Digitale Seminarreihen des Dachauer Forums

Engen Bezug zur Geschichte des Konzentrationslagers Dachau und zum Gedächtnisbuch bieten die aktuellen termingebundenen digitalen Seminarreihen des Dachauer Forums. Im Schwerpunkt stehen die Themen Antisemitismus, Identität und nationale Geschichte(n), Glaube in der Diktatur und jüdische Häftlingsschicksale.

Klaus Schultz, lange Zeit Trägerkreismitglied, ist einer der Referenten im Seminar Glaube in der Diktatur

Alle Veranstaltungen sind gebührenfrei und finden per Zoom statt. Ein Zugangslink wird nach der Anmeldung vom Veranstalter verschickt. Weitere Informationen finden Sie im Veranstaltungskalender rechts auf dieser Website.

Im März 2021 starten noch folgende Digitalseminare:

Antisemitismus – Geschichte und Gegenwart judenfeindlicher Vorurteile und Gewalt

Start: Donnerstag, 4. März 2021

https://www.dachauer-forum.de/veranstaltung/antisemitismus-seminar

MEINE Geschichte? – Identität und nationale Geschichte(n) in der Migrationsgesellschaft

Start: Freitag, 5. März 2021

https://www.dachauer-forum.de/veranstaltung/meine-geschichte

Glaube in der Diktatur – Religion und Kirche im Nationalsozialismus

Start: Mittwoch, 10.3.2021

https://www.dachauer-forum.de/veranstaltung/glaube-in-der-diktatur-erweiteter-rundgang

Jüdische Häftlingsschicksale – Leben und Leiden jüdischer Gefangener im KZ Dachau

Start: Freitag, 12. März 2021

https://www.dachauer-forum.de/veranstaltung/juedische-haeftlingsschicksale

(3.3.21; IS)

 

Kürzungen in der Versöhnungskirche gehen an unsere Substanz

Die evangelische Kirche plant massive Kürzungen an der Versöhnungskirche in Dachau. Das Gedächtnisbuch ist auf diesen wichtigen Projektträger angewiesen. Im Folgenden eine Erklärung des Trägerkreises des Gedächtnisbuchs.

Sabine Gerhardus, Projektleiterin Gedächtnisbuch

Erklärung zu den geplanten Kürzungen an der Versöhungskirche

Die evangelische Kirche plant massive Kürzungen an der Versöhnungskirche in Dachau. Das Gedächtnisbuch ist auf Initiative der Versöhnungskirche entstanden und seither auf diesen wichtigen Projektträger angewiesen. Dachauer Forum und Gedächtnisbuch appellieren an die Synode der EKD und an die Evangelisch-Lutherische Kirche in Bayern, die geplanten Kürzungen zurückzunehmen.

In den letzten Tagen wurde bekannt, dass die Evangelische Kirche Deutschland und die Evangelisch-Lutherische Kirche in Bayern massive Kürzungen an der Versöhnungskirche planen. Die geplanten Veränderungen bedeuten nach derzeitigem Sachstand einen Wegfall der Stelle des Diakons, derzeit durch Trägerkreismitglied Frank Schleicher besetzt, die Kündigung der Mietwohnung für die Freiwilligen von Aktion Sühnezeichen Friedensdienste und eine empfindliche Kürzung der Sachmittel.

„Diese Kürzungen gehen an die Substanz des Gedächtnisbuchs.“, sagt Projektleiterin Sabine Gerhardus. „Die Versöhnungskirche ist einer unserer wichtigsten Träger. Das Gedächtnisbuch ist stets mit knappen Mitteln unterwegs, die finanziellen Beiträge der Träger zum Projekthaushalt sind essentiell. Wir befürchten, dass sich die Kürzungspläne massiv auf die Finanzierung des Gedächtnisbuch-Projekts auswirken und unsere Projektarbeit gefährden werden. Auch die Mitarbeit der Freiwilligen von Aktion Sühnezeichen Friedensdienste sichert einen wichtigen Teil unserer Projektarbeit.“ Ein Wegfall der Mietwohnung für die beiden Freiwilligen von Aktion Sühnezeichen Friedensdienste und die Streichung der Diakon-Stelle gefährden den Freiwilligendienst von Aktion Sühnezeichen in Dachau insgesamt.

