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Bamberg freut sich über Preis für Jana Schmitt

Der Stadt Bamberg ist die Preisvergabe an Jana Schmitt, Teilnehmerin des vom Gedächtnisbuch-Projekt betreuten W-Seminars, eine eigene Presseerklärung wert. Die Abiturienten hatte im Rahmen des W-Seminars  „Menschen aus Bamberg und Umgebung als Opfer der Nationalsozialisten“ eine herausragende Seminararbeit über den jüdischen Lehrer Justin Fränkel geschrieben. Sie wird dafür nächste Woche mit dem Preis des Bayerischen Clubs ausgezeichnet – wir berichteten. Wer die Presseerklärung nachlesen will, findet sie hier: http://www.stadt.bamberg.de/index.phtml?object=tx|1829.52&ModID=7&FID=1829.8250.1&&sNavID=1829.633&pmNavID=1829.368&La=1 . Die Biographie wird dem engen Kooperationsprojekt des Gedächtnisbuchs des BLLV „Jüdische Lehrer in Bayern“ zugeordnet.

Ludwig Schmidinger im Gespräch mit Erwin Schild (6.11.14, Foto Hedi Bäuml)

Erwin Schild in Dachau: eine Stimme des Friedens

Anlass für diesen Beitrag gab die Gedenkveranstaltung mit Rabbi Erwin Schild zur Reichspogromnacht in Dachau am 6.11.2014 im Rathaus. Eingeladen hatten der Trägerkreis Reichpogromnacht (Evangelische Versöhnungskirche in der KZ Gedenkstätte Dachau, Dachauer Forum e.V., Katholische Seelsorge an der KZ Gedenkstätte Dachau, Kulturamt der Stadt Dachau, KZ Gedenkstätte Dachau, Verein „Zum Beispiel Dachau“). Erwin Schild ist im Gedächtnisbuchprojekt kein Unbekannter: Ein Gedächtnisblatt über sein Leben wurde 2005 erstellt, ein Banner zu seiner Biographie gibt es in der Ausstellung „Geistliche im KZ Dachau“ und in der englischen Version der Internationalen Wanderausstellung „Namen statt Nummern“. Den nachfolgenden Text schrieb Sabine Gerhardus.

Baut Brücken statt Mauern! Mauern trennen, grenzen aus, schotten ab, und sie hindern Flüchtlinge davor, den rettenden Zufluchtsort zu erreichen. Die Erfahrung der Monate dauernden Flucht vor den Nazis, die Angst, an der Grenze wieder zurück geschickt zu werden und den Mördern endgültig ausgeliefert zu sein, hat Erwin Schild tief geprägt. Er war Student der Israelitischen Lehrerbildungsanstalt in Würzburg, ein paar Monate nur, in denen er eine enge Bindung an die jüdische Kultur erfuhr und sein Glaube an Kraft und Reichtum gewann – bevor im November 1938 ein Inferno über sein Leben hereinbrach. In den Schlafsälen wurden die jungen Studenten von Nazischergen überfallen, sie zerschlugen Fenster, zerstörten die Betten, Koffer, alle Habseligkeiten und ließen die Jungen verängstigt und verloren zurück – am nächsten Morgen fanden sie ihr Seminar besetzt, die Bücher in Flammen und die Stadt in der Hand eines brutalen Mobs. Schließlich wurden sie ins Gefängnis und dann ins KZ Dachau gebracht. Dass Erwin Schild dieses Pogrom überleben würde, schien kaum möglich.

Am 6. November 2014 erzählt Erwin Schild, inzwischen 94 Jahre alt, im Rathaus der Stadt Dachau von seinen Erinnerungen. Er berichtet von den schlimmsten Stunden seines Lebens, als er seinen Vater in Dachau traf, in einem Moment, als dieser von dem Gruppenältesten gestoßen wurde. Aber geprägt ist seine Erzählung von einer ganz anderen Kraft – von der Kraft seines Glaubens an einen Gott der Versöhnung, der keinen Unterschied macht zwischen den Menschen. Jeder Flüchtling hat das Recht Zuflucht zu finden – bei jedem von uns. Statt Mauern sollen wir Brücken bauen. Das sind keine hohlen Worte, es ist ein lebendiger, ein kraftvoller Appell: Wir dürfen nicht die Hoffnung aufgeben, dass die Menschheit doch lernen kann, sich vom Hass abzuwenden, jeder von uns kann dazu beitragen, statt Mauern Brücken bauen und helfen, einen Weg des Zusammenlebens zu finden.

