Im polnischen Ostrzeszów entstehen neue Gedächtnisbuch-Biographien

Der polnische Historiker Jan Kwiatkowski aus Posen unterstützt das Gedächtnisbuch bei der Erstellung polnischer Biographien. Auf Jans Anregung hin verfassen dort Nachkommen ehemaliger Dachau-Häftlinge neue Beiträge fürs Gedächtnisbuch.

Jan Kwiatkowski

Jan kennt das Gedächtnisbuch schon lange: Im Jahr 2014 war er als Freiwilliger der Aktion Sühnezeichen Friedensdienste in der Versöhnungskirche auch beim Gedächtnisbuch eingesetzt. Seitdem ist er der Erinnerungsarbeit in Dachau verbunden und engagiert sich unter anderem bei der Internationalen Jugendbegegnung. Im Juli war Jan einige Wochen in Dachau, um für das Max Mannheimer Studienzentrum zu arbeiten.

Bei dieser Gelegenheit besprachen Jan Kwiatkowski und die Leiterin des Gedächtnisbuchs, Sabine Gerhardus, die neuen Lebensgeschichten, die gerade in Ostrzeszów entstehen. Das Städtchen im Kreis Posen gehörte Anfang des 20. Jahrhunderts zur preußischen Provinz Posen und hieß damals Schildberg. Zur Zeit verfassen dort Nachkommen ehemaliger Dachau-Häftlinge Gedächtnisblätter. Im März 2023 sollen die neuen Biographien im Rahmen des deutsch-polnischen Erasmus+-Projekts ins Gedächtnisbuch aufgenommen werden.

(3.9.2022; Sabine Gerhardus/IS)

 

Ausstellung, Gottesdienst und Veranstaltung in Pfreimd: gut besucht

Die Organisatoren der Ausstellung „Namen statt Nummern“ in Pfreimd freuen sich über das große Interesse an der Ausstellung und der dazugehörigen Veranstaltung. Die im Juli 2022 gezeigte Ausstellung begleitete das Gedenken an den Franziskanerpater Petrus Mangold anlässlich seines 80. Todestags. Hans Paulus hat über Petrus Mangold ein Gedächtnisblatt verfasst, aus dieser Biographie entstand ein neues Banner für die Ausstellung.

Den Gottesdienst zelebrierte Pater Bernhard Braun, der letzte in Pfreimd tätige Franziskanerguardian, begleitet von Orgel und Trompete. Nach dem Gottesdienst wurde eine Gedenkplatte neben dem Kirchenportal geweiht. Hans Paulus erläuterte an der Grabstelle im Kreuzgang den Lebenslauf von Petrus Mangold. Daran schloss sich die Eröffnung und eine Führung durch die Ausstellung „Namen statt Nummern“ an. 

Der Gottesdienst war sehr gut besucht, das Interesse an der Lebensgeschichte von Petrus Mangold und den anderen in der Ausstellung dargestellten Biographien auch in den Gesprächen nach der Veranstaltung groß, berichtete Hans Paulus.

(24.8.2022; Hans Paulus/IS)

Häftlingsbiografien und Fachaustausch: Gedächtnisbuch startet deutsch-polnische Partnerschaft

Das Gedächtnisbuch startet zusammen mit der Jugendbegegnungsstätte in Oświęcim/Auschwitz ein deutsch-polnisches Partnerschaftsprojekt. Die Projektträger planen, in den nächsten zwei Jahren mithilfe des Erasmus+-Projekts die Grundlagen für eine langfristige Zusammenarbeit zu legen.

Die Internationale Jugendbegegnungsstätte in Oświęcim/Auschwitz

Hier die Pressemitteilung, mit der das Gedächtnisbuch über Projekt informiert:

