Neue Gedächtnisblätter auf dem Lesetisch

Die Evangelische Versöhnungskirche in der KZ-Gedenkstätte Dachau präsentiert die Biographien des Gedächtnisbuchs zum Blättern. Jetzt gibt es Neues zu sehen.

Die neuen Gedächtnisblätter sind jetzt auf dem Lesetisch im Gesprächsraum der Evangelischen Versöhnungskirche zu finden. Momentan ist die digitale Lesestation in der Reparatur, aber die Blätter, die zwischen 2020 und 2024 verfasst wurden, finden die Besucher im stationären Ringbuch auf dem Lesetisch.

Dank an Matthias und Marine fürs Einsortieren!

(25.8.24; Sabine Gerhardus/IS)

Wer weiß etwas über Georg Solomonoff und Josef Majdic?

Bereits vor einem Jahr berichteten wir über die Recherche von Houman Amjadi zu zwei „Schutzhäftlingen Iran“ des KZ Dachau. Die Quellenlage ist nach wie vor unzureichend. Vielleicht können die Leser*innen des Blogs weiterhelfen.

Houman Amjadi bei seinem Besuch in der KZ-Gedenkstätte Dachau

Homan Amjadi fasst auf Deutsch und Englisch den Stand seiner Recherche zusammen und fragt nach weiteren Hinweisen:

„Unter den zahlreichen Gefangenen des KZs Dachau befanden sich zwei, bei denen der Vermerk „Schutzhäftling Iran“ in der Karteikarte eingetragen war. Diese sind Georg Solomonoff, geboren am 11.04.1925 in Leningrad, sowie Josef Majdic, geboren am 04.05.1900 in Brezie. Beide wurden im August 1944 verhaftet und anschließend im KZ Dachau inhaftiert.

Während Georg Solomonoff bereits nach wenigen Monaten freikommt, muss Josef Majdic bis zum Kriegsende im Lager bleiben. Beide wandern nach Argentinien aus.

Bei den Nachforschungen kommen allerdings nur wenig aussagekräftige Dokumente und Informationen ans Tageslicht. So ist aus den bisher gefundenen Informationen nicht sichtbar, welche Verbindung zwischen den beiden und dem vermeintlichen Heimatland Iran besteht.

Hinweise und Anregungen zu den Herren, ihrem Verhaftungsgrund und der möglichen Verbindung zum Iran sind sehr willkommen.“

English Version

„Among the numerous prisoners of the Concentration Camp Dachau were two, whose index card in the camp was stamped as under protection of Iran. These are Georg Solomonoff, born on April 11, 1925 in Leningrad, and Josef Majdic, born on May 04, 1900 in Brezie. Both have been arrested in August 1944 and handed over to the CC Dachau afterwards.

While Georg Solomonoff has been released after only some months, had Josef Majdic to stay in prisonship until end of the second world war. Both imigrated to Argentina.

During the investigationen, just very few meaningful documents and information has been revealed. It is unfortunately not yet visible, out of the available information, how these men might have been connected to their alledged homeland Iran.

Any hint or proposal regarding these men, the reason for their inhalation and the possible connection to Iran are highly welcome.“

(18.8.24; Houman Amjadi/IS)

Vorbereitungen für das neue W-Seminar

Im Herbst startet ein neues W-Seminar, diesmal in Zusammenarbeit mit dem Städtischen Theodolinden-Gymnasium in München-Harlaching. Sabine Gerhardus berichtet vom bisher letzten Vorbereitungstreffen.

V.l.n.r.: Sabine Gerhardus und Silke Bergau

Silke Bergau ist Geschichtslehrerin am Städtischen Theodolinden-Gymnasium in München-Harlaching. Dort beginnt am 1. Oktober 2024 ein neues W-Seminar Namen statt Nummern, zum ersten Mal eine Kooperation mit einem Münchner Gymnasium.

Silke Bergau war bereits mehrfach mit Schülern in Dachau im Max Mannheimer Haus und interessiert sich schon länger für das Gedächtnisbuch. Ich habe das Projekt im Dezember 2023 an der Schule vorgestellt. Das W-Seminar ist unter den Schülern auf großes Interesse gestoßen, 15 Schüler und Schülerinnen haben das Seminar gewählt, alle Plätze sind belegt.