Erwin Schild ist nicht umsonst Rabbiner geworden, ein Lehrender, der sich seit Jahren schon für den jüdisch-christlichen auch den jüdisch-deutschen Dialog einsetzt. Seine Offenheit reicht weit über die christlichen und jüdischen Religionsgemeinschaften hinaus. „Keine Gruppe, keine Religion  hat eine exklusive Verbindung mit dem Herrn der Welt.“ (Aus Erwin Schilds Rede vor evangelischen Christen am Reformationstag 1988 in seiner Heimatstadt Köln: Die Welt durch mein Fenster. Einsichten und Wegweisung eines kanadischen Rabbiners deutscher Herkunft für das Leben in unserer Zeit, Köln 1996.) Auch in der Begegnung in Dachau spürt man seinen Appell, den Menschen in Liebe, Güte zu begegnen, Mitleid, Demut und Opfergeist zu zeigen, den Dialog zu suchen – eben, Brücken zu bauen.

Einen Weg in eine friedliche Welt können wir finden, wenn wir „Verantwortung für unsere Umwelt annehmen, unser Brot mit den Hungrigen teilen, ein verschmachtendes Kind als eine unerträgliche Blasphemie unseres göttlichen Ebenbildes empfinden.“ (Die Welt durch mein Fenster, Köln 1996) Erwin Schilds Appell an die Menschlichkeit hat bis heute – leider – nichts von seiner Dringlichkeit verloren. In einer Zeit, in der wir von Nachrichten über Terror, Hass und Rassismus überflutet werden, könnte man verzweifeln angesichts dessen, was Menschen einander antun.  Es tut gut, zu sehen, welche innere Ruhe und versöhnliche Kraft Erwin Schild ausstrahlt. Mit seiner Aufmerksamkeit und seinem großen Herzen verzaubert er die Zuhörer in Dachau. Möge er die Menschen noch lange erreichen und sie mit seiner Güte anstecken. Eine Stimme des Friedens, leise, aber kraftvoll genug um Hoffnung und Mut zum Handeln zu machen. Stimmen wie Deine brauchen wir sehr, lieber Erwin – ich danke Dir!

Erwin und Laura Schild in Ottawa 2012

Auf den Spuren Nico Rosts

Ende Oktober war Karen Tessel, Kuratorin des Amsterdamer Widerstandsmuseums, in Dachau. Sie berichtet:
 
21. Oktober 2014
 

Wir essen im Hotel Fischer zu Mittag: Jos Sinnema, Sabine Gerhardus, Andreas Kreutzkam und ich. Jos und ich sind drei Tage in der Gedenkstätte für Recherchearbeit.  Zusammen arbeiten wir am Projekt Geen nummers maar namen – Namen statt Nummern. Jos begleitet Schüler, die für ihre Facharbeit und im Rahmen des Projektes Gedächtnisbuch Biographien über Holländer schreiben, die im KZ Dachau waren. Diese Biographien sind die Grundlage für eine Ausstellung im Amsterdamer Widerstandsmuseum, die Ende April 2015 eröffnet wird. In dieser Ausstellung möchte ich persönliche Objekte, Fotos und Dokumente von holländischen politischen Häftlingen zeigen und ihre Lebensgeschichte erzählen.

Sabine und Andreas vertreten das Projekt Gedächtnisbuch. Es ist schön, sie kennenzulernen. Auch die Mitarbeiter der Gedenkstätte  treffe ich zum ersten Mal und das Treffen ist auch gut und angenehm.

