Einladung: Präsentation neuer Gedächtnisblätter

Dreizehn neue Gedächtnisblätter präsentieren die ehrenamtlichen Autorinnen und Autoren des Gedächtnisbuchs bei der Jahrespräsentation am 22. März 2020 um 15.30 Uhr in der Kirche im Karmel Heilig Blut in Dachau.

Schülerinnen und Schüler aus Grafing bei der Arbeit an den neuen Gedächtnisblättern

Schüler und Schülerinnen des Max-Mannheimer-Gymnasiums Grafing und weitere Ehrenamtliche des Gedächtnisbuch-Projekts stellen neue Gedächtnisblätter über Häftlinge des KZ Dachau vor: den jüdischen Rabbiner und Religionslehrer Isaak Heilbronn, den jüdischen Jugendlichen Erich Finsches, den Bischof von Clermont-Ferrand (Frankreich), Gabriel Piguet, die Widerstandskämpfer Carla Gastkemper (Niederlande), August Baumann und Karl Watzinger (Deutschland).

Wladimir Dschelali, Peter Perel und Nikolaj Adamtschik wurden als Jugendliche zur Zwangsarbeit nach Deutschland verschleppt. Wolfgang Meier kam mit seinen beiden Söhnen Wolfgang und Martin ins Konzentrationslager, weil sie Pater Augustin Rösch vor der Gestapo versteckt hatten. Am 8. Dezember 1938 starb der jüdische Lehrer Abraham Müller im KZ Dachau.  Der Südtiroler Friedl Volgger wurde verhaftet, weil er sich der Umsiedlungspolitik der Nationalsozialisten widersetzte.

Als Ehrengäste angefragt sind Wladimir Dschelali und Peter Perel.

Weitere Informationen zur Veranstaltung finden sich im Veranstaltungskalender rechts auf dieser Website.

(21.2.2020; SG/IS)

Musik verschiedener Kulturen zum Gedenken an die Befreiung von Auschwitz

Kristina Eremina, Freiwillige von Aktion Sühnezeichen im Gedächtnisbuchprojekt, sang bei einem Konzert anlässlich des 75. Jahrestags der Befreiung von Auschwitz. Hier ihr Bericht.

Am 1. Februar 2020 fand ein Konzert zur Erinnerung an die Befreiung von Ausschwitz im Altarraum der Kirche Peter und Paul in Pfedelbach statt. Grausame Bilder aus Auschwitz, aufgenommen in den Tagen nach der Befreiung des Vernichtungslagers in Polen am 27. Januar 1945, sind im Altarraum der Pfedelbacher Kirche Peter und Paul zu sehen. Abgequälte, ausgemergelte Häftlinge, Leichenberge und die durch das Eingangstor von Auschwitz-Birkenau führenden Eisenbahnschienen wurden zum Symbol des im KZ herrschenden Grauens. Alle diese schrecklichen Szenen haben die sowjetischen Streitkräfte mit der Kamera dokumentiert.

Das Evangelische Jugendwerk Öhringen (EJÖ), das dieses Konzert veranstaltete, wollte damit nicht nur das Andenken an die Opfer gestalten, sondern auch „Frieden in die Welt“ bringen mit Musik aus unterschiedlichen Kulturen. Ich wurde vom Jugendreferenten des EJÖ, Daniel Febel, eingeladen, den Gästen des Abends ein russisches Musikstück darzubieten. Mit Igor Botschkow, einem Freiwillige aus der Jugendbildungsstätte Unterfranken in Würzburg, der mich mit der Gitarre begleitete, bin ich dorthin gefahren.