Am 17. Juli hat Silke Bergau mich in Dachau besucht. Soweit das möglich ist, haben wir die ersten Monate geplant. Inzwischen haben sich sogar schon einige Schüler*innen mit Wünschen zu möglichen Biografien gemeldet, eine möchte über einen Verwandten schreiben. Ich bin sehr gespannt und freue mich auf die neue Zusammenarbeit.

(10.8.2024; Sabine Gerhardus/IS)

 

Gedächtnisblätter online

Wir ergänzen den Katalog der Gedächtnisblätter auf unserer Website so oft wie möglich. Wieder sind einige Gedächtnisblätter jetzt auch online nachzulesen.

Charlotte Werner stellte am 22. März 2024 ihr Gedächtnisblatt über Rovert Savosnick vor

Neu online sind die Gedächtnisblätter über

Karl Frey,

Hermann Scheipers,

Ferdinand Kissinger

und Robert Savosnick.

Wir danken den ehrenamtlichen Autor*innen und wünschen eine interessante Lektüre.

(4.8.24; IS)

Mit KEB-Förderung: Gedächtnisbuch-Ausstellung für Katholische Bildungswerke

Die „KEB – Katholische Erwachsenenbildung Bayern“ fördert derzeit  die Präsentation der Wanderausstellung „Namen statt Nummern“, auch mit Begleitveranstaltungen, sowie Biographiearbeit vor Ort. Sabine Gerhardus stellte die Möglichkeiten bei der Mitgliederversammlung der KEB Bayern Ende Juni 2024 vor. Hier ihr Bericht.

Am Freitag und Samstag, den 28. und 29. Juni 2024 fand in München in der Katholischen Akademie die Mitgliederversammlung der KEB Bayern statt. Dort konnte ich – unterstützt vom Vorsitzenden des Dachauer Forums Gerhard Haszprunar – das Kooperationsangebot des Gedächtnisbuch-Projekts an die anderen katholischen Bildungswerke in Bayern vorstellen.

Den Workshop unter dem Titel „Zukunft Demokratie – Geschichtsbewusstsein stärken“ hatten zwölf Teilnehmer*innen aus elf KEBs gewählt. Fast alle äußerten zu Beginn ihre große Sorge um den Erhalt der Demokratie. Einige KEBs haben schon konkrete Reihen und Veranstaltungen zum Thema Demokratie geplant, die meisten wünschten sich Anregungen, einige wollten sich insbesondere über Möglichkeiten austauschen, junge Menschen anzusprechen.

Das Gedächtnisbuch-Projekt bietet insbesondere mit der internationalen Wanderausstellung einen Anlass, den lokalen Bezug zur Geschichte des Nationalsozialismus herzustellen. Je nach dem Umfeld der Aussteller können Kooperationspartner, auch Schulen, beteiligt werden. Die Ausstellung kann durch ein Begleitprogramm, z.B. Filmvorführungen, Vorträge, biographische Recherchen, ergänzende Ausstellungsstücke mit Bezug zur Lokalgeschichte ergänzt werden.

Interessierte KEBs werden vom Gedächtnisbuch aus beraten und unterstützt. Alle Teilnehmenden haben sich mit vielen Ideen am Workshop beteiligt. Wir haben uns sehr über das große Interesse und den regen Austausch gefreut. Inzwischen sind manche Ideen schon recht konkret geworden. Die KEBs Amberg und Rottal-INN-Salzach haben die Ausstellung „Namen statt Nummern“ mit der Ergänzung „Geistliche im KZ Dachau“ für 2025 schon reserviert.

Ideen rund um die Ausstellung – Handout MV KEB (PDF, 200 MB)

Weitere Informationen zum Projekt

Hier gehts zur Projektwebseite:
https://www.gedaechtnisbuch.org/projekt-keb-bayern/

Das Gedächtnisbuch freut sich über Anfragen per Mail an E-Mail an info@gedaechtnisbuch.org oder an info@dachauer-forum.de.

(22.7.24; Sabine Gerhardus/IS)

Gedächtnisbuch im Radio am 20. Juli 2024

Am 20. Juli 2024 sendet der Bayerische Rundfunk einen Beitrag über unbekannte Widerständler in Bayern. Der  Journalist Ulrich Trebbin stieß bei seiner Recherche für die Sendung auf das Gedächtnisbuch-Projekt und interessierte sich für die Biographie von Ludwig Wörl.

