Studienfahrt Auschwitz/ Oświęcim: Präsentation des Archivs der Gedenkstätte Auschwitz-Birkenau

Das Archiv der Gedenkstätte Auschwitz-Birkenau sammelt Dokumente, die mit der Geschichte des Lagers Auschwitz verbunden sind. Krystyna Leśniak erläuterte den Teilnehmenden der Studienreise nach Auschwitz/ Oświęcim die Arbeit des Archivs.

Die Mitarbeiter des Archivs in der Gedenkstätte sammeln und bewahren Archivalien, die mit der Geschichte des Konzentrationslagers Auschwitz und dessen Häftlingen verbunden sind, und machen sie Nutzern zugänglich. Darunter sind Dokumente aus eigenen Beständen, aber auch Archivalien anderer Institutionen.

Anhand einer Fotorpräsentation gab Krystyna Leśniak einen Einblick in das Magazin des Archivs und machte einen Blick auf verschiedene Einzelstücke möglich. Die Studienreisenden konnten so einen Blick auf Fotos, Zugangslisten, Karteikarten über Häftlinge, Sterbeurkunden mit gefälschter Todesurkunde sowie eine Vielzahl anderer Dokumente werfen.

Eine Arbeit mit Originaldokumenten ist im Archiv der Gedenkstätte Auschwitz nicht mehr möglich. Nutzern werden die Archivalien als Kopie oder Online-Ressource zugänglich gemacht. Zu fragil ist der Erhaltungszustand, zu wichtig sind die Archivalien – daher hat sich das Archiv zu dieser Schutzmaßnahme entschlossen.

Eine Datenbank macht einen Teil der Bestände auch über das Internet auffindbar. Krystyna Leśniak hatte für die Jugendlichengruppe im Vorhinein Dokumente vorbereitet, die diesen den Einstieg in die biographischen Recherchen ermöglichten.

(15.3.2023; IS)

Studienfahrt Auschwitz/ Oświęcim: Geschichte und Pädagogik der Jugendbegegnungsstätte

Elżbieta Pasternak, pädagogische Mitarbeiterin der Internationalen Jugendbegegnungsstätte Auschwitz/ Oświęcim (IJBS), erläuterte den Teilnehmenden der Studienreise die Geschichte und Pädagogik der Internationalen Jugendbegegnungsstätte in Oświęcim.

Die IJBS in Auschwitz fußt im Kalten Krieg. Ein wesentliches Ereignis für ihre Entstehung war der nicht nur in Polen und Deutschland vielbeachtete Kniefall Willy Brandts vor dem Mahnmal für den Aufstand im Warschauer Ghetto im Dezember 1971. Diese vielbeachtete und protokollarisch nicht angekündigte Geste machte ein Ende des Kalten Kriegs denkbar.

Von der evangelischen und deutschen Organisation Aktion Sühnezeichen Friedensdienste ging dann Anfang 1971 die Initiative für eine Jugendbegegnungsstätte in Auschwitz aus. Einen Unterstützer fand Aktion Sühnezeichen Friedensdienste im September 71 im polnischen „Verband der Kämpfer für Freiheit und Demokratie“, auch der Bürgermeister der Stadt Oświęcim unterstützte das Vorhaben.

1976 wurde der Bauplatz ausgewählt, an der Soła liegend, direkt an der Grenze zwischen der Altstadt Oświęcims und dem Sondergebiet, eine Lage zwischen „Vergangenheit und Gegenwart“, erläuterte Elżbieta Pasternak, an der „Grenze zwischen Damals und Heute“.

Aber mit welchen Mitteln sollte das Haus gebaut werden? 1977 startete Aktion Sühnezeichen beim Kirchentag eine Spendenkampagne, es wurden Bausteine für 10 DM verkauft. Willy Brandt kaufte den ersten Baustein. Auf diese Weise standen schließlich 7 Mio. DM an Spenden zur Verfügung. Das Aufkommen der „Solidarność“ und damit verbundene stürmische Zeiten in Polen verhinderten zunächst eine rasche Inangriffnahme des Projekts Jugendbegegnungsstätte.

