Statt Blended Learning Online Only

Ursprünglich als Blended Learning-Veranstaltung geplant, musste das Seminar „Häftlingsschicksale – Leben und Leiden im KZ Dachau“ dann ausschließlich digital durchgeführt werden. Teilnehmende und Dozentinnen sind trotzdem zufrieden.

Screenshot aus dem Seminar „Häftlingsschicksale“

Auf Basis der Gedächtnisblätter führte das Dachauer Forum im November 2020 ein dreiteiliges Seminar zum Thema „Häftlingsschicksale– Leben und Leiden im KZ Dachau“ durch. Geplant waren digitale Vor- und Nachbereitung und ein Rundgang durch die KZ-Gedenkstätte Dachau. Dieser Rundgang musste schließlich durch eine digitalen Rundgang ersetzt werden, da die KZ-Gedenkstätte Dachau aufgrund der aktuellen Corona-Restriktionen geschlossen war.

Die beiden Referentinnen Brigitte Fiedler und Karin Schwenke sind zufrieden, dass alles trotz dieser Umplanung in letzter Minute gut gelaufen ist. Brigitte Fiedler meint dazu: „Vorteil beim ersten Durchlauf [des Seminars] war sicher, dass es ein kleiner Kreis war. Das Arbeiten mit den Lebensgeschichten von Häftlingen macht es einfühlsamer und bleibt besser im Gedächtnis der Seminarteilnehmer!“

Karin Schwenke urteilt ähnlich: „Ich finde auch, dass das Seminar recht gut gelaufen ist. Es war eine offene Atmosphäre, die sowohl für uns Referentinnen wie auch für die Teilnehmer*innen viele Anregungen brachte. Die Auseinandersetzung mit den Gedächtnisblättern bringt das Schicksal der Häftlinge sehr nahe. Erleichtert bin ich, dass der digitale Rundgang so gut geklappt hat.“

(20.11.2020; IS)

 

 

Ausstellung „Namen statt Nummern“ läuft in Bielefeld

Die Hans-Ehrenberg-Schule in Bielefeld-Sennestadt zeigt noch bis zum 14. Dezember 2020 die Ausstellung des Gedächtnisbuchs „Namen statt Nummern“.

Marie-Luise Hußmann von der Hans-Ehrenberg-Schule erklärt, wie es kommt, dass die Ausstellung an der Schule gezeigt wird und wie die Ausstellung im Unterricht verwendet wird:

„Die Hans-Ehrenberg-Schule ist eine Schule in der Trägerschaft der Evangelischen Kirche von Westfalen. Das Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus ist an der Hans-Ehrenberg-Schule ein fester Bestandteil des schulischen Profils.

Auch das Leben und Wirken des Namensgebers der Schule, Hans Philipp Ehrenberg (1883-1958), ist dabei handlungsleitend: Der im KZ-Oranienburg-Sachsenhausen inhaftierte judenchristliche Pfarrer und ehemalige Professor der Philosophie wirkte nach der Rückkehr aus der Emigration als Botschafter des Friedens und der Versöhnung in der westfälischen Landeskirche.

Die Ausstellung wird im Foyer der Schule gezeigt. Sie wird dort von Schüler*innen, Lehrer*innen und Mitarbeiter*innen der Schule besucht. Die Auseinandersetzung wird durch Weiterarbeit an den Biographien mit den Schüler*innen im Unterricht vertieft.“

Weitere Informationen zur Ausstellung entnehmen Sie bitte dem Veranstaltungskalender rechts auf dieser Website.

(14.11.20; IS)

 

Ernst Sillem (14.7.1923 – 17.10.2020)

Der niederländische Dachau-Überlebende Ernst Sillem ist am 17.10.2020 gestorben. Die Schülerin Sydney Weith hat 2013/14 ein Gedächtnisblatt über ihn geschrieben. Daraus entwickelte sich eine Freundschaft, die bis heute Bestand gehabt hat. Zu Ernst Sillems Tod schreibt Sydney Weith:

English version below

Im September 2013 habe ich Ernst Sillem kennengelernt. In diesem Jahr machte ich zusammen mit einer Mitschülerin am Gedächtnisbuchprojekt ‘Namen statt Nummern’ mit. Wir waren nach Natzweiler gereist und hatten uns einer Gedenkfahrt mit ehemaligen niederländischen Häftlingen und ihren Angehörigen angeschlossen. Während dieser Reise hat Ernst seine erstaunliche Lebensgeschichte zum ersten Mal mit mir geteilt.