Der BR-Journalist Ulrich Trebbin beim Interview mit Isabella Rumpler (3.7.2024)

Im Rahmen des gerade erfolgreich abgeschlossenen Erasmus-Projekts hat die Schülerin Isabella Rumpler am Ignaz-Taschner-Gymnasium Dachau eine Seminararbeit über den Münchner Schreiner Ludwig Wörl geschrieben.

Ludwig Wörl gehörte in München der Roten Sportbewegung an, er war Bergsteiger und Kajakfahrer, außerdem in seiner Freizeit Sanitäter bei der Bergwacht und dem Roten Kreuz. Alarmiert durch die gewaltsamen Aktionen der Nazis in München, schloss er sich dem Widerstand an und trat sogar noch nach dem Machtantritt der NSDAP und dem KPD-Verbot in die inzwischen illegalen KPD ein. Als 1934 Sportkameraden aus dem KZ Dachau entlassen wurden und über die Verbrechen dort berichteten, beteiligte er sich an einer Flugblattaktion zur Aufklärung über die Zustände im KZ Dachau.

Verraten durch einen Spitzel wurde Wörl verhaftet und verbrachte 11 Jahre in den Konzentrationslagern Dachau, Flossenbürg, Auschwitz und Mauthausen. Wörl wurde schwer gefoltert und in Dachau neun Monate in Einzel-, davon sieben in Dunkelarrest gehalten. Nichtsdestotrotz behielt er seine Unbeugsamkeit bei und setzte sich als Häftlingspfleger und Mitglied der Häftlingsverwaltung für seine Mitgefangenen ein.

In der Nachkriegszeit wurde Ludwig Wörl zu einem der wichtigsten Zeugen in den Auschwitz-Prozessen. Für seinen Einsatz in Auschwitz, mit dem er unter Lebensgefahr vor allem jüdischen Häftlingen das Leben rettete, ehrte der Staat Israel Wörl als einen der ersten Deutschen 1963 als Gerechten unter den Völkern.

Das Gedächtnisblatt über diesen beeindruckenden und fast vergessenen Gegner der Nazis ist eine Gemeinschaftsarbeit, Verfasserinnen sind Sabine Gerhardus, Isabella Rumpler und Irene Stuiber. Am 3. Juli traf sich Sabine Gerhardus mit Isabella Rumpler, um den Entwurf des Gedächtnisblattes und letzte Änderungen zu besprechen. Dies nahm Ulrich Trebbin zum Anlass, die beiden zu besuchen, um mehr über Ludwig Wörls Geschichte und Isabellas Eindrücke von ihrer Recherche für das Gedächtnisbuch zu erfahren.

Der Beitrag wird auf Bayern 2 in der Sendung „Zeit für Bayern – Menschen und Geschichten aus Bayern“ am 20. Juli um 12:05 Uhr ausgestrahlt, eine Wiederholung gibt es am nächsten Tag um 21:05 Uhr. Danach können Interessierte die Sendung als Podcast nachhören.

Sendung und Podcast
https://www.ardaudiothek.de/sendung/zeit-fuer-bayern/7273948/

Link zum Gedächtnisblatt
Ludwig Wörl

(15.7.24; Sabine Gerhardus/IS)

„Wir waren immer im Austausch“

Bernadetta Czech-Sailer vom Landratsamt Dachau kennt das inzwischen abgeschlossene deutsch-polnische Projekt des Gedächtnisbuchs so gut wie nur wenige. Wir haben sie um ein Interview gebeten.

 

Sie haben das deutsch polnische Erasmus+-Projekt des Gedächtnisbuchs für die Häftlinge des KZ-Dachau von Anfang an begleitet, von der Planung bis zum Abschluss. In welcher Funktion haben Sie das gemacht?

Ich arbeite im Büro des Landrats im Landratsamt Dachau und seit 2016 betreue ich die Landkreispartnerschaft Dachau – Oświęcim/Auschwitz. Anfangs hat sich das Dachauer Forum an mich gewandt mit der Idee, das Gedächtnisbuch internationaler zu gestalten und dass es schön wäre, einen polnischen Partner mit dabei zu haben.

Die Frage war, ob ich einen Projektpartner wüsste. Ich habe dann sofort an die Internationale Jugendbegegnungsstätte in Oświęcim gedacht. Das ist eine Einrichtung, die für mich eine hervorragende Bildungsarbeit leistet. Sie sind sehr engagiert und es passte auch perfekt zum Thema.

