ist die Aussage: „Wir beugen uns nicht dem Zeitgötzen, wir bleiben Franziskaner.“ 1940 berief ihn die Generalkurie zum Kommissar für die Klöster der sudetendeutschen Länder. Kritische Äußerungen in einem Zirkular und die Weigerung, weitere Räume in den Klöstern in Mährisch-Trübau und Eger an den nationalsozialistischen Staat abzutreten, führten, so Paulus, wohl zu seiner Verhaftung am 29. März 1941.

In seiner Zeit im Konzentrationslager Dachau, gelang es Mangold zusammen mit einem früheren Bekannten, eine Liste von 225 inhaftierten Priestern aus dem Lager zu schmuggeln. Ab April 1942 musste Petrus Mangold im Konzentrationslager Dachau auf der berüchtigten Plantage arbeiten – bis zu seinem Tod am 18. Juli 1942.

Paulus konnte vor seinem Vortrag noch die Gedenkstätte und die Überreste der Plantage besichtigen. „Das ist erschütternd, wie der Zustand ist.“, schilderte Hans Paulus seine Eindrücke von den verfallenden Gewächshäusern. „Hier sollte dringend etwas getan werden, dass zumindest die Reste dieses schicksalhaften Geländes erhalten bleiben.“

(Ein Bericht über die weiteren Vorträge des Abends folgt am 18. April 2022.)

(30.3.2022; IS)

Jahrespräsentation des Gedächtnisbuchs am 22. März 2022

Die Vorbereitungen für die Jahrespräsentation am Dienstag laufen auf Hochtouren. Am Dienstag, dem 22. März 2022, um 19:30 Uhr stellt das Projekt die neuen Gedächtnisblätter der Öffentlichkeit vor.

Wie immer gibt es vor einem solchen Abend viel zu tun: Passen die Referate? Funktioniert die Präsentationstechnik? Kann ein erkrankter Referent ersetzt werden?

Aufgrund der Corona-Situation findet die Jahrespräsentation im ASV-Theatersaal an der Gröbenrieder Str. 21 in Dachau statt.

Informationen zur Veranstaltung gibt es in diesem PDF:
22.3.22: Einladung und Programm

Wir bitten um Anmeldung unter Dachauer Forum, Telefon 08131 99688-0.
Die Präsentation findet unter den aktuell gültigen Hygieneregeln statt.

(20.3.22; IS)

 

Multireligiöses Friedensgebet für die Ukraine

Die Versöhnungskirche widmet ein multireligiöses Friedensgebet am Sonntag, dem 20. März 2022, unter anderem jenen ukrainischen Dachau-Häftlingen, die zwischen 2005 und 2007 für das Gedächtnisbuch porträtiert wurden.

Ausschnitt des Gedächtnisblatts für Wassyl Wolodko / Vasyl Volodko

Im multireligiösen Gebet am Sonntag, 20. März 2022, 11 Uhr, in der KZ-Gedenkstätte Dachau erinnert Kirchenrat Björn Mensing mit Fotos und Kurzbiographien an fünf der mehr als 15.000 ukrainischen Häftlinge des Konzentrationslagers Dachau: Wassyl P. Bondar (geboren 1926), Wladimir I. Dschelali (1925-2020), Wassyl M. Nowak (1924-2020), Jurij T. Piskunow (1925-2007) und Wassyl P. Wolodko (geboren 1924).

Zum Ablauf des Gebets von Christen, Juden und Muslimen, das in der Versöhnungskirche beginnt und in der Jüdischen Gedenkstätte fortgesetzt wird, sagt Björn Mensing: „Wir denken namentlich auch an die jungen Ukrainerinnen, die zwischen 2005 und 2007 diese Dachau-Überlebenden interviewt und für das Projekt „Gedächtnisbuch für die Häftlinge des KZ Dachau“ porträtiert haben.“

Zur geplanten Veranstaltung führt die Versöhnungskirche in einer Pressemitteilung aus: „Wir wissen sicher, dass mit Wassyl Wolodko (97) zumindest einer der beim Projekt interviewten Dachau-Überlebenden aktuell in der umkämpften Region Kiew in Lebensgefahr ist. Er war noch vor zehn Jahren für Zeitzeugengespräche bei uns in Dachau. Über das Maximilian-Kolbe-Werk, das aktuell weit über 100 KZ-Überlebende in der Ukraine unterstützt, erreichte uns zuletzt am 15. März ein Lebenszeichen von ihm. Wir erbitten im Gottesdienst am 20. März die Kollekte für die Hilfsaktionen des Maximilian-Kolbe-Werks in der Ukraine.“