Im Projekt Gedächtnisbuch recherchieren und erstellen Ehrenamtliche, darunter auch zahlreiche Schüler*innen, Biographien von Häftlingen des KZ Dachau. Das Projekt bindet so die Zivilgesellschaft in den Erhalt der Erinnerung an die Lebensgeschichten der ehemaligen Häftlinge ein. Durch dieses pädagogische Angebot leistet das Projekt einen wichtigen Beitrag zur politischen Bildung, die – nicht nur von der Politik – in der derzeit sich verschärfenden gesellschaftspolitischen Auseinandersetzung stets gefordert wird. Diese Investition des Projekts Gedächtnisbuch in die demokratische Entwicklung unserer Gesellschaft kann sicher nicht mehr im derzeitigen Umfang weitergeführt werden, wenn die Sparpläne der evangelischen Kirche umgesetzt werden.

„Ich mag mir gar nicht vorstellen, was passiert, wenn die Stelle des Diakons in der Versöhnungskirche gestrichen wird.“, sagt Sabine Gerhardus. „Die Kürzungen an der Versöhnungskirche würden einen großen Rückschlag für die gesamte Erinnerungsarbeit bedeuten. Gerade in einer Zeit, in der rechtsextreme Einflüsse in vielen Bereichen der Gesellschaft spürbar werden, sind Projekte wie das Gedächtnisbuch und die Aufklärungs- und Erinnerungsarbeit an der Versöhnungskirche extrem wichtig. Insbesondere, weil die Zeitzeugen nicht mehr selbst zu den jungen Menschen sprechen können. Da finde ich es eine fatale Entscheidung, wenn die Stimme der Versöhnungskirche jetzt leiser werden soll.“

Sabine Gerhardus, Projektleiterin, für den Trägerkreis des Gedächtnisbuchs

 

Weitere Informationen zum Trägerkreis

Trägerkreis

(26.2.2020)

Zum Tod von Tonny Geeldhoed-Peeters

Tonny Geeldhoed-Peeters, die Tochter des niederländischen Widerstandskämpfers Nico Peeters, ist im Alter von 94 Jahren gestorben. Joshua Stom hat 2014 mit ihr gesprochen, als er mit einem Mitschüler ein Gedächtnisblatt über Nico Peeters schrieb. Nun erinnert er sich an diese Begegnungen.

Niederländische Fassung / Tekst in het Nederlands

Joshua Stom schreibt:

Im Oktober 2014 traf ich Tonny Geeldhoed-Peeters zum ersten Mal. Zusammen mit einem Klassenkameraden beteiligte ich mich am Projekt „Namen statt Nummern“. Tonny erzählte ihre eindrucksvolle Lebensgeschichte bei sich zuhause. Sie bewirkte damit, dass sich ein Schüler dauerhaft den Krieg zu Herzen nahm, und zwar genau so, wie es Tony wichtig war.

Tonnys Geschichte ist unlösbar verbunden mit der ihres Vaters, des Widerstandskämpfers Nico Peeters. 1942 wurde Nico von den Deutschen verhaftet, weil er eine Schreibmaschine besaß. Über die Lager Amersfoort und Vught kam Nico in das Konzentrationslager Dachau, wo er schließlich 1945 ums Leben kam, zwei Monate vor der Befreiung des Lagers durch die Amerikaner. Tony bewahrte schöne Erinnerungen an ihren Vater, der seiner Familie viel Zuwendung entgegengebracht hatte. Die Familie vertraute darauf, dass Nico wieder nach Hause kommen würde. Sein Tod bedeutete einen entsetzlichen Schock.

Die Lebenskraft, die Tonny mit ihrer Geschichte aufzeigte, war inspirierend. So hielt Nicos Verhaftung die Familie nicht davon ab, weiter Widerstand zu leisten. Im Gegenteil. Die Familie versteckte sogar noch mehr Menschen in ihrem Haus. Natürlich wurde durch den Tod von Nico die Befreiung zu einer Zeit gemischter Gefühle, aber Tonny erklärte, dass das Leben trotzdem weiterging.

Nach unserem Gespräch begegnete ich Tony in der Amsterdamer Nassau-Kirche bei der Ausstellung „Namen statt Nummern“. Begegnungen wie diese zeigten, wie Tonny Schülern die Möglichkeit gab, das Gedenken an den Zweiten Weltkrieg auch emotional zu bewahren. Sie fand es wichtig, dass nicht nur ihre eigene Generation an den Krieg erinnerte, sondern auch die Jugend sollte verstehen, dass ein Leben in Freiheit nicht selbstverständlich ist. Mit ihrer Geschichte trug sie hierzu wesentlich bei. Tonny bewirkte bei mir etwas, was eine Geschichtsstunde in der Schule so gut wie nicht erreichen kann. Durch die Emotionalität ihrer Geschichte rückte der Krieg unglaublich nah. So bekam ihre Botschaft eine nachdrückliche Bedeutung und ihre Zuhörer machten sie sich zu eigen.