Ich habe Kontakt mit meinen Kolleginnen dort aufgenommen und sie waren sofort sehr offen. Es hat mich gefreut, dass mit diesen beiden Einrichtungen so ein tolles Projekt entstanden ist.

Wie ist denn das Projekt für Sie gelaufen?

Ich bin ziemlich begeistert von der Organisation und von dem, was vom Dachauer Forum auf die Beine gestellt worden ist. Auch die Onlinemeetings mit unseren Kolleginnen aus Polen liefen reibungslos, wir wurden über alle Schritte informiert. Da kann man vom Dachauer Forum auf jeden Fall viel lernen!

Ich fand es sehr schön, dass Sabine Gerhardus und Annerose Stanglmayr so offen waren und sich bei der Planung der Programmpunkte sehr eingesetzt haben.

Wir waren immer im Austausch, beide waren sehr aufgeschlossen und haben auch die Kolleginnen von der Internationalen Jugendbegegnungsstätte in Oświęcim miteinbezogen, aber auch auf meine Erfahrung gehört. Das hat mir sehr gut gefallen.

Sind Videokonferenzen für Sie bei diesen internationalen Projekten ein bevorzugtes Arbeitsmittel?

Ich sage immer, das ist das Beste, was wir aus der Pandemiezeit mitgenommen haben. Diese technischen Möglichkeiten, die es vorher auch gab, aber keiner für selbstverständlich gehalten hat, haben sich etabliert. Wenn ich heute im Rahmen unserer Landkreispartnerschaft etwas mit den Kollegen vom Landratsamt Oświęcim zu besprechen habe, dann schreibe ich kurz „Kaffee online?“ und wir sehen uns und besprechen alles. Dies erleichtert viel.

Und so war das auch in diesen zwei Jahren mit den beiden Einrichtungen in Dachau und in Oświęcim. Videokonferenzen sind eine tolle Möglichkeit, sich auszutauschen. Man hat nicht nur den Eindruck, das findet irgendwie anonym im Netz statt, sondern man weiß, ich habe meine Kolleginnen in Polen gesehen, ich habe meine Kolleginnen in Dachau gesehen. Das war menschlich und persönlich. Und das war das Tolle bei diesem Projekt.

Was fanden Sie denn noch besonders an dem deutsch-polnischen Projekt des Gedächtnisbuchs?

Vor allem die Beteiligung von Jugendlichen. Die drei Stellen, die ich schon genannt habe, das Dachauer Forum, die Internationale Jugendbegegnungsstätte in Oświęcim und ich hier in meiner Funktion, wir wissen, was Erinnerungsarbeit ist. Uns muss man nicht erklären, wie wichtig sie für die deutsch-polnische Beziehungen ist.

Wenn sich aber dann tatsächlich Jugendliche für so ein Projekt engagieren, wenn sie recherchieren, wenn sie darüber eine Seminararbeit schreiben und danach die Ergebnisse ihrer Arbeit total souverän öffentlich präsentieren, und wenn sie uns erzählen, was dieses Projekt für sie persönlich bedeutet, da denke ich, ja, da wurde gute Arbeit gemacht.

Es ist oft so, dass die beiden Zielgruppen Jugendliche und Erwachsene in der Bildungsarbeit getrennt adressiert werden. Das war in diesem Projekt anders.

Das stimmt. Da war die tolle Betreuung von Frau Gerhardus und von Frau Bäuml vom Ignaz-Taschner-Gymnasium. Beide haben den Jugendlichen sehr engagiert vermittelt, wie man eine solche Arbeit macht. Aber es ging nicht nur um die Seminararbeit, sondern um die Inhalte und auch um das Menschliche.

Das ist für mich sehr wichtig in diesen deutsch-polnischen Beziehungen. Tatsächlich sind da großartige Arbeiten entstanden und ich glaube, diese Zeit hat für die Jugendlichen, die jetzt Abitur gemacht haben und ihren Weg gehen, eine besondere Bedeutung. Diese Erfahrungen bleiben ihnen.

Eine Studienreise nach Auschwitz, nach Oświęcim, ist ein Erlebnis, das die größte Dimension aufzeigt, die man sich von den furchtbaren nationalsozialistischen Verbrechen vergegenwärtigen kann. Die Teilnahme an dieser Studienreise informierte die Jugendlichen einerseits über das schreckliche Geschehen, aber andererseits haben sie überall in Polen Gastfreundschaft erfahren. Ich glaube tatsächlich, dass diese Zeit sie für immer prägen wird.

