Arbeit an Gedächtnisblättern unter schwierigen Bedingungen

Unter coronabedingt schwierigen Bedingungen haben die Schülerinnen und Schüler des W-Seminars am Dachauer Ignaz-Taschner-Gymnasium mit der Arbeit an den Biographien begonnen. Ein großes Problem: die Nichtzugänglichkeit wichtiger Archive.

Projektleiterin Sabine Gerhardus schreibt uns, wie die Arbeit an den Gedächtnisblättern trotzdem voran geht:

„Unter erschwerten Bedingungen, aber nichtsdestotrotz mit fast ungebremster Motivation haben die Schüler*innen des W-Seminars „Namen statt Nummern“ am Ignaz-Taschner-Gymnasium Dachau mit ihren Recherchen begonnen.

Obwohl die Archive geschlossen sind und einige sehr lange Wartezeiten mitgeteilt haben, haben manche der jungen Forscher*innen schon Dokumente zugeschickt bekommen. Vor den Weihnachtsferien konnte die Einführung in die Recherchearbeit weitgehend abgeschlossen werden.

Das haben wir Interviewtraining vorgezogen, damit die Schüler*innen Angehörige kontaktieren können. Leider hat es nicht mehr geklappt, die Gesprächsführung im Präsenzunterricht zu üben – Quarantäne in der letzten Woche vor den Ferien! Im Online-Unterricht konnten zumindest noch Fragen zur Gesprächsführung oder Transkription besprochen werden.

Seit den Ferien sind ja alle Schulen im Distanzunterricht, die Schüler*innen haben Referate über die Geschichte des KZ Dachau auf Grundlage der Materialien in ihrem Werkstattordner gehalten und daneben verschiedene Archive angeschrieben. Nun drücken wir die Daumen, dass sie Quellen zugeschickt bekommen können und dass die Lebensgeschichten trotz der nicht einfachen Recherche um immer mehr Puzzleteile ergänzt werden können!“

(7.2.21; Foto und Text: Sabine Gerhardus)

Ausstellung in Bielefeld: Feedback von Schülerinnen und Schülern

Die Wanderausstellung „Namen statt Nummern“ wurde vom 2. November bis zum 14. Dezember 2020 im Foyer der Hans-Ehrenberg-Schule in Bielefeld-Sennestadt gezeigt. Nun hat uns eine Lehrerin Rückmeldungen von Schülerinnen und Schülern geschickt.

Marie-Luise Hußmann, Lehrerin an der Hans-Ehrenberg-Schule, schreibt dazu:

Die Ausstellung wurde im Foyer der Schule gezeigt und in unterschiedlichen Lerngruppen und Fächern unterrichtlich eingebunden. Schülerinnen und Schüler aus der Jahrgangsstufe 9 reflektierten die Arbeit mit der Ausstellung und den dazugehörigen Biografien folgendermaßen:

„Ich finde die verschiedenen Biografien sehr gut aufbereitet und eindrucksvoll gestaltet.“

„Die Arbeit an der Ausstellung hat mir nochmal viel mehr gezeigt, dass wir alles dafür tun müssen, dass so etwas auf gar keinen Fall nochmal passiert. Außerdem hat es mich diesmal noch mehr berührt, da man die Menschen, die dort inhaftiert waren, „kennengelernt“ hat.“

„Ich finde die Ausstellung sehr interessant, weil viele Perspektiven auf die Zeit des Zweiten Weltkriegs darin gezeigt werden. […] Manche Geschichten von leidenden Menschen waren sehr grausam. Darum denke ich, dass die Absicht dieser Ausstellung hauptsächlich ist, dass man sich in die Personen hineinversetzen kann.“

„Die Absicht hinter dieser Ausstellung ist, dass wir uns immer daran erinnern und so etwas nie vergessen dürfen […] Anhand dieser Ausstellung sollen die Leute die Einzelschicksale näher kennenlernen.“

„Die Ausstellung macht klar, wie schwierig es in der Zeit war, zu leben und wie schlimm es den Häftlingen im Lager erging. Dies spiegeln die Biografien wider. […] Die Biografien wirken sehr spannend auf mich und bringen mich vor allem zum Nachdenken.“

(30.1.2021; IS)

 

Trägerkreis entscheidet sich für digitale Jahrespräsentation

Die nächste Jahrespräsentation des Gedächtnisbuchs wird am 22. März 2021 digital stattfinden. Diesen Beschluss fasste der Trägerkreis bei seiner letzten Sitzung.

