Widerstand gegen die deutsche Besatzungspolitik

Jos Sinnema, viele Jahre ehrenamtlich für das niederländische Gedächtnisbuch tätig, spricht am 15. Mai 2024 in München bei einer Veranstaltung der Weißen Rose Stiftung in München. Die Podiumsdiskussion begleitet die Ausstellung „Resistance Through Their Eyes“.

Jos Sinnema bei der Präsentation des Gedächtnisbuchs 2022

Die Ausstellung porträtiert 16 Menschen aus den Niederlanden, Italien, Polen und Deutschland, die während des Zweiten Weltkriegs Widerstand gegen Diktatur, Besatzung und Unmenschlichkeit leisteten. Sie ist noch bis 17. Mai 2024 täglich in der Ludwig-Maximilians-Universität München (Hauptgebäude, 1. Stock, Gang F180) zu sehen. Geöffnet ist die Ausstellung jeden Tag von 8 bis 20 Uhr.

Am 15. Mai 2024 gibt es dazu um 15 Uhr eine Veranstaltung im Philologicum der LMU München (Ludwigstraße 25, 80539 München, Eingang Ecke Schellingstraße). Nach einem Impulsvortrag von Michele Barricelli wird auf dem Podium mit weiteren Teilnehmer*innen weiterdiskutiert: Stefanie Fehlhammer, Edith Koller und Jos Sinnema nehmen teil.

(13.5.24; Foto: Filmstill Josef Pröll, Ausschnitt; IS)

„Von nun an ist mein Blick auf die Zukunft gerichtet, auf die zukünftigen Generationen“

Bei der diesjährigen Gedenkfeier am Dachauer Todesmarschdenkmal am 4. Mai 2024 sprach unter anderem Marine Charbonneau, die als Freiwillige von Aktion Sühnezeichen Friedensdienste im Gedächtnisbuch mitarbeitet. Wir freuen uns, dass wir ihre Rede hier wiedergeben dürfen – auf Deutsch und Französisch.

Guten Abend. Ich danke Ihnen, dass Sie heute alle hierher zum Mahnmal für die Opfer des Todesmarsches gekommen sind.

Mein Name ist Marine Charbonneau, ich komme aus Frankreich und bin für ein Jahr als Freiwillige von Aktion Sühnezeichen Friedensdienste an der Evangelischen Versöhnungskirche in der KZ-Gedenkstätte Dachau.

Als ich im September 2023 hier ankam, hatte ich bereits ein gutes Wissen über die Geschichte des Nationalsozialismus und der deutschen Besatzung meiner Heimat. Aber acht Monate Freiwilligendienst haben meine Perspektive verändert. Von nun an ist mein Blick auf die Zukunft gerichtet, auf die zukünftigen Generationen. Geschichtsunterricht allein reicht nicht aus, um die Ereignisse zu verstehen; man muss sie mit der Gegenwart und der Zukunft verbinden, um zu verhindern, dass sich die gleichen Gräueltaten, in welcher Form auch immer, wiederholen.

Die Worte „Nie wieder“ hallen in unserer zerbrechlichen Welt mit erhöhter Kraft wider. Doch damit dieser Vorsatz auch umgesetzt werden kann, ist es entscheidend, zunächst die Vergangenheit unserer Vorfahren zu verstehen. Durch meine Teilnahme am Gedächnisbuchprojekt für die Häftlinge des Konzentrationslagers Dachau wurde mir diese Notwendigkeit, jungen Menschen mehr als nur historische Fakten zu vermitteln, erst richtig bewusst: die Geschichte derer, die überlebten, und derer, die in den Konzentrationslagern ermordet wurden oder bei den Todesmärschen ab dem 26. April 1945. Mehr als 10.000 von ihnen mussten auf diese Todesmärsche und ihre Zeugnisse sind wertvolle Lehren, die uns aufklären und uns die lauernden Gefahren bewusst machen. Mein besonderer Dank gilt Ihnen, lieber Herr Abba Naor, dass Sie als Überlebender des Todesmarsches nachher zu uns sprechen.

Die Biografie eines französischen Dachau-Häftlings, Jean-René Lafond, hat mich besonders beeindruckt. Als Freiwillige hatte ich die Möglichkeit, seine Geschichte aus nächster Nähe zu studieren. Als Überlebender des Lagers erlebte er die Befreiung im April 1945. Jedes Jahr bis zu seinem Tod organisierte er eine Gedenkfeier für seine Kamaraden in der Résistance aus der Region Gironde. Warum? Um sie nicht zu vergessen, aber auch, um die neuen Generationen zu sensibilisieren, damit sie nicht zulassen, dass sich solche Massaker wiederholen. Sein Vorgehen war von einem tiefen Wunsch geprägt, das kollektive Gedächtnis zu bewahren und den Frieden zu fördern, genau wie wir es heute an dieser Gedenkstätte des Todesmarsches immer noch tun.

Bevor ich hierher nach Dachau gekommen bin, habe ich darüber nachgedacht, wie ich meinen eigenen Beitrag zur Erinnerung an die Vergangenheit leisten kann, die uns allen wichtig ist. Wie kann ich mich dafür einsetzen, dass Menschenrechtsverletzungen und Gräueltaten in Zukunft verhindert werden? Was sind die aktuellen Herausforderungen und wie können wir auf sie reagieren, indem wir aus der Vergangenheit lernen? Wie können wir einen zerbrechlichen Frieden stärken und über die bloßen Lehren über den Aufstieg des Nationalsozialismus in Deutschland, den Widerstand, die deutsche Besatzungsherrschaft oder die Kollaboration, die ich in der Schule und an der Universität so oft durchgenommen habe, hinausgehen?

Durch das Eintauchen in die persönlichen Berichte der Häftlinge des Konzentrationslagers Dachau sowie in die Aussagen von Häftlingen, die gezwungen waren, an den Todesmärschen durch kleine Dörfer und Städte teilzunehmen, erhielten diese Fragen ihre volle Bedeutung. Wie konnte es so weit kommen? Wie können wir dafür sorgen, dass dieser Ort der Erinnerung für immer ein solcher bleibt und nicht wieder zu einem Ort des Leidens wird? Wie können wir unsere Augen offen und aufmerksam gegenüber einer Welt halten, die uns einlullen will? Wie können wir gegen die Passivität ankämpfen?

Etwa 41.500 Häftlinge im Dachauer KZ-System hatten nicht das Glück, die Schrecken der Nazis zu überleben. Heute, an diesem Mahnmal, das den Opfern der Todesmärsche gewidmet ist, erinnern wir uns an ihr Leid, aber auch an ihren Mut. Wie kann ein Mensch dazu kommen, einen anderen Menschen nicht mehr als Mensch, sondern als wertlose Sache zu betrachten? Das sind entscheidende Fragen.

Als Französin bin ich stolz darauf, auch in einem anderen Land der Opfer des Nationalsozialismus zu gedenken. Das ist sogar noch bedeutsamer. Heute, am 4. Mai 2024, kann ich in Deutschland meine Meinung frei äußern. Diese Freiheit wäre in unserer dunklen Vergangenheit, als unsere beiden Länder im Konflikt standen, undenkbar gewesen. Doch unsere Vereinigung heute fördert unsere gemeinsame Stärke. Dank dieser Vereinigung kann ich als europäische Freiwillige auf meine Weise dazu beitragen, indem ich heute gemeinsam mit Ihnen aller Opfer des Nationalsozialismus gedenke.

