Angehörige fordern mehr staatliche Unterstützung der Nachkommen NS-Verfolgter

Thomas Nowotny, Mitveranstalter und Gedächtnisbuchautor, berichtet über das Symposium „Erinnern heute – Zeugnis der Nachkommen“, das vom 5. bis 6. Juni 2024 in Dachau stattfand.

Die Regionalgruppe Süd der Nachkommen NS-Verfolgter, der ich angehöre, veranstaltete am 5. und 6. Juni 2024 in Dachau das Symposium „Erinnern heute – Zeugnis der Nachkommen“ mit ca. 80 Teilnehmenden. Die Veranstaltung wurde unterstützt von der Stiftung Bayerische Gedenkstätten und von der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschisten.

Zum Auftakt sahen wir den Film „Viktors Kopf – eine Spurensuche“ über den Urgroßvater der Regisseurin Carmen Eckhardt, der als Opfer der NS-Justiz in München-Stadelheim enthauptet wurde. Das anschließende Filmgespräch thematisierte die Hindernisse, die Angehörige bei der Spurensuche innerhalb der Familie, besonders aber auch von Behörden und Institutionen erleben müssen.

In einem Podiumsgespräch, moderiert von Sibylle von Tiedemann, gaben vier Angehörige der 2. Generation einen sehr persönlichen Einblick, was die Traumatisierung ihrer aus unterschiedlichen Gründen verfolgten Eltern und das Aufwachsen als Außenseiter in der Mehrheitsgesellschaft für sie bedeutete. In einer zweiten Runde berichteten sie über ihre politischen, publizistischen und künstlerischen Aktivitäten.

Es folgten Vorträge, die fast ausschließlich Nachkommen NS-Verfolgter hielten. So berichtete die Historikerin Edith Raim über Kontinuitäten in der Justiz der Nachkriegsgesellschaft, die Publizistin und Journalistin Nora Hespers über persönliche Aufarbeitung und mediale Vermittlung in den Folgegenerationen. Der Psychotherapeut  Helmut Wetzel fragte: „Wann ist Geschichte vorbei?“ und sprach über Vermächtnisse und brisante Gefühlserbschaften. Sein positives Fazit: „Die Zeitzeugen werden immer weniger, wir Nachkommen aber immer mehr! Mit jeder Generation…“.

Die Nachkommen mischen sich ein in die aktuelle gesellschaftspolitische Debatte über die „Zukunft der Erinnerung“ und positionieren sich klar gegen jede Relativierung des Naziterrors. Sie fordern von den zuständigen Stellen Unterstützung für ihre Recherche- und Biographiearbeit und die Ausrichtung eines jährlichen Treffens nur für Angehörige. Von den bayerischen Justizbehörden fordern sie eine zentrale Stelle für die Angehörigen der von der NS-Justiz Verfolgten, die der Forschung und der Betreuung der Nachkommen aus vielen europäischen Ländern dienen soll.

(13.6.2024; Thomas Nowotny)

Internationaler Workshop zu emigrierten Rabbinern in Fürth

Sabine Gerhardus verfolgte die Tagung „Deutsche emigrierte Rabbiner nach 1933 und ihr kulturelles Erbe in global-vergleichender Perspekte“ als Teilnehmerin und als Referentin. Hier ihr Bericht auf Deutsch und darunter in der englischen Übersetzung.

Organisatorin Cornelia Wilhelm (LMU München, ganz rechts) mit Referent*innen

English version at the bottom of the page

Die Abteilung für Jüdische Geschichte und Kultur der LMU München organisierte vom 20. bis 22. Mai 2024 im Jüdischen Museum Franken eine internationale Konferenz zur Migrationsgeschichte deutscher Rabbiner nach 1933. Unter Federführung von Cornelia Wilhelm trugen Wissenschaftler aus Deutschland, USA, Israel und Österreich ihre Forschungsergebnisse vor. Dabei beleuchteten sie u.a. den Exodus des Rabbinats aus Deutschland, die schwierigen Anfänge in der Emigration, die Entstehung neuer Gemeinden und die Handlungsmacht der emigrierten Rabbiner in der Öffentlichkeit. Eine wichtige Rolle spielte auch der Vergleich der rabbinischen Schulen sowie der Einfluss des deutsch-jüdischen Erbes auf die theologische und philosophische Ausrichtung des Rabbinats in den jeweiligen Emigrationsländern. Ein weiterer Schwerpunkt der Konferenz lag auf Rekonstruktion, Auswertung und Archivierung des deutsch-jüdischen Erbes nach dem Holocaust.

Wir, Sabine Gerhardus und Marine Charbonneau, freuen uns, dass wir die Gelegenheit hatten, an dieser interessanten Konferenz teilzunehmen. Wir haben einen spannenden Einblick in die vielfältige jüdische Geistesgeschichte, insbesondere in Entwicklungen nach der Emigration bekommen. Besonders schön fand ich, dass es neben den Vorträgen auch immer Gelegenheit zum informellen Austausch gab, der von allen rege genutzt wurde.