Nach Kontroversen um die Architektur und nicht zuletzt dank der Unterstützung durch die Stadt Oświęcim war es dann 1986 so weit, dass das Haus eröffnet wurde – als Gemeinschaftswerk eines deutschen und eines polnischen Architekten. Seit 1995 ist die Jugendbegegnungsstätte eine deutsch-polnische Stiftung, deutscher Stifter ist Aktion Sühnezeichen Friedensdienste, polnischer Stifter ist die Stadt Oświęcim. Die Aufsichtsgremien sind paritätisch deutsch-polnisch besetzt.

Pädagogik der Internationalen Jugendbegegnungsstätte O.

Die IJBS sei sich bewusst, dass sie auf dem größten Friedhof der Welt liege, erklärte Elżbieta Pasternak den Exkursionsteilnehmerinnen und -teilnehmern. Die Opfer stehen im Mittelpunkt der pädagogischen Arbeit, Dreh- und Angelpunkt war und ist die Zusammenarbeit mit Überlebenden. Eine wichtige Person nicht nur bei der Entstehung der Gedenkstätte Auschwitz, sondern auch bei der Entwicklung der pädagogischen Konzeption der Jugendbegegnungsstätte war Tadeusz Szymański, der von Anfang an Freiwillige von Aktion Sühnezeichen bei ihrer Arbeit begleitete. Zu den wichtigen Werten, die die IJBS vermitteln möchte, gehören selbständiges Denken, Autonomie und die Bildung eines kritisch-hinterfragenden Bewusstseins.

Angebote der IJBS

Jeder Gruppe bietet die Begegnungsstätte neben der Vor- und Nachbereitung des Gedenkstättenbesuchs vertiefende Möglichkeiten an, dazu gehören Fotografie- oder andere Workshops, eine Spurensuche, das Kennenlernen der jüdischen Geschichte der Stadt Oświęcim und auch die Auseinandersetzung mit dem Thema Zwangsarbeit und der Geschichte des Lagers Auschwitz III/Monowitz.

Internationale Begegnungsprojekte spielen eine große Rolle in der pädagogischen Arbeit der Jugendbegegnungsstätte. Hierzu sei mehr Zeit notwendig, man müsse sich erst kennenlernen, so Elżbieta Pasternak, das könne auch zu Konflikten führen. Ein Dolmetscher sei immer dabei.

Manche Projekte laufen über einen längeren Zeitraum mit Partnerorganisationen, etwa wenn Auszubildende des Volkswagenwerks unter der Aufsicht von Fachleuten Renovierungsarbeiten vornehmen. Das Haus bietet auch internationale Studienfahrten vor allem für Studierende an. „Für viele aus Westeuropa sind das kaum bekannte Orte.“, berichtete Elżbieta Pasternak über die polnischen Gedenkorte. Zusätzlich zu diesen Angeboten ermöglicht die IJBS auch Fortbildungsseminare für Multiplikatoren.

(12.3.2023; IS)

 

Einladung zur Jahrespräsentation

Zum 90. Jahrestag der Errichtung des KZ Dachau erinnert das Gedächtnisbuch bei seiner Jahrespräsentation am 22.3.2023 an ehemalige Häftlinge des Konzentrationslagers Dachau.

Schüler und Schülerinnen der Johann-Turmair-Realschule Abensberg und andere ehrenamtliche Mitwirkende stellen Lebensgeschichten polnischer und deutscher Häftlinge des KZ Dachau vor.