„Sehr berührt hat mich die Geschichte von Arthur Asur Berlinger, der trotz grausamer Haft seinen Glauben nie verloren hat. Um an diesen starken Mann zu erinnern, habe ich dieses Gedächtnisblatt erstellt.“ Arthur Berlinger war 1938 Häftling im Konzentrationslager Dachau, weil er Jude war. Sechs Jahre später wurde er aus demselben Grund in Auschwitz ermordet. Unter den Dachauer Häftlingen gab es viele, die auch im Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz leiden mussten. Von ihnen erzählen bisher nur wenige Biographien im Gedächtnisbuch. Eine davon ist die Geschichte, die  von der Dachauer Schülerin Theresa Ziegler über Arthur Berlinger aufgeschrieben wurde. Nun sollen weitere Gedächtnisblätter über Häftlinge beider Lager entstehen. Das Gedächtnisbuch für die Häftlinge des KZ-Dachau startet ein internationales Projekt mit der Internationalen Jugendbegegnungsstätte in Oświęcim/Auschwitz als Partner. Das deutsch-polnische Projekt findet im Rahmen des europäischen Erasmus+ Programms statt und ist zunächst auf zwei Jahre angelegt. Die Projektpartner wollen in diesen zwei Jahren die Grundlagen für eine langfristige stabile Partnerschaft zwischen dem Gedächtnisbuch und der Jugendbegegnungsstätte Oświęcim schaffen.

Die Projektkoordination übernimmt für den Trägerkreis des Gedächtnisbuchs das Dachauer Forum. Geschäftsführerin Annerose Stanglmayr erläutert: „Mit der Jugendbegegnungsstätte in Oświęcim haben wir einen hochkarätigen und sehr kompetenten Partner in Polen gefunden. Ganz sicher werden beide Seiten von der Zusammenarbeit profitieren.“ Geplant ist ein Fachaustausch sowie eine Weiterentwicklung der Konzepte und Lernangebote. Die Projektpartner streben einen Erfahrungsaustausch, die gegenseitige Unterstützung und die Präsentation der Ergebnisse des Partnerschaftsprojekts in beiden Ländern an.

Im Lauf der Projektdauer des Erasmus+-Projekts erstellen Ehrenamtliche Biographien polnischer und deutscher Häftlinge für das Gedächtnisbuch. Recherchiert werden soll in den nächsten zwei Jahren vor allem über NS-Verfolgte, die sowohl im Konzentrationslager Dachau als auch in Auschwitz inhaftiert waren. Zwei Studienfahrten ergänzen die kontinuierliche Online-Zusammenarbeit der Projektpartner. Die Präsentation für die Öffentlichkeit erfolgt in Form von Gedächtnisblättern und in einer deutsch-polnischen Wanderausstellung. Auf der Website des Gedächtnisbuchs www.gedaechtnisbuch.org finden sich in den zwei Jahren der Laufzeit des Projekts aktuelle Berichte zum Projektverlauf.

Derzeit laufen die Vorbereitungen für zwei wesentliche Projektmeilensteine: Mit dem neuen Schuljahr im September beginnt ein W-Seminar des Gedächtnisbuchs am Dachauer Ignaz-Taschner-Gymnasium, in dessen Rahmen die Schüler und Schülerinnen Biographien für das Erasmus+-Projekt erstellen werden. Im Oktober fahren Projektteilnehmende für eine Woche nach Oświęcim.

 „Es ist uns wichtig, dass möglichst viele Menschen von dieser Partnerschaft profitieren.“, betont Annerose Stanglmayr. „So steht zwar der Fachaustausch der beteiligten Organisationen im Mittelpunkt, doch werden von Anfang an ehrenamtlich Mitwirkende und die interessierte Öffentlichkeit in beiden Städten und darüber hinaus einbezogen.“

Deutsch-polnische Zusammenarbeit ist für das Gedächtnisbuch kein Neuland: Bereits mehrmals haben polnische Freiwillige der Aktion Sühnezeichen Friedensdienste im Rahmen ihres Freiwilligendiensts in Dachau das Gedächtnisbuch unterstützt. Auch hier gibt es einen Schnittpunkt mit dem polnischen Partner: Die Internationale Jugendbegegnungsstätte Oświęcim wurde 1986 auf Initiative von Aktion Sühnezeichen Friedensdienste gegründet. Bis heute ist die Freiwilligenarbeit von Aktion Sühnezeichen Friedensdienste dort ein wesentlicher Bestandteil der pädagogischen Aktivitäten.

(Foto: Internationale Jugendbegegnungsstätte Oświęcim/Auschwitz; IS)

 

Gedenken an Werner Sylten

Am 12. August 2022 jährt sich der Todestag von Werner Sylten zum 80. Mal. Der Mitarbeiter des Büro Grüber wurde im August 1942 aus dem KZ Dachau nach Schloss Hartheim deportiert und dort ermordet. Die Evangelische Versöhnungskirche erinnert in einem Gottesdienst am 14. August 2022 an den im Widerstand aktiven Pfarrer.