Liliana Feierstein (Humboldt Universität, Berlin) berichtete über deutschsprachige Rabbiner im lateinamerikanischen Exil und ihren Einfluss auf den interreligiösen Dialog. Cornelia Wilhelm (LMU München und Initiatorin der Konferenz) sprach über die unerwartete späte Wirkungsmacht geflüchteter deutscher Rabbiner in den USA nach 1933, die sich nicht nur in beeindruckenden Karrieren in neugegründeten jüdischen Gemeinden zeigte, sondern unter anderem auch in der Qualität der Kontakte, die sich nach und nach zu den alten Wirkungsstätten in der Bundesrepublik entwickelten.

Ich durfte die Biographiearbeit der beiden Projekte Erinnern (BLLV) und Gedächtnisbuch Dachau und die Biographie von Erwin Schild vorstellen. Erwin Schild war vor seiner Haft im Konzentrationslager Dachau Student an der Israelitischen Lehrerbildungsanstalt Würzburg. Er setzte seine Studien in Großbritannien und in Kanada fort, studierte auch im kanadischen Internierungslager, bevor er 1947 zum Rabbiner ordiniert wurde und über 40 Jahre Rabbiner der Adath Israel Gemeinde in Toronto war. Raphael Thurm (Bar-Ilan University, Tel Aviv) wurde online zugeschaltet und berichtete über die von Joseph Breuer gegründete neo-orthodoxe Gemeinde Khal Adath Yeshurun (Breuer-Gemeinde) in Washington Heights.

Astrid Zajdband (Embry Riddle University, Daytona/Florida) berichtete von ihren Forschungen über deutsche Rabbiner im Exil in Großbritannien. Kimmy Caplan (Bar-Ilan University, Tel-Aviv) schilderte Versuche der Delegitimierung des Erbes orthodoxer Emigranten in Palästina bzw. Israel von ultra-orthodoxer Seite. Christian Kraft (Tübingen) hat über zwei aus der deutsch-orthodoxen Tradition hervorgegangenen Gemeinden im Jerusalemer Stadtteil Rechavia geforscht. Die kleine Gemeinde „Binjan Zion“ wurde von dem ehemaligen Mannheimer Stadtrabbiner Isak Unna gegründet. Die Gemeinde „Chorev“ folgte der neo-orthodoxen Tradition nach dem Frankfurter Rabbiner Samson Raphael Hirsch (1808-1888).

Dieter J. Hecht (Institut für Kulturwissenschaften und Theatergeschichte an der österreichischen Akademie der Wissenschaften, Wien) sprach über die schwierige Suche der österreichischen Rabbiner nach neuen Gemeinden in Palästina und ihre teils berufliche Neuorientierung nach der Emigration.

Wie man von den historischen Quellen zu einer digitalen Forschungsdatenbank kommen kann, zeigte Tabea Henn (LMU, München) anschaulich anhand eines digitalen Stammbaums und einer interaktiven Karte zur Emigrationsgeschichte der deutschstämmigen Rabbiner in den USA. Jeffrey Edelstein (JDC-Archives, New York) stellte digitalisierte Bestände des New Yorker Archivs des American Jewish Joint Distribution Committees vor, die für die Forschung über emigrierte Rabbiner bedeutsam sein können. Isaac Hershkovitz (Bar-Ilan University, Tel Aviv) warf angesichts der Ermordung vieler deutscher Rabbiner die Frage nach der Bewahrung ihres kulturellen Erbes auf.

Die Konferenz bot eine willkommene Gelegenheit zur Vernetzung und zum Gedankenaustausch von Forschern unterschiedlicher internationaler Einrichtungen. Die Grundlagen für weitere Zusammenarbeit und Vernetzung sind gelegt. Wir möchten uns bei Cornelia Wilhelm und beim BLLV für die Möglichkeit bedanken, an der Konferenz teilzunehmen. Bei allen Referenten bedanken wir uns für die anregenden Beiträge und für das Interesse an der Biographiearbeit des Gedächtnisbuchs und des Projekts Erinnern.

Links
Bericht Marine Charbonneau hier im Blog
Gedächtnisblatt Erwin Schild

Englisch Text Version

International workshop on emigrated rabbis in Fürth

From 20 to 22 May 2024, the Department of Jewish History and Culture at LMU Munich organized an international conference on the migration history of German rabbis after 1933 at the Jewish Museum Franconia. Under the leadership of Cornelia Wilhelm, scientists from Germany, the USA, Israel and Austria presented their research findings. Among other things, they shed light on the exodus of the rabbinate from Germany, the difficult beginnings in emigration, the emergence of new communities and the power of the emigrated rabbis in the public sphere. The comparison of rabbinical schools and the influence of the German-Jewish heritage on the theological and philosophical orientation of the rabbinate in the respective countries of emigration also played an important role. The conference also focused on the reconstruction, evaluation and archiving of the German-Jewish heritage after the Holocaust.

We, Sabine Gerhardus and Marine Charbonneau, are delighted to have had the opportunity to take part in this interesting conference. We gained an exciting insight into the diverse Jewish intellectual history, especially in developments after the emigration. I was particularly pleased that, in addition to the lectures, there was always the opportunity for informal dialogue, which was actively used by everyone.

Liliana Feierstein (Humboldt University, Berlin) reported on German-speaking rabbis in Latin American exile and their influence on interreligious dialogue. Cornelia Wilhelm (LMU Munich and initiator of the conference) spoke about the unexpected late impact of German rabbis who had fled to the USA after 1933, which was reflected not only in impressive careers in newly founded Jewish communities, but also in the quality of the contacts that gradually developed with the old places of activity in the Federal Republic of Germany.