Sabine zeigt uns eine Kopie. Es ist die Titelseite eines Buches Duineser Elegien von Rainer Maria Rilke. Es steht ein Stempel drauf: ‘Lager Bücherei’. Beim Antiquar Cornelius Wittmann in der Altstadt hat Sabine dieses Buch in den Händen gehabt. Ist es wirklich ein Buch, das in der Häftlingsbibliothek im KZ Dachau gewesen ist? Das wäre etwas Besonderes. Ich erwäge, in der Ausstellung an Nico Rost zu erinnern. In seinem Buch Goethe in Dachau hat Rost eindrucksvoll über seine Erfahrung im Lager geschrieben. Er schrieb auch über die Lagerbibliothek, und erzählt, wie Freundschaft und Literatur ihm Unterstützung und Trost boten. Ein Buch aus der Lagerbibliothek könnte seine Geschichte in der Ausstellung sehr schön unterstützen.

Später am Tag überprüfen wir, ob Rost auch etwas über Rilke geschrieben hat. Das hat er tatsächlich! Auf Seite 241 lesen wir:

„25. Februar 1945

 Rheinhardt ist heute Nacht gestorben.  […]
Als ich soeben das Bändchen Rilke zur Hand nahm, das ich mir vor einigen Monaten von Rheinhardt geborgt habe, stieß ich auf eine Zeile, die er mit Bleistift unterstrichen hat:  ‚Wirsterben alle unseren eigenen Tod!‘
Ob er bei diesen Worten geahnt hat, dass er hier sterben würde? “

Zwei Tage später notierte Nico Rost:

 „27. Februar 1945
Um nicht dauernd nur an die Toten und die Sterbenden denken zu müssen und um meine Gedanken zu etwas anderem zu zwingen, habe ich einige Gedichte von Rilke aus seinen Duineser Elegien und die Sonette an Orpheus gelesen.“

(Aus: Nico Rost: Goethe in Dachau. Ein Tagebuch, Übersetzung aus dem Niederländischen,  München 2001.)

 Rost hat also nicht nur über Rilke geschrieben, sondern tatsächlich genau über dieses Buch, die Duineser Elegien! Ob das Buch, das Antiquar Cornelius Wittmann im Besitz hat, vielleicht sogar dasselbe Exemplar
ist? Also das mit den von Rheinhardt mit Bleistift unterstrichenen Sätzen? Das wäre großartig für die Ausstellung!
 
22. Oktober 2014
Albert Knoll, Archivar in der Gedenkstätte schaut sich die Kopie der Titelseite an und bestätigt, dass
es sich um ein Buch aus der Lagerbücherei handelt.

Am Nachmittag gehen wir erwartungsvoll zu Wittmann. Er holt einige Bücher hervor, alle aus der Lagerbücherei.  Ein braunes, in Leder

gebundenes Exemplar trägt den Titel Duineser
Elegien
. Jos schlägt das Buch auf. Da ist der Stempel. Fieberhaft blättert er hindurch, auf der Suche nach den Bleistiftstreifen von Rheinhardt. Aber leider… wir finden diese nicht.
Wir verabschieden uns mit vielen Fragen im Kopf. Woher hatte Rheinhardt sein Buch? Wie hat er es bei
sich halten können? Hat Rost es nach der Befreiung vielleicht mit nach Hause genommen? Und wo könnte es sich dann jetzt befinden? Vielleicht in der Universitätsbibliothek in Leiden, wo Rosts Literatur-Nachlass aufbewahrt wird. Da muss ich schnell hin, sobald ich wieder zuhause bin!

30 Jahre Förderverein – wir gratulieren!

Am 25. November feiert der Förderverein für Internationale Jugendbegegnung und Gedenkstättenarbeit in Dachau e.V. seinen 30. Geburtstag. Wir gratulieren! 108 Personen und Organisationen fanden sich zur Vereinsgründung zusammen. Erster Vorsitzender des Vereins war Rolf Hanusch.

Vorangegangen war eine dreijährige Planungsphase in einem Initiativkreis. Den Anstoß zu dessen Gründung hatte Barbara Distel, Leiterin der Gedenkstätte, gegeben. Mit dabei war Ernst Grube, heute noch stellvertretender Vorsitzender des Fördervereins.

