Berufsfachschule für Kinderpflege in München: Ausstellung im Unterricht

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Alle zwei Jahre zeigt die Städtische Berufsfachschule für Kinderpflege in München die Ausstellung „Namen statt Nummern“. Roswitha Röll, Lehrerin an dieser Schule, berichtet, wie die Ausstellung im Unterricht verwendet wird und welche Reaktionen die Ausstellungsbanner hervorrufen.

Die Städtische Berufsfachschule für Kinderpflege in München, eine Schule gegen Rassismus und für Zivilcourage, konfrontiert die Schülerinnen und Schüler, die zum großen Teil Migrationshintergrund haben, im Rahmen der Ausbildung mit dem Nationalsozialismus. Alle 10. Klassen bearbeiten im Rahmen eines Seminartages am Max-Mannheimer-Studienzentrum selbst gewählte Themen, auch im Hinblick auf die Gegenwart, in Kleingruppen und besuchen die Gedenkstätte.

Alle zwei Jahre beherbergt die Schule die Ausstellung „Namen statt Nummern“. Die Banner hängen in einem großen Gang. Vor jedem Banner liegt ein großes weißes Tonpapier. Darauf steht eine zunächst leere Vase.

Die Jugendlichen besuchen die Ausstellung und wählen anhand der Kurzbiografien auf den Bannern in Zweiergruppen eine Person aus. Auf der Basis der weiterführenden Informationen aus dem Gedächtnisbuch beschäftigen sie sich intensiv mit dem Leben der jeweiligen Person.

Sie visualisieren den Lebensweg von Geburt an bis über die Befreiung des Konzentrationslagers Dachau hinaus. Dabei sollen glückliche und schwierige Zeiten und Situationen erkennbar werden. Im Rahmen einer Präsentation stellen sie die Person vor und begründen ihre Wahl. Sie geben Antwort auf die Fragen: Was hat diesen Menschen ausgezeichnet? Wie ist er mit seinem Schicksal umgegangen? Inwiefern ist er heute für mich ein Vorbild?

Die Schülerinnen und Schüler setzen sich intensiv mit der Biografie auseinander. In dieser Zeit übernehmen sie die Patenschaft für „ihren“ ehemaligen Häftling. Während der zwei Wochen sorgen sie für frische Blumen oder Zweige in der Vase. Oft liegen Zeichnungen oder auch Gedanken auf dem Tonpapier. Auch setzen sie jüdische Trauerrituale wie z.B. das Ablegen von kleinen Steinen um.

Während der Ausstellungszeit herrscht eine eigene Atmosphäre im Gang. Häufig kommt es vor den Bannern zu spontanen Gesprächen zwischen den Schülern und Schülerinnen, aber auch mit Lehrkräften.

Sie erzählen z.B. von Familienangehörigen, die in Dachau inhaftiert waren. Den Auszubildenden wird bewusst, dass sie in ihrem Beruf als Kinderpflegerinnen und Kinderpfleger Vorbild für Kinder vom Säuglings- bis zum Teenageralter sind. Oft haben die Schüler und Schülerinnen mit einem anfänglichen Widerstreben zu kämpfen, danach stellt sich Betroffenheit ein und die Jugendlichen erkennen, dass das Thema heute so brisant ist wie damals. Ebenso wird die Notwendigkeit des Widerstands gegen Radikalismus deutlich und als Verpflichtung und Verantwortung für den Einzelnen erkannt. Die Schülerinnen und Schüler sehen, dass sie mit ihrer Einstellung dazu beitragen können, dass nie wieder so etwas Entsetzliches geschieht.

Die intensive Auseinandersetzung mit einem Einzelschicksal lässt den Menschen lebendig werden und ermöglicht ein emotionales Einlassen. Auch kristallisieren sich fortdauernde, durch das Leben tragende Werte heraus. Die Häftlinge werden als Menschen in ihrer Ganzheit wahrgenommen. Damit werden die Übertragbarkeit der Schicksale und das Annehmen für die heutige Zeit offenbar.

(Text: Roswitha Röll)

Ausstellungseröffnung am 4. Mai 2010

Die Fotogalerie zeigt die erste Ausstellungseröffnung an der Schule am 4. Mai 2010.  Damals waren bei der Eröffnung einige Überlebende dabei, darunter Pjotr Kudin, Mussij Halajko und Wassyl Wolodko.

Weitere Infos im Blog

7.1.2016: Ausstellung an der Berufsfachschule für Kinderpflege in München