Ich möchte einen Teil meiner persönlichen Geschichte mit Ihnen teilen, die mich heute hierher geführt hat. Meine Großmutter mütterlicherseits, die stets von Neugier und Offenheit geprägt war, hat mich mein ganzes Leben lang ermutigt. Ihr ist es zu verdanken, dass ich ein tiefes Interesse an Deutschland entwickelt habe. Ihr Blick über die Stereotypen ihrer Zeit hinaus hat mich dazu inspiriert, die Komplexität der Welt zu erforschen und zu verstehen. Mein Vorfahre, der 1815 geboren wurde, war Deutscher, was diese Verbindung zweifellos noch verstärkt hat. Heute engagiere ich mich als Europäische Freiwillige in Dachau und empfinde eine tiefe Dankbarkeit gegenüber meiner Großmutter, die mir diese Offenheit vermittelt hat. Meine Großmutter hat mir schon in jungen Jahren vermittelt, dass nicht alle Deutschen Nazis waren, genauso wie nicht alle Franzosen Widerstandskämpfer waren. Die Welt ist viel komplexer als das.

Heute möchte ich mein Licht, meine Liebe und mein Wohlwollen allen ehemaligen Häftlingen in Dachau, allen, die auf den Todesmärschen umgekommen sind, sowie ihren Familien bringen. Wie der Dachau-Überlebende Max Mannheimer sagte: „Ihr seid nicht verantwortlich für das, was geschehen ist, aber ihr seid verantwortlich dafür, es nie wieder geschehen zu lassen.“ Nie wieder galt gestern. Nie wieder gilt heute, aber vor allem: Nie wieder gilt morgen.

Version française

Discours de Marine Charbonneau devant le mémorial des victimes des marches de la mort lors de la 79eme cérémonie de la libération du camp de concentration de Dachau, 4 Mai 2024

Bonsoir à tous. Je vous remercie tous d’être venus ici aujourd’hui, au mémorial des victimes de la marche de la mort.

Je m’appelle Marine Charbonneau, je viens de France et je suis volontaire pour un an de l’Action de Réconciliation pour la Paix (Aktion Sühnezeichen Friedensdienste) à l’église protestante de la Réconciliation au mémorial du camp de concentration de Dachau.

Quand je suis arrivée ici en septembre 2023, j’avais déjà une bonne connaissance de l’histoire du nazisme et de l’occupation allemande de mon pays. Mais huit mois de volontariat ont changé ma perspective. Désormais, mon regard est tourné vers l’avenir, vers les générations futures. Les cours d’histoire ne suffisent pas à eux seuls pour comprendre les événements ; il faut les connecter avec le présent et le futur pour éviter de répéter les mêmes atrocités, sous quelque forme que ce soit.

„Les mots „plus jamais“ résonnent avec une force accrue dans notre monde fragile. Mais pour que cette résolution soit appliquée, il est crucial de comprendre d’abord le passé de nos ancêtres. C’est en participant au projet du Livre de la Mémoire pour les prisonniers du camp de concentration de Dachau que j’ai réellement saisi cette nécessité d’enseigner aux jeunes plus que de simples faits historiques, mais aussi l’histoire de ceux qui ont survécu et de ceux qui ont été assassinés dans les camps de concentration ou lors des marches de la mort du 26 avril 1945. Plus de 10 000 d’entre eux ont dû participer à ces marches de la mort, et leurs témoignages sont des enseignements précieux pour nous instruire et prendre conscience des dangers qui guettent. Je vous remercie tout particulièrement, cher Monsieur Abba Naor, de vous adresser à nous tout à l’heure en tant que survivant de la marche de la mort.

La biographie d’un prisonnier français de Dachau, Jean-René Lafond, m’a particulièrement marquée. En tant que volontaire, j’ai eu l’opportunité d’étudier son histoire de près. Survivant du camp, il a connu la libération en avril 1945. Chaque année jusqu’à sa mort, il organisait une fête commémorative pour ses camarades résistants de la région de Gironde. Pourquoi? Pour ne pas les oublier, mais aussi pour sensibiliser les nouvelles générations afin qu’elles ne permettent plus de tels massacres à se reproduire. Sa démarche était empreinte d’un profond désir de préserver la mémoire collective et de promouvoir la paix, exactement comme nous continuons de le faire, nous, aujourd’hui sur ce lieu de commémoration de la marche de la mort.

Avant de venir ici à Dachau, je me suis interrogée sur ma propre contribution au devoir de mémoire qui nous incombe. Comment puis-je m’engager à prévenir les violations des droits de l’homme et les atrocités à l’avenir ? Quels sont les défis actuels et comment pouvons-nous y répondre en tirant des leçons du passé? Comment renforcer une paix fragile et aller au-delà des simples enseignements sur la montée du nazisme en Allemagne, de la résistance, de l’occupation allemande ou de la collaboration que j’ai si souvent étudié à l’école et à l’université?

C’est en se plongeant dans les récits personnels des prisonniers du camp de concentration de Dachau, ainsi que dans les témoignages des détenus contraints de faire partie des marches de la mort à travers les petits villages et les villes que ces questions ont pris tout leur sens. Comment a t-on pu en arriver là? Comment faire en sorte que ce lieu de mémoire en reste un à tout jamais et que ce lieu ne redevienne pas un lieu de souffrance ? Comment garder nos yeux ouverts et attentifs sur un monde qui veut nous endormir? Comment lutter contre la passivité?

Environ 41 500 détenus du système concentrationnaire de Dachau n’ont pas eu la chance de survivre aux horreurs nazies. Aujourd’hui, devant ce mémorial dédié aux victimes des marches de la mort, nous nous souvenons de leur souffrance, mais aussi de leur courage.  Comment un être humain peut-il en arriver à considérer un autre être humain non plus comme un être humain, mais comme une chose sans valeur? Ce sont des questions cruciales.

En tant que Française, je suis fière de rendre hommage aux victimes du nazisme même dans un autre pays. C’est encore plus significatif. Aujourd’hui, le 4 mai 2024, je peux m’exprimer librement en Allemagne. Cette liberté aurait été impensable dans notre passé sombre où nos deux pays étaient en conflit. Mais notre union aujourd’hui favorise notre force commune. Cette association me permet en tant que volontaire européenne de contribuer à ma manière en rendant hommage aujourd’hui avec vous à toutes les victimes du nazisme.

Je tiens à partager une part de mon histoire personnelle qui m’a conduit ici aujourd’hui. Ma grand-mère maternelle, toujours empreinte de curiosité et d’ouverture d’esprit, m’a encouragée tout au long de ma vie. C’est grâce à elle que j’ai développé un intérêt profond pour l’Allemagne. Son regard au-delà des stéréotypes de son époque m’a inspiré à explorer et à comprendre la complexité du monde. Mon ancêtre, né en 1815, était Allemand, ce qui a sans doute renforcé ce lien. Aujourd’hui, je suis engagée en tant que volontaire européenne à Dachau, et je ressens une profonde gratitude envers ma grand-mère pour m’avoir transmis cette ouverture d’esprit. Ma grand-mère m’a permis de comprendre dès mon plus jeune âge que tous les Allemands n’étaient pas des nazis, tout comme tous les Français n’étaient pas des résistants. Le monde est bien plus complexe que cela.

Je souhaite aujourd’hui apporter ma lumière, mon amour et ma bienveillance à tous les prisonniers de Dachau, à tous ceux qui ont péri sur les chemins des marches de la mort, ainsi qu’à leurs familles. Comme l’a dit Max Mannheimer, survivant de Dachau : „Vous n’êtes pas responsables de ce qui s’est passé, mais vous êtes responsables de ne jamais laisser cela se reproduire.“ Le „plus jamais“ était valable hier. Le „plus jamais“ est valable aujourd’hui, mais surtout : le „plus jamais“ sera valable demain.