I was able to present the biography work of two projects: the Remembrance Project on Jewish teachers of the Bavarian Teachers´ Association (BLLV) and the Remembrance Book for the Prisoners of Dachau Concentration Camp and the biography of Erwin Schild. Before his imprisonment in the Dachau concentration camp, Erwin Schild was a student at the Jewish Teachers´ Seminary (ILBA) in Würzburg. He continued his studies in Great Britain and Canada and also studied in a Canadian internment camp before being ordained as a rabbi in 1947. Erwin Schild served as rabbi of the Adath Israel congregation in Toronto for over 40 years.

Raphael Thurm (Bar-Ilan University, Tel Aviv) was connected online and reported on the neo-orthodox community Khal Adath Yeshurun (Breuer Community) in Washington Heights, which was founded by Joseph Breuer. Astrid Zajdband (Embry Riddle University, Daytona/Florida) reported on her research on German rabbis in British exile. Kimmy Caplan (Bar-Ilan University, Tel-Aviv) described attempts by the ultra-Orthodox to delegitimize the legacy of Orthodox emigrants in Palestine and Israel. Christian Kraft (Tübingen) researched two communities in the Jerusalem neighborhood of Rechavia that emerged from the German Orthodox tradition. The small congregation „Binjan Zion“ was founded by the former Mannheim city rabbi Isak Unna. The „Chorev community“ followed the neo-orthodox tradition of the Frankfurt rabbi Samson Raphael Hirsch (1808-1888).

Dieter J. Hecht (Institute for Cultural Studies and Theatre History at the Austrian Academy of Sciences, Vienna) spoke about the difficult search of Austrian rabbis for new communities in Palestine and their partly professional reorientation after emigration.

Tabea Henn (LMU, Munich) illustrated how to go from historical sources to a digital research database using a digital family tree and an interactive map on the emigration history of rabbis of German descent in the USA. Jeffrey Edelstein (JDC Archives, New York) presented digitized holdings from the New York archives of the American Jewish Joint Distribution Committee, which could be significant for research on emigrated rabbis. Isaac Hershkovitz (Bar-Ilan University, Tel Aviv) raised the question of preserving their cultural heritage in view of the murder of many German rabbis.

The conference provided a welcome opportunity for networking and an exchange of ideas between researchers from different international institutions. The foundations for further co-operation and networking have been laid. We would like to thank Cornelia Wilhelm and the BLLV for the opportunity to take part in the conference. We would also like to thank all the speakers for their inspiring contributions and for their interest in the biographical work of the Remembrance Book Project and the Remembrance Project.

Group photo: organizer Cornelia Wilhelm (LMU Munich, far right) with speakers

(10.6.2024; Sabine Gerhardus)

Camerloher-Gymnasium zeigte Gedächtnisbuchausstellung

Im Mai war die Ausstellung des Gedächtnisbuchs „Namen statt Nummern“ im Camerloher-Gymnasium in Freising zu sehen. Zwei Wochen lang konnten sich Schulangehörige und andere Interessierte informieren.

Organisiert hatte die Präsentation der Ausstellung Andreas Decker, Lehrer am Camerloher Gymnasium. Auch Freisinger Bürger konnten die Ausstellung im Camerloher besichtigen.

Andreas Decker erläutert, wie die Ausstellung in das Schulleben eingebunden war: „Am 6. Mai besuchten die 9. Klassen und die Einführungsklasse 11a des Camerloher-Gymnasiums die KZ-Gedenkstätte Dachau. Als Ergänzung zeigten wir in den zwei Wochen darauf die Ausstellung „Namen statt Nummern“ mit ausgewählten Häftlingsbiografien in unserer Aula, so dass die ganze Schulfamilie sich informieren konnte.“

Wir freuen uns über jeden, der die Wanderausstellung des Gedächtnisbuchs an seiner Schule oder in einem anderen Rahmen zeigen möchte. Anfragen bitte an info@gedaechtnisbuch.org.

Weitere Informationen zur Ausstellung:
https://www.gedaechtnisbuch.org/internationale-wanderausstellung/themen-und-inhalte/

(6.6.2024; IS)

Ankündigung: Symposium „Erinnern heute – Zeugnis der Nachkommen“

Vom 5. bis zum 6. Juni 2024 findet im Max Mannheimer Haus in Dachau das Symposium „Erinnern heute – Zeugnis der Nachkommen“ statt. Der Untertitel der Veranstaltung lautet: „Rolle und Aufgabe der Nachkommen von NS-Verfolgten in der aktuellen gesellschaftspolitischen Debatte über die »Zukunft der Erinnerung«“.

Auf die Tagungsteilnehmer wartet ein vielfältiges Programm mit dem Film von Carmen Eckhardt „Viktors Kopf – eine Spurensuche“ und Referaten, einer Podiumsdiskussion sowie einer Gesprächsrunde. Es sprechen, moderieren und diskutieren unter anderem Heidi Delbeck, Thorsten Fehlberg, Sibylle von Tiedemann und Helmut Wetzel.

