Deutsch-polnisches Projekttreffen

Eine umfangreiche Agenda hatte die Videokonferenz zum deutsch-polnischen Projekt Ende September. Die Besprechungsteilnehmer klärten viele Details zur Studienreise der polnischen Projektteilnehmer und rund um die zweisprachige deutsch-polnische Ausstellung.

Viel zu besprechen gab es rund um die Studienreise nach Dachau der polnischen Projektteilnehmer im nächsten Jahr vom  19. – 23. März 2024. Die Grundzüge des Programms für diese Reise waren noch zusammen mit Sylvia Stanska von der Jugendbegegnungsstätte in Oświęcim/Auschwitz (IJBS) entwickelt worden, die dann allerdings den Wohnort und den Arbeitsplatz wechselte. Ihre Stelle ist leider bis heute nicht besetzt.

Zeitgleich mit dem Besuch der polnischen Gäste feiert das Gedächtnisbuch sein 25-jähriges Bestehen. Die Veranstaltung am 22. März wird weitgehend auf Deutsch stattfinden, die polnischen Besucher erhalten Übersetzungen. Alle anderen Programmpunkte der Reise werden teils auf Polnisch angeboten, teils übersetzt.

Ebenfalls angelaufen sind die Vorbereitungen für eine zweisprachige Ausstellung des Gedächtnisbuchs. Sie wird zunächst in Dachau gezeigt werden und dann nach Polen reisen.

(15.19.23; IS)

Start des Freiwilligenjahrs: Interview mit Marine Charbonneau

Die 26-jährige Französin Marine Charbonneau hat im September 2023 ihr Freiwilligenjahr für Aktion Sühnezeichen Friedensdienste in Dachau an der Versöhnungskirche und im Gedächtnisbuch begonnen. In einem Interview erfahren wir mehr von ihr.

Marine Charbonneau und Sabine Gerhardus

Marine, darf ich dich bitten, dich kurz vorzustellen?

Ich heiße Marine Charbonneau und bin 26 Jahre alt. Ich komme aus einem kleinen Dorf in Westfrankreich, nicht weit von La Rochelle. Ich habe in Paris studiert und dort einen Doppelbachelor gemacht in Jura und englischer Literatur und deutscher Kultur. Während meines letzten Studiensemesters war ich als Erasmus-Studentin an der Universität in Göttingen. Das war meine erste längere Erfahrung weg von Frankreich. Danach habe ich zwei Jahre lang in einen Escape Room in Paris als Game-Master gearbeitet. Und dann kam Corona. Zuletzt habe ich in Düsseldorf als Au-pair gearbeitet, dann war ich wieder in Frankreich und habe ein Jahr auf einer Theaterschule studiert.

Wie lange bist du denn schon in Dachau?

Am 10. September bin ich in Dachau angekommen, davor habe ich ein Willkommensseminar mit Aktion Sühnezeichen Friedensdienste gemacht.

Was ist dein erster Eindruck?

Die Leute in meinem Team  sind sehr nett. Ich fühle mich hier willkommen. Ich habe viel über die Gedenkstätte erfahren. Wir haben zum Beispiel am Samstag in der Versöhnungskirche einen Familienbiografie-Workshop gemacht und ich habe viele Leute getroffen. Wir haben viel gesprochen. Mein Team hat mir auch die Gedenkstätte gezeigt.

Was interessiert dich am Freiwilligendienst, insbesondere am Freiwilligendienst in Dachau?

Ich habe die Dinge im Internet gesehen. Ich möchte eine Mission, eine Aufgabe, finden, die mit Geschichte zu tun hat. Gerne in Deutschland, denn ich habe das Land sehr vermisst. Deshalb bin ich nach Deutschland zurückkommen. Ich war immer unglaublich neugierig auf die Geschichte und finde die Erinnerung an den Zweiten Weltkrieg sehr wichtig. Ich werde lernen, Rundgänge auf Deutsch zu machen, das ist eine große Challenge. Aber ich möchte das machen.

Warst du schon auf dem Oktoberfest?

Nein, noch nicht. Aber ich war in München mit einer französischen Freiwilligen aus Augsburg. Wir haben die Eisbachwelle angeschaut.