(8.5.2024; Marine Charbonneau/IS)

Vernissage im Stadtmuseum Bad Tölz

Die Ausstellung „Namen statt Nummern“ des Gedächtnisbuchs läuft noch bis zum 8. Mai 2024 im Stadtmuseum Bad Tölz. Veranstalter ist das Katholische Bildungswerk Bad Tölz/Wolfratshausen in Kooperation mit dem Stadtmuseum und dem Gabriel-von-Seidl-Gymnasium. Am 25. April 2024 war Vernissage.

Eröffnet die Ausstellung: Roland Gruber

Roland Gruber vom Katholischen Bildungswerk Bad Tölz/Wolfratshausen begrüßte die etwa 40 Gäste der Veranstaltung. Wie kam es dazu, dass er die Ausstellung nach Bad Tölz holte? Der merkbare Rechtsruck in der Gesellschaft und das Erstarken von Hasstendenzen und Antisemitismus war für ihn Anlass, Kontakt mit Judith Einsiedel, der katholische Seelsorgerin an der KZ-Gedenkstätte Dachau aufzunehmen. Judith Einsiedel ist im Trägerkeis des Gedächtnisbuchs, sie regte an, die Ausstellung im Bereich des Katholischen Bildungswerks Bad Tölz/Wolfratshausen zu zeigen.

Das Kreisbildungswerk ist schon seit Jahren im Bereich der Erinnerungsarbeit aktiv, etwa mit Gedenkveranstaltungen an den Todesmarsch, der von Dachau aus über das Würmtal nach Wolfratshausen nach Bad Tölz und Waakirchen führte.

Bedeutung der Erinnerung an die Opfer

Mit Klaus Koch, dem dritten Landrat des Landkreises Bad Tölz/Wolfratshausen und Michael Lindmair, dem zweiten Bürgermeister der Stadt Bad Tölz, sprachen auch örtliche Politiker darüber, dass dass das Klima rauer geworden sei und den Anfeindungen und dem Hass etwas entgegengesetzt werden müsse. Vor allem das Erinnern an die Opfer sei sehr wichtig.

Die Schüler*innen von der Schülermitverwaltung des Gabriel-von-Seidl-Gymnasiums Bad Tölz beteiligten sich spontan als Kooperationspartner am Ausstellungsprojekt. Das Gymnasium war gerade „Schule gegen Rassismus“ geworden. Aviva Hägele und Kilian Widmann betonten in ihren Reden, wie wichtig die Erinnerung an die Opfer des Nationalsozialismus und das Verstehen der Zusammenhänge ist.

Ebenfalls an der Vernissage beteiligt, war ein P-Seminar des Gabriel-von-Seidl-Gymnasiums, das sich filmisch mit dem Kriegsende in Bad Tölz auseinandersetzt. Das P-Seminar zeigte den Trailer des Spielfilms, den die Schüler*innen gerade gestalten.

Projektleiterin Sabine Gerhardus erläuterte die Aktivitäten des „Gedächtnisbuchs für die Häftlinge des KZ Dachau“, dann wurde der Film von Julian Monatzeder über das Gedächtnisbuch gezeigt. Anschließend gab es Gelegenheit für Fragen und einen Sektempfang mit ausführlichem Gedankenaustausch und der Gelegenheit, die Ausstellung anzusehen.

Sehr gelungene Veranstaltung

Sabine Gerhardus findet den Abend sehr gelungen. Sie berichtet: „Ich habe mich sehr über das große Interesse an unserer Arbeit gefreut, sowohl von Seiten der Veranstalter und Besucher, als auch von Seiten der anwesenden Schüler und Lehrer des Gymnasiums.“ Besonders erfreulich ist für sie, dass die Schüler*innen mit ihren Statements klar machten, dass sie Verantwortung in der Gesellschaft übernehmen wollen.

Die Ausstellung im Stadtmuseum Bad Tölz wird im Rahmen des Projekts KEB Bayern gezeigt. Weitere Informationen finden sich hier:
Projekt KEB Bayern

Weitere Informationen zur Ausstellung gibt es auf der Website des Kreisbildungswerks Bad Tölz/Wolfratshausen
https://www.kbw-toelz-wor.de/startseite

Wer sich für den Film über das Gedächtnisbuch interessiert, findet ihn unter diesem Link:
https://www.gedaechtnisbuch.org/das-projekt/filme/

 

(27.4.2024; Sabine Gerhardus/IS)

 

Die Rückkehr der Namen

Zwei Berichte aus dem Gedächtnisbuch-Team zur Aktion des Bayerischen Rundfunks und der Stadt München „Die Rückkehr der Namen“ am 11. April 2024 haben den Blog erreicht. Einen davon gibt es wieder auf Deutsch und Französisch.

Bernadetta Czech-Sailer und Sabine Gerhardus

Sabine Gerhardus, Projektleiterin des Gedächtnisbuchs, berichtete:

„Ich habe an der BR-Aktion „Die Rückkehr der Namen“ teilgenommen als Patin für Max Esslinger. Er wohnte in der Sonnenstraße 13. Der Bankbeamte starb mit 72 Jahren in München. Bei der Versammlung am Odeonsplatz habe ich Bernadetta Czech-Sailer getroffen und bin mit ihr gemeinsam zur Abschlusskundgebung gegangen. Sie hat netterweise mein Plakat getragen, mit dem ich ja schon einige Stunden unterwegs gewesen war.

Der Tag brachte mir interessante Gespräche mit Passanten. Es gab viele freundliche Reaktionen.“

Marine Charbonneau

Marine Charbonneau, Freiwillige von Aktion Sühnezeichen Friedensdienste im Gedächtnisbuch, hat uns ihren Bericht wieder auf Deutsch und Französisch geschickt – die französische Fassung findet sich weiter unten.

„Am 11. April 2024 fand in München die Kundgebung „Der Rückkehr der Namen“ statt. 1000 Personen hatten eine sogenannte Patenschaft für ein Opfer des Nationalsozialismus übernommen; sie wiesen auf diesen Menschen mit einer Gedenktafel hin, die eine Mini-Biografie und manchmal ein Foto enthielt.

Ich hatte das Privileg, daran teilzunehmen und Adolf Wolf Esslinger zu vertreten, der am 17. November 1891 in Horb am Neckar in einer jüdischen Familie geboren wurde. Er war Bankier in Augsburg, zog 1936 nach München und ließ sich in der Schillerstraße 14 nieder, bevor er während der Novemberpogrome 1938 verhaftet wurde. Daraufhin wurde er in das Konzentrationslager Dachau gebracht, wo er zwei Monate verbrachte. Nach seiner Freilassung konnte er seine Arbeit leider nicht wieder aufnehmen. Adolf, der immer noch in der Schillerstraße 14 wohnte, wurde am 20. November 1941 mit 1000 anderen Juden nach Kaunas in Litauen deportiert. Dort wurde er im Alter von 50 Jahren, fünf Tage nach seiner Ankunft am 25. November 1941, ermordet. Sein Bruder Viktor sowie seine Schwägerin Alice und sein Neffe wurden ebenfalls Opfer des Holocaust.

Am frühen Nachmittag positionierte ich mich mit meiner Gedenktafel in der Schillerstraße 14, um neugierige Passanten über Adolf Wolf Esslinger zu informieren. Ich hatte die Gelegenheit, eine andere junge Frau zu treffen, die Franziska Engel vertrat, eine junge Frau, die Zeugin Jehovas war und ebenfalls im selben Gebäude wie Adolf Wolf Esslinger gelebt hatte. Eine schöne Begegnung, die unsere gemeinsame Überzeugung bestärkte, dass es von entscheidender Bedeutung ist, junge Menschen für das historische Gedächtnis zu sensibilisieren.