Darunter sind:

  • der Kaufmann und Kommunist Karl Frey,
  • der Geistliche Stefan Wincenty Frelichowski,
  • der Besitzer eines Friseursalons Teodor Makieła
  • und der Friseur Wacław Fogler,
  • der jüdische Lehrer Leo Kahn,
  • der Textilgroßhändler und Schülertrainer des FC Bayern München, Otto Beer,
  • der Arbeitszwangs-Häftling Johann Baptist Hugl
  • und der Arbeiter Franciszek Przybylski, der in Dachau wegen seines Engagements für die Erinnerungsarbeit unter seinem neuen Namen Franz Brückl bekannt ist.

Die Veranstaltung findet am 22.3.2023  in der Kirche des Karmel Heilig Blut in Dachau um 19:30 Uhr statt.

Musikalische Begleitung: Kathrin Krückl und Constanze Miller.

Anmeldung erbeten unter
https://www.dachauer-forum.de/veranstaltung/namen-statt-nummern-2023/
oder unter Telefon 08131 99688-0.

Einladung und Programm als PDF:
Jahrespräsentation 2023

(28.2.23; IS)

Besuch der neuen niederländischen Generalkonsulin beim Gedächtnisbuch

Annelies Faro, seit Ende 2022 Generalkonsulin der Niederlande in München, hat dem Gedächtnisbuch-Projekt im Dachauer Forum einen Besuch abgestattet. Begleitet wurde sie von Ulrike Pulzer, Kultur- und Kommunikationsreferentin des Generalkonsulats.

Annerose Stanglmayr und Sabine Gerhardus freuen sich sehr über das große Interesse der Generalkonsulin an der Projektarbeit. Dank des langjährigen ehrenamtlichen Engagements des freien Publizisten Jos Sinnema in Amsterdam gibt es inzwischen 28 Gedächtnisblätter von Niederländern und Niederländerinnen, die im Konzentrationslager Dachau inhaftiert waren.

Im Jahre 2015 hatte das Widerstandsmuseum in Amsterdam auf Initiative von Jos Sinnema eine Sonderausstellung Geen numers maar Namen (Namen statt Nummern) auf der Grundlage der Arbeit des Gedächtnisbuchs gezeigt. Die Ausstellung war im April 2015 von König Willem Alexander im Widerstandsmuseum Amsterdam eröffnet worden. „Das war damals für uns eine wunderbare Anerkennung unserer Arbeit“, so Sabine Gerhardus. Sie bedankte sich herzlich bei ihren Gästen, die sich viel Zeit nahmen, sich über das Projekt zu informieren und freute sich besonders, dass das Generalkonsulat die Fortsetzung der Zusammenarbeit mit den Niederlanden unterstützen möchte. Auch die beiden Besucherinnen zeigten sich zufrieden mit dem Kennenlerntreffen, Ulrike Pulzer: „Frau Faro ist sehr beeindruckt wieder nach München zurückgekehrt und dankt ebenfalls sehr für den Empfang.“

Für mögliche zukünftige Projekte gibt es bereits erste Ideen…

(20.2.22; Foto: Ulrike Pulzer)

Interviewtraining am Ignaz-Taschner-Gymnasium, Teil 2

Im zweiten Teil des Interviewtrainings im W-Seminar „Namen statt Nummern“ probierten die Schülerinnen und Schüler verschiedene Gesprächstechniken aus.

Im Selbstversuch beobachteten die Seminarteilnehmer, wie ein Interviewer durch seine Gesprächsführung die Erzählsituation beeinflusst. Anschließend besprachen sie, wie Interviewer sich verhalten sollten, damit sich ein Zeitzeuge möglichst ungestört erinnern und frei sprechen kann. Zum Schluss lernten die Jugendlichen noch das Phasenmodell des sogenannten narrativen Zeitzeugeninterviews kennen.