Ein aus Teelichtern bestehendes Friedenszeichen wird am Anfang der Veranstaltung in der Pfedelbacher Kirche Peter und Paul entzündet. Schöne Musik bringt alle Mitwirkenden des Friedenskonzertes in das Gotteshaus. Stimmen aller Welt verschmelzen im Einklang. Reine Lebensfreude bringt die brasilianische musikalische „Familia“ nach Pfedelbach. Dagegen klingt das Antikriegslied „Sag mir, wo die Blumen sind“ nachdenklich. Durch ein türkisches Lied aus dem 15. Jahrhundert fühlen sich Veranstaltungsbesucher in die Vergangenheit versetzt. Englische Lieder und melancholische Weisen aus Rumänien werden zwischen den Wortbeiträgen zum Gedenken vorgetragen. „Ihr seid nicht dafür verantwortlich, was geschah, aber dass es nicht wieder geschieht, dafür schon.“, erklingt die Stimme der EJÖ-Mitarbeiterin Elisa Kober, die an Max Mannheimers Worte erinnert. Lebenslust spricht aus den iranischen mit der Gitarre gespielten Popsongs und einem Musikstück auf Russisch, das einer der ehemaligen Freiwilligen aus der Ukraine geschrieben hat. Ich trete mit Igor mit dem Lied „Kukuschka“ (Kuckuck) der russischen Musikband „Kino“ auf, das Ende der 1990er Jahre von Viktor Zoji geschrieben worden ist. Mit dem gemeinsamen Singen des Lieds von Reinhard Mey „Über den Wolken“ findet die abendliche Musikveranstaltung ein harmonisches Ende.

Der musikalische Erinnerungsabend bleibt wird lange in unseren Herzen bleiben. Zusammen mit Daniel bereitete ich außerdem einen musikalischen Beitrag für die Präsentation der neuen Gedächtnisblätter am 22. März in der Kirche des Karmel Heilig Blut in Dachau vor. Das Team aus Öhringen und Schüler des Max Mannheimer Gymnasiums Grafing werden das Programm ebenfalls musikalisch begleiten.  Mit Ungeduld warten wir auf das nächste Treffen mit den Musikern aus Öhringen und freuen uns auf die Zusammenarbeit bei der Präsentation der neuen Biografien des Gedächtnisbuchs am 22. März 2020.

(10.2.2020; Text: Kristina Eremina/IS)

 

Ausstellung „Namen statt Nummern“ in Karlstadt

Noch bis zum 7. Februar 2020 ist die Wanderausstellung des Gedächtnisbuchs „Namen statt Nummern“ in der Mittelschule Karlstadt zu sehen.

Zu Beginn der Ausstellung und angesichts des 75jährigen Jahrestags der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz gestalteten die Schüler der Mittelschule eine Gedenkstunde. Symbolische Koffer verwiesen dabei auf das Schicksal der deportierten Menschen. In einer szenischen Lesung zeigten die Schüler den Lebensweg einer jungen Jüdin aus Laudenbach.

Zur Gedenkstunde und noch bis zum 7. Februar vergegenwärtigt die Ausstellung „Namen statt Nummern“ die Lebensläufe von 22 Häftlingen des KZ-Dachau. Die Ausstellung an der Mittelschule Karlstadt am Main kam zustande durch eine Anfrage über Wibke Limmer, die für den Bezirksjugendring Unterfranken
die Regionalkoordination für „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ übernommen hat.

Die Schüler „erkannten, dass es sich bei den Verfolgten nicht ausschließlich um jüdische Menschen, sondern auch um politisch Andersdenkende, unbequeme Künstler und Menschen anderer Ethnien handelte.“, schreibt die Mainpost in einem Artikel über die Gedenkstunde und die Ausstellung.

(6.2.2020; Foto: Josef Grodel, Karlstadt; Text: IS)

 

 

Archivbesuch in Begleitung eines Fernsehteams

Der erste Archivbesuch des W-Seminars am Dachauer Josef-Effner-Gymnasium führte in das Archiv der KZ-Gedenkstätte Dachau. Ein Fernsehteam begleitete die Schülerinnen und Schüler.

Nun geht die Recherche für die 12 Schüler und Schülerinnen am Josef-Effner-Gymnasium Dachau richtig los: Am Montag, den 20. Januar 2020 besuchten drei Schüler und drei Schülerinnen zusammen mit ihrem Lehrer Christoph Triebfürst und Sabine Gerhardus das Archiv der KZ-Gedenkstätte. Der Archivar Andre Scharf hatte Bücher und Archivalien über Richard Titze, Leo Baerwald, Otto Albert Beer, Otto, Rudolf und Theodor Endres und Hermann Enzmann vorbereitet. Über diese Personen werden die Seminarteilnehmer Biographien erstellen. Mit Unterstützung von Sabine Gerhardus und Christoph Triebfürst werteten die Schüler Akten aus und ergänzten die Angaben in ihren Lebenslauf-Dokumenten. Diese „Lebensläufe“ bilden später die Grundlage für die eigentliche Schreibarbeit.