Danke für das Gespräch, Marine. Ich wünsche dir ein schönes und interessantes Jahr hier in Dachau!

(1.10.2023; IS)

Trägerkreis: 2024 in den Blick genommen

Das Trägerkreistreffen im September 2023 beschäftigte sich neben den laufenden Vorgängen mit den Planungen für das Jahr 2024. Mit Anja Schuller-Müller gibt es ein neues Gesicht im Trägerkreis.

Anja Schuller-Müller

Mehr als genug zu besprechen hatte der Trägerkreis auf seinem Treffen am 18. September 2023: Auf der Tagesordnung standen die Umsetzung der Ergebnisse der Trägerkreisklausur vom Mai dieses Jahres, der Fortschritt im Erasmus-Projekt sowie der Stand des derzeitigen W-Seminars am Dachauer Ignaz-Taschner-Gymnasium. Im September 2024 wird ein neues W-Seminar beginnen, die Vorbreitungen dazu laufen bereits, auch dies wurde besprochen. Ein weiteres großes Thema waren die knappen Finanzen des Gedächtnisbuchs.

Eine neue Personalie gibt es im Trägerkreis: Die Mitarbeiterin des Kreisjugendrings Dachau, Anja Schuller-Müller, hat die Vertretung ihrer Organisation im Trägerkreis übernommen. Beim KJR ist sie auch zuständig für die Internationale Jugendbegegnung.

(23.9.23; IS)

 

Freiwilligenjahr 2022/2023 geht zu Ende

Mit dem Monat August geht das Freiwilligenjahr 2022/2023 bei Aktion Sühnezeichen Friedensdienste zu Ende. Ioanna Taigacheva und Sara Brunner beenden damit ihre Tätigkeit in Dachau.

Sara Brunner und Sabine Gerhardus beim Abschiedskaffee

Die junge Russin Ioanna Taigacheva hat zwei Jahre in Dachau verbracht, Sara Brunner aus Pennsylvania ist vor einem Jahr dazugestoßen. Beide haben nicht nur die Versöhnungskirche in der KZ-Gedenkstätte, sondern an mehreren Tagen in der Woche das Gedächtnisbuch unterstützt.

Beide Freiwillige haben sich sehr für die Erinnerung an jüdische Verfolgte engagiert und eigene Recherchen zu Gedächtnisblättern angestellt. Ioanna hat im Frühjahr ein Gedächtnisblatt zu Leo Kahn erstellt und Sara hat zu der Tanzlehrerin Vera Neumeyer recherchiert, die bis zur Vertreibung ihrer Familie im November 1938 in Dachau gewohnt hat.

Ein herzliches Dankeschön kommt von Projektleiterin Sabine Gerhardus: „Ich möchte mich bei den beiden für ihre Unterstützung und ihr großes Engagement ganz herzlich bedanken und wünsche beiden alles Gute für die Zukunft und viel Freude an ihren nächsten Wirkungsstätten!“

(15.9.2023; IS)

 

Studienfahrt Auschwitz: „schwierig und sehr emotional“

Sara Brunner, noch bis Ende August 2023 Freiwillige von Aktionsühnezeichen Friedensdienste (ASF) in Dachau, hatte die Gelegenheit, im Rahmen einer Studienreise von ASF Oświęcim/Auschwitz und Krakau zu besuchen.

Die Gruppe wohnte in der Internationalen Jugendbegegnungsstätte Oświęcim/Auschwitz, zu deren Stiftern ASF gehört. Der Besuch beinhaltete Workshops, Besichtigungen und eine Fahrt nach Krakau.

Zentraler Punkt war die Besichtigung der Gedenkstätte Auschwitz-Birkenau. Sara berichtet: „Der Besuch war schwierig und sehr emotional. Beim Besuch auf dem Gedenkstättengelände zu sehen, wo genau so schreckliche Sachen passiert sind, hat mich sehr bewegt. Als ich beide Auschwitz I und II (Birkenau) besucht habe, konnte ich nur an die Leute denken, die damals Häftlinge waren und auch über den gleichen Wege wie ich an diesen Tagen gelaufen sind und alles, was sie verloren haben. Ich habe mich oft gefragt, was sie vielleicht gedacht haben oder wie sie sich damals gefühlt haben. Ich will jetzt mehr über die Leute wissen, die dort waren und entweder ermordet wurden oder überlebt haben. Ich interessiere mich dafür, durch Recherche die Leute besser kennenzulernen, die in Auschwitz gelitten haben. Wenn man genau an dem Ort steht, an dem etwas passiert ist, spürt man viel stärker, was passiert ist. Und genau das war meine Erfahrung.“