Es waren eine ganze Reihe erwachsener Teilnehmerinnen und Teilnehmer bei den Studienreisen dabei, die Bildungsarbeit im Landkreis Dachau oder in Oświęcim leisten. Was denken Sie, hat das deutsch-polnische Projekt hier bewirkt?

Ich denke, es hat für beide Seiten etwas angestoßen. Ich durfte die polnische Delegation hier die ganze Zeit begleiten und das war fantastisch, weil man sieht, dass solche Studienreisen für die Menschen eine besondere Wirkung haben können. Diese Reise hat gezeigt, wow, wir haben gemeinsame Interessen, wir wollen das Gleiche erreichen. Ich weiß, dass in der polnischen Gruppe Projektideen entstanden sind, die ohne diese Reise nicht möglich gewesen wären.

Und das Projekt, woran wir jetzt tatsächlich mit ganzer Leidenschaft und viel Herz arbeiten, ist die Schulpartnerschaft zwischen unseren beiden Gymnasien, also dem Gymnasium in Oświęcim und dem Ignaz-Taschner-Gymnasium hier in Dachau. Das ist so ein Projekt, das ohne diesen deutsch-polnischen Austausch vom Dachauer Forum vielleicht nicht entstanden wäre.

Natürlich, auf kommunaler Ebene arbeiten wir seit Jahren bestens mit unseren Kolleginnen und Kollegen vom Landratsamt Oświęcim zusammen und wir haben tolle Partner dort. Aber es geht mir darum, dass die Menschen auf mich zukommen und sagen, Frau Czech-Sailer, ich möchte ein Projekt mit Oświęcim machen, können Sie mir da helfen. Das war hier tatsächlich der Fall und deswegen ist mir das so wichtig.

Gab es auch Schwierigkeiten im Lauf des Projekts?

Von Schwierigkeiten ist mir nichts bekannt. Ich weiß natürlich, dass sich die Kollegin von der Internationalen Jugendbegegnungsstätte in Oświęcim verabschiedet hat und nach Deutschland umgezogen ist. Längere Zeit hatten wir keine „richtige“ Ansprechpartnerin auf der polnischen Seite, aber trotzdem hat die IJBS alles nur Mögliche getan, damit es reibungslos weiterläuft. Und tatsächlich haben sie das geschafft.

Und mit der neuen Kollegin, Frau Piotrowska, die auch hier war, hatten wir dann die denkbar beste Ansprechpartnerin, die mit neuen Ideen dazugekommen ist. Das war sehr schön, weil sich dieses Projekt durch die Menschen entwickelt hat, die daran teilgenommen haben. Jeder von uns hatte andere Vorstellungen, andere Erfahrungen und dieser Austausch hat dieses einzigartige Projekt begleitet.

Die im Projekt entstandene Ausstellung „Namen statt Nummern – Menschen in Auschwitz und Dachau“ ist ja zurzeit in Polen unterwegs und es soll eine Veranstaltung im „Zentrum für Dialog und Gebet“ in Oświęcim geben. Gibt es neben der hoffentlich realisierbaren Schulpartnerschaft und diesen Aktivitäten rund um die Ausstellung noch weitere Planungen oder Ideen?

Zu der Veranstaltung, die Sie angesprochen haben, ist es ja gekommen, weil die stellvertretende Leiterin des „Zentrums für Dialog und Gebet“ auch mit dieser Delegation aus Oświęcim hierhergekommen ist. Sie war begeistert davon, was die Jugendlichen hier auf die Beine gestellt haben. Sie hat sich die neuen Banner dieser Ausstellung im Ignaz-Taschner-Gymnasium angesehen. Aber sie hat auch von der Geschichte des Gedächtnisbuchprojekts gehört, vergessen wir nicht, das Gedächtnisbuch gibt es seit 25 Jahren, das ist unglaublich.

Dann hat sie den Kontakt aufgenommen und sagte, vielleicht sei es möglich, mit dem Dachauer Forum und dem Gedächtnisbuch weiterzuarbeiten. Sie fragte auch, ob Frau Gerhardus bereit wäre, eine Schulung zu geben, wie man so etwas auf die Beine stellt.