Dieser erste Archivbesuch wurde von einem Fernsehteam von ZDFinfo begleitet. Der Sender bereitet anlässlich des 75. Jahrestages der Befreiung des Konzentrationslagers eine Dokumentation vor. Dieser Film befasst sich mit der Geschichte Dachaus zur NS-Zeit, die dann mit dem heutigen Umgang Dachaus mit dem unbequemen Erbe kontrastiert werden soll. Das Fernsehteam „findet das Gedächtnisbuch-Projekt sehr spannend“ und wird die Arbeit der Schüler und Schülerinnen noch eine Weile begleiten.

(30.1.2020; Sabine Gerhardus/IS)

Grafinger Gymnasium wird zum Max-Mannheimer-Gymnasium

Max-Mannheimer-Gymnasium Grafing heißt das Gymnasium in Grafing ab Januar 2020. Die Schule beging die Umbenennung in einer feierlichen Festveranstaltung. Zum Festakt wurden neue Gedächtnisblätter des gerade zu Ende gehenden W-Seminars ausgestellt.

Zur Festveranstaltung wurden Gedächtnisblätter ausgestellt

Die Projektleiterin des Gedächtnisbuchs, Sabine Gerhardus, besuchte die Veranstaltung und berichtet darüber:

Am Freitag, den 17. Januar 2020 erhielt das Gymnasium Grafing, an dem gerade zum dritten Mal ein W-Seminar Namen statt Nummern zu Ende geht, einen neuen Namen: Max-Mannheimer-Gymnasium Grafing. Auf Anregung einer Gruppe von Schülern und Schülerinnen fand damit die langjährige Zusammenarbeit mit dem Holocaust-Überlebenden Max Mannheimer zwei Jahre nach dessen Tod einen neuen festen Platz im Selbstverständnis der Schule. Auf der würdevollen Feierstunde anlässlich der Namensgebung und der Gebäudeübergabe nach einem Umbau überreichte Kultusminister Michael Piazolo dem Schulleiter Paul Schötz die neue Urkunde.

Paul Schötz begrüßte zahlreiche Ehrengäste aus Politik und Zivilgesellschaft und erzählte, weshalb das Gymnasium Grafing sich Max Mannheimer so verbunden fühlt: Seit dieser im Jahre 1986 zum ersten Mal überhaupt vor Schülern gesprochen habe, sei er in 30 Jahren 32 Mal als Zeitzeuge an der Schule gewesen. Max Mannheimers Werte von Menschlichkeit und Freiheit seien Werte der Schule geworden. Max Mannheimer sei ein Vorbild gewesen, diese Werte auch gegenüber jenen zu vertreten, die Fanatismus verbreiten. Mit den vielzitierten Worten „Ihr seid nicht verantwortlich für das, was war, aber für das, was sein wird, schon!“, habe er den Schülern stets Mut gemacht, sich für diese Werte einzusetzen. Deshalb, so erläuterte der Architekt, der den Umbau durchgeführt hat, Klaus Beslmüller, sei dieser Spruch nun auf einem Spruchband in der Fensterwand der Aula für jeden stets sichtbar. Der Landrat des Landkreises Ebersberg, Robert Niedergesäß, dankte allen Beteiligten  und den Sponsoren im Landkreis und in der Staatsregierung dafür, dass sie fast 9,5 Mio. zur Verfügung gestellt hätten, und dass der Umbau, ohne den laufenden Schulbetrieb zu behindern, im zeitlichen und finanziellen Rahmen durchgeführt wurde.

Der Antisemitismusbeauftragte der Bayerischen Staatsregierung, Ludwig Spänle, sprach Max Mannheimer seine Anerkennung dafür aus, dass er es gewagt hatte, in der noch jungen und von den Tätern geprägten Demokratie der Bundesrepublik sich politisch zu engagieren. Spänle dankte den Schülern und Schülerinnen sowie der Schulleitung für das Aufdecken und den offenen Umgang mit einem antisemitischen Klassenchat. Menschenwürde im Alltag zu verteidigen, sei Kern der Demokratie.