Das vollständige Programm und die Möglichkeit zur Anmeldung findet sich hier im Tagungsflyer:
Erinnern heute – Zeugnis der Nachkommen (PDF, 3 MB)

Veranstaltet wird das Symposium von der VVN-BdA Bayern e.V. im Auftrag der Nachkommen NS-Verfolgter Regionalgruppe Süd in Kooperation mit der Stiftung Bayerische Gedenkstätten. Zum Veranstaltungsteam gehört Tom Nowotny, der bereits mehrere Gedächtnisblätter verfasst hat.

(30.5.2024; IS)

 

Tagung „Deutsche emigrierte Rabbiner“: ein persönlicher Blick

Marine Charbonneau, ASF-Freiwillige im Gedächtnisbuch, war als Teilnehmerin auf der Tagung „Deutsche emigrierte Rabbiner nach 1933 und ihr kulturelles Erbe in global-vergleichender Perspektive“. Hier ihre Eindrücke von der Tagung auf Deutsch und Französisch.

Zufälliges Zusammentreffen: Die aktuelle und zwei ehemalige ASF-Freiwillige auf der Tagung, v.l.n.r. Marine Charbonneau, Christian Kraft, Sabine Gerhardus

Vom 20.-22 Mai 2024 veranstaltete das Jüdische Museum Franken, Cornelia Wilhelm vom Historischen Seminar der LMU München/Abt. Jüdische Geschichte und Kultur und die Hanns-Seidel-Stiftung die Tagung „Deutsche emigrierte Rabbiner nach 1933 und ihr kulturelles Erbe in global-vergleichender Perspektive“. Sabine Gerhardus sprang als Referentin ein, Marine Charbonneau hatte Gelegenheit, am Seminar teilzunehmen. Ein ausführlicher Tagungsbericht folgt.

Zunächst einmal Marines Blick auf die Tagung auf Deutsch und, weiter unten, auf Französisch:

Auch ich hatte das Glück, mit Unterstützung des BLLV an der Konferenz teilnehmen zu können. 

Bereits am ersten Abend konnten wir die verschiedenen Teilnehmer und Akteure des Seminars bei einem gemütlichen Essen kennenlernen, das vom Jüdischen Museum Franken in Fürth organisiert wurde. 

Der Dienstagnachmittag war etwas freier und ich nutzte die Gelegenheit, das Museum zu besichtigen. Ich konnte mein Wissen über die jüdische Kultur, die Bräuche sowie die religiösen Rituale in Franken vertiefen. Die reichhaltige Ausstellung versammelt verschiedene Gegenstände aus dem Alltag jüdischer Familien vom Mittelalter bis heute. Auch das Gebäude ist beeindruckend und befand sich vom 17. bis zum Ende des 19. Jahrhunderts im Besitz jüdischer Familien. 

Die beiden Konferenztage waren reich an verschiedenen Workshops, in denen jeder Redner mit Leidenschaft über sein Thema sprach. Einige waren sogar extra aus den USA und Israel angereist. Sabine Gerhardus konnte das Projekt „Gedächtnisbuch“ vorstellen, das auf großes Interesse stieß. Dies war eine weitere gute Gelegenheit, die Sichtbarkeit des Projekts zu erweitern. 

Besonders beeindruckt war ich von der Präsentation von Tabea Henn (LMU München), in der sie uns neue Technologien näher brachte, insbesondere mit einem interaktiven Stammbaum und einer sehr dynamischen Zeitkarte, die die Reisen deutscher Rabbiner in die ganze Welt zeigte. 

Es war eine großartige Gelegenheit, mein Wissen zu erweitern, neue Leute kennenzulernen und mit ihnen zu diskutieren, die alle gleichermaßen interessant waren. Ich bin sehr froh, dass ich neben Sabine als Teilnehmerin an der Konferenz teilnehmen konnte.

Version française

J’ai eu également la chance de participer à la conférence avec le soutien de la BLLV. 

Dès le premier soir, nous avons pu faire connaissance avec les différents participants et acteurs du séminaire autour d’un repas convivial organisé par le Musée Juif Franken de Fürth. 

Le mardi après-midi était un peu plus libre, et j’en ai profité pour visiter le musée. J’ai pu approfondir mes connaissances sur la culture, les coutumes ainsi que les rituels religieux juifs en Franconie. L’exposition, très riche, rassemble divers objets du quotidien des familles juives, de la période du Moyen Âge à nos jours. Le bâtiment est également impressionnant et a appartenu à des familles juives du XVIIe siècle jusqu’à la fin du XIXe siècle. 

Les deux jours de conférence étaient riches en ateliers divers où chaque intervenant s’est exprimé avec passion sur son sujet. Certains sont même venus des USA et d’Israël exprès. Sabine a également pu présenter le projet du Livre de la Mémoire, qui a suscité un vif intérêt. Encore une belle occasion d’élargir la visibilité du projet. 

J’ai particulièrement été impressionnée par la présentation de Tabea Henn (LMU München), où elle nous a fait découvrir de nouvelles technologies, notamment avec un arbre généalogique interactif et une carte chronologique très dynamique qui montrait les voyages des rabbins allemands dans le monde entier. 

Ce fut une belle opportunité d’élargir mes connaissances, de rencontrer de nouvelles personnes et de discuter avec elles, toutes aussi intéressantes les unes que les autres. Je suis ravie d’avoir pu assister à la conférence en tant que participante aux côtés de Sabine.