Anschließend begann ein großer Marsch vom Königplatz bis zum Odeonplatz. Die Atmosphäre war beeindruckend, das langsame und ruhige Tempo förderte den Austausch mit Unbekannten. Wir waren alle neugierig und achteten auf die Gedenktafeln der anderen Teilnehmer. Ich habe diese Atmosphäre besonders genossen. Außerdem war auch das gute Wetter auf unserer Seite! Eine beeindruckende Veranstaltung, bei der jeder die Chance hatte, einem Opfer des Holocaust eine Stimme zu geben.“

Version française

Le 11 avril 2024, s’est tenu à Munich le rassemblement „Der Rückkehr der Namen“. 1000 personnes parrainées ont représenté une victime du national-socialisme avec un tableau commémoratif comportant une mini-biographie et parfois une photo.

J’ai eu le privilège d’y participer et de représenter Adolf Wolf Esslinger, né à Horb am Neckar le 17 novembre 1891 au sein d’une famille juive. Banquier à Augsburg, il a déménagé à Munich en 1936, s’installant au 14 Schillerstraße, avant d’être arrêté lors des pogroms de novembre 1938. Il a été alors envoyé au camp de concentration de Dachau où il a passé deux mois. À sa libération, il n’a malheureusement pas pu reprendre son activité. Résidant toujours au 14 Schillerstraße, Adolf a été déporté le 20 novembre 1941 avec 1000 autres Juifs à Kaunas en Lituanie. Là-bas, il a été assassiné à l’âge de 50 ans, cinq jours après son arrivée le 25 novembre 1941. Son frère Viktor, ainsi que sa belle-sœur Alice et son neveu ont également été des victimes de la Shoah.

En début d’après-midi, j’ai pris position au 14 Schillerstraße avec mon tableau commémoratif afin d’informer les passants curieux sur Adolf Wolf Esslinger. J’ai eu l’occasion de rencontrer une autre jeune femme qui représentait Franziska Engel, une jeune femme témoin de Jéhovah, ayant également vécu dans le même bâtiment que Adolf Wolf Esslinger. Une belle rencontre qui a renforcé notre conviction commune quant à l’importance cruciale de sensibiliser les jeunes à la mémoire historique.

Une grande marche a ensuite débuté de la Königplatz jusqu’à l’Odéonplatz. L’atmosphère était impressionnante, le rythme lent et calme favorisant les échanges avec les inconnus. Nous étions tous curieux et attentifs aux pancartes commémoratives des autres participants. J’ai particulièrement apprécié cette ambiance. De plus, le beau temps était également de notre côté ! Un événement impressionnant où chacun a eu la chance de donner une voix à une victime de la Shoah.

(17.4.2024; IS)

Jahrespräsentation 2024: ein persönlicher Blick

Marine Charbonneau, Freiwillige von Aktion Sühnezeichen im Gedächtnisbuch und bei der Versöhnungskirche, erzählt, wie sie die Jahrespräsentation des Gedächtnisbuchs erlebt hat. Sie stellte die Biografie des französischen Widerstandskämpfers Jean-René Lafond vor.

Hier der Bericht von Marine Charbonneau:

Der Tag, auf den ich seit nunmehr sechs Monaten gewartet habe, ist endlich gekommen. Am vergangenen Freitag, dem 22. März 2024, fand die Zeremonie zur Übergabe der Biografien für das Gedächtnisbuch statt, bei dem ich seit meiner Ankunft in Dachau im September 2023 arbeite. Diese Veranstaltung findet jedes Jahr statt, und dieses Jahr war dies der 91. Jahrestag der Errichtung des KZ Dachau. Die Kirche im Kloster Kamel war voll besetzt, dies zeigte das große Interesse. Die Entdeckung von zehn neuen Biografien stand an diesem Abend auf dem Programm.

Alles begann an meinem ersten Tag im Dachauer Forum, als Sabine Gerhardus mir das Buch „De la Gestapo bordelaise au Block 30 à Dachau par le Train Fantôme“ (Von der Gestapo in Bordeaux zum Block 30 in Dachau mit dem Geisterzug), das Jean-René Lafond selbst geschrieben hat, in die Hand drückte. Ich war sehr schnell von seiner Geschichte berührt und neugierig darauf, mehr darüber zu erfahren. Ich begann, historische Recherchen über den ehemaligen Häftling Jean-René Lafond anzustellen, der als französischer Widerstandskämpfer von der Gestapo in Bordeaux verhaftet und mit dem „Geisterzug“ nach Dachau deportiert worden war. Die Recherchen waren sehr spannend. Ich konnte in das kleine Heimatdorf von Jean-René reisen und auch die Archive des Château de Vincennes entdecken. Es war ein Projekt, in dem ich sechs Monate lang aufblühte.

Die Kinder von Jean-René Lafond, Jean-Claude und Claudine, konnten leider nicht an der Zeremonie teilnehmen. Aber mit ihrer Unterstützung und Begeisterung konnte ich seine Geschichte und meine persönlichen Erfahrungen mit den vielen Gästen, die bei der Veranstaltung anwesend waren, teilen.

Ich fühle mich sehr glücklich, dass ich diesem mutigen Mann, der für sein besetztes Land gekämpft hat und den ich gerne kennengelernt hätte, eine Stimme geben konnte. Trotz allem konnte ich durch die Geschichten, die mir seine Kinder erzählten, viel über ihn erfahren, oft mit einem wehmütigen, aber glücklichen Lächeln. Da die Zeremonie das Ende meiner ersten Suche markiert, fühle ich ebenfalls Nostalgie, aber auch einen enormen Stolz, dass ich seine Geschichte über die Grenzen Frankreichs hinaus teilen kann. Nun freue ich mich darauf, dass die Biografie von Jean-René Lafond in das Gedächtnisbuch aufgenommen wird, das sich im Gesprächsraum der Versöhnungskirche in der Gedenkstätte befindet, und dass ich die Gelegenheit haben werde, mit künftigen interessierten und geschichtsbegeisterten Besuchern darüber zu diskutieren.

Version française

Le jour que j’attendais depuis maintenant six mois est enfin arrivé. Vendredi dernier, le 22 mars 2024, s’est tenue la cérémonie de remise de biographies du projet du « Livre de la Mémoire » sur lequel je travaille depuis mon arrivée à Dachau en septembre 2023. Cet événement a lieu chaque année, et cette année marquait le 91e anniversaire de la création de l’ancien camp de Dachau à la même date. La salle du Kloster Kamel était remplie et a accueilli cet événement de manière chaleureuse. La découverte de dix nouvelles biographies était au programme ce soir-là.

Tout a commencé dès mon premier jour au forum lorsque Sabine Gerhardus m’a tendu le livre « De la Gestapo bordelaise au Block 30 à Dachau par le Train Fantôme », écrit par Jean-René lui-même. J’ai été très rapidement touchée par son histoire et curieuse d’en savoir davantage. J’ai commencé à effectuer des recherches historiques sur l’ancien prisonnier Jean-René Lafond, résistant français arrêté par la Gestapo de Bordeaux et déporté à Dachau par le « train fantôme ». Les recherches ont été passionnantes. J’ai pu voyager dans le petit village natal de Jean-René et également découvrir les archives du Château de Vincennes. C’est un projet dans lequel je me suis épanouie pendant six mois.

Les enfants de Jean-René Lafond, Jean-Claude et Claudine, n’ont malheureusement pas pu venir à cette cérémonie. Mais c’est avec leur soutien et leur enthousiasme que j’ai pu partager son histoire et mon expérience personnelle aux nombreux invités présents lors de la cérémonie.