Die Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern, Charlotte Knobloch, sprach mit warmen Worten über ihren Freund Max Mannheimer, der wie sie im Land der Täter eine neue Heimat gefunden hatte. Nur wer sich seiner Heimat verbunden fühle, könne sich auch, wie Max Mannheimer, für sie einsetzen. An die Schüler gewandt, sagte Knobloch: „Seid stolz, seid mutig, und lasst Euch von niemandem vorschreiben, wen Ihr in Zukunft zu lieben oder zu hassen habt!“

Der Bayerische Staatsminister für Unterricht und Kultus, Michael Piazolo, überreichte der Schulleitung die Namensurkunde und appellierte in Anlehnung an Max Mannheimer an die Anwesenden: „Seien wir alle `Reisende in Sachen Humanismus´“.

Anschließend erzählte die Abiturientin Stefanie Thurnhuber in bewegenden Worten, wie sie und ihre Mitschüler Max Mannheimer erlebt hatten: „Ich erinnere mich, wie mich seine Worte 2016 berührt haben. Wie er es uns nicht so schwer machen wollte, wie er uns Mut machte, uns nicht unterkriegen zu lassen, Mut machte zum Widerspruch.“ Thurnhuber erzählte, wie sie anschließend eine Ausstellung über Max Mannheimers Leben machten und überreichte Charlotte Knobloch und Michael Piazolo ein Buch über diese Ausstellung.

Mannheimers Enkelin Judith Faessler dankte zunächst im Namen der Familie der Schule und den Schülern für ihren beherzten Einsatz, den antisemitischen Klassenchat öffentlich zu machen und aufzuarbeiten. Liebevoll erinnerte sie sich an ihren Großvater: Bis zuletzt habe ihn sein Humor nicht verlassen, der es den anderen leichter machen sollte. So habe Max Mannheimer wenige Tage vor seinem Tod seinem Urenkel auf dessen Frage „Uropa, bleibt Dein Bein jetzt für immer gelähmt?“ geantwortet: „Na, Angelotti (Carlo Angelotti, zu dieser Zeit Trainer des FC Bayern München) wird wohl noch eine Weile auf mich warten müssen!“ Lebenslust und Optimismus hätten ihren Großvater ausgezeichnet und ihm wohl auch das Leben gerettet, denn nach der Befreiung aus dem Konzentrationslager hätten die Ärzte ihm prophezeit, dass er wohl nicht älter als 40 Jahre werden würde, so schwer seien die Schäden seiner inneren Organe gewesen. „Er blieb aber kein Opfer! Er bestimmte sein Schicksal selbst!“ Freiheit und Menschlichkeit seien seine unverrückbaren Werte gewesen und diese Werte sollten auch der jungen Generation helfen, sich zu orientieren, denn alle weiteren Werte würden sich unter diesen beiden finden lassen und verhindern, dass man auf Abwege gerate. Max Mannheimer habe diese Werte selbst gelebt und seine Identität selbst innerhalb der Familie nie jemandem aufgedrängt. Er habe auch mit Radikalen gesprochen – und stets sorgfältig darauf geachtet, ihnen keine Plattform zu bieten. Häufig passiere das Gegenteil, viele würden nicht mit den Radikalen sprechen, ihnen aber eine Plattform bieten. „Hier können wir noch viel von ihm lernen!“

Beschlossen wurde die Veranstaltung mit einer Erinnerung an Max Mannheimer durch die Schülersprecher des Gymnasiums, Antonia Thewalt, Valentin Wach und Justus Pehle. Begeistert war das Publikum auch von den Schülern und Schülerinnen, die das Programm musikalisch begleiteten: Timotheus Lass, David Khatchatrian, Paul Hacker und Simone Suski (Klavier), Marie Heuer (Violoncello), Christian Glander, Johannes Lugmayr (Violine), Fabia Vernickel (Trompete) sowie der Bigband des Gymnasiums unter Leitung von Julia Pangerl.

Auch das W-Seminar Namen statt Nummern unter der Leitung von Petra Köpf leistete einen wertvollen Beitrag zur Veranstaltung und zur Erinnerungsarbeit des Max-Mannheimer-Gymnasiums: Die ersten neun neuen Gedächtnisblätter über ehemalige KZ-Häftlingen und jüdische Lehrer aus dem aktuellen Seminar waren an den Glaswänden der Bibliothek ausgestellt.

Im Anschluss an die Reden wurde die neue Stele enthüllt und zu einem Empfang geladen.