Hierfür bin ich Tonny und „Namen statt Nummern“ unendlich dankbar.

Link zum Gedächtnisblatt über Nico Peeters

 

Tekst van Joshua Stom in het Nederlands

In oktober 2014 ontmoette ik Tonny Geelhoed-Peeters voor het eerst. Samen met een klasgenoot maakte ik deel uit van het project Namen statt Nummers. Tonny vertelde haar indrukkenwekkende levensverhaal bij haar thuis. Ze zou voorgoed de emotie van een jonge scholier binden aan de oorlog, precies zoals Tonny dat belangrijk vond.

Tonny’s verhaal is onlosmakelijk verbonden met dat van haar vader, verzetsman Nico Peeters. In 1942 werd Nico door de Duitsers gearresteerd voor het bezit van een typmachine. Via kamp Amersfoort en kamp Vught kwam Nico terecht in kamp Dachau, waar hij uiteindelijk zou komen te overlijden in 1945, twee maanden voor de bevrijding van het kamp door de Amerikanen. Tonny koesterde mooie herinneringen aan haar vader die veel aandacht had voor zijn gezin. De familie hield hoop dat Nico weer thuis zou komen. Zijn overlijden kwam dan ook als een vreselijke schok.

De veerkracht die Tonny toonde in haar verhaal was inspirerend. Zo weerhield de arrestatie van Nico het gezin er niet van om verzetswerk te blijven verrichten. Integendeel. Het gezin nam zelfs nog meer onderduikers in huis. Natuurlijk maakte het overlijden van Nico de bevrijding tot een periode van gemixte gevoelens, maar Tonny verklaarde dat het leven toch doorging.

Na ons gesprek ontmoette ik Tonny in de Amsterdamse Nassaukerk voor de tentoonstelling van Namen statt Nummern. Ontmoetingen als deze bevestigde hoe Tonny scholieren de kans bood om een emotionele bindtenis aan te gaan met de Tweede Wereldoorlog. Ze vond het belangrijk dat niet alleen haar eigen generatie de oorlog herdenkt, maar ook dat de jeugd beseft dat in vrijheid leven niet vanzelfsprekend is. Haar verhaal leverde hieraan een essentiële bijdrage. Tonny deed iets bij mij wat een geschiedenisles op de middelbare school maar moeilijk kan bewerkstelligen. Door de emotie van haar verhaal kwam de oorlog heel dichtbij. Zo kreeg haar boodschap echt betekenis en maakte je je die eigen.

Hiervoor ben ik Tonny en Namen statt Nummern eeuwig dankbaar.

Joshua Stom

Link naar de biografie over Nico Peters

(19.2.21; Text: Joshua Stom, Übersetzung: Irene Stuiber; IS)

 

Spannende Fährtensuche

Peter Frey hat als Teilnehmer des W-Seminars „Biographisches Schreiben“ am Dachauer Josef-Effner-Gymnasium seine Erfahrungen mit der Projektarbeit zusammengefasst.

Nicht ganz einfach ließ sich durch die Corona-Einschränkungen die Recherche der Lebensgeschichte von Hermann Enzmann an, die sich Peter Frey vorgenommen hatte. In seiner Seminararbeit fasst der Autor zusammen, wie er die Arbeit am Gedächtnisblatt erlebt hat und welches Fazit er daraus zieht:

„Das größte Problem war vor allem das Scheitern der Archivrecherche im heutigen Tschechien, das allerdings zum Teil durch die umfangreiche Dokumentensammlung der Familie Enzmann, die mir zur Verfügung gestellt wurde, ausgeglichen werden konnte. Von unschätzbarem Wert war dabei, dass sich mir die Gelegenheit bot, mit einem Angehörigen des Hermann Enzmann ein Interview aufnehmen zu dürfen, da dieser als Quelle mehr bieten konnte als alle anderen zusammen: einen persönlichen Einblick in das Leben des Hermann Enzmann. Interessant war dabei stets Neues zu entdecken, als „Fährtensucher“ Quellenbestände aufzusuchen, Material zu sammeln, Quellen zu erstellen, Entwürfe zu kreieren und wieder zu verwerfen.“

„Für mich steht die Lebensgeschichte des Hermann Enzmann sinnbildlich dafür, dass es auch in der finstersten Epoche deutscher Geschichte Menschen gab, die für moralisches Recht, Freiheit und ihre innersten Überzeugungen eintraten. Die Erinnerung an deren Lebensgeschichten soll ein Wegweiser für die Zukunft sein. Eine Lehre, die uns zeigt, dass es wichtig ist, für die eigenen Überzeugungen einzutreten, auch wenn dies Konsequenzen für die eigene Person haben könnte.“

Peter Frey wird sein Gedächtnisblatt über Hermann Enzmann bei der Video-Projektpräsentation am 22. März 2021 vorstellen.