Je me sens très chanceuse d’avoir pu donner une voix à cet homme courageux qui s’est battu pour son pays occupé et que j’aurais bien voulu connaître. J’ai pu malgré tout en apprendre beaucoup sur lui grâce aux histoires que m’ont racontées ses enfants, souvent avec un sourire nostalgique mais heureux. Alors que la cérémonie marque la fin de ma première recherche, je ressens également de la nostalgie, mais une immense fierté d’avoir pu partager son histoire au-delà des frontières françaises. Je me réjouis maintenant à l’idée de voir la biographie de Jean-René Lafond rejoindre le Livre de la Mémoire situé au sein de la salle de discussion de l’église de la réconciliation du mémorial et d’avoir l’opportunité d’en discuter avec des futurs visiteurs intéressés et passionnés d’histoire.

(11.4.2024; Marine Charbonneau/IS)

Besuch der Delegation aus Oświęcim in Dachau

Vom 19. bis zum 23. März 2024 war die Reisegruppe aus Oświęcim zu Besuch in Dachau. Eine Reihe von Besichtigungen und Veranstaltungen stand auf dem Programm.

Tag 1: Stadtführung, KZ-Gedenkstätte und gemeinsames Abendessen

Der Einladung nach Dachau waren nicht zuletzt viele Multiplikator*innen vor allem aus dem pädagogischen Bereich gefolgt. Eine Begrüßungsrunde am Morgen im Dachauer Forum diente dem Kennenlernen und der Vorstellung des Programms. Sabine Gerhardus präsentierte den polnischen Gästen das Gedächtnisbuch für die Häftlinge des KZ Dachau.

Anschließend ging es mit Stadtführerin Brigitte Fiedler durch die Dachauer Altstadt. Brigitte Fiedler zeigte die über 1200jährige Geschichte der Stadt, legte aber auch besonderen Augenmerk auf die Zeitgeschichte. Als besonderes „Zuckerl“ für die polnische Besuchsgruppe hatte sie sogar den Schlüssel zum Schloss Dachau dabei.

Die Besichtigung in der KZ-Gedenkstätte begann mit einer Kranzniederlegung, bei der auch die stellvertretende Dachauer Landrätin Marese Hoffmann anwesend war. Die Leiterin der Bildungsabteilung der Gedenkstätte, Kerstin Schwenke, begrüßte die Gäste. Bernadetta Czech-Sailer führte durch die Gedenkstätte, dank ihrer Zweisprachigkeit erübrigte sich eine Übersetzung ins Polnische. Im Gesprächsraum der Versöhnungskirche erwartete Sabine Gerhardus die Gruppe und der Gedenkstättenbesuch endete mit dem Lesetisch Gedächtnisbuch und einer Abschlussrunde.

Der Dachauer Landrat Stefan Löwl lud zum Abendessen und fand auch die Zeit, selbst teilzunehmen, anwesend war auch seine Stellvertreterin Marese Hoffmann.

 

Tag 2: München und der Nationalsozialismus

Den zweiten Tag ihres Aufenthalts verbrachte die Gruppe in München. Zunächst standen eine Stadtrundfahrt und ein Stadtrundgang auf dem Programm, anschließend eine Führung durch das NS-Dokuzentrum.

(Fotos von Marine Charbonneau)

 

Tag 3: Ausstellung „Häftlinge in Auschwitz und Dachau“, Plantage (Kräutergarten) und Jahrespräsentation des Gedächtnisbuchs

Tag- und abendfüllend war das Programm des dritten Tags in Dachau. Vormittags erwartete die Gäste die neue deutsch-polnische Ausstellung „Namen statt Nummern: Häftlinge in Auschwitz und Dachau“, eingebunden in ein Besuchsprogramm am Dachauer Ignaz-Taschner-Gymnasium.

Nach dem Mittagessen stellte das Max Mannheimer Studienzentrum seine pädagogische Arbeit vor.

Schließlich folgte ein weiterer Besichtigungspunkt unter freiem Himmel: Kerstin Czer führte durch die ehemalige Plantage/den sogenannten Kräutergarten des KZ Dachau.

Das Abendessen gab es früh – bereits um 19 Uhr begann die Jahrespräsentation des Gedächtnisbuchs.

Hier geht’s zum Bericht über die Jahrespräsentation.

 

Fotogalerie Plantage/“Kräutergarten“

(Fotos Galerie: Marine Charbonneau)

(7.4.24; IS)

Ein Vierteljahrhundert: 25. Jahrespräsentation des Gedächtnisbuchs

Wie jedes Jahr präsentierte das Gedächtnisbuch am 22. März die neuen Gedächtnisblätter. Zehn neue Biographien wurden der Öffentlichkeit vorgestellt. Verfasser*innen waren Schüler*innen des Ignaz-Taschner-Gymnasiums, eine Heidelberger Schülergruppe sowie Marine Charbonneau, Freiwillige im Projekt.

Das Gedächtnisbuch konnte dieses Jahr zum 25. Mal neue Biographien präsentieren. Diese Gedächtnisblätter werden in nächster Zeit auch hier auf der Website abrufbar sein.

Mehrere der vorgestellten Gedächtnisblätter bilden die Grundlage der neuen Ausstellung „Namen statt Nummern – KZ-Häftlinge in Auschwitz und Dachau“. Mit der Veranstaltung fand auch der Gegenbesuch der polnischen Projektpartner im Erasmus+-Projekt seinen Abschluss. Die neue deutsch-polnische Ausstellung wird mit der polnischen Delegation nach Oświęcim reisen und dort zu sehen sein.

 

Adam Kozłowiecki: Einsatz für die Würde und Freiheit aller Menschen

Marcel Gabor

Der Schüler des Ignaz-Taschner-Gymnasiums, Marcel Gabor, hatte den polnischen Geistlichen Adam Kozłowiecki in den Mittelpunkt seiner biographischen Forschungen gestellt. Kozłowiecki wurde bereits im November 1939 verhaftet und überlebte die Lager Auschwitz und Dachau. Die Nachkriegszeit verbrachte er in Nordrhodesien/Sambia, ab 1955 als erster Bischof von Lusaka, ab 1959 als Erzbischof der Diözese, 1998 erfolgte die Ernennung zum Kardinal. Sein Einsatz für die Würde und Freiheit aller Menschen, für soziale Gerechtigkeit und die Wahrung der Menschenrechte beeindruckte Marcel Gabor sehr.

So zitierte der Referent, was Kozłowiecki 1972 bei einer Gedenkstunde in der KZ-Gedenkstätte Dachau gesagt hatte: „Wir müssen alles, aber auch alles tun, was in unserer Kraft liegt, um der Grausamkeit des Menschen gegen den Menschen ein Ende zu setzen, den Hass zwischen Bruder und Bruder auszurotten!“

 

Edgar Mannheimer: „Lieber einmal zuviel als einmal zu wenig geholfen“

Sophia Weiß

Dass Edgar Mannheimer als Jude im tschechischen Ungarisch Brod überhaupt noch eine Ausbildung machen konnte, war keine Selbstverständlichkeit. Er lernte Schuster und sagte später, das habe ihm und seinen Bruder Max das Leben gerettet. Edgar Mannheimer erlitt Theresienstadt, Auschwitz-Birkenau und schließlich die Dachauer Außenlager Karlsfeld und Mettenheim. Dort wurde er am 30. April 1945 von den Amerikanern befreit. In der Nachkriegszeit avancierte Mannheimer in der Schweiz zum erfolgreichen Antiquitätenhändler. Sein Lebensmotto war: „Lieber einmal zuviel als einmal zu wenig geholfen.“

Sophia Weiß resümierte ihre Erkenntnisse aus der intensiven Beschäftigung mit der Lebensgeschichte von Edgar Mannheimer: „Durch die Geschichte von Edgar Mannheimer können auch wir viel lernen und das ist vor allem die Dankbarkeit für unsere Familie und Freunde, die Edgar immer zeigte!“

 

Jean-René Lafond: Im Geisterzug nach Dachau

Marine Charbonneau

Das Buch, das Jean-Renè Lafond über seine Geschichte geschrieben hat, veranlasste Marine Charbonneau, dem Leben des Autors nachzuspüren. Der junge französische Widerstandskämpfer erlitt Folter und Haft unter entsetzlichen Bedingungen und wurde mit dem Geisterzug, dem Train Fantôme, in einer wochenlangen Fahrt in das KZ Dachau transportiert. Er war nach der Befreiung durch die Amerikaner so geschwächt, dass er erst einen Monat später in seine Heimat zurückkehren konnte.