Nächste Woche hat die Schule zu, es sind Faschingsferien. Sabine Gerhardus steht in der schulfreien Zeit für Beratungsgespräche zur Verfügung. Wer die Gelegenheit nutzen möchte, darf sich melden und einen Termin zwischen Dienstag, dem 21.2.23  und Donnerstag, dem 23.2.23 vereinbaren. „Ein Ferientermin hat den Vorteil, dass wir uns genau mit dem Lebenslauf befassen können und bestimmt noch Ideen für die weitere Recherche haben werden.“, erläutert die Seminarleiterin. Für alle anderen wird es im März kürzere Einzelbesprechungen in der Schule geben. Nach den Ferien geht es aber erst noch einmal um das Zeitzeugeninterview.

Wir wünschen allen nächste Woche schöne und erholsame Ferien!

(15.2.23; Sabine Gerhardus/IS)

Studienfahrt Auschwitz/ Oświęcim: „Worte, die in einer Zeichnung verschlossen sind“

Für die erwachsenen Teilnehmer der Studienfahrt nach Oświęcim ergab sich die Gelegenheit, die Werke des Künstlers Marian Kołodziej im Kloster Harmęże zu besichtigen. Ein Franziskanerpater des Klosters begleitete die Gruppe kenntnisreich durch die Ausstellung mit ihren raumgreifenden Installationen und Zeichnungen.

Der Künstler Marian Kołodziej (1921-2009) war Häftling im KZ Auschwitz und in mehreren weiteren Konzentrationslagern. Nach dem Krieg studierte er Bühnengestaltung in Krakau und arbeitete dann bis zu seiner Pensionierung am Wybrzeże-Theater in Danzig. Er entwarf über 200 Bühnenbilder für dieses Theater und auch andere polnische Bühnen.

Der Überlebende von Auschwitz, Groß-Rosen, Buchenwald, Sachsenhausen und Gusen begann in den Jahren vor seinem Tod, sich mit seinen Erfahrungen in den Konzentrationslagern in seinen Zeichnungen auseinanderzusetzen. In diesem Zusammenhang entstand die nun im Franziskanerzentrum in Harmęże zu sehende Ausstellung „Klisze pamięci. Labirynty/Negatives of a memory. Labyrinths“.

Kołodziej gab den Besuchern seiner Ausstellung folgende Worte mit: „(…) dies ist keine Ausstellung – weder Kunst, noch Bilder, sondern Worte, die in einer Zeichnung verschlossen sind. Es war nicht meine Absicht, die Pflicht, sich zu erinnern, zu erfüllen, oder ein Zeugnis durch die Kunst abzulegen. Kunst ist hilflos angesichts dessen, was der Mensch seinesgleich angetan hat.“

(13.2.22; IS)

Interviewtraining im W-Seminar

Bald stehen die ersten Interviews mit Zeitzeugen im W-Seminar des Ignaz-Taschner-Gymnasiums an. Deshalb steht zur Zeit ein Interviewtraining auf dem Programm.

Blick auf die Tafel: Was erwarte ich vom Zeitzeugengespräch?

Am 31. Januar 2023 ging um die Frage, welche Besonderheiten das Zeitzeugeninterview als historische Quelle aufweist.

Dazu haben die Schülerinnen und Schüler ihre Erinnerungen an einen gemeinsam erlebten Tag miteinander verglichen, nämlich den zweiten Tag der Studienfahrt nach Auschwitz, mit dem Besuch im ehemaligen Stammlager und einem Treffen mit polnischen Schülern. Es war interessant zu sehen, wie unterschiedlich jede und jeder sich erinnert. Es folgten Überlegungen, woher diese Unterschiede kommen und welche Bedeutung sie für die Arbeit mit dieser Quellenart haben.

In zwei Wochen geht es weiter mit einem Workshop zur Gesprächsführung im Zeitzeugeninterview.

(1.2.23; Sabine Gerhardus/IS)

W-Seminar: erneuter Archivbesuch in der KZ-Gedenkstätte Dachau

Fünf Schüler des aktuellen Gedächtnisbuch-W-Seminars am Ignaz-Taschner-Gymnasium in Dachau haben einen Nachmittag lang im Archiv der KZ-Gedenkstätte Dachau recherchiert. Sabine Gerhardus berichtet.