Der Initiativkreis traf sich meist im Hinterzimmer der Gaststätte Unterwirt in der Dachauer Altstadt. Irene Stuiber saß damals mit am Tisch und erinnert sich an die zähen Debatten: „Rolf Hanusch hatte die Gabe, die Diskussionen so zu moderieren, dass sich aus scheinbar unüberwindbaren Interessen- und Meinungsgegensätzen ein Konsens herausschälte.“

Der Förderverein konstituierte sich unter dem Namen „Förderverein Internationale Jugendbegegnungsstätte in Dachau e.V.“. Das Projekt Jugendbegegnungsstätte war damals auf lokaler und landespolitischer Ebene mehr als umstritten, der Verein hatte mit heftiger Ablehnung zu kämpfen. Es dauerte lange, bis sich die Idee durchsetzte und schließlich 1998 das Jugendgästehaus in Dachau eröffnet wurde. Nicht ganz das, was der Förderverein erreichen wollte – aber immerhin! Auf die veränderte Sachlage reagierte der Verein schließlich mit einer Namensänderung.

Auch der Impuls zur Gründung des Gedächtnisbuchs ging 1999 vom Vorstand des Fördervereins aus. Vorstandsmitglied Klaus Schultz und Uwe Neirich, pädagogischer Mitarbeiter des Fördervereins, kannten das Gedenkbuch der Alten Synagoge Essen und wollten etwas Ähnliches auch in Dachau ins Leben rufen. Einig war sich der Fördervereins-Vorstand darin, das Projekt auf eine möglichst breite Basis zu stellen und weitere Organisationen mit ins Boot zu holen. So entstand der Trägerkreis des Gedächtnisbuchs.

Gunnar Richter, der Leiter der Gedenkstätte, führt durch die Gedenkstätte

 

Gedenkstättenfahrt nach Breitenau,Wewelsburg und Trutzhain

Breitenau, eine ehemalige Benediktinerabtei, weist vom 19. Jahrhundert bis in die Bundesrepublik eine Kontinuität als Haftstätte einerseits, als Kirche andererseits auf. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde die Abtei zum „Arbeitshaus“. Die Nazis machten den Ort zum KZ, bis in die 1970er Jahre befand sich hier ein Mädchenerziehungsheim. Die Gedenkstätte thematisiert vor allem die NS-Zeit: Der Zufallsfund eines großen Aktenkonvoluts gab den Anstoß zur wissenschaftlichen Erforschung der NS-Geschichte des Orts und zur Gründung der Gedenkstätte.

Der Künstler Stephan von Borstel gestaltete die Ausstellung der Gedenkstätte Breitenau
Rundgang durch die Wewelsburg

Einen ganzen Tag beschäftigten sich die Exkursionsteilnehmer mit der Wewelsburg: Ganz gewiss nicht zu den NS-Stararchitekten gehörte Hermann Bartels, der im Auftrag Himmlers die Wewelsburg zu einem Zentrum der SS umbauen sollte. Ausführen mussten die Arbeiten Häftlinge eines eigens eingerichteten Konzentrationslager. Das einstige Renaissanceschloss sollte das Gepräge einer mittelalterlichen Burg erhalten. Das Ergebnis von Bartels architektonischen Bemühungen wirkt eher unbeholften.

SS-Porzellan aus Allach

Ein von den Nazis verlegtes Bodenmuster der sogenannten „Schwarzen Sonne“ erschien den Teilnehmern der Gedenkstättenfahrt unspektakulär. Nichtsdestotrotz ist es bis heute Mittelpunkt einer ganzen Reihe rechter esoterischer Vorstellungen. Die Exkursionsteilnehmer machten es sich auf dem Emblem mittels bereitgestellter Sitzsäcke bequem und bestaunten diese Gepflogenheiten.
Ein Teil der Ausstellung auf der Wewelsburg beschäftigt sich mit der Geschichte der SS. Gekonnt präsentieren die Ausstellungsmacher hier viele Aspekte der Tätergeschichte auf dem neuesten Stand der Forschung. Immer wieder werden Verbindungen zum zentralen SS-Standort Dachau deutlich – an einer Stelle symbolisiert durch in der Porzellanmanufaktur Allach von Dachauer Häftlingen gefertigte Ausstellungsstücke.
Der letzte Tag der Gedenkstättenfahrt widmete sich der Gedenkstätte Trutzhain. Langjährige Leiterin der Gedenkstätte war Waltraud Burger, nunmehr pädagogische Leiterin in der Gedenkstätte Dachau.