Man kann sich nichts mehr wünschen als einen solch positiven Projektabschluss. Ich bin mir sicher, das war nicht die letzte Zusammenarbeit zwischen dem Dachauer Forum und den Bildungseinrichtungen in Oświęcim, beide leisten tolle Arbeit.

Mit Sicherheit wird sich der deutsch-polnische Austausch auch nach seinem offiziellen Abschluss ausweiten.

Gibt es etwas, was Sie uns noch sagen wollen?

Ja. Dass ich mich auf weitere Vorhaben sehr, sehr freue. Egal ob es mit dem Dachauer Forum ist oder mit anderen Vereinen in Dachau. Wir sind immer offen und  hoffen tatsächlich, dass dieses Zusammenbringen von Menschen in unseren beiden Landkreisen stattfindet und weiter stattfinden wird.

Das ist eigentlich mein Ziel und mein größter Wunsch, dass die Menschen sich kennenlernen – auf Augenhöhe. Und dass sie verstehen, dass wir gleich sind, mit denselben Problemen, mit denselben Wünschen. Nur wenn man offen ist, kann man Vorurteile abbauen, und man hat keine Angst vor dem Fremden oder Nicht-Bekannten. Das ist das Wichtigste in diesen internationalen Projekten.

Mehr zum deutsch-polnischen Projekt auf dieser Website
https://www.gedaechtnisbuch.org/deutsch-polnisches-projekt/

(12.7.24. Interview und Foto Irene Stuiber)

 

Bericht über die Tagung des Arbeitskreises Kirchliche Gedenkstättenarbeit

Vom 17. bis 19. Juni 2024 fand auf Einladung der Evangelischen Versöhnungskirche in Dachau die Tagung des bundesweiten ökumenischen Arbeitskreises Kirchliche Gedenkstättenarbeit statt. Sabine Gerhardus nahm teil. Hier ihr Bericht.

Latifa Tanja Mancinelli sprach über Noor-un-Nisa Inayat Khan

Themenschwerpunkt der Tagung war die religiöse Praxis im Konzentrationslager und Angebote von Religionsgemeinschaften an Gedenkorten für NS-Opfer. Zum Beispiel sprach  Katja Happe über die Rolle der Religion bei der besonderen Versöhnungsgeschichte zwischen Ladelund (D) und Putten (NL). Guido Hassel, Mitglied der Lagergemeinschaft Dachau und ehemals auch im Trägerkreis Gedächtnisbuch, berichtete über die religiöse Praxis der Jehovas Zeugen im KZ Dachau und über deren Erinnerungsarbeit in Dachau.  Sr. M. Elinor Grimm, Mitverfasserin des Gedächtnisblatts über Joseph Kentenich, erzählte über die religiöse Praxis der katholischen Schönstatt-Bewegung in KZ und Gedenkstätte. Latifa Tanja Mancinelli stellte die 1944 im KZ Dachau ermordete Widerstandskämpferin Noor-un-Nisa Inayat Khan vor, die dem Inayati-Sufi-Orden angehörte, und berichtete über die religiöse Praxis dieser Glaubensgemeinschaft.

Beim Essen und zwischen den Vorträgen gab es reichlich Gelegenheit zum Gedankenaustausch und zur Vernetzung. Ich bedanke mich für die Einladung zur Tagung und für die Möglichkeit, in diesem Rahmen auch die Arbeit des Gedächtnisbuch-Projekts etwas bekannter zu machen.

(4.7.2024; Sabine Gerhardus/IS)

ASF-Seminar in Oświęcim/Auschwitz

Aktion Sühnezeichen Friedensdienste lädt seine in Deutschland tätigen Freiwilligen immer wieder zu mehrtätigen Seminaren ein. Marine Charbonneau war Anfang Juni auf einem Seminar in der Internationalen Jugendbegegnungsstätte Auschwitz/Oświęcim. Dort traf sie die neue Ausstellung des Gedächtnisbuchs wieder. Sie berichtet für uns darüber auf Deutsch und Französisch.

In der IJBS: Marine Charbonneau und Judith Hoehne-Krawczyk

Am 2. Juni reiste ich mit der ASF-Freiwilligengruppe nach Polen, genauer gesagt nach Auschwitz. Wir wurden im IJBS-Zentrum von Judith Hoehne-Krawczyk, der Leiterin unserer Gruppe für unsere Seminarwoche, herzlich willkommen geheißen. Das Zentrum beherbergt derzeit die Ausstellung „Namen statt Nummern – KZ-Häftlinge in Auschwitz und Dachau““ in der großen Halle. Ich war begeistert, diese Ausstellung hier zu sehen und sie endlich auch allen anderen ASF-Freiwilligen zeigen zu können, wodurch den Biografien und dem von Sabine Gerhardus geleiteten Gedächtnisbuch-Projekt eine neue Sichtbarkeit verliehen wurde. Meine Kameradinnen und Kameraden hatten während der vier Tage die Freiheit, die ausgestellten Biografien zu entdecken und zu lesen.