Aus dem Bücherstapel eines Schülers: Cover-Ausschnitt

„Ich war also wieder mit einer Gruppe von fünf Schülern einen ganzen Nachmittag im Archiv der Gedenkstätte. An dieser Stelle möchte ich die Gelegenheit nutzen, den beiden Archivaren Andre Scharf und Alex Pearman für ihre Hilfe zu danken, dass sie uns die Möglichkeit gaben zu recherchieren.

Alex hat sogar mehrere Aktenschachteln aus den CID-Beständen vorab durchgesehen und den Schülern die für sie wichtigen Seiten vorab herausgesucht – eine große Hilfe! Das hat den Schülern die Suche erleichtert und Zeit eingespart. Für eine Schülerin hat er zwei Fotos aus einer Bildersammlung herausgesucht, die die gerade befreite Häftlingsärztin Ella Lingens bei der Behandlung von Kranken zeigen. So musste die Schülerin die Sammelmappe mit Fotos nicht selbst durchsehen – ebenfalls eine große Erleichterung, denn der Anblick der Bilder, die kurz nach der Befreiung aufgenommen wurden, ist nur schwer zu ertragen.

Nun haben die Schüler die Recherchen in den beiden Gedenkstätten Dachau und Auschwitz, sowie die Online-Recherche in den Arolsen Archives geschafft. Ab jetzt werden sie individuell weiter arbeiten.

Das Foto zeigt einen Cover-Ausschnitt von einem Buch, das der Schüler Maxi Schinabeck in seinem Stapel hatte. Das Buch ist im Jüdischen Verlag des Suhrkamp-Verlags erschienen und heißt im Untertitel „Die Augenzeugenberichte der Wiener Library, London“. Maxi recherchiert über den Münchner Rabbiner und Religionslehrer Bruno Finkelscherer.“

(25.1.23; Foto Cover Suhrkamp-Verlag (Ausschnitt); Text: Sabine Gerhardus)

 

Studienfahrt Auschwitz/ Oświęcim: Geschichte der Gedenkstätte Auschwitz-Birkenau

Krystyna Oleksy, langjährige Mitarbeiterin der Gedenkstätte Auschwitz-Birkenau und von 1990 bis zu ihrem Ruhestand 2012 deren stellvertretende Direktorin, referierte über die Geschichte der Gedenkstätte bis in die 90er Jahre.

Offiziell sei die Gedenkstätte 1947 eröffnet worden, aber besser sei wohl die Feststellung, dass es sie seit dem Krieg gäbe, erzählt Krystyna Oleksy. Die ersten Besucher kamen bereits im Sommer 1945, Angehörige, die nach Spuren ihrer Familienmitglieder suchten. Aber das Besucherbuch des Geländes zeigt, dass bereits zu diesem Zeitpunkt Gruppen kamen.

Zunächst geht Krystyna Oleksy auf das Aussehen der Gedenkstätte ein. Die Objekte hätten damals anders ausgesehen als heute. „Diese vielen Jahre spürt man, obwohl von Anfang an alles Mögliche getan wurde, um die Objekte zu schützen.“, so Oleksy. Zum Bewuchs des Lagergeländes sei zu sagen, dass die meisten Bäume später (nach)gepflanzt wurden. Die Birken aber seien aus der Lagerzeit, die Pappeln haben jedoch nicht so lange überlebt und wurden nachgepflanzt. Die Todeswand zwischen Block 11 und 12 wurde erst abgebaut, aber sie sei so wichtig für polnische Häftlinge gewesen, dass sie bald rekonstruiert wurde. Teilweise wurde das Material der Baracken in der Umgebung als Baumaterial verwendet, Spuren davon kann man bis heute finden.