Blick in eine Trutzhainer Straße

Die Nazis installierten das STALAG IX A Ziegenhain im heutigen Trutzhain auf einer unbebauten Wiese, in der Nachkriegszeit wurde daraus ein Internierungslager für Nazis, später ein DP-Lager. Den hier schließlich einquartierten Flüchtlingen und Heimatvertriebenen wurden die von ihnen bewohnten Baracken schließlich gegen einen geringen Geldbetrag zum Kauf angeboten. Daraus entwickelte sich eine städtische Wohnstruktur, die bis heute größtenteils aus den umgebauten Baracken des Häftlingslagers besteht. Auch der Blick in das Innere einer weitgehend originalerhaltenen Baracke war möglich, sie wird heute als Lager einer Textilfabrik genutzt.

Fabriklager in einer ehemaligen Häftlingsbaracke

Organisiert wurde die diesjährige Gedenkstättenfahrt von drei Trägerorganisationen des Gedächtnisbuchs, dem Dachauer Forum, der Evangelischen Versöhnungskirche in der KZ-Gedenkstätte Dachau und der Katholischen Seelsorge an der KZ-Gedenkstätte Dachau.

„Ich hab mich wahnsinnig gefreut!“ – Jana Schmitt erhält Preis des Bayerischen Clubs für ihre Biographie eines jüdischen Lehrers

Für ihre Biografie des jüdischen Lehrers Justin Fränkel erhält Jana Schmitt den Abiturientenpreis des Bayerischen Clubs. Alljährlich verleiht der Club Preise für die besten schriftlichen Abiturarbeiten, Jana Schmitt erhält den Preis für den Bezirk Oberfranken. Wir gratulieren!

 Die Preisträgerin hatte am W-Seminars Gedächtnisbuch des Eichendorff-Gymnasiums in Bamberg teilgenommen und eine Biografie über den jüdischen Lehrer Justin Fränkel geschrieben. Dies geschah im Rahmen des Projekts zu jüdischen Lehrerinnen und Lehrern des BLLV, einem engen Kooperationsprojekt des Gedächtnisbuchs.
Der Autorin gelang es, zahlreiche Archivalien auszuwerten und mehrere Angehörige von Justin Fränkel telefonisch zu interviewen. Dadurch konnte sie die Lebensgeschichte Fränkels rekonstruieren: Der jüdische Lehrer hatte während der Weimarer Republik in Ebelsbach, Gleisenau, Hofheim-Leudershausen, Erlangen und Bamberg unterrichtet. 1937 wurde er von den Nationalsozialisten aufgrund haltloser, ausschließlich antisemitisch begründeter Anschuldigungen verhaftet, einige Monate später wieder freigelassen. Fränkel emigrierte in die USA und lebte dort bis zu seinem Tod 1984.

 Alexandra Franze, die als Lehrerin das W-Seminar am Bamberger Eichendorff-Gymnasium betreut hat, reichte die Seminararbeit von Jana Schmitt für den Preis des Bayerischen Clubs ein. In einem Gutachten bescheinigt Alexandra Franze der Schülerin überdurchschnittliches Engagement bei ihren Forschungen, Eigenständigkeit, Gewissenhaftigkeit und Kompetenz.

Jana Schmitt macht zurzeit ein Freiwilliges Ökologisches Jahr auf Fehmarn. „Mit dem Preis hatte ich gar nicht gerechnet. Als Sie mich angerufen haben, um mir zu gratulieren, habe ich erst gar nicht verstanden wofür. Als ich dann aufgelegt habe, bin ich erstmal mit einer guten Freundin durch unseren Aufenthaltsraum getanzt und hab mich wahnsinnig gefreut.“, schreibt uns die Preisträgerin.

 

Grafing: Wer schreibt was?