Screenshot vom Trägerkreistreffen

Am 22. März 2021 wird eine digitale Präsentation der neuen Gedächtnisblätter im Internet abrufbar sein. In diesem Video stellen Schülerinnen und Schüler des Dachauer Josef-Effner-Gymnasiums ihre Gedächtnisblätter vor, die sie im W-Seminar „Biographisches Schreiben“ unter Leitung von Christoph Triebfürst erarbeitet haben. Dazu kommen einzelne Arbeiten aus dem vorhergehenden Jahr.

Für den 25. Oktober 2021 hofft der Trägerkreis auf eine Präsenzveranstaltung. Auch die Sitzung des Trägerkreises konnte nur digital stattfinden.

(23.1.2021; IS)

Spurensuche in der Familie

Jörg Watzinger beschäftigt sich eingehend mit der Geschichte seiner Familie. Sein Vater erlitt als Sozialist Gefängnis und Konzentrationslager, sein Onkel dagegen war überzeugter Anhänger der Nationalsozialisten. Darüber gibt es einen Kurzfilm der ARD.

Jörg Watzinger mit einem Foto seines Vaters

Jörg Watzinger unterstützte Benedikt Leonard, Schüler am Max-Mannheimer-Gymnasium in Grafing, intensiv bei der Erforschung der Lebensgeschichte Karl Otto Watzingers, seines Vaters. Das dabei entstandene Gedächtnisblatt ist hier auf unserer Website zu sehen:

Gedächtnisblatt Karl Otto Watzinger

Er selbst ist auch in einem anderen Zusammenhang tief in die Familiengeschichte eingetaucht und hat sich mit dem Leben eines Onkels beschäftigt, der überzeugter Nazi war. Die ARD hat dazu einen kurzen Film als Magazinbeitrag erstellt. In der ARD-Mediathek ist er abrufbar:

Zum Film in der ARD-Mediathek

(18.1.2021; Foto: Jörg Watzinger; IS)

Am wichtigsten: der Kontakt zur Familie

Was bedeutet die biographische Recherche für die Schülerinnen und Schüler, die ein Gedächtnisblatt erarbeiten? Theresa Ziegler hat darüber in ihrer Seminararbeit geschrieben.

Die Schülerin Theresa Ziegler recherchierte als Teilnehmerin am W-Seminar  „Biographisches Schreiben“ am Josef-Effner-Gymnasium in Dachau das Leben der beiden Brüder Arthur Asur und Abraham Berlinger. Sie schreibt dazu:

„Es ist wichtig, über die grausamen Geschehnisse in der Zeit des Nationalsozialismus zu sprechen. Es ist wichtig, der unschuldigen Männern, Frauen und Kindern zu gedenken, welche in dieser ‘unmenschlichen’ Zeit ihren Alltag, ihre Familie und zuletzt ihr Leben verloren haben. Eben aus dieser dunklen Vergangenheit müssen wir lernen und mit Erinnerungsprojekten die verstorbenen Menschen in unseren Herzen weiterleben lassen.

So ein Erinnerungsprojekt ist das Gedächtnisbuch für die Häftlinge des KZ Dachau. Die Teilnahme an dieser ehrenamtlichen Arbeit hat mir viel bedeutet. Durch viele Telefonate, Literatursuche und Besuche in unterschiedlichen Archiven konnte ich immer mehr über das Leben und das Schicksal zweier Brüder, Abraham und Arthur Berlinger, erfahren.

Je mehr Quellen ich fand, desto interessanter, aber auch berührender wurde meine Recherche. Man begann den Menschen kennenzulernen und gern zu haben.  Am Ende das Gedächtnisblatt zu Ehren eines besonderen Menschen in Händen zu halten, ist ein besonderes Gefühl.