(28.8.23; IS)

Gesucht: Informationen zu Georgi Solomonoff und Josef Majdic

Auch iranische Staatsbürger waren im KZ Dachau interniert. Dies ist Houman Amadi aufgefallen, der nun zu Georgi Solomonoff und Josef Majdic recherchiert und Gedächtnisblätter erstellen will. Sabine Gerhardus berichtet von ihrem Treffen mit dem Verfasser.

Houman Amjadi bei seinem Besuch im Gedächtnisbuch

Am Freitag, den 28.7. habe ich mit Houman Amjadi getroffen. Er hatte sich vor einigen Monaten bei mir gemeldet, weil er in der Ausstellung der KZ-Gedenkstätte gesehen hat, dass auch iranische Staatsbürger in Dachau inhaftiert waren.

Houman Amjadi interessiert sich für deren Biographien und erkundigte sich, ob man nicht über die Iraner Gedächtnisblätter machen kann – er plant ein eigenes kleines Projekt, bei dem er mit anderen zusammen diese Biographien erarbeiten würde. Bei meiner Recherche in der KZ-Gedenkstätte hat sich herausgestellt, dass es sich um zwei Personen handelt, von denen wir noch nicht wissen, weshalb sie als Häftlinge die iranische Staatsbürgerschaft hatten oder angegeben haben.

Von der Gedenkstätte bekamen wir die Information, dass es sich bei einem der beiden um den am 11.4.1925 in Leningrad/St. Petersburg geborenen Studenten namens Georgi Solomonoff handelt, der vermutlich in Warschau studierte. Der zweite ist ein in Slowenien geborener und lebender Diplomat namens Josef Majdic. Houman Amjadi hat inzwischen mit der Recherche begonnen. Es zeichnet sich jetzt schon eine äußerst spannende, ungewöhnliche Spurensuche ab.

Wir haben bisher herausgefunden, dass Georg oder Georgi Ivanovitsch Solomonoff am 22.2.2017 im Alter von 91 Jahren in Kalifornien gestorben ist und auf dem Serbischen Friedhof von Colma, San Mateo County, beerdigt wurde. Im selben Grab liegt auch seine Mutter Tamara Davydovna Solomonova. Solomonoff war von August bis November 1944 im KZ Dachau inhaftiert. In den 1950er Jahren war er Matrose bei einer niederländischen Schiffahrtsgesellschaft, der „Holland Interamerica Line“ und segelte zwischen Buenos Aires, Bahia, und New York. Houman Amjadi hofft nun, dass er mögliche Verwandte oder Personen, die Solomonoff noch kannten, finden kann, denn er ist ja erst vor sechs Jahren gestorben.

Josef Majdic, geboren am 5.5.1900, verheiratet, aber zur Zeit der Verhaftung ohne Kinder, war vom 22.10.1944 an in Dachau inhaftiert. Er arbeitete im Kommando Präzifix. Nach der Befreiung ging er nach Klagenfurt. Auch über ihn hofft Houman Amjadi noch weitere Spuren zu finden, möglicherweise auch Angehörige.

(15.8.23; Sabine Gerhardus/IS)

 

Wir gratulieren zur Bezirksmedaille, lieber Klaus!

Klaus Schultz, Mitgründer des Gedächtnisbuchs und seit damals konsequenter Unterstützer unseres Projekts, erhielt vom Bezirk Oberbayern die Bezirksmedaille für sein langjähriges ehrenamtliches Engagement.

Der Bezirk Oberbayern würdigte das Engagement von Klaus Schultz vor allem in zwei Bereichen: sein Bemühen um die Jugendsiedlung Hochland e.V. in Königsdorf und das Eintreten für eine aktive, lebendige Erinnerungskultur.