Elisabeth, Teilnehmerin des W-Seminars in Grafing, war so nett, einen Bericht über die letzte Seminarsitzung zu schreiben. Vielen Dank!
 16.10.14:

12 Schülerinnen und Schüler stehen grübelnd vor einer grauen Pinnwand. Was wohl die Ursache der  Denkerstirnen ist?

Aber von vorne:

Da Frau Gerhardus uns beim letzten Treffen des W-Seminars ja bereits Listen mit Namen und einigen Stichpunkten zu den Personen hinter den Namen ausgeteilt hatte, sollte heute endgültig verteilt werden, wer zu welcher Person eine Biographie übernimmt. Es waren beim letzten Mal auch schon einige Präferenzen entstanden, vor allem weil  bei der Zusammenstellung der Liste sehr auf die Wünsche, die wir vor den Sommerferien zusammengetragen hatten, eingegangen worden war.

Nach der kurzen Vorstellung vier weiterer Personen und einer letzten Besprechung aller Vorschläge wurde es ernst: Wer befasst sich in den kommenden 1 ½ Jahren mit wem?

Mithilfe von Plakaten verschafften wir uns einen Überblick, welche(r) Schüler(in) denn welche Lebensgeschichte gerne näher beleuchten würde.

Und hier begann die Herausforderung: Während die einen ihre gewünschte Person konkurrenzlos und glücklich übernehmen konnten, hatten die anderen Schwierigkeiten, sich zu einigen. Besonders drei Alpinisten standen hoch im
Kurs. So endete unser Treffen in der oben geschilderten Situation – eine endgültige Lösung, die auch für alle fair sein soll, steht noch nicht fest.
Es bleibt also weiterhin spannend!
(Fotos: Sabine Gerhardus)

 

Holland: eindrucksvoller Besuch in Ravensbrück

Letztes Wochenende waren wir vier Schüler des Het Baarnsch Lyceums in Ravensbrück. Der Besuch war Teil unserer Recherche zu zwei neuen Biographien für das Gedächtnisbuch. Mit Jur Plötz schreibe ich über Frau Bueninck. Sie war in den KZs Vught (Herzogenbusch), Ravensbrück und Dachau. Jeannot Mets und Fedde van der Herberg schreiben über Herrn Pratomo, dessen Frau in Ravensbrück war. Er selbst war in Vught und Dachau.

Es war noch früh, als wir am Samstagmorgen von unserem Hotel aus zur Gedenkstätte fuhren. Es waren nur zehn Minuten zu fahren. Als wir ankamen, fiel mir gleich eines auf: der große Kontrast zwischen dem SS-Bereich des Lagers und das KZ selbst. Im SS-Bereich standen schöne, große Häuser, fast alle mit Aussicht auf einen See. Es gab viele Bäume und die Atmosphäre war beruhigend. Als wir ein Stückchen weitergingen, kamen wir zum Tor zwischen dem SS-Bereich und dem eigentlichen KZ. Eine große Leere kam uns jetzt entgegen. Straßen bedeckt mit kleinen schwarzen Steinen wurden sichtbar. Das Lager war umsäumt von einer hohen Mauer. Teilweise gab es noch Stacheldraht.

Wir hatten eine Führung und bekamen viel zu sehen. Bemerkenswert war das große Gebäude ganz am Ende des Lagers, zu dem wir nach der Führung auf eigene Initiative gegangen sind. Gigantisch große, leere Räume erwarteten uns.  Hier fand ich es leichter, mir vorzustellen, wie es gewesen sein muss. Wir liefen durch das leere Gebäude und die Stille berührte mich. Man steht in so einem großen Raum und wird 70 Jahre zurück in der Zeit versetzt. Ich konnte die Reihen von Tischen mit Nähmaschinen wirklich vor mir sehen, an  denen junge Frauen arbeiten mussten. Von Uniformen bis zu Schuhen wurde hier alles Mögliche fabriziert. Und glaub nur nicht, dass man abends um sechs todmüde in die Baracke gehen durfte. Nein, hier wurde Zwangsarbeit erbracht und das ist nach so langer Zeit immer noch spürbar.