Barbara Kittelberger mit Werner Sylten 2008

Im Gottesdienst in der Versöhnungskirche wird die emeritierte Münchner Stadtdekanin Barbara Kittelberger am 14. August 2022 den Widerstandskämpfer Werner Sylten würdigen. Barbara Kittelberger kennt Walter Sylten, den Sohn von Werner Sylten, von Tagungen des internationalen Kuratoriums der Versöhnungskirche. Walter Sylten war 12 Jahre alt, als er mit der Ermordung seines Vaters Vollwaise wurde.

Das Gedächtnisbuch widmete Werner Sylten bereits 2010 ein von Heinrich Bauer und Klaus Schultz verfasstes Gedächtnisblatt:
Gedächtnisblatt Werner Sylten

Weitere Informationen zum Gottesdienst:
https://www.versoehnungskirche-dachau.de/gottesdienste

(7.8.2022; IS)

Abschluss des Seminars am ITG: Abschiedsessen und Urkunden

Ein gemeinsames Mittagessen beendete das W-Seminar „Namen statt Nummern“ am Dachauer Ignaz-Taschner-Gymnasium. Für die Verfasser*innen von Gedächtnisblättern gab es nach der Pizza eine Urkunde.

V.l.n.r.: Amelie Salvermoser, Mirja Höfer, Anna Schlichenmayer, Hedi Bäuml und Sabine Gerhardus

Kursleiterin Hedi Bäuml und Sabine Gerhardus luden die Teilnehmer*innen des W-Seminars „Namen statt Nummern“ Anfang Juli zum Essen ein, weil sie sich nach der fast zweijährigen Zusammenarbeit bei allen bedanken und den erfolgreichen Abschluss des Projekts feiern wollten. Zum Abschluss erhielten die Schülerinnen für die neuen Beiträge im Gedächtnisbuch noch ihre Urkunde.

Leider fiel die Runde kleiner aus als erhofft. Manche waren schon in Urlaub, andere mussten kurzfristig wegen Krankheit absagen und mit Fieber das Bett hüten. Wer nicht anwesend sein konnte, hat sein Zertifikat inzwischen mit der Post erhalten.

Sabine Gerhardus hat viele gute Wünsche für die Seminarteilnehmer: „Ganz herzlich bedanke ich mich auf diesem Wege bei allen für die schöne Zusammenarbeit, für euer Interesse am Schicksal der ehemaligen Häftlinge und NS-Verfolgten. Ich wünsche Euch einen lustigen oder entspannten Sommer mit viel Freude und viel Glück und Erfolg für euren weiteren Lebensweg! Meldet euch gerne auch später noch, ich werde mich immer freuen zu erfahren, wohin das Leben euch verschlägt und was euch bewegt!“

(31.7.22; Sabine Gerhardus/IS)

 

Johann-Turmair-Realschule Abensberg startet Recherche

Maria Rauscher, Geschichtslehrerin der Johann-Turmair-Realschule Abensberg, recherchiert zusammen mit ihrer neunten Klasse die Lebensgeschichte von Karl Frey für ein Gedächtnisblatt.

Am 14. Juli 2022 besuchte die Klasse die KZ-Gedenkstätte. In der Versöhnungskirche sahen sich die Schüler*innen verschiedene Gedächtnisblätter an und erfuhren von Sabine Gerhardus mehr über das Projekt. Maria Rauscher schrieb: „Meine SchülerInnen und ich fanden Ihre Vorstellung des Gedächtnisbuches sehr hilfreich. Es war konkret und anschaulich. Jetzt können sich die Kinder etwas darunter vorstellen.“

Tags darauf besuchte der Sohn von Karl Frey die Klasse in Abendberg: „Herr Frey hat auch das Original des Schutzhaftbefehls und einiges mehr. Er brachte auch die Häftlingsjacke seines Vaters sowie ein Schiff mit, das im KZ Dachau gefertigt wurde und in seinem Besitz ist. Das sind schon starke Sachzeugnisse, die die Schüler beeindruckten.“, berichtete die Lehrerin.

(22.7.2022; Sabine Gerhardus/IS)

Heimatpreis für Geschichtswerkstatt

Die Geschichtswerkstatt im Landkreis Dachau erhielt den Heimatpreis Bayern für „besondere Verdienste um Kultur, Heimat und Brauchtum“.