1941, als die Niederlande von den Deutschen besetzt waren, ist Ernst, damals 17 Jahre alt, in seine Schule eingebrochen. Aus Protest gegen die Besatzung schrieb er deutschfeindliche Parolen an die Wände. Kurz darauf versuchte er, zusammen mit seinem Freund Jaap van Mesdag in einem Kanu nach England zu fahren, um sich den alliierten Truppen anzuschließen. Unglücklicherweise wurden sie von der deutschen Kriegsmarine verhaftet. Ernst kam ins Polizeiliche Durchgangslager Amersfoort, dann nacheinander in die Konzentrationslager Vught, Natzweiler und Dachau. Sowohl Ernst als auch Jaap waren in Dachau, als die Amerikaner das Lager 1945 befreiten.

Man würde erwarten, jemand, der so viel leiden musste, würde verbittern. Ernsts Geist ist jedoch nie gebrochen worden. Er betrachtete die Zeit, die er in den Lagern verbringen musste, als eine Lehrzeit. Er war davon überzeugt, der wichtigste Grund für sein Überleben war, dass er seine Hoffnung behalten hat.

Nach unserer ersten Begegnung 2013 habe ich den Kontakt mit Ernst gehalten und und unsere Wege haben sich immer wieder gekreuzt. Was 2013 angefangen hat mit der Anfertigung eines Gedächtnisblatts für Namen statt Nummern,  wurde sehr viel mehr. Ein Buch, eine Theateraufführung, eine Ausstellung im Widerstandsmuseum in Amsterdam und in der KZ-Gedenkstätte Dachau folgten. Diese Erfahrungen haben mir die Chance gegeben, ganz viele inspirierende Menschen zu treffen und inspirierende Orte zu besuchen. Aber am wichtigsten: Es entstand eine richtige Freundschaft zwischen Alt und Jung.

Ich war sehr traurig, als ich hörte, dass mein lieber Freund Ernst am 17. Oktober 2020 in Carpentras, Frankreich, gestorben ist. Im Alter von 97 Jahren ist ein außergewöhnliches Leben an sein Ende gekommen. Ich bin dankbar für die warmherzigen Begegnungen, die altmodischen, handgeschriebenen Briefe und die angenehmen Gespräche. Ich muss lächeln, wenn ich zurückdenke an den vielen faszinierenden Geschichten, die er mir erzählt hat, den Optimismus, mit dem er dem Leben entgegen getreten ist, und auch den Humor, der so charakteristisch für ihn war.

Namen statt Nummern hat die Kraft, Generationen miteinander zu verbinden. Ich werde unsere Freundschaft sehr vermissen. 

Syndney Weith

English Version:

It was september 2013 when I first met Ernst Sillem. Together with a classmate I participated in the Namen statt Nummern project. We had travelled to Natzweiler to join a memorial trip for ex-prisoners of concentration camp Natzweiler and their relatives. It was during this trip to Natzweiler that Ernst first shared his amazing life story with me.

In the year 1941, during the German occupation of the Netherlands, 17-year old Ernst broke into his high school. In protest of the occupation he wrote anti-German slogans all over the walls of the school. Shortly thereafter and together with his best friend Jaap van Mesdag, Ernst attempted to sail to England in a canoe to join the military service. Unfortunately, they were captured by the Nazi German navy (Kriegsmarine). Ernst was eventually imprisoned in camp Amersfoort, followed by camp Vught, camp Natzweiler, and camp Dachau. Both Ernst and his best friend Jaap were imprisoned in Dachau when American soldiers liberated the camp in 1945.

You might expect someone to become bitter after going through so much suffering. However, it never broke Ernst’s spirit. He saw the war and the time he spent in the multiple camps as a learning experience. According to him the most important reason that he survived was that he always kept faith.

After our first encounter in 2013, I stayed in touch with Ernst and our paths kept crossing. What started with a biography for Namen statt Numern in 2013, grew to become so much more. A book, theater play, and exhibition in both the Resistance museum in Amsterdam and the KZ Dachau followed. These experiences gave me the opportunity to meet so many inspiring people and to visit many inspiring places; but most importantly: a true friendship arose between old and young.

It is with great sadness that I heard that my dear friend Ernst had passed away on October 17th in Carpentras, France. Having reached the age of 97, an extraordinary life has come to an end. I am grateful for seven years full of warm encounters, old-fashioned handwritten letters and enjoyable conversations. It makes me smile thinking about all the intriguing stories he shared with me, the optimism with which he faced life and the sense of humor that typified him.

Namen statt Nummern has the power of connecting generations. I will miss our friendship deeply.      