Was mir am meisten bedeutet hat, war der Kontakt zur Familie von Arthur Berlinger. Nur durch Zufall bin ich auf die Adresse der Tochter gestoßen und schrieb einen Brief an sie. Wenige Wochen später erhielt ich eine herzliche Antwort ihres Enkels. Er schrieb mir, dass er und seine Familie mich unterstützen wollen, wo sie können. Nach vielen Stunden der Quellenauswertung wurde mir besonders durch den Kontakt zur Familie bewusst, wie wichtig es ist, sich mit der Vergangenheit zu beschäftigen und sich für eine bessere Zukunft einzusetzen.

Es ist fundamental, dass jeder Mensch egal welcher Religion oder Staatsangehörigkeit dasselbe Recht auf ein friedliches und erfülltes Leben hat. Die jüdische Bevölkerung sollte heutzutage ihren jüdischen Glauben nicht verstecken müssen, sondern selbstbewusst ihre Identität leben können.“

Rückblick auf 2021

Das vergangene Jahr brachte viele Überraschungen. Hier ein Rückblick auf unerwartete Ereignisse, Arbeitsumstände und Projektergebnisse trotz Corona.

Projektleiterin Sabine Gerhardus im Homeoffice

Die Vorbereitungen für die alljährliche Projektpräsentation am 22. März liefen auf vollen Touren, als die Veranstaltung abgesagt werden musste. Der persönliche Blick der Autorinnen und Autoren auf das von Ihnen erarbeitete Gedächtnisblatt in der Veranstaltung musste unterbleiben.

Als Ehrengast für die Veranstaltung war Wladimir Dschelali angefragt. Er ist im November 2020 an einer Covid-19-Erkrankung gestorben.

Nicht nur das ihm gewidmete, sondern auch viele weitere der für die Veranstaltung vorgesehenen Gedächtnisblätter können auf dieser Website gelesen werden. Hier sind die Links:

Wladimir Dschelali
Peter Perel
Friedl Volgger
Erich Finsches
Abraham Müller
Carla Gastkemper
Karl Watzinger
Wolfgang Meier sen.
Wolfgang Meier jun.
Martin Meier

Trotz der internationalen Corona-Krise entschlossen sich Kristina Eremina und Paul Canneva, ihr Freiwilligenjahr in Dachau abzuschließen. Beide haben in Interviews für diesen Blog ihre Erfahrungen zusammengefasst:

Kristina Eremina
Paul Canneva

Alle Mitwirkenden im Projekt fanden sich mit völlig veränderten Arbeitsumständen konfrontiert. Projektleiterin Sabine Gerhardus notierte beeits im April erste Erfahrungen:

Biographisches Arbeiten trotz Corona

Eine Projektchronik gibt Einblick in die wesentlichen Vorgänge des Jahres 2020:
Chronik 2020

Wer an weiteren Berichten aus dem vergangenen Jahr oder an Einzelheiten interessiert ist, wird hier im Blog in früheren Artikeln fündig.

(3.1.2021; IS)

Per Mobilgerät auf den Spuren von Geistlichen im KZ Dachau

Die Erzdiözese München und Freising veröffentlicht eine Gedenk-App, um die Erinnerung an von den Nationalsozialisten verfolgte Geistliche zu bewahren.

Ausschnitt Gedächtnisblatt Joseph Kentenich

Die Katholische Seelsorge an der KZ-Gedenkstätte Dachau, im Trägerkreis des Gedächtnisbuchs vertreten, hat eine Smartphone-App entwickelt, mit deren Hilfe man die Lebensdaten von 2.720 Geistlichen verschiedener Konfessionen und Religionen abrufen kann, die im Konzentrationslager Dachau von 1940 bis 1945 inhaftiert waren.

In keinem anderen Lager wurden Geistliche in so großer Zahl gefangen gehalten. Finanziert wurde die App von der Erzdiözese München und Freising, die damit die Erinnerung an die Opfer nationalsozialistischer Gewalt bewahren will. Neben der Einsicht in die Biographien der Geistlichen führt die App Besucherinnen und Besucher vor Ort (zur Zeit ist die Gedenkstätte leider geschlossen) oder virtuell auf zwei Rundgängen über das Gelände der KZ-Gedenkstätte. Die Gedenk-App mit dem Titel „Geistliche im KZ Dachau“ ist kostenlos über den App Store oder den Google Play Store erhältlich.