Konzeption und Umfang der Gedenkstätte

Die Gedenkstätte wurde 1947 in einer großen Veranstaltung mit dem polnischen Ministerpräsidenten eröffnet. Das Gesetz des polnischen Parlaments stammt vom Sommer 1947, das war der offizielle Gründungsakt. Im Gesetz steht, dass das Gelände mit den Objekten für die Ewigkeit erhalten werden muss. Ein zweites Gesetz stammt aus dem Jahr 1979, der Staat Polen verpflichtete sich damit, alles für immer zu erhalten.

Für die Gedenkstätte stellte sich zunächst auch die Frage nach ihren räumlichen Grenzen. Es gab mehrere Konzepte. Krystyna Oleksy berichtet: „Manche wollten alles entfernen.“ Diese Personengruppe wollte die Objekte des Leidens entfernen und nur ein Denkmal bauen. Weiter gab es beispielsweise Überlegungen, alle drei Teile des Lagers als Gedenkstätte zu bewahren, auch Monowitz. Schließlich wurde dann entschieden, nur das Stammlager und das Lager Auschwitz II Birkenau zu erhalten.

Das damit entstehende Gedenkstättengelände umfasst heute zwei Hektar Gelände, 154 Gebäude und Hunderte von Ruinen. In den 90er Jahren wurden die bestehenden Betonpfosten aufwendig restauriert, zum ersten Mal unterstützte die bundesdeutsche Regierung die Gedenkstätte zu diesem Zeitpunkt finanziell.

Kunstwerke und Dokumente

Nicht alles, was in der Gedenkstätte bewahrt wird, ist auch zu sehen. Die Gedenkstätte Auschwitz Birkenau hat beispielsweise eine sehr große Sammlung von Kunstwerken aus der Lagerzeit. Eine riesige Sammlung  von Dokumenten findet sich im Archiv, solche, die auf dem Lager nach der Befreiung gefunden wurden, aber auch andere Bestände, etwa Sterbebücher aus Moskau. Polnische Spezialisten konnten viele in sowjetischen Archiven lagernde Bestände auf Mikrofiches sichern. Aktuell gibt es keine Kontakte zu russischen Archiven oder nach Moskau, berichtet Krystyna Oleksy.

Diskussionen in den 90er Jahren

Anfang der 90er Jahre organisierte die Gedenkstätte eine internationale Konferenz zum Thema der Zukunft von Auschwitz. Es war möglich, Überlebende, Kunsthistoriker, Historiker, Konservatoren und andere Spezialisten aus der ganzen Welt einzuladen. Das Ergebnis bezeichnet Oleksy als widersprüchlich. Einige traten für weitgehende Rekonstruierungen ein, andere setzten sich für den Schutz des noch Bestehenden ein. Inzwischen bestünde Einigkeit, dass erhalten soll, was noch steht, darunter auch frühe Rekonstruierungen.

Immer wieder ist die Rede von einem „Symbol Auschwitz“. Vor allem in den 90er Jahren gab es heftige Diskussionen darüber, an welche verfolgten Gruppen besonders erinnert werden soll.

Die Referentin verdeutlicht die Bedeutung des Lagers Auschwitz für Polen: Für die Verfolgung von Polen wurde das Lager gegründet, sie waren die ersten Häftlinge, sie hatten die meisten Widerstandskämpfer im Lager und Auschwitz ist für Polen der größte Ort, wo auf geringem Platz so viele Menschen getötet wurden.

Für Juden gilt Auschwitz als das größte Vernichtungslager. Zu dieser Argumentation gehöre eine Unterscheidung zwischen Juden und den anderen nationalen Gruppen in den besetzten Länder. „Aber ich glaube, entscheidend dafür, dass Auschwitz für Juden so eine große Bedeutung hat, ist die Zahl der Überlebenden.“, so die Referentin. „Die Zahl der Überlebenden und die Zahl der Objekte. Ein weiterer Grund ist, dass die jüdischen Häftlinge aus allen besetzten Ländern Europas stammten.“ Auch hätten sich jüdische Historiker und andere Eliten sofort nach dem Krieg mit der Verfolgungsgeschichte beschäftigt. Die Sinti und Roma dagegen hatten solche Leute nicht.