„Wir freuen uns sehr über die Würdigung der Geschichtswerkstatt und vor allem dass Ihre und Eure Arbeit ausgezeichnet wird!“ Mit diesen Worten überbrachte Annerose Stanglmayr, Geschäftsführerin des Dachauer Forums, die Nachricht. Das Gedächtnisbuch beteiligte sich in den vergangenen Jahren an der Geschichtswerkstatt mit umfangreichen Forschungen über Häftlinge des KZ Dachaus, die aus dem Landkreis stammten oder hier wohnten.

Die Würdigung der Arbeit der Geschichtswerkstatt fand im Rahmen einer Veranstaltung in der Allerheiligen-Hofkirche der Residenz München statt. Der Bayerische Staatsminister für Finanzen und für Heimat, Albert Füracker, überreichte den Preis der Projektleiterin der Geschichtswerkstatt, Annegret Braun, die von einer kleinen Delegation von Haupt- und Ehrenamtlichen begleitet wurde. Landrat Stefan Löwl und Landtagsabgeordneter Bernhard Seidenath freuten sich mit den Mitgliedern der Geschichtswerkstatt über die Anerkennung.

(16.7.22; Foto: Bernhard Seidenath; Text: Sabine Gerhardus/IS)

Juli 2022: Ausstellungen des Gedächtnisbuchs in Pfreimd

Beide Wanderausstellungen des Gedächtnisbuchs, „Namen statt Nummern“ und „Priester im KZ-Dachau“, sind vom 9. bis 31. Juli 2022 in der Klosterkirche in Pfreimd zu sehen. Die Ausstellung zeigt erstmals ein Banner über den Franziskanerpater Karl Mangold.

Fransziskanerpater Karl Mangold

Die Ausstellung begleitet das Gedenken an den Franziskanerpater Petrus Mangold anlässlich seines 80. Todestags. Hans Paulus verfasste über Mangold ein Gedächtnisblatt und präsentierte es am 22. März 2022 bei der Jahrespräsentation des Gedächtnisbuchs der Öffentlichkeit. Der Franziskanerpater Mangold geriet ab 1934 immer wieder in Auseinandersetzungen mit den Nationalsozialisten und starb 1942 im KZ Dachau. Für die Pfreimder Ausstellung ergänzte das Gedächtnisbuch die Wanderausstellung „Priester im KZ Dachau“ um ein Banner über Petrus Mangold.

Am 17. Juli 2022, also einen Tag vor seinem 80. Todestag, findet zum Gedächtnis an Petrus Mangold um 9 Uhr in der Klosterkirche in Pfreimd ein Gedenkgottesdienst statt. Anschließend wird neben dem Kirchenportal eine Gedenkplatte für den Franziskanerpater enthüllt. Danach findet die offizielle Eröffnung der Ausstellung „Namen statt Nummern“ in der Klosterkirche statt.

Ausstellung
Klosterkirche in 92536 Pfreimd, 9. bis 31. Juli 2022, täglich geöffnet

(10.7.2022; IS)

„Namen statt Nummern“ im Landkreis Roth
Vom 2. Juni bis zum 3. Juli 2022 war die Gedächtnisbuch-Ausstellung „Namen statt Nummern“ im Landkreis Roth zu sehen. Das Resümee ist positiv, eventuell gibt es eine Wiederholung der Aktion.

Rainer Geier bei der Aktion „hände hoch für demokratie“

Rainer Geier, Mitarbeiter des Kreisjugendrings Roth, wurde auf die Ausstellung  aufmerksam und bot sie den „Schulen ohne Rassismus“ im Landkreis Roth an. So konnte die  Ausstellung in der Dr. Mehler Schule Georgensgmünd, in der Mittelschule Rednitzhembach  und in der Realschule Hilpoltstein gezeigt werden. Die Lehrkräfte führten mit den Schülern verschiedene Projekte durch, die sich mit den Schicksalen und Biografien der KZ-Häftlinge befassten.

„Durch die Ausstellung werden die Schicksale der inhaftierten Menschen sehr  greifbar und hautnah dargestellt.“, meint Rainer Geier zur Ausstellung. Er kann sich gut vorstellen, die Wanderausstellung noch einmal in den Landkreis zu holen.

(27.6.22; Rainer Geier/IS)