Marine Charbonneau berichtet über ihre Recherchen: „Es war ein Glück für mich, die Familie zu treffen.“

 

Abram Grossman: Lebte nach extremen negativen Erfahrungen positiv weiter

Anna Scharl

Anna Scharl, Teilnehmerin am Seminar des Taschner-Gymnasiums, berichtete über das Leben des polnischen Webers Abram Grossman. Grossmann musste nach der Besetzung seines Heimatorts durch die Deutschen Zwangsarbeit bei der Deutschen Reichsbahn leisten und wurde schließlich 1943 nach Auschwitz deportiert und später dann in das KZ Warschau. Schließlich führte ihn ein grausamer Deportationsvorgang zunächst zu Fuß und dann in einem Güterwaggon nach Dachau und kurz darauf in das Außenlager Mühldorf. 1948 gelang die Emigration in die USA, wo er zunächst als Weber arbeitete, danach einen Imbiss betrieb.

Anna Scharl meinte: „Ich fand es sehr inspirierend zu erfahren, wie positiv Abram nach derartig negativen Erfahrungen weiterleben konnte. Dafür hat er – statt alles aus dieser Zeit zu verdrängen – seinen Arm mit seiner Auschwitz-Nummer nie versteckt, sondern z.B. seiner Enkelin vermittelt, dass es wichtig ist, sich daran zu erinnern, damit so etwas nie wieder passiert.“

 

Herta Mühlfelder: Sie starb mit gerade einmal 29 Jahren

Sabrina Renner

Die Schülerin Sabrina Renner  versuchte, mit ihrer Gedächtnisbuchbiographie „Herta Mühlfelder die Stimme wiederzugeben, die ihr vor 80 Jahren genommen wurde“.

Bis 1936 lebte die 1914 geborene Herta Friederike Mühlfelder größtenteils in Würzburg. 1933 machte sie dort Abitur und legte schließlich 1936 die Prüfung für Volksschullehrer an der Israelitischen Lehrerbildungsanstalt in Würzburg ab. Zunächst arbeitete Herta Mühlfelder in Fürth, schließlich aufgrund der zunehmend begrenzten Arbeitsmöglichkeiten als jüdische Lehrerin an verschiedenen Orten als Aushilfslehrerin. Ab November 1939 ließ sie sich in Berlin als Krankenschwester ausbilden. Schließlich erkrankte Herta Mühlfelder schwer und war bettlägrig. Im Sommer Sommer 1943 wurde sie nach Auschwitz deportiert. Sabrina Renner kam angesichts dieser Umstände zu dem Schluss, dass sich die Frage stellt, „ob Herta angesichts der qualvollen Fahrt lebend im Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau angekommen ist oder bereits durch die schrecklichen Transportbedingungen ums Leben gekommen ist“. Zum Zeitpunkt ihrer Ermordung war Herta Mühlfelder 29 Jahre alt.

 

Arthur Godlewsky: Deutscher Soldat im Ersten Weltkrieg und jüdischer Lehrer

Ole Gerkens

Ole Gerkens, Schüler am Taschnergymnasium, wunderte sich über sich selbst: „Die Arbeit an dem Gedächtnisblatt ist mir sehr nahegegangen. Ich hätte nie gedacht, dass mich etwas, was ich für die Schule mache, so berühren kann.“

Die von ihm verfasste Biographie erzählt die Lebensgeschichte von Arthur Godlewsky, der 1892 in Sulzbach in der Oberpfalz geboren wurde, 1913 das jüdische Lehrerseminar in Köln abschloss und dann den ganzen Ersten Weltkrieg an der Front miterlebte. Während der Weimarer Republik und der ersten Jahre der NS-Herrschaft arbeitete er an verschiedenen Orten als Lehrer. 1938 wurde er im Verlauf der Reichspogromnacht misshandelt und schließlich für etwa einen Monat im KZ Dachau inhaftiert. Nach seiner Freilassung waren unter anderem die Lager Gurs, Noé und Drancy Stationen auf seinem Lebensweg. Von Drancy aus wurde er zusammen mit seiner Frau nach Auschwitz deportiert und dort 1942 direkt nach der Ankunft in der Gaskammer ermordet.

 

Robert Savosnick: Mut und Durchhaltevermögen

Charlotte Werner

Als Medizinstudent wurde der 27jährige Norweger jüdischer Konfession Robert Savosnick 1942 von den deutschen Besatzern nach Auschwitz deportiert. Weitere Konzentrationslager seiner Haftzeit waren Warschau, Dachau und das Dachauer Außenlager Allach. Trotz massivster gesundheitlicher Folgen der Haft gelang es Savosnick, 1948 sein Studium als Kinderarzt abzuschließen. Diesen Beruf übte er dann im norwegischen Trondheim aus. Über seine Haftzeit verfasste Savosnick ein Buch.

Die Hebertshausener Schüler Charlotte Werner meinte über ihre Arbeit am Gedächtnisblatt, „während meiner Recherchen habe ich immer wieder seinen Mut und sein Durchhaltevermögen bewundert“. Sie beendete ihr Referat mit folgenden Worten: „Ganz in Robert Savosnicks Namen möchte ich nun schließen, denn seine Mission war es, an den Holocaust zu erinnern, für all diejenigen Opfer, die ihr Leben in ihm verloren haben.“

 

Benjamin Goldfeld: Die Recherche wurde zum Familienprojekt

Michaela Ban

Die Urenkelin Lisa Ban forschte im W-Seminar des Taschner-Gymnasiums über Benjamin Goldfeld, ihre Mutter Michaela Ban trug dessen Biographie auf der Jahrespräsentation vor. Sie berichtet: „Während Lisas Recherchen hat meine Mutter, die Tochter von Benjamin Goldfeld, Kontakt zu ihrer Halbschwester und ihrem Cousin Shimon in den USA aufgenommen. Lisa hat sehr viele Informationen von Shimon erhalten und er wurde durch dieses Projekt ein Teil unserer Familie. Somit wurde dieses Projekt auch immer mehr zum Familienprojekt.“

Benjamin Goldfeld wurde 1916 in Ost-Oberschlesien geboren und arbeitete  als Kunststicker und Kunststricker im elterlichen Betrieb. Er heiratete Ryfka Kugelfreser/Kugelmann, mit der er ein Kind bekam. Nach dieser Heirat arbeitete in der Schuhfabrik seines Schwiegervaters als Schäftemacher, bis die Fabrik 1939 beschlagnahmt wurde. Als Ghettobewohner musste Benjamin Goldfeld in dieser Fabrik dann Zwangsarbeit leisten. 1943 wurde er über das Durchgangslager Blechhammer zunächst nach Seibersdorf/Zebrzydowice deportiert, wo er in einem Chemiewerk und im Steinbruch arbeiten musste. Von dort kam er im April 1944 zurück nach Blechhammer, das zu diesem Zeitpunkt ein Außenlager von Auschwitz III war. Schließlich erlebte und überlebte er 1945 den Todesmarsch nach Großrosen und die Deportation nach Buchenwald, den Aufenthalt im Außenlager Berga/Elster von Buchenwald, den Einsatz beim Bau von unterirdischer Stollen in diesem Lager und danach den Todesmarsch nach Theresienstadt.