 

(22.1.2020; Bericht: Sabine Gerhardus)

Dachauer W-Seminar besucht Gedenkstätte

Das Dachauer W-Seminar „Biographisches Schreiben“ des Josef-Effner-Gymnasiums besichtigte am 14. Dezember 2019  in einem ausführlichen Rundgang die KZ-Gedenkstätte Dachau.

Die Schülerin Diana Unger berichtet darüber:
„Die Führung durch die KZ-Gedenkstätte übernahm unser Lehrer Christoph Triebfürst. Eröffnet wurde das KZ 1933. Während wir wissen, dass es nach 12 Jahren (1945) wieder befreit wurde, wussten die Inhaftierten das nicht. So wurde uns berichtet, dass ein Zeitzeuge sagte: „Für mich war das für immer.“
Wir besuchten eine nachgebaute Baracke, in der man Bilder sehen konnte, die entweder von der SS oder den Alliierten gemacht wurden, so dass man diese immer hinterfragen muss. Eines der Bilder, das von der SS gemacht worden war, zeigte einen Schlafraum, der unglaubwürdig ordentlich ist. An dieser Stelle stellt sich die Frage, ob dieses Bild aus Propagandagründen gemacht wurde oder es wahr ist. Aufgrund von Aussagen Überlebender konnten wir diese Frage beantworten.
Denn dieses Bild entspricht der Wahrheit. In dem Konzentrationslager Dachau wurde Terror durch Ordnung ausgeübt, denn es gab viel zu strenge Ordnungsregeln, die eigentlich unmöglich einhaltbar waren. Wenn sie nicht eingehalten wurden, bestrafte man die Häftlinge zum Beispiel mit Bockoder BaumNach solchen Strafen war man oft „arbeitsuntauglich“. „Arbeitsuntauglichkeit“ konnte im Konzentrationslager den Tod bedeuten.“

Auch an verschiedenen anderen Orten wurde das Geschehen im nationalsozialistischem Konzentrationslager thematisiert: unter anderem auf dem Appellplatz und im Krematoriumsbereich. Das W-Seminar sprach während des Rundgangs auch über sogenannte wehrwissenschaftlichen Zweckforschungen wie die Kälte- und Malaria-Versuche an Menschen.

Diana kommt zu folgendem Resümée: „Durch diesen Besuch ist es mir umso wichtiger geworden, meine Biografie über die Brüder aus der Gruppe der Sinti und Roma zu schreiben, da ich nun mehr über ihr Leben in dieser Zeit weiß und ihnen den Respekt geben möchte, den sie damals nicht bekommen haben.“

(9.1.2020; Foto: Kristina Ermina)

 

 

 

Rückblick auf 2019

Zum Jahresende ein Rückblick auf das vergangene Jahr 2019 im Gedächtnisbuchprojekt. Ausstellungen, neue Gedächtnisblätter, eine Fülle an Veranstaltungen – das alles brachte das letzte Jahr.

 

Einen Höhepunkt des Jahres 2019 stellte die Ausstellung zu Georg Scherer in Dachau dar. Vielen Dachauern wurde in der Ausstellung und durch das umfangreiche Begleitprogramm vergegenwärtigt, welche Persönlichkeit hinter dem in der Stadt immer noch bekannten Namen steckte: Georg Scherer war Widerstandskämpfer, Kommunalpolitiker und aktiver Sportfunktionär.

Beim „Tag der Erinnerung“ beieindruckte Aleida Assmann durch ihren Vortrag über die Erinnerungskultur vom Ersten Weltkrieg bis heute. Projektleiterin Sabine Gerhadus stellte im Rahmen der Veranstaltung das Gedächtnisbuch als partizipatives Erinnerungsprojekt vor.

Bei der 20. Jahrespräsentation des Gedächtnisbuchs am 22. März 2019 präsentierten die Autorinnen und Autoren zehn neue Gedächtnisblätter. Ausnahmsweise fanden sich keine Schülerinnen und Schüler unter den Referenten, denn die Grafinger W-Seminar-Teilnehmer steckten im März noch mitten in ihrer Recherche. Sie werden ihre Ergebnisse bei der Präsentation 2020 präsentieren. Ebenfalls an ihrem Gedächtnisblatt schreibt in den Niederlanden die Schülerin Anouk van Zandbergen an der Lebensgeschichte von Carla Warners-Gastkemper.