Informationen zum Friedensgebet
https://www.versoehnungskirche-dachau.de/aktuelles-0

Link zur Spendenaktion des Maximilian-Kolbe-Werks
https://www.maximilian-kolbe-werk.de/unsere-arbeit/helfen/krieg-in-der-ukraine-wir-helfen/

(16.3.2022; PM/IS)

 

Nachricht von Wassyl Wolodko aus Kiew

Dem Maximilian-Kolbe-Werk ist es gelungen, den 97-jährigen Dachau-Überlebenden Wassyl Wolodko zu erreichen. Er wohnt mit Frau und Tochter 20 km außerhalb von Kiew.

Gedächtnisblatt für Wassyl Wolodko (Ausschnitt)

Über Wassyl Wolodko wurde 2007 ein Gedächtnisblatt veröffentlicht. Seine Biographie erscheint auch in der Wanderausstellung des Gedächtnisbuchs.

Das Maximilian-Kolbe-Werk berichtet auf seiner Website:
„Er erzählt von starken Bombardements einer Luftwaffenbasis im Umkreis von 10 km. „Die Detonationen waren so gewaltig, dass unsere Fensterscheiben bebten.“ Von Raketen getroffen wurde außerdem eine Ölraffinerie. „Das Feuer und der schwarze Rauch waren zwei Tage lang zu sehen.““

Wolodko sei es nach Beginn des Krieges zunächst sehr schlecht gegangen, berichtet das Kolbe-Werk.

Link zur Website des Maximilian-Kolbe-Werks
https://www.maximilian-kolbe-werk.de/unsere-arbeit/helfen/krieg-in-der-ukraine-wir-helfen/

Weitere Informationen im Verzeichnis der Gedächtnisblätter
https://www.gedaechtnisbuch.org/gedaechtnisblaetter/?f=W&gb=11792

Die Versöhnungskirche in der KZ-Gedenkstätte Dachau widmete Wassily Wolodko das Gebet am 4. März 2022.

(8.3.2022; IS)

 

 

 

Großes Interesse an Häftlingsbiografien

Elisabeth Fink arbeitet seit Oktober 2021 als pädagogische Mitarbeiterin im Team des Max Mannheimer Studienzentrums, einem der Träger des Gedächtnisbuchs. In ihrer pädagogischen Arbeit nutzt sie die Biographien des Gedächtnisbuchs.

Wir haben Elisabeth Fink gebeten, sich unseren Leserinnen und Lesern kurz vorzustellen. Sie schreibt:

„Ich habe in Frankfurt am Main Geschichte und Politikwissenschaft studiert und in der Bildungsstätte Anne Frank e.V. gearbeitet. Nach dem Studium war ich wissenschaftliche Mitarbeiterin im Arbeitsbereich „Gender und Postkoloniale Studien“ an der Goethe-Universität und promovierte in Politikwissenschaften. Die letzten zwei Jahre arbeitete ich in der Bildungsabteilung der KZ-Gedenkstätte Dachau. Gemeinsam mit einer Kollegin habe ich dort zwei Augmented Reality-Projekte auf den Weg gebracht: „Die Befreiung“ (dahinter stand maßgeblich der Bayerische Rundfunk) und „ARt. Das KZ Dachau in Zeichnungen“. „Die Befreiung“ ist als Web-Tour nutzbar (diebefreiung.br.de) und ARt ist gegenwärtig als App auf dem Gedenkstättengelände verfügbar.