Ausstellungen in der Gedenkstätte Auschwitz

Eine erste Ausstellung von 1947 gab es bis in die 50er Jahren. Das was heute größtenteils gezeigt wird, sind Teile der zweiten Ausstellung aus den 50er Jahren. Oleksy zeigt einige Fotos der ersten Ausstellung, die z.B. auch Stalin-Zitate beinhaltete. Auch für die zweite Ausstellung gab es politische Vorgaben: Insbesondere sollte der kommunistische Widerstand in Polen betont werden.

Denkmäler in der Gedenkstätte

Das erste Denkmal, das 1948 auf der Ruine von Krematorium 2 gebaut wurde, war das jüdische Denkmal mit einer Inschrift in den drei Sprachen Polnisch, Jiddisch und Hebräisch. Das zweite Denkmal wurde 1967 gebaut mit einer Inschrift auf einer Tafel. In den 90er Jahren wurde die Tafel entfernt, vor allem weil die Zahl der Opfer nicht mehr für richtig befunden wurde. Modernere Tafeln auf dem Gelände sind in der Regel vor allem Gedenktafeln.

Opferzahlen

Lange Jahre fußte die Geschichte des Lagers auf einer Zahl von vier Millionen Opfern, vorwiegend als Symbol, Historiker hätten sich in dieser Zeit damit nicht gründlich beschäftigt. Auch hätte es über die Zahl der jüdischen Opfer keine wirkliche wissenschaftliche Auseinandersetzung gegeben, meint die Referentin. Zum ersten Mal wurde 1982 von einem Chemiker ein Artikel mit der Zahl von 1,5 Millionen veröffentlicht. Auch darüber hätte es keine weitere Diskussion gegeben. Die erste wirkliche Diskussion entstand, nachdem die Gedenkstätte ein Buch von Frantiszek Piper veröffentlichte, das die Zahl diskutierte und korrigierte.

Diskussion um religiöse Symbolik in den 90er Jahren

Wie kam es zu den internationalen Auseinandersetzungen um religiöse Symbolik in Auschwitz? Krystyna Oleksy berichtet, dass auf der Wiese in der Nähe der sogenannten Sauna polnische Jugendliche, die jedes Jahr für drei Wochen für Aktion Sühnezeichen von Warschau nach Auschwitz kamen, Kreuze gebaut hätten. Aber die meiste Asche, die dort liegt, ist die Asche der jüdischen Opfer. Daraufhin bauten die Jugendlichen Davidsterne. Aber auf einem jüdischen Friedhof gibt es keine Davidsterne. Gleichzeitig stellten Nonnen eines bereits seit mehreren Jahren existierenden Karmelterinnenklosters ein Kreuz in der Mitte einer ehemaligen Kiesgrube auf, an einem Ort, an dem viele Häftlinge erschossen worden waren. Es war jenes Kreuz, das an der Rampe gestanden hatte, an der der Papst während seines ersten Besuchs in Auschwitz die Messe gehalten hatte und das von einer katholischen Gemeinde aufbewahrt worden war. Daraufhin protestierte ein jüdischer Rabbiner aus den USA sehr scharf.

Was dann folgte, waren jahrelange scharfe Diskussionen in allen möglichen Medien, auch international. Die Klosterschwestern zogen sich schließlich nach der entsprechenden Bitte des Papstes in andere Klöster zurück und die verschiedenen religiösen Symbole wurden  an entsprechende Institutionen in der Nähe gegeben.  „Wissen Sie, alles war so empfindlich.“ sagt Krystyna Oleksy heute zu der öffentlichen Debatte. „Das war ein Sturm. Wenn ein Stuhl in der Gedenkstätte umgestellt wurde, dann war er sofort Bestandteil der Diskussion.“

(18.1.2023; IS)