(29.5.2024; Marine Charbonneau/IS)

Ausstellung „KZ-Häftlinge in Dachau und Auschwitz“ läuft in Oświęcim

Zweisprachig ist die im Rahmen des deutsch-polnischen Projekts entstandene Wanderausstellung des Gedächtnisbuchs bis September 2024 in der Internationalen Jugendbegegnungsstätte Oświęcim zu sehen.

Im Zusammenhang  mit der Präsentation der Ausstellung in der Jugendbegegnungsstätte Oświęcim sind Workshops für Schüler*innen aus Oświęcim geplant.

Weitere Ausstellungsorte sind derzeit in Planung, es handelt sich zunächst um Schulen in Oświęcim und Kęty. Zum Jahresende hin zeigt das Zentrum für Dialog und Gebet in Oświęcim die Ausstellung. Hier wird eine Finissage diesen Ausstellungszyklus abschließen.

Mehr zum deutsch-polnischen Projekt:
https://www.gedaechtnisbuch.org/deutsch-polnisches-projekt/

(17.5.2024; Foto: Internationale Jugendbegegnungsstätte Oświęcim; IS)

 

Widerstand gegen die deutsche Besatzungspolitik

Jos Sinnema, viele Jahre ehrenamtlich für das niederländische Gedächtnisbuch tätig, spricht am 15. Mai 2024 in München bei einer Veranstaltung der Weißen Rose Stiftung in München. Die Podiumsdiskussion begleitet die Ausstellung „Resistance Through Their Eyes“.

Jos Sinnema bei der Präsentation des Gedächtnisbuchs 2022

Die Ausstellung porträtiert 16 Menschen aus den Niederlanden, Italien, Polen und Deutschland, die während des Zweiten Weltkriegs Widerstand gegen Diktatur, Besatzung und Unmenschlichkeit leisteten. Sie ist noch bis 17. Mai 2024 täglich in der Ludwig-Maximilians-Universität München (Hauptgebäude, 1. Stock, Gang F180) zu sehen. Geöffnet ist die Ausstellung jeden Tag von 8 bis 20 Uhr.

Am 15. Mai 2024 gibt es dazu um 15 Uhr eine Veranstaltung im Philologicum der LMU München (Ludwigstraße 25, 80539 München, Eingang Ecke Schellingstraße). Nach einem Impulsvortrag von Michele Barricelli wird auf dem Podium mit weiteren Teilnehmer*innen weiterdiskutiert: Stefanie Fehlhammer, Edith Koller und Jos Sinnema nehmen teil.

(13.5.24; Foto: Filmstill Josef Pröll, Ausschnitt; IS)

„Von nun an ist mein Blick auf die Zukunft gerichtet, auf die zukünftigen Generationen“

Bei der diesjährigen Gedenkfeier am Dachauer Todesmarschdenkmal am 4. Mai 2024 sprach unter anderem Marine Charbonneau, die als Freiwillige von Aktion Sühnezeichen Friedensdienste im Gedächtnisbuch mitarbeitet. Wir freuen uns, dass wir ihre Rede hier wiedergeben dürfen – auf Deutsch und Französisch.

Guten Abend. Ich danke Ihnen, dass Sie heute alle hierher zum Mahnmal für die Opfer des Todesmarsches gekommen sind.

Mein Name ist Marine Charbonneau, ich komme aus Frankreich und bin für ein Jahr als Freiwillige von Aktion Sühnezeichen Friedensdienste an der Evangelischen Versöhnungskirche in der KZ-Gedenkstätte Dachau.

Als ich im September 2023 hier ankam, hatte ich bereits ein gutes Wissen über die Geschichte des Nationalsozialismus und der deutschen Besatzung meiner Heimat. Aber acht Monate Freiwilligendienst haben meine Perspektive verändert. Von nun an ist mein Blick auf die Zukunft gerichtet, auf die zukünftigen Generationen. Geschichtsunterricht allein reicht nicht aus, um die Ereignisse zu verstehen; man muss sie mit der Gegenwart und der Zukunft verbinden, um zu verhindern, dass sich die gleichen Gräueltaten, in welcher Form auch immer, wiederholen.

Die Worte „Nie wieder“ hallen in unserer zerbrechlichen Welt mit erhöhter Kraft wider. Doch damit dieser Vorsatz auch umgesetzt werden kann, ist es entscheidend, zunächst die Vergangenheit unserer Vorfahren zu verstehen. Durch meine Teilnahme am Gedächnisbuchprojekt für die Häftlinge des Konzentrationslagers Dachau wurde mir diese Notwendigkeit, jungen Menschen mehr als nur historische Fakten zu vermitteln, erst richtig bewusst: die Geschichte derer, die überlebten, und derer, die in den Konzentrationslagern ermordet wurden oder bei den Todesmärschen ab dem 26. April 1945. Mehr als 10.000 von ihnen mussten auf diese Todesmärsche und ihre Zeugnisse sind wertvolle Lehren, die uns aufklären und uns die lauernden Gefahren bewusst machen. Mein besonderer Dank gilt Ihnen, lieber Herr Abba Naor, dass Sie als Überlebender des Todesmarsches nachher zu uns sprechen.