(14.2.21; IS)

Arbeit an Gedächtnisblättern unter schwierigen Bedingungen

Unter coronabedingt schwierigen Bedingungen haben die Schülerinnen und Schüler des W-Seminars am Dachauer Ignaz-Taschner-Gymnasium mit der Arbeit an den Biographien begonnen. Ein großes Problem: die Nichtzugänglichkeit wichtiger Archive.

Projektleiterin Sabine Gerhardus schreibt uns, wie die Arbeit an den Gedächtnisblättern trotzdem voran geht:

„Unter erschwerten Bedingungen, aber nichtsdestotrotz mit fast ungebremster Motivation haben die Schüler*innen des W-Seminars „Namen statt Nummern“ am Ignaz-Taschner-Gymnasium Dachau mit ihren Recherchen begonnen.

Obwohl die Archive geschlossen sind und einige sehr lange Wartezeiten mitgeteilt haben, haben manche der jungen Forscher*innen schon Dokumente zugeschickt bekommen. Vor den Weihnachtsferien konnte die Einführung in die Recherchearbeit weitgehend abgeschlossen werden.

Das haben wir Interviewtraining vorgezogen, damit die Schüler*innen Angehörige kontaktieren können. Leider hat es nicht mehr geklappt, die Gesprächsführung im Präsenzunterricht zu üben – Quarantäne in der letzten Woche vor den Ferien! Im Online-Unterricht konnten zumindest noch Fragen zur Gesprächsführung oder Transkription besprochen werden.

Seit den Ferien sind ja alle Schulen im Distanzunterricht, die Schüler*innen haben Referate über die Geschichte des KZ Dachau auf Grundlage der Materialien in ihrem Werkstattordner gehalten und daneben verschiedene Archive angeschrieben. Nun drücken wir die Daumen, dass sie Quellen zugeschickt bekommen können und dass die Lebensgeschichten trotz der nicht einfachen Recherche um immer mehr Puzzleteile ergänzt werden können!“

(7.2.21; Foto und Text: Sabine Gerhardus)

Ausstellung in Bielefeld: Feedback von Schülerinnen und Schülern

Die Wanderausstellung „Namen statt Nummern“ wurde vom 2. November bis zum 14. Dezember 2020 im Foyer der Hans-Ehrenberg-Schule in Bielefeld-Sennestadt gezeigt. Nun hat uns eine Lehrerin Rückmeldungen von Schülerinnen und Schülern geschickt.

Marie-Luise Hußmann, Lehrerin an der Hans-Ehrenberg-Schule, schreibt dazu:

Die Ausstellung wurde im Foyer der Schule gezeigt und in unterschiedlichen Lerngruppen und Fächern unterrichtlich eingebunden. Schülerinnen und Schüler aus der Jahrgangsstufe 9 reflektierten die Arbeit mit der Ausstellung und den dazugehörigen Biografien folgendermaßen:

„Ich finde die verschiedenen Biografien sehr gut aufbereitet und eindrucksvoll gestaltet.“

„Die Arbeit an der Ausstellung hat mir nochmal viel mehr gezeigt, dass wir alles dafür tun müssen, dass so etwas auf gar keinen Fall nochmal passiert. Außerdem hat es mich diesmal noch mehr berührt, da man die Menschen, die dort inhaftiert waren, „kennengelernt“ hat.“

„Ich finde die Ausstellung sehr interessant, weil viele Perspektiven auf die Zeit des Zweiten Weltkriegs darin gezeigt werden. […] Manche Geschichten von leidenden Menschen waren sehr grausam. Darum denke ich, dass die Absicht dieser Ausstellung hauptsächlich ist, dass man sich in die Personen hineinversetzen kann.“

„Die Absicht hinter dieser Ausstellung ist, dass wir uns immer daran erinnern und so etwas nie vergessen dürfen […] Anhand dieser