Sydney Weith

 

(30.10.2020; Foto: Marga Tupang; Text: Sydney Weith)

 

Birgitta Unger-Richter übernimmt Schirmherrschaft der Geschichtswerkstatt

Kreisheimatpflegerin Birgitta Unger-Richter übernimmt die Schirmherrschaft der Geschichtswerkstatt im Landkreis Dachau. Die Geschichtswerkstatt arbeitet eng mit dem Gedächtnisbuch zusammen.

Der bisherige Schirmherr, Bezirksheimatpfleger Norbert Göttler, war Mitinitiator der Geschichtswerkstatt. Göttler wirkte sowohl in der ersten Projektphase 2010 bis 2014 in der LEADER-Förderung zum Thema „Nach der Stunde Null – 1945 bis 1949“ als auch in der zweiten Projektphase 2014 bis 2020 zum Thema „Die 50er Jahre- Wirtschaftswunder und Verdrängung“ maßgeblich mit. Bei vielen Ausstellungseröffnungen setzte er mit seinen Grußworten einen Kontext. Ein besonderes Anliegen war ihm das Biografieprojekt mit der Ausstellung zu Georg Scherer in Dachau.

Birgitta Unger-Richter übernimmt nun die Schirmherrschaft und setzt ihre langjährige engagierte Mitarbeit in der Geschichtswerkstatt in dieser neuen Rolle fort. Sie startet derzeit mit der nächsten Projektphase zum Thema “Wandel des Handwerksberufs und des Gewerbes“. Erste Recherchen und Zeitzeugeninterviews laufen bereits unter der Regie von Projektleiterin Annegret Braun. Eine Wanderausstellung ist für Herbst 2021 avisiert.

„Die enge Zusammenarbeit von Heimatpflege und Erwachsenenbildung wird in der Geschichtswerkstatt fortgeführt.“ Darüber freut sich Annerose Stanglmayr, Geschäftsführerin des Dachauer Forum, die sich bei Bezirksheimatpfleger und Kreisheimatpflegerin sehr herzlich bedankt.

(23.10.2020; IS)

Sowohl online als auch vor Ort: Seminare zu Häftlingsschicksalen

Auf Gedächtnisbuchbiographien basieren zwei hybride Seminarangebote des Dachauer Forums, bei denen zwei Onlinetermine einen Gedenkstättenrundgang vor Ort flankieren.

Das erste dieser Seminare beschäftigt sich mit dem Leben und Leiden der Häftlinge des Konzentrationslagers Dachau. Es findet von Freitag, den 13. November 2020 bis Sonntag, den 15. November 2020 statt. Referentinnen sind Karin Schwenke und Brigitte Fiedler. Das Seminar ist kostenlos, eine Anmeldung ist jedoch nötig. Nähere Angaben finden sich im Veranstaltungskalender rechts auf dieser Website.

Einen genaueren Blick auf das Leben und Leiden jüdischer Häftlinge wirft das zweite Seminar. Wieder referieren Brigitte Fiedler und Karin Schwenke. Das Seminar startet am 1. Dezember 2020 und endet am 3. Dezember 2020. Zur Teilnahme am Seminar ist eine Anmeldung nötig. Weitere Einzelheiten entnehmen Sie bitte  dem Veranstaltungskalender.

Beide Seminarangebote sind kostenlos und werden aus Mitteln des Bayerischen Kultusministeriums und des Bezirks Oberbayern gefördert.

(17.10.2020; IS)

 

W-Seminar „Biographisches Schreiben“: Erste Layoutentwürfe liegen vor

Drei Teilnehmende des W-Seminars „Biographisches Schreiben“ am Josef-Effner-Gymnasium in Dachau stellten am Freitag, den 9. Oktober 2020, Layoutentwürfe für ihre Gedächtnisblätter vor.

Anfangs sprach das Seminar über Fragen wie Bildrechte, Bildunterschriften und Bildnachweise, alles Themen, die beim Layouten aktuell werden. Lena Richter, Diana Unger und Peter Frey stellten dann ihre Gedächtnisblattentwürfe über Rudolf, Otto und Theodor Endres sowie Hermann Enzmann der Klasse vor. Es gab viele positive Rückmeldungen von den anderen im Kurs und auch die eine oder andere Nachfrage.

Alfred Ullrich, der Neffe der Endres-Brüder, nahm am Seminar teil. Die Gestaltungsideen fanden viel Beifall. Alle drei Verfasser haben ein Konzept, mit dem sie zentrale Lebensthemen der dargestellten Personen in die Gestaltung einfließen lassen.