Die Biografie eines französischen Dachau-Häftlings, Jean-René Lafond, hat mich besonders beeindruckt. Als Freiwillige hatte ich die Möglichkeit, seine Geschichte aus nächster Nähe zu studieren. Als Überlebender des Lagers erlebte er die Befreiung im April 1945. Jedes Jahr bis zu seinem Tod organisierte er eine Gedenkfeier für seine Kamaraden in der Résistance aus der Region Gironde. Warum? Um sie nicht zu vergessen, aber auch, um die neuen Generationen zu sensibilisieren, damit sie nicht zulassen, dass sich solche Massaker wiederholen. Sein Vorgehen war von einem tiefen Wunsch geprägt, das kollektive Gedächtnis zu bewahren und den Frieden zu fördern, genau wie wir es heute an dieser Gedenkstätte des Todesmarsches immer noch tun.

Bevor ich hierher nach Dachau gekommen bin, habe ich darüber nachgedacht, wie ich meinen eigenen Beitrag zur Erinnerung an die Vergangenheit leisten kann, die uns allen wichtig ist. Wie kann ich mich dafür einsetzen, dass Menschenrechtsverletzungen und Gräueltaten in Zukunft verhindert werden? Was sind die aktuellen Herausforderungen und wie können wir auf sie reagieren, indem wir aus der Vergangenheit lernen? Wie können wir einen zerbrechlichen Frieden stärken und über die bloßen Lehren über den Aufstieg des Nationalsozialismus in Deutschland, den Widerstand, die deutsche Besatzungsherrschaft oder die Kollaboration, die ich in der Schule und an der Universität so oft durchgenommen habe, hinausgehen?

Durch das Eintauchen in die persönlichen Berichte der Häftlinge des Konzentrationslagers Dachau sowie in die Aussagen von Häftlingen, die gezwungen waren, an den Todesmärschen durch kleine Dörfer und Städte teilzunehmen, erhielten diese Fragen ihre volle Bedeutung. Wie konnte es so weit kommen? Wie können wir dafür sorgen, dass dieser Ort der Erinnerung für immer ein solcher bleibt und nicht wieder zu einem Ort des Leidens wird? Wie können wir unsere Augen offen und aufmerksam gegenüber einer Welt halten, die uns einlullen will? Wie können wir gegen die Passivität ankämpfen?

Etwa 41.500 Häftlinge im Dachauer KZ-System hatten nicht das Glück, die Schrecken der Nazis zu überleben. Heute, an diesem Mahnmal, das den Opfern der Todesmärsche gewidmet ist, erinnern wir uns an ihr Leid, aber auch an ihren Mut. Wie kann ein Mensch dazu kommen, einen anderen Menschen nicht mehr als Mensch, sondern als wertlose Sache zu betrachten? Das sind entscheidende Fragen.

Als Französin bin ich stolz darauf, auch in einem anderen Land der Opfer des Nationalsozialismus zu gedenken. Das ist sogar noch bedeutsamer. Heute, am 4. Mai 2024, kann ich in Deutschland meine Meinung frei äußern. Diese Freiheit wäre in unserer dunklen Vergangenheit, als unsere beiden Länder im Konflikt standen, undenkbar gewesen. Doch unsere Vereinigung heute fördert unsere gemeinsame Stärke. Dank dieser Vereinigung kann ich als europäische Freiwillige auf meine Weise dazu beitragen, indem ich heute gemeinsam mit Ihnen aller Opfer des Nationalsozialismus gedenke.

Ich möchte einen Teil meiner persönlichen Geschichte mit Ihnen teilen, die mich heute hierher geführt hat. Meine Großmutter mütterlicherseits, die stets von Neugier und Offenheit geprägt war, hat mich mein ganzes Leben lang ermutigt. Ihr ist es zu verdanken, dass ich ein tiefes Interesse an Deutschland entwickelt habe. Ihr Blick über die Stereotypen ihrer Zeit hinaus hat mich dazu inspiriert, die Komplexität der Welt zu erforschen und zu verstehen. Mein Vorfahre, der 1815 geboren wurde, war Deutscher, was diese Verbindung zweifellos noch verstärkt hat. Heute engagiere ich mich als Europäische Freiwillige in Dachau und empfinde eine tiefe Dankbarkeit gegenüber meiner Großmutter, die mir diese Offenheit vermittelt hat. Meine Großmutter hat mir schon in jungen Jahren vermittelt, dass nicht alle Deutschen Nazis waren, genauso wie nicht alle Franzosen Widerstandskämpfer waren. Die Welt ist viel komplexer als das.

Heute möchte ich mein Licht, meine Liebe und mein Wohlwollen allen ehemaligen Häftlingen in Dachau, allen, die auf den Todesmärschen umgekommen sind, sowie ihren Familien bringen. Wie der Dachau-Überlebende Max Mannheimer sagte: „Ihr seid nicht verantwortlich für das, was geschehen ist, aber ihr seid verantwortlich dafür, es nie wieder geschehen zu lassen.“ Nie wieder galt gestern. Nie wieder gilt heute, aber vor allem: Nie wieder gilt morgen.