Im Max Mannheimer Studienzentrum bin ich für die Studientage zuständig. Es ist beeindruckend zu sehen, mit welch großem Interesse und Engagement die Schüler*innen sich während ihrer Studienaufenthalte in Dachau mit den Biografien der KZ-Häftlinge auseinandersetzen. Zum Teil recherchieren sie dabei mit hohem zeitlichem Aufwand nach bislang unerschlossenen Quellen und stellen Kontakte zu Hinterbliebenen der ehemaligen Gefangenen her. Es freut mich sehr, mit den Gedächtnisblättern ein Format zeigen zu können, in dem die Arbeit der Jugendlichen gewürdigt sowie die Erinnerung an die Häftlinge und ihre Lebenswege wachgehalten werden kann.“

(6.3.22; Elisabeth Fink/IS)

Einladung zur Vorstellung neuer Gedächtnisblätter

Das Gedächtnisbuch lädt zur Vorstellung der neuen Gedächtnisblätter am 22. März 2022 ein. Die Präsentation findet um 19:30 Uhr im Theatersaal des ASV Dachau statt.

Schüler und Schülerinnen des Ignaz-Taschner-Gymnasiums Dachau und weitere Ehrenamtliche stellen neue Gedächtnisblätter aus dem Gedächtnisbuch Dachau und dem Projekt Erinnern des BLLV vor.

Auf dem Programm stehen Präsentationen zur Biographie folgender Personen: Die beiden Augsburger Karl Nolan und Josef Pröll wurden ab 1933 verfolgt. Karl Nolan starb 1937 im KZ Dachau, Josef Pröll überlebte Dachau, Natzweiler und Buchenwald. Fast zwölf Jahre in politischer Haft erlitt der Kaufmann Ernst Jetter aus Pforzheim. Georg Wagner wohnte vor der Verhaftung in den Baracken der Deutschen Werke Dachau, dem Ort, an dem 1933 das KZ errichtet wurde. Im Zuge der reichsweiten Pogrome im November 1938 im Zuge inhaftierten die Nationalsozialisten die jüdischen Lehrer Ernst Fränkl und Alfred Grünebaum und den Anwalt und Sprachlehrer Josef Gunzenhäuser. Die katholischen Geistlichen Leonhard Roth und Pater Petrus Mangold mussten in Dachau Zwangsarbeit auf der sogenannten Plantage verrichten. Kritisch äußerte sich der Katholik Xaver Kinateder 1935 über den Nationalsozialismus, dies hatte KZ-Haft zur Folge. Den Niederländer Nico Staal verfolgten die deutschen Besatzer, weil er Juden in seiner Wohnung versteckt hatte.

Die Veranstalter bitten um Anmeldung unter
https://www.dachauer-forum.de
oder telefonisch unter 08131 99688-0,
um einen Nachweis entsprechend den aktuell geltenden Hygieneregeln, und darum, mit Maske zu kommen.

Einladung und Programm als PDF (300 KB)

W-Seminar bereitet Präsentationen für den 22. März 2022 vor

Teilnehmende des W-Seminars am Ignaz-Taschner-Gymnasium trafen sich in ihrer Freizeit mit Sabine Gerhardus, um die Präsentation der von ihnen erarbeiteten Biografien am 22. März 22 vorzubereiten.

Das W-Seminar ist beendet, aber sieben Schülerinnen und ein Schüler kamen trotzdem, um die Präsentation ihrer Biografien am 22. März im Theatersaal des ASV Dachau zu planen. Sabine Gerhardus erzählt: „Alle Anwesenden waren am 25. Oktober 2021 bei der Vorstellung von Gedächtnisblättern im ASV-Theatersaal dabei gewesen. Wir haben dann zuerst in die Film-Präsentation vom letzten Jahr reingesehen.“ Alle hatten damit schon einen guten Eindruck davon, wie die Präsentation in diesem Jahr ablaufen kann.

Ein Schüler regte an, auch in der Präsenzveranstaltung Kerzen für die ehemaligen Häftlinge zu entzünden. Dieses rituelle Gedenken aus der Filmpräsentation hat den Seminarteilnehmerinnen und -teilnehmern so gut gefallen, dass sie es gerne in die diesjährige Veranstaltung übernehmen würden. „Wir sind noch am Überlegen, ob und wie das möglich sein wird.“, meint Sabine Gerhardus.

Alle hoffen nun, dass im März die Gedächtnisblätter vor Publikum vorgestellt werden können. Falls die Pandemie-Bedingungen das wider Erwarten verhindern sollten, überlegt das Gedächtnisbuch, wieder eine filmische Präsentation anzubieten.

(16.2.22; Sabine Gerhardus/IS)