Nach seiner Befreiung wurde Goldfeld nach Dachau ins Lager gebracht und lebte später zeitweise im DP-Lager in der Rothschwaige in Karlsfeld. Hier lernte er Rosina Haberditzl kennen, mit der 1947 die gemeinsame Tochter Rosemarie bekam. Goldfeld baute in Dachau in der Frühlingsstraße eine Trikotagenfabrik auf. Mit seiner späteren Ehefrau Genioa Sulkovska wanderte er in die USA aus. Dort heiratete er 1953 nochmals und zwar Helen Novak. Benjamin Goldfeld starb 1982.

Michaela Ban berichtete bedauernd: „Leider konnten wir den Namen des ersten Kindes meines Großvaters bis heute nicht herausfinden.“

 

Jakob Bamberger: Sein Kampf ist noch nicht ausgeboxt

Noah Douglas, Cara Janke und Mia Purrucker

Die Heidelberger Gymnasiasten Noah Douglas, Cara Janke und Mia Purrucker widmeten ihr Gedächtnisblatt dem Sinto Jakob Bamberger. Die Biographie wurde in Kooperation mit dem Dokumentations- und Kulturzentrum Deutscher Sinti und Roma erstellt.

Jakob Bamberger gehörte zu den aktivsten und frühesten Teilnehmern, als sich in den 70er Jahren die Bürgerrechtsbewegung der Sinti und Roma formierte. Die Referenten beeindruckte, dass eine der wichtigsten Aktionen dieser Bewegung 1980 gleich neben dem Veranstaltungsort stattgefunden hat, der Hungerstreik der Sinti und Roma in der Versöhnungskirche. Jakob Bamberger war unter ihnen. Die Schüler berichteten: „Zu dem Versuch bayerischer Behörden, den Hungerstreik zu verbieten, bemerkte er später: „Da hätten sich diese Kerle in Bayern tatsächlich getraut, mir nach allem, was ich durchgemacht hatte, zu verbieten jetzt freiwillig ins Lager zu gehen.““

Bamberger wurde 1913 in Königsberg in Ostpreußen geboren. Seit 1933 war er aktiver Boxer und 1936 gehörte er dem deutschen Olympiateam an. Nach der Verhaftung seines Vaters flüchtete er mit seiner Mutter und seinen Geschwistern in die Tschechoslowakei. Dies bewahrte ihn nicht vor der Deportation, zunächst nach Flossenbürg, dann in das Dachauer Außenlager Augsburg-Haunstetten, schließlich in das Stammlager Dachau. Hier wurde er für Meerwassertrinkversuche der SS missbraucht. Schließlich transportierte man ihn nach Buchenwald, wo er im April 1945 von den Amerikanern befreit wurde. Er starb 1989.

„Tief erschüttert hat uns, immer wieder feststellen zu müssen, wie sehr auch heute noch Angehörige der Minderheit unter Ausgrenzung und Diskriminierung leiden.“, erzählten die Schüler über ihre Erfahrungen bei der Recherche. Ihr Resümée: „Der Kampf von Jakob Bamberger gegen Rassismus und Antiziganismus ist folglich noch nicht zu Ende geboxt. Eines ist jedoch sicher: Er kann nur gewonnen werden, wenn wir ihn gemeinsam kämpfen.“

 

Ella Lingens: Sie zeigte Stärke und Entscheidungskraft in schwierigsten Situationen

Simona Salvatore

Die Schülerin Simona Salvatore berichtete über das Leben der österreichischen Sozialdemokratin Ella Lingens.

Die Juristin und Ärztin Ella Lingens hatte zusammen mit ihrem Mann in Österreich nach dem Anschluss an das Deutsche Reich Juden unterstützt. Sie wurde 1943 verhaftet, nach Auschwitz deportiert und war dort als Häftlingsärztin tätig. 1944 brachte man sie in das KZ Dachau, nach wenigen Tagen dann in das Außenlager Agfa-Kamerawerke in München. Nach dem Streik der niederländischen Häftlinge in diesem Frauen-KZ befürchtete Ella Lingens, dass die SS ihr die Schuld an diesem Aufstand geben würde. Sie meldete sich krank und wurde ins Stammlager Dachau überstellt. Dort arbeitete sie über die Befreiung hinaus als Ärztin. In Wien bekleidete Ella Lingens in der Nachkriegszeit wichtige Ämter im Bundesministerium für soziale Verwaltung. Von Yad Vashem erhielt sie die Auszeichnung „Gerechte unter den Völkern“. Ella Lingens war eine der zentralen Zeuginnen im Frankfurter Auschwitz-Prozess.

Die Referentin Simona Salvatore hat besonders beeindruckt, dass die Biographie darstelle, „welche Stärke Ella zeigen musste, um zu überleben und mit welchen Situationen und Entscheidungen sie konfrontiert wurde. Für uns ist das heute undenkbar.“

 

Ein Grußwort und eine Musikgruppe aus Polen

Weronika Boińska

Nicht nur in der Anwesenheit der polnischen Delegation zeigte sich die polnische Präsenz bei der Jahrespräsentation des Gedächtnisbuchs. Die polnische Musikgruppe ¿weroena?, bestehend aus Weronika Boińska, Marcin und Miłosz Boiński, aus Oświęcim begleitete die Veranstaltung musikalisch.

Stanisława Piotrowska

Und es lag ein Brief des polnischen Erasmus-Partners vor: Die Bildungsreferentin der Jugendbegegnungsstätte Auschwitz/Oświęcim Stanisława Piotrowska verlas ein Grußwort der Leiterin ihrer Einrichtung Joanna Klęczar-Déodat, die persönlich nicht anwesend sein konnte.

 

Statements der Veranstalter

Sabine Gerhardus

Sabine Gerhardus, von Anfang an, also seit einem Vierteljahrhundert, Projektleiterin des Gedächtnisbuchs, konnte stolz berichten, dass in dieser Zeit über 250 Biographien von ehrenamtlichen Projektteilnehmern verfasst worden sind. Angesichts der politischen Situation hält sie Erinnerungsarbeit heute für nötiger denn je, dem Erstarken undemokratischer und rechtsextremer Strömungen müsse gekontert werden. „Nun ist es an uns allen, in aller Entschiedenheit zu widersprechen und dagegenzuhalten.“

Annerose Stanglmayr

Annerose Stanglmayr, Vertreterin des Trägerkreises und Geschäftsführerin des Dachauer Forums, begrüßte und verabschiedete die Anwesenden. Drei Gründe führte sie an, warum sie die Veranstaltung dieses Jahr für etwas ganz Besonders hält: Erstens sei das 25jährige Jubiläum des Gedächtnisbuchs ein ganz besonderes Datum, zweitens nehmen die polnischen Gäste als Teilnehmende des Projekts mit der Internationalen Jugendbegegnungsstätte Auschwitz/Oświęcim an der Veranstaltung teil und drittens zeige die Präsenz vieler Angehöriger von NS-Verfolgten und nicht zuletzt der beiden Schülergruppen aus Dachau und Heidelberg, was das Gedächtnisbuch ausmache.