Version française

Discours de Marine Charbonneau devant le mémorial des victimes des marches de la mort lors de la 79eme cérémonie de la libération du camp de concentration de Dachau, 4 Mai 2024

Bonsoir à tous. Je vous remercie tous d’être venus ici aujourd’hui, au mémorial des victimes de la marche de la mort.

Je m’appelle Marine Charbonneau, je viens de France et je suis volontaire pour un an de l’Action de Réconciliation pour la Paix (Aktion Sühnezeichen Friedensdienste) à l’église protestante de la Réconciliation au mémorial du camp de concentration de Dachau.

Quand je suis arrivée ici en septembre 2023, j’avais déjà une bonne connaissance de l’histoire du nazisme et de l’occupation allemande de mon pays. Mais huit mois de volontariat ont changé ma perspective. Désormais, mon regard est tourné vers l’avenir, vers les générations futures. Les cours d’histoire ne suffisent pas à eux seuls pour comprendre les événements ; il faut les connecter avec le présent et le futur pour éviter de répéter les mêmes atrocités, sous quelque forme que ce soit.

„Les mots „plus jamais“ résonnent avec une force accrue dans notre monde fragile. Mais pour que cette résolution soit appliquée, il est crucial de comprendre d’abord le passé de nos ancêtres. C’est en participant au projet du Livre de la Mémoire pour les prisonniers du camp de concentration de Dachau que j’ai réellement saisi cette nécessité d’enseigner aux jeunes plus que de simples faits historiques, mais aussi l’histoire de ceux qui ont survécu et de ceux qui ont été assassinés dans les camps de concentration ou lors des marches de la mort du 26 avril 1945. Plus de 10 000 d’entre eux ont dû participer à ces marches de la mort, et leurs témoignages sont des enseignements précieux pour nous instruire et prendre conscience des dangers qui guettent. Je vous remercie tout particulièrement, cher Monsieur Abba Naor, de vous adresser à nous tout à l’heure en tant que survivant de la marche de la mort.

La biographie d’un prisonnier français de Dachau, Jean-René Lafond, m’a particulièrement marquée. En tant que volontaire, j’ai eu l’opportunité d’étudier son histoire de près. Survivant du camp, il a connu la libération en avril 1945. Chaque année jusqu’à sa mort, il organisait une fête commémorative pour ses camarades résistants de la région de Gironde. Pourquoi? Pour ne pas les oublier, mais aussi pour sensibiliser les nouvelles générations afin qu’elles ne permettent plus de tels massacres à se reproduire. Sa démarche était empreinte d’un profond désir de préserver la mémoire collective et de promouvoir la paix, exactement comme nous continuons de le faire, nous, aujourd’hui sur ce lieu de commémoration de la marche de la mort.

Avant de venir ici à Dachau, je me suis interrogée sur ma propre contribution au devoir de mémoire qui nous incombe. Comment puis-je m’engager à prévenir les violations des droits de l’homme et les atrocités à l’avenir ? Quels sont les défis actuels et comment pouvons-nous y répondre en tirant des leçons du passé? Comment renforcer une paix fragile et aller au-delà des simples enseignements sur la montée du nazisme en Allemagne, de la résistance, de l’occupation allemande ou de la collaboration que j’ai si souvent étudié à l’école et à l’université?

C’est en se plongeant dans les récits personnels des prisonniers du camp de concentration de Dachau, ainsi que dans les témoignages des détenus contraints de faire partie des marches de la mort à travers les petits villages et les villes que ces questions ont pris tout leur sens. Comment a t-on pu en arriver là? Comment faire en sorte que ce lieu de mémoire en reste un à tout jamais et que ce lieu ne redevienne pas un lieu de souffrance ? Comment garder nos yeux ouverts et attentifs sur un monde qui veut nous endormir? Comment lutter contre la passivité?

Environ 41 500 détenus du système concentrationnaire de Dachau n’ont pas eu la chance de survivre aux horreurs nazies. Aujourd’hui, devant ce mémorial dédié aux victimes des marches de la mort, nous nous souvenons de leur souffrance, mais aussi de leur courage.  Comment un être humain peut-il en arriver à considérer un autre être humain non plus comme un être humain, mais comme une chose sans valeur? Ce sont des questions cruciales.

En tant que Française, je suis fière de rendre hommage aux victimes du nazisme même dans un autre pays. C’est encore plus significatif. Aujourd’hui, le 4 mai 2024, je peux m’exprimer librement en Allemagne. Cette liberté aurait été impensable dans notre passé sombre où nos deux pays étaient en conflit. Mais notre union aujourd’hui favorise notre force commune. Cette association me permet en tant que volontaire européenne de contribuer à ma manière en rendant hommage aujourd’hui avec vous à toutes les victimes du nazisme.

Je tiens à partager une part de mon histoire personnelle qui m’a conduit ici aujourd’hui. Ma grand-mère maternelle, toujours empreinte de curiosité et d’ouverture d’esprit, m’a encouragée tout au long de ma vie. C’est grâce à elle que j’ai développé un intérêt profond pour l’Allemagne. Son regard au-delà des stéréotypes de son époque m’a inspiré à explorer et à comprendre la complexité du monde. Mon ancêtre, né en 1815, était Allemand, ce qui a sans doute renforcé ce lien. Aujourd’hui, je suis engagée en tant que volontaire européenne à Dachau, et je ressens une profonde gratitude envers ma grand-mère pour m’avoir transmis cette ouverture d’esprit. Ma grand-mère m’a permis de comprendre dès mon plus jeune âge que tous les Allemands n’étaient pas des nazis, tout comme tous les Français n’étaient pas des résistants. Le monde est bien plus complexe que cela.