Seit Anfang der 80er Jahre trat Klaus Schultz für eine Jugendbegegnungsstätte in Dachau ein, bis in die 90er Jahre hinein gegen den Widerstand der Stadtrats- und auch der Landtagsmehrheit. 1997 übernahm er die Stelle des Diakons an der Versöhnungskirche in der KZ-Gedenkstätte Dachau und setzte daneben sein Engagement im Vorstands des Förderverein für eine internationale Jugendbegegnungsstätte, später Förderverein für Internationale Jugendbegegnung und Gedenkstättenarbeit, fort. Hier gab Klaus Schultz den maßgeblichen Impuls für die Gründung des Gedächtnisbuchs durch einen Trägerkreis, im dem er bis zu seiner Pensionierung mitarbeitete. Auch seit seinem Ausscheiden aus dem Berufsleben unterstützt Klaus Schultz das Gedächtnisbuch ehrenamtlich. Wichtig ist ihm zudem die Erinnerungsarbeit im deutschen Fußball, für die er sich nicht zuletzt im Verein „!Nie wieder – Erinnerungstag im deutschen Fußball“ einsetzt.

Wir freuen uns sehr darüber, dass du die Bezirksmedaille erhalten hast, lieber Klaus, und gratulieren sehr herzlich!

(Foto: Wolfgang Englmaier, Bezirk Oberbayern; Text: Irene Stuiber)

 

Gestaltungsworkshop am Ignaz-Taschner-Gymnasium

Kurz vor den Sommerferien fand am Ignaz-Taschner-Gymnasium in Dachau ein Workshop zur Gestaltung der Gedächtnisblätter statt.

Fünf Schülerinnen und zwei Schüler des W-Seminars Namen statt Nummern sowie Sara Brunner, Freiwillige der Aktion Sühnezeichen Friedensdienste, nahmen teil. In einem Kunstraum der Schule in der Moosschwaige tauschten sie sich über ihre Recherchen aus, ließen sich von anderen Gedächtnisblättern inspirieren und entwarfen Prototypen von ihren Gedächtnisblättern.

Projektleiterin Sabine Gerhardus meint dazu: „Es war ein schöner Abschluss des ersten Seminarjahres: gemütlich zusammensitzen, ratschen und dabei kreativ werden. Bei Bedarf biete ich einen Ersatz-Workshop am Anfang des Schuljahres für diejenigen an, die diesmal nicht dabei sein konnten.“

Das Gedächtnisbuch-Team wünscht allen Schülern und Schülerinnen nun erstmal: schöne Ferien!

(27.7.23; Sabine Gerhardus/IS)

BCJ-Studienpreis für Anna Schlichenmayer

Wir gratulieren! Anna Schlichenmayer erhielt für ihre im Gedächtnisbuch-W-Seminar 2020-2022 erstellte Arbeit über Josef Gunzenhäuser den BCJ.Bayern-Studienpreis 2023.

In Begleitung von Seminarlehrerin Hedi Bäuml vom Ignaz-Taschner-Gymnasium reiste Anna Schlichenmayer nach Nürnberg, um den BCJ.Bayern-Studienpreis in Empfang zu nehmen. Der Preis würdigte ihre Seminararbeit und ihr Gedächtnisblatt „Das Leben des Josef Gunzenhäuser. Ein jüdischer Rechtsanwalt und Sprachenlehrer“. Der Preis hat es sich zur Aufgabe gemacht, „wissenschaftliches Arbeiten im Bereich des christlich-jüdischen Gesprächs zu unterstützen und sich ggf. daran zu beteiligen“.

Mit viel Rechercheaufwand und detailgenauer Darstellung hat Anna Schlichenmayer das Leben von Josef Gunzenhäuser beschrieben: Ein Vierteljahr war der 1896 geborene jüdische Jurist nach der Reichspogromnacht im KZ-Dachau inhaftiert. Als Rechtsanwalt durfte er nach der Machtergreifung nicht mehr arbeiten, er schlug sich als Sprachenlehrer durch. Am 6. Juni 1942 wurde Josef Gunzenhäuser mit dem dritten Transport aus München nach Theresienstadt deportiert, wo er am 1. Juli 1942 krank und unter erbärmlichsten hygienischen Zuständen starb.

(20.7.2023; IS)