 

Bildergalerie

 

(31.3.24; Bildergalerie: Marine Charbonneau; weitere Fotos und Text: Irene Stuiber)

 

 

Ausstellung im Unterricht

Marine Charbonneau, die derzeitige Freiwillige von Aktion Sühnezeichen Friedensdienste im Gedächtnisbuch, berichtet, wie die Wanderausstellung am Taschner-Gymnasium im Unterricht eingesetzt wurde und was ihr Part dabei war.

Hier nun Marines Bericht, weiter unten auch auf Französisch:

Im Rahmen der Präsentation der Ausstellung „Namen statt Nummern“ besuchte ich am 11. und 12. März 2024 das Ignaz-Taschner-Gymnasium in Dachau. Zusammen mit zwei Gymnasiasten – Ole und Sophie – stellte ich den anderen Klassen die neuen Banner vor, die frisch in die Eingangshalle der Schule eingezogen waren. Bisher hatten die Banner die Schülerinnen und Schüler vielleicht fasziniert, doch nun wissen sie, was sie wirklich darstellen und wie viel Arbeit dahinter steckt. Wir nahmen uns also die Zeit, um auf jedes einzelne von ihnen einzugehen.

Ich konnte auch von meiner Begegnung in Saint-Estèphe in Frankreich berichten, wo ich die Kinder des ehemaligen Häftlings traf, über den ich geschrieben habe. Ich habe es sehr genossen, den Schüler*innen davon zu erzählen, in der Hoffnung, ihnen einen noch persönlicheren Einblick in die Arbeit des Biografie-Schreibens zu geben. Es war auch eine gute Übung, um zu lernen, wie man vor einer manchmal großen Schülergruppe spricht.

Im Anschluss an die Präsentationen gab die Lehrerin Frau Bäuml den Schülerinnen und Schülern einen kleinen Fragebogen, damit sie sich selbst auf die Suche nach Informationen machen konnten, um die Fragen zu beantworten. Auf diese Weise sollten sie tiefer in die einzelnen Lebensgeschichten der Gefangenen eintauchen und dazu angeregt werden, diese Geschichten mit voller Aufmerksamkeit zu erforschen. Eine ideale Möglichkeit, ihr Interesse zu wecken und sie dazu zu bringen, die neun Banner noch aufmerksamer zu betrachten.

Version française

Lundi 11 mars et mardi 12 mars 2024. Dans le cadre de la présentation de l’exposition «Des noms au lieu des numéros», je me suis rendue en début de semaine au Ignaz-Taschner-Gymnasium à Dachau. C’est aux côtés de deux lycéens que j’ai présenté aux autres classes les nouvelles bannières fraîchement arrivées dans le hall de l’établissement. Si jusqu’à présent ces bannières avaient peut-être intrigué les élèves, ils savent maintenant ce qu’elles représentent vraiment et le travail qu’elles ont demandé. Nous avons donc pris le temps de revenir sur chacune d’entre elles face à des yeux curieux.

J’ai également pu parler de ma rencontre à Saint-Estèphe en France, où j’ai rencontré les enfants de l’ancien prisonnier sur lequel j’ai écrit. J’ai beaucoup apprécié leur en parler, en espérant leur donner un aperçu encore plus personnel de ce travail de rédaction de biographies. C’était également un bon exercice pour apprendre à m’adresser à des groupes d’élèves parfois nombreux.

Suite aux présentations, la professeure Madame Bäuml a donné aux élèves un petit questionnaire afin qu’ils puissent eux-mêmes partir à la recherche d’informations pour répondre aux questions. Cette démarche visait à les plonger davantage dans chaque récit de vie des prisonniers, les encourageant ainsi à explorer ces histoires avec une attention soutenue.

Une manière idéale de susciter leur intérêt et de les amener à regarder avec encore plus d’attention ces neuf bannières.

(18.3.2024; Foto und Text: Marine Charbonneau)

25 Jahre Gedächtnisbuch Dachau

Die diesjährige Jahrespräsentation des Gedächtnisbuchs bündelt Vieles: Wie immer stellen die Autor*innen neue Gedächtnisblätter vor. Seit einem Vierteljahrhundert geschieht das am 22. März jedes Jahres. 2024 ist im Rahmen des deutsch-polnischen Projekts auch eine Delegation aus  Oświęcim anwesend.

Lisa Ban mit ihrem Gedächtnisblatt über ihren Urgroßvater Benjamin Goldfeld, daneben ihre Mutter Michaela und Großmutter Rosemarie, Benjamin Goldfelds Tochter (2024)

Weitere Informationen gibt die Presseerklärung des Gedächtnisbuchs zur Veranstaltung:

25 Jahre Gedächtnisbuch Dachau. Namen statt Nummern – KZ-Häftlinge in Auschwitz und Dachau.
Präsentation neuer Biographien von NS-Verfolgten am 22.3.2024 im Karmel Heilig Blut

Seit einem Vierteljahrhundert erinnert das Gedächtnisbuch in Dachau an Lebensgeschichten ehemaliger Häftlinge des KZ Dachau. Am 22. März 2024 findet zum 25. Mal die Projektpräsentation „Namen statt Nummern“ statt. Schüler und Schülerinnen des W-Seminars „Namen statt Nummern“ am Ignaz-Taschner-Gymnasiums Dachau und andere ehrenamtliche Mitwirkende stellen Lebensgeschichten von Häftlingen der Lager Auschwitz und Dachau vor.

Darunter sind: der norwegische Medizinstudent Robert Savosnick, der polnische Kunststricker Benjamin Goldfeld, der polnische Ordensgeistliche Adam Kozłowiecki, die österreichische Ärztin Ella Lingens, die beiden deutschen jüdischen Lehrer Arthur Godlewsky und Herta Mühlfelder, der tschechische Schusterlehrling und Bruder von Max Mannheimer, Edgar Mannheimer, und andere. Die Biographien entstanden im Rahmen eines deutsch-polnischen Partnerprojekts mit der Internationalen Jugendbegegnungsstätte (IJBS) Auschwitz/Oświęcim. Das Projekt wurde durch die Europäische Union als Erasmus+-Programm gefördert und vom Landkreis Dachau unterstützt. Zu Beginn des Projekts nahmen die Schülerinnen und Schüler an einer Studienreise nach Oświęcim/Auschwitz teil. Sie besuchten dort das Museum Auschwitz-Birkenau und das Archiv der Gedenkstätte, später recherchierten sie in verschiedenen Archiven, sprachen mit Angehörigen und verfassten vierseitige Gedächtnisblätter. Ergänzend ist eine neue deutsch-polnische Ausstellung entstanden: Namen statt Nummern – KZ-Häftlinge in Auschwitz und Dachau. Die Ausstellung ist noch bis zum 21. März am Ignaz-Taschner-Gymnasium zu sehen.

Zur Präsentation der neuen Biografien wird eine 15-köpfige Delegation aus Oświęcim erwartet. Die musikalische Umrahmung übernimmt das Ensemble ¿weroena? aus Oświęcim. Der Gegenbesuch der polnischen Gruppe umfasst ein dreitägiges Programm, in dessen Rahmen die Gäste aus Polen auch die neue Ausstellung am Ignaz-Taschner-Gymnasium besuchen werden.

Präsentation der neuen Gedächtnisblätter „Namen statt Nummern“
Freitag, den 22. März 2024 um 19.00 Uhr, Kirche des Karmel Heilig Blut, Alte Römerstraße 91, 85221 Dachau

Anmeldung
beim Dachauer Forum unter Telefon 08131 99688-0 oder digital:
https://www.dachauer-forum.de/veranstaltung/namen-statt-nummern-2024/

(16.3.2024; IS)