Am 3. Juni erkundeten wir das Stadtzentrum von Auschwitz in Begleitung von Philip, einem ASF-Freiwilligen in Auschwitz. Seine Führung war sehr interessant und gab uns einen Einblick in die Geschichte der Stadt seit dem Mittelalter. Eine perfekte Einführung, um uns mit dem Ort bekannt zu machen. Anschließend besuchten wir das jüdische Zentrum, bestehend aus dem Museum und der Synagoge, der einzigen verbliebenen in Auschwitz, um unser Wissen über die jüdischen Praktiken zu vertiefen. Der Vormittag endete mit einem Besuch des Sinti- und Roma-Zentrums, wo wir uns darauf konzentrierten, mehr über diese Minderheit zu erfahren. Am Nachmittag brachte uns Judith mit einem Fotoworkshop andere Aspekte Polens näher, was einen dynamischen und interaktiven Austausch über die Fotos ermöglichte.

In den folgenden Tagen besuchten wir drei Mal die Gedenkstätten Auschwitz I und II, wo wir unsere Begleiterin Ilona trafen. Für einige Freiwillige war dies der erste Besuch einer Gedenkstätte, eine informationsreiche Erfahrung, die viele Gedanken über die Ereignisse der Vergangenheit auslöste. Am Abend gab es von Anne Katrin Scheffbuch (ASF-Leiterin) und Judith moderierte Diskussionen, in denen wir unsere Eindrücke austauschten: Was haben wir von dem Rundgang mitgenommen? Was hat uns überrascht oder irritiert? Welche Fragen haben wir noch? Die Atmosphäre des Austauschs war sehr offen, und dieser Besuch hat sich allen intensiv eingeprägt.

Wir hatten auch die Gelegenheit, zur Gedenkstätte zurückzukehren, um die nationalen Ausstellungen individuell zu besuchen. Ich ging in Block 21, wo ich die französische Ausstellung von 2005 kennenlernte. Ich war angenehm überrascht von der Ausgewogenheit dieser Ausstellung, die sowohl Wissen über den französischen Widerstand als auch über das Vichy-Regime vermittelte. Auch die Inszenierung mit ihrem Spiel aus Licht und Schatten war beeindruckend.

An unserem letzten Tag in der Gedenkstätte hatten wir schließlich das Glück, einen privaten Rundgang durch die Kunstausstellung der Gedenkstätte zu bekommen. Der leidenschaftliche Rundgangsleiter stellte uns verschiedene Kunstwerke vor, darunter heimlich von Häftlingen gemalte Bilder, Bilder, die unter Zwang von den Nazis angefertigt wurden, und solche, die direkt von Überlebenden stammten. Diese Ausstellung, die nur in Gruppen und nach vorheriger Anmeldung zugänglich ist, war besonders interessant.

Jeden Abend organisierte Judith einen Filmabend zum Thema Auschwitz. Besonders beeindruckt war ich von der Dokumentation „Why we work at Auschwitz“, in der mehrere Rundgangsleiter der Gedenkstätte zu Wort kamen. Eine bedeutungsvolle, sehr inspirierende und bewegende Dokumentation, die die persönlichen Gründe der Rundgangsleiter enthüllte.

Um uns von der Gedenkstätte zu verabschieden, organisierten wir eine Gedenkzeremonie an der „Judenrampe“, jeder auf seine eigene Art und Weise. Wir konnten auf unsere Weise gedenken, und ich legte eine Kerze zum Gedenken an alle Opfer von Auschwitz nieder.

Wir beendeten unser Seminar mit einem Besuch in Krakau, einer lebendigen Kulturstadt mit ausgezeichneten kulinarischen Spezialitäten. Eine angenehme Art, dieses ASF-Seminar abzuschließen, war ein Treffen mit den drei ASF-Freiwilligen aus Krakau bei einem Essen in einem Restaurant.