Sabine Gerhardus freut sich auf die Fortsetzung der Layoutpräsentation: „Ich bin schon sehr gespannt auf die nächsten Entwürfe, die wir am kommenden Freitag sehen werden. Fast alle Schülerinnen und Schüler haben inzwischen auch einen Textentwurf abgegeben und warten jetzt auf Rückmeldungen. Vielen Dank dafür!“

(13.10.20; Sabine Gerhardus/IS)

Praktikum in der Versöhnungskirche: Gespräch über das Gedächtnisbuch

Ein Gespräch über das Gedächtnisbuch gehörte zum Praktikum, das Karla gerade in der Versöhnungskirche absolviert. Die junge Frau hofft, trotz Corona demnächst als ASF-Freiwillige für ein Jahr ins Ausland gehen zu können.

Diakon Frank Schleicher und Praktikantin Karla

Den Termin am 29. Oktober 2020 nutzten Sabine Gerhardus, die Praktikantin Karla und Frank Schleicher zum Kennenlernen und zum vertieften Austausch über das Gedächtnisbuch. Sabine Gerhardus erläuterte, wie sie selbst zum Gedächtnisbuch gekommen ist und stellte die Arbeit im Gedächtnisbuch vor. Sie sprach über die W-Seminare, das BLLV-Projekt Erinnern, die Geschichtswerkstatt und auch die Arbeit der ASF-Freiwilligen für das Gedächtnisbuch.

Karla meint dazu: „Auch wenn ich im Gegensatz zu den vorherigen Freiwilligen vorläufig nur bis Ende November an der Versöhnungskirche bin und nicht direkt im Gedächtnisbuch mitarbeiten werde, freue ich mich, dass ich erfahren durfte, wie viel neben bloßer Recherche an einem solchen Projekt hängt.“

Einige Recherchetipps nimmt Karla auf alle Fälle für ihre künftige Arbeit mit. Und sie hofft: „Vielleicht kann ich doch bei der einen oder anderen Kleinigkeit mithelfen.“

(4.10.2020; IS)

W-Seminar am Dachauer Ignaz-Taschner-Gymnasium startet

Am Ignaz-Taschner-Gymnasium in Dachau begann am 22. September 2020 ein neues W-Seminar „Namen statt Nummern“ unter der Leitung von Hedi Bäuml.

 

Drei Schüler und zehn Schülerinnen beginnen in den nächsten Monaten die Spurensuche nach den Lebensgeschichten von Häftlingen des KZ Dachau. Dabei werden auch Gedächtnisblätter über jüdische Lehrer oder Lehrerinnen und über Verfolgte aus dem Landkreis Dachau entstehen.

Hedi Bäuml hat bereits 2010 als erste Lehrerin ein W-Seminar mit dem Gedächtnisbuch angeboten – damals, als das G8 ganz neu war. Jetzt freut sie sich darauf, wieder mit ihren Schülerinnen und Schülern Biographien für das Gedächtnisbuch zu recherchieren.

Beim ersten Seminartermin am 22. September 2020 stellten sich alle Schüler vor, einzelne konnten von Groß- oder Urgroßeltern berichten, die die NS-Zeit miterlebt haben. Sabine Gerhardus, die Leiterin des Gedächtnisbuchs, meint zum Start des W-Seminars: „Ich freue mich auf die Zusammenarbeit mit diesem netten und offenen Kurs und hoffe, dass die Corona-Beschränkungen den Schülerinnen und Schülern die Arbeit nicht zu schwer machen – und vor allem, dass alle gesund bleiben! Ich wünsche uns allen ein spannendes Jahr und eine erfolgreiche Spurensuche.“

(26.9.2020; Sabine Gerhardus/IS)

Dachauer Forum: Neues Programm, wie immer mit Gedächtnisbuch

Das Dachauer Forum hat sein umfangreiches Jahresprogramm 2020/21 vorgelegt. Wie immer nimmt das Gedächtnisbuch einen prominenten Platz ein.

Annerose Stanglmayr, Geschäftsführerin des Dachauer Forums und Trägerkreisvertreterin im Gedächtnisbuchprojekt, erläutert das Programm: „Das Dachauer Forum startet in das neue Programmjahr und geht neue Wege. 1.000 Veranstaltungen in Präsenz, digital oder hybrid sind ausgeschrieben. Das Jahresthema lautet „Mut zum Aufbruch in Kirche und Gesellschaft“.

Wer in Ruhe durch das Programm stöbern möchte, findet das Programmheft in allen Banken, Pfarreien und im Dachauer Forum. Das Programm ist auch online und ab Ende September auf der neuen Internetseite des Dachauer Forums zu finden.

(17.9.2020; IS)