„Die Gedenk-App hilft, dass das Schicksal dieser Geistlichen nicht in Vergessenheit gerät“, sagt der Bischöfliche Beauftragte für KZ-Gedenkstättenarbeit in der Erzdiözese und Leiter der Katholischen Seelsorge an der KZ-Gedenkstätte, Ludwig Schmidinger. In Kooperation der Erzdiözese mit der KZ-Gedenkstätte Dachau / Stiftung Bayerische Gedenkstätten wurden alle zur Verfügung stehenden Daten zusammengetragen. „Der Wert der App liegt nicht zuletzt darin, dass diese Daten von Geistlichen zum ersten Mal gebündelt dargestellt werden und gezielt abgefragt werden können“, so Schmidinger, Initiator des neuen digitalen Angebots. Ludwig Schmidinger ist Mitglied im Trägerkreis des Gedächtnisbuchs.

In die Datenbank aufgenommen wurden unter anderem Pfarrer, Kapläne, Vikare und Ordensmänner, darunter zum Beispiel der Selige Karl Leisner oder der im September 2019 selig gesprochene Pater Richard Henkes SAC. Per Suchfunktion können Namen, Geburts- und Sterbedaten, Geburts- und Sterbeoret, Wohnorte, Nationalitäten, Konfessionen sowie Diözesan- oder Ordenszugehörigkeiten recherchieren werden. Wer die App öffnet, bekommt auf einem Gedenkkalender als ersten Hinweis angezeigt, wenn sich der Todestag eines Häftlings am betreffenden Tag jährt. Darüber hinaus kann man auf den beiden Rundgängen „Geistliche im KZ“ und „Namen statt Nummern“ in jeweils sieben Stationen durch das Gelände der KZ-Gedenkstätte gehen. An den Haltepunkten erfahren die Besucherinnen und Besucher Details der Lebens- und Haftgeschichte von Insassen, ergänzt um biblische Texte und einen geistlichen Impuls. Diese Informationen sind nicht an den Besuch der Gedenkstätte gebunden, sondern können unabhängig davon nachgelesen oder als Meditationsvorlage verwendet werden.

Kostenlos über App-Stores erhältlich

Die Gedenk-App mit dem Titel „Geistliche im KZ Dachau“ ist kostenlos über den Applestore oder Google Play Store erhältlich. Neben Einzelpersonen können auch beispielsweise Pädagogen sie im Religionsunterricht einsetzen. Sie ist in den Sprachen Deutsch, Englisch und Polnisch verfügbar. Wer sich über die Nutzungsmöglichkeiten der App informieren möchte, findet dazu auf der Seite www.erzbistum-muenchen.de/spiritualitaet/gedenk-app weitere Hinweise. Dort ist auch ein Interview mit Ludwig Schmidinger nachzulesen.

Infos

APP Geistliche im KZ Dachau – im Google Playstore (Android)
https://play.google.com/store/apps/details?id=de.offergeldapplications.geistliche

APP Geistliche im KZ Dachau – im Applestore (iOS)
https://apps.apple.com/de/app/geistliche-im-kz-dachau/id1535535419

Informationsblatt zur APP „Geistliche im KZ Dachau“ zum Ausdrucken
https://www.gedenkstaettenseelsorge.de/files/dokumente/389-2020_11_01_KS_newsletter_APP_Geistliche.pdf

Falt-Informationsblatt zur APP
https://www.gedenkstaettenseelsorge.de/files/dokumente/389-2020_11_01_KS_APP_Geistliche_Faltblatt.pdf

Auch interessant

Im alphabetischen Verzeichnis der Gedächtnisblätter auf dieser Website finden sich Gedächtnisblätter für mehrere Geistliche, darunter auch die in diesem Beitrag erwähnten Personen.