Dieses Seminar wird mir in Erinnerung bleiben und hat mir viel gegeben. Es hat all der Arbeit, die ich in diesem Jahr sowohl im Gedächtnisbuch als auch in der Versöhnungskirche leiste, noch mehr Sinn verliehen.

Version française

Le 2 juin, je me suis rendue en Pologne, plus précisément à Auschwitz, avec le groupe de volontaires ASF. Nous avons été chaleureusement accueillis au centre IJBS par Judith Hoehne-Krawczyk, responsable de notre groupe pour notre semaine de séminaire. Le centre accueille actuellement l’exposition « Namen Statt Nummern » dans le grand hall. J’étais ravie de voir cette exposition ici et de pouvoir enfin la montrer à tous mes camarades volontaires ASF, offrant ainsi une nouvelle visibilité aux biographies et au projet porté par Sabine Gerhardus. Mes camarades ont eu la liberté, pendant les quatre jours, de découvrir et lire les biographies exposées.

Le 3 juin, nous avons exploré le centre-ville d’Auschwitz en compagnie de Philip, un volontaire ASF à Auschwitz. Sa visite était très intéressante et nous a permis de mieux connaître l’histoire de la ville depuis le Moyen Âge. Une introduction parfaite pour nous familiariser avec l’endroit. Nous avons ensuite visité le centre juif, comprenant le musée et la synagogue, la seule restante à Auschwitz, pour approfondir nos connaissances sur les pratiques juives. La matinée s’est terminée par une visite au centre Sinti et Roma, où nous nous sommes concentrés sur la découverte de cette minorité. L’après-midi, Judith nous a fait découvrir d’autres aspects de la Pologne à travers un atelier de photographie, permettant des échanges dynamiques et interactifs autour des photos.

Les jours suivants, nous nous sommes rendus à trois reprises aux mémoriaux d’Auschwitz I et II, où nous avons rencontré notre guide Ilona. Pour certains volontaires, c’était la première visite au mémorial, une expérience riche en informations qui a suscité beaucoup de réflexions sur les événements du passé. Le soir, des discussions animées par Anne Katrin Scheffbuch  (directrice ASF) et Judith ont été organisées pour échanger nos impressions : qu’avons-nous retenu de la visite guidée ? Qu’est-ce qui nous a surpris ou irrité ? Quelles questions avons-nous encore ? L’atmosphère d’échange était très ouverte, et cette visite a marqué tous les esprits de manière intense.

Nous avons également eu l’opportunité de retourner au mémorial pour visiter individuellement les expositions nationales. Je suis allée au bloc 21, où j’ai découvert l’exposition française de 2005. J’ai été agréablement surprise par l’équilibre de cette exposition, qui offrait à la fois des connaissances sur la résistance française ainsi que sur le régime de Vichy. La mise en scène, avec son jeu d’ombres et de lumières, était également impressionnante.

Enfin, lors de notre dernier jour au mémorial, nous avons eu la chance d’avoir une visite privée de l’exposition d’art du mémorial. Le guide passionné nous a présenté différentes œuvres, dont des tableaux peints clandestinement par des prisonniers, d’autres réalisés sous contrainte par les nazis, et d’autres qui étaient directement des œuvres de survivants. Cette exposition, accessible uniquement en groupe et sur réservation, était particulièrement intéressante.

Chaque soir, Judith organisait une soirée film sur Auschwitz. J’ai été particulièrement marquée par le documentaire « Why we work at Auschwitz », où plusieurs guides du mémorial s’expriment. Un documentaire plein de sens, très inspirant et émouvant, révélant les raisons personnelles des guides.

Pour dire au revoir au mémorial, nous avons organisé une commémoration à la « Judenrampe », chacun de manière individuelle. Nous avons pu nous recueillir à notre façon, et j’ai déposé une bougie en hommage à toutes les victimes d’Auschwitz.

Nous avons terminé notre séminaire en visitant Cracovie, une ville culturelle et animée, avec d’excellentes spécialités culinaires. Un moyen agréable de clôturer ce séminaire ASF avec une  rencontre avec les trois volontaires ASF de Cracovie autour d’un repas au restaurant.

Ce séminaire restera gravé dans ma mémoire et m’a beaucoup apporté. Il a donné encore plus de sens à tout le travail que je réalise cette année, tant au Livre de la Mémoire qu’à l’église de la Réconciliation.

(23.6.2024; Marine Charbonneau)