Auch die Arbeit an den Gedächtnisblättern für 2021 hat schon begonnen. Das Thema „Biographisches Schreiben“ leitet das entsprechende W-Seminar am Dachauer Josef-Effner-Gymnasium. Seit September 2019 arbeiten die Schülerinnen und Schüler an den neuen Biographien für übernächstes Jahr.

Interessierte Besucher fand die Wanderausstellung des Gedächtnisbuchs an der Universität Pittsburgh, in Fellbach, München, Erlangen, Fulda, Dachau und Landshut.

Das Gedächtnisbuchprojekt bedankt sich sehr herzlich bei allen Mitwirkenden! Wir wünschen allen Leserinnen und Lesern ein schönes und erfülltes neues Jahr 2020.

(31.12.2019; IS)

 

Kaumheimer-Krug wieder in Familienbesitz

Durch einen Artikel in diesem Blog fand der „Studentenkrug“ des aus München vertriebenen Kinderarzts Ludwig Kaumheimer zurück in Familienbesitz. Tom Nowotny hatte die Biographie Kaumheimers für das Gedächtnisbuch geschrieben und nicht nur in Dachau, sondern auch auf einer Veranstaltung in München vorgestellt.

Tom Nowotny, selbst als Kinderarzt tätig, schreibt uns:

„Ludwig Kaumheimer war der Kinderarzt meiner Mutter, deshalb habe ich seine Biografie erforscht.
https://www.gedaechtnisbuch.org/ludwig-kaumheimer-in-muenc…/
Über diesen Link fand mich ein Sammler, der einen Bierkrug erworben hatte, reich verziert mit dem Wappen der jüdischen Studentenverbindung „Licaria“, den Ludwig Kaumheimer 1901 geschenkt bekam. Wie der „Studentenkrug“ in den Besitz des Mannes kam, aus dessen Nachlass er erworben wurde, ist nicht mehr nachvollziehbar.
Ich kaufte den Bierkrug für Kaumheimers Familie und gab ihn an Stephen Kay weiter, der mit seiner Familie München besuchte. Ein bewegender Moment!“

Das Gedächtnisblatt zu Ludwig Kaumheimer findet sich hier:
https://www.gedaechtnisbuch.org/gedaechtnisblaetter/?f=K&gb=4085

(21.12.2019; IS)

 

Dachauer W-Seminar informiert sich im Staatsarchiv

Am 18. November 2019 haben die fünf Schüler und sieben Schülerinnen des Josef-Effner-Gymnasium Dachau das Staatsarchiv München besucht. Kristina Eremina, Freiwillige von Aktion Sühnezeichen Friedensdienste im Gedächtnisbuchprojekt, berichtet darüber.

Den außergewöhnlichen Ausflug machten die engagierten neuen Autorinnen und Autoren im Rahmen des W-Seminars „Biographisches Schreiben“, das in Kooperation mit dem Gedächtnisbuch und dem Projekt Erinnern des BLLV durchgeführt wird. Betreut wird das Seminar von Deutschlehrer Christoph Triebfürst und Projektleiterin Sabine Gerhardus.

Spezial für die zukünftigen Geschichtsforscher hat Robert Bierschneider vom Staatsarchiv in München in einem Referat die Schwerpunkte und Feinheiten der Archivarbeit erläutert und den Schülern nützliche Ratschläge mit auf den Weg gegeben. Der Schwerpunkt lag auf den Fragen: Wie gehe ich ins Staatsarchiv? Wie stelle ich meine Anfrage an das Staatsarchiv München? Wie kann ich die Quellen erhalten und darf ich überhaupt die mir benötigenden Materialien für die Recherche verwenden? Am Ende des Vortrages stellten einige Seminarteilnehmer noch zusätzliche Frage zur Informationsnutzung und zu Datenschutzfragen an den Referenten.

Alle Vorlesungsteilnehmer kamen am Ende der Führung zu dem Schluss, dass die Infos sehr hilfreich waren. Sie dankten Robert Bierschneider herzlich.

Da die Seminarteilnehmerinnen und -teilnehmer nun viel methodischen Input erhalten haben und ganz bestimmt gut gerüstet sind, wünschen wir ihnen viel Erfolg und schöne Fortschritte in ihrer Recherchearbeit und sind auf das Ergebnis schon sehr gespannt!

(12.12.19; Foto: Paul Canneva, Text: Kristina Eremina)