Unsere Begleiter, Jos Sinnema und Peter Mreijen, konnten uns viel erzählen über das, was es im Lager zu sehen gab. Manchmal las Jos eine Passage aus den Memoiren einer Frau vor, die in Ravensbrück inhaftiert war. Alles kommt einem dann ganz nah. Sehr eindrucksvoll waren auch die alten Zellen. Der Führer erzählte, welche Strafen es hier gab. Ich werde euch die Details ersparen, es war schrecklich. In jeder Zelle gab es Erinnerungen an Häftlinge aus einem bestimmten Land. In der „holländische Zelle“ gab es sogar eine Stickerei, die von Frau Bueninck gemacht worden ist.

Nachdem wir uns den KZ-Bereich des Lagers angeschaut hatten, haben wir das Haus des Lagerkommandanten besucht.  Auch das war sehr eindrucksvoll, denn es gab hier noch vieles zu sehen. Dadurch konnte ich mir gut vorstellen, wie man hier gelebt hat. Das Unheimlichste war wohl, dass der Kommandant hier mit seiner Frau und seinen Kinder gewohnt hat, und dass man von der Wohnung aus Aussicht über das KZ hatte. Zum Schluss sind wir auch noch in einer Wohnung gewesen, in der Aufseherinnen gewohnt haben. Auch hier gab es eine Ausstellung. Alles in allem war es ein sehr eindrucksvolles Wochenende. Es ist gut, dass ich die Chance bekommen habe, dies alles mit eigenen Augen sehen zu dürfen.

 

 

(Text: Tess Verduijn, Übersetzung Jos Sinnema/Irene Stuiber)

Holland: Gedenkstättenbesuch und Zeitzeugeninterview

 

Anfang September haben Valerie van Reeuwijk und Thijs de Dood, Schüler des Emmauscolleges in Rotterdam, die Gedenkstätte Natzweiler besucht. Der Besuch war Teil der Recherche für ihre Biographie über den niederländischen Widerstandskämpfer Dingenis Sinke. Valerie und Thijs haben in Natzweiler auch an einer internationalen Gedenkfeier teilgenommen. Hierüber schreibt Thijs:

Eine Fackelwacht stand nach dem Abendessen auf dem Programm. Nach einer Busfahrt durch das Dunkel, durch Nebel und ziemlich schweren Regen tauchte plötzlich das Denkmal auf. Ein wenig weiter stiegen wir aus und sind dann im strömenden Regen zum Denkmal gelaufen, dessen Spitze in Nebel gehüllt war. Bevor die Zeremonie anfangen konnte, mussten wir auf die Norweger warten, deshalb waren wir ziemlich starr vor Kälte und fast völlig durchnässt, als die Feier endlich anfing. Ich selbst hatte die Ehre, eine Fackel tragen zu dürfen. Dieser Teil ist mir deshalb besonders gut in Erinnerung.  Es war eine schöne Zeremonie, begleitet von einer Militärkapelle und der Fackelwacht. Das Wetter war schlecht, aber die Gedenkfeier war deswegen bestimmt eindrucksvoller, wegen der Atmosphäre, die dadurch entstand.

Dingenis Sinke war im KZ Vught, im KZ Natzweiler und wurde im KZ Dachau befreit. Inzwischen haben Valerie und Thijs ein Interview mit ihm geführt. Darüber schreiben sie:

Es war merkwürdig, Abschied von ihm zu nehmen, nachdem er uns gerade seine ganze Lebensgeschichte erzählt hatte. Wir denken, dass er ein gutes Gefühl wegen des Interviews hat, weil er die Kriegszeit abschließen möchte, indem er seine Geschichte zum ersten Male mit jemandem teilt. Das war für uns etwas sehr Besonderes.  Das Interview ist unserer Meinung nach gut verlaufen. Herr Sinke hat uns sehr viel erzählt. Es war schon anstrengend, denn das Interview hat zweieinhalb Stunden gedauert. Aber es war auch eine besondere Erfahrung. Das Interview war leichter als erwartet, weil Herr Sinke sehr ausführlich erzählt hat.  Wir sind wirklich ins Gespräch mit ihm gekommen.

(Text: Jos Sinnema)