Je souhaite aujourd’hui apporter ma lumière, mon amour et ma bienveillance à tous les prisonniers de Dachau, à tous ceux qui ont péri sur les chemins des marches de la mort, ainsi qu’à leurs familles. Comme l’a dit Max Mannheimer, survivant de Dachau : „Vous n’êtes pas responsables de ce qui s’est passé, mais vous êtes responsables de ne jamais laisser cela se reproduire.“ Le „plus jamais“ était valable hier. Le „plus jamais“ est valable aujourd’hui, mais surtout : le „plus jamais“ sera valable demain.

(8.5.2024; Marine Charbonneau/IS)

Vernissage im Stadtmuseum Bad Tölz

Die Ausstellung „Namen statt Nummern“ des Gedächtnisbuchs läuft noch bis zum 8. Mai 2024 im Stadtmuseum Bad Tölz. Veranstalter ist das Katholische Bildungswerk Bad Tölz/Wolfratshausen in Kooperation mit dem Stadtmuseum und dem Gabriel-von-Seidl-Gymnasium. Am 25. April 2024 war Vernissage.

Eröffnet die Ausstellung: Roland Gruber

Roland Gruber vom Katholischen Bildungswerk Bad Tölz/Wolfratshausen begrüßte die etwa 40 Gäste der Veranstaltung. Wie kam es dazu, dass er die Ausstellung nach Bad Tölz holte? Der merkbare Rechtsruck in der Gesellschaft und das Erstarken von Hasstendenzen und Antisemitismus war für ihn Anlass, Kontakt mit Judith Einsiedel, der katholische Seelsorgerin an der KZ-Gedenkstätte Dachau aufzunehmen. Judith Einsiedel ist im Trägerkeis des Gedächtnisbuchs, sie regte an, die Ausstellung im Bereich des Katholischen Bildungswerks Bad Tölz/Wolfratshausen zu zeigen.

Das Kreisbildungswerk ist schon seit Jahren im Bereich der Erinnerungsarbeit aktiv, etwa mit Gedenkveranstaltungen an den Todesmarsch, der von Dachau aus über das Würmtal nach Wolfratshausen nach Bad Tölz und Waakirchen führte.

Bedeutung der Erinnerung an die Opfer

Mit Klaus Koch, dem dritten Landrat des Landkreises Bad Tölz/Wolfratshausen und Michael Lindmair, dem zweiten Bürgermeister der Stadt Bad Tölz, sprachen auch örtliche Politiker darüber, dass dass das Klima rauer geworden sei und den Anfeindungen und dem Hass etwas entgegengesetzt werden müsse. Vor allem das Erinnern an die Opfer sei sehr wichtig.

Die Schüler*innen von der Schülermitverwaltung des Gabriel-von-Seidl-Gymnasiums Bad Tölz beteiligten sich spontan als Kooperationspartner am Ausstellungsprojekt. Das Gymnasium war gerade „Schule gegen Rassismus“ geworden. Aviva Hägele und Kilian Widmann betonten in ihren Reden, wie wichtig die Erinnerung an die Opfer des Nationalsozialismus und das Verstehen der Zusammenhänge ist.

Ebenfalls an der Vernissage beteiligt, war ein P-Seminar des Gabriel-von-Seidl-Gymnasiums, das sich filmisch mit dem Kriegsende in Bad Tölz auseinandersetzt. Das P-Seminar zeigte den Trailer des Spielfilms, den die Schüler*innen gerade gestalten.

Projektleiterin Sabine Gerhardus erläuterte die Aktivitäten des „Gedächtnisbuchs für die Häftlinge des KZ Dachau“, dann wurde der Film von Julian Monatzeder über das Gedächtnisbuch gezeigt. Anschließend gab es Gelegenheit für Fragen und einen Sektempfang mit ausführlichem Gedankenaustausch und der Gelegenheit, die Ausstellung anzusehen.

Sehr gelungene Veranstaltung

Sabine Gerhardus findet den Abend sehr gelungen. Sie berichtet: „Ich habe mich sehr über das große Interesse an unserer Arbeit gefreut, sowohl von Seiten der Veranstalter und Besucher, als auch von Seiten der anwesenden Schüler und Lehrer des Gymnasiums.“ Besonders erfreulich ist für sie, dass die Schüler*innen mit ihren Statements klar machten, dass sie Verantwortung in der Gesellschaft übernehmen wollen.

Die Ausstellung im Stadtmuseum Bad Tölz wird im Rahmen des Projekts KEB Bayern gezeigt. Weitere Informationen finden sich hier:
Projekt KEB Bayern

Weitere Informationen zur Ausstellung gibt es auf der Website des Kreisbildungswerks Bad Tölz/Wolfratshausen
https://www.kbw-toelz-wor.de/startseite

Wer sich für den Film über das Gedächtnisbuch interessiert, findet ihn unter diesem Link:
https://www.gedaechtnisbuch.org/das-projekt/filme/

 

(27.4.2024; Sabine Gerhardus/IS)