Das Gedächtnisbuchprojekt bietet als Ergänzung zur Wanderausstellung „Namen statt Nummern“ eine Ausstellung „Geistliche im KZ Dachau“ zum Verleih. Weitere Informationen finden sich hier:

Internationale Wanderausstellung

(27.12.2020; IS)

Unterstützung für das Gedächtnisbuch

Karla Steeb, Teamunterstützerin an der Versöhnungskirche, arbeitet in den nächsten Monaten beim Gedächtnisbuch mit. Wir freuen uns sehr darüber! Wie es dazu kommt, berichtet Karla selbst:

„Bereits Anfang Oktober berichtete der Blog über meinen Besuch beim Gedächtnisbuch, als Frank Schleicher und ich in einem Gespräch mit Sabine Gerhardus die Möglichkeit bekamen, mehr über das Projekt zu erfahren. Damals war noch nicht klar, ob ich ab Ende November meinen Freiwilligendienst in Moskau doch noch antreten kann und mein Praktikumsvertrag an der Versöhnungskirche war bis Ende November befristet.

Diese Situation hat sich grundlegend verändert: Ich habe die Möglichkeit bekommen, bis zum Herbst des nächsten Jahres die Versöhnungskirche als Teamunterstützerin zu begleiten. Aus diesem Grund haben Sabine Gerhardus und ich uns am 10. Dezember erneut zu einem Gespräch zusammengesetzt.

Als Ergebnis dieses Gespräches werde ich ab Januar 2021 das Gedächtnisbuch-Projekt an einem Tag pro Woche unterstützen. Voraussichtlich wird meine Arbeit darin bestehen, französische Gedächtnisblätter zu übersetzen und somit auch für die deutschen Leser*innen zugänglich machen. Auch bei organisatorischen Aufgaben werde ich im Projekt mitwirken.

Wie genau sich die Zusammenarbeit im Laufe des Jahres entwickelt, wird sich sicherlich noch zeigen. Ich freue mich auf jeden Fall sehr auf die Zeit und darüber, dass ich jetzt doch noch die Möglichkeit habe, am Gedächtnisbuch mitzuwirken.“

(19.12.2020; Karla Steeb)

Das Gedächtnisbuch trauert um Wladimir Iwanowitsch Dschelali

Am 13. November 2020 starb der Überlebende des Konzentrationslagers Dachau, Wladimir Dschelali, in seiner Heimatstadt Mariupol. Im März 2020 wollte Wladimir Iwanowitsch noch zusammen mit seiner Tochter Vera Zolotar zur Präsentation der neuen Gedächtnisblätter nach Dachau kommen. 

Wladimir Dschelali mit seinen Schülerinnen und Schülern (Ausschnitt)

Die Schülerin Magdalena Gartner vom Max-Mannheimer-Gymnasium Grafing hat ein Gedächtnisblatt für ihn verfasst – es wäre ihr erstes Treffen mit Dschelali geworden, mit dem sie bis dahin nur via Email in Kontakt gestanden hatte. Die Präsentation musste wegen der Pandemie abgesagt werden und sollte 2021 nachgeholt werden. Nun ist der ehemalige Zwangsarbeiter in seiner Heimat einer Covid-19-Erkrankung erlegen. „Mich hat diese Nachricht sehr getroffen!“ schreibt Magdalena Gartner, als sie von Wladimir Dschelalis Tod erfährt.

Wladimir Dschelali wurde am 10. März 1925 in Wolnowacha / Ukr. SSR (UdSSR) geboren und wuchs als Angehöriger einer griechischen Minderheit in der ukrainischen Hafenstadt Mariupol auf. Mit fast 17 Jahren wurde er zur Zwangsarbeit nach Deutschland verschleppt. Er floh aus dem Zwangsarbeiterlager in Saarbrücken, wurde verhaftet und im Juli 1942 ins KZ Dachau gebracht. Kurz vor der Befreiung gelang ihm die Flucht aus dem Außenlager Gendorf.

Wladimir Dschelali wurde erst Agronom, dann studierte er Musik. Er arbeitete als Musikdozent in Mariupol, schrieb zahlreiche Gedichte und liebte es, griechische Gerichte zu kochen. Das ehemalige Konzentrationslager Dachau hat er mehrfach besucht und auch als Zeitzeuge bei der Internationalen Jugendbegegnung gewirkt.

Wir wünschen der Familie von Wladimir Dschelali für diesen schmerzlichen Verlust Kraft und Trost.

Link zum Gedächtnisblatt:
Wladimir Dschelali

(12.12.2020; Text: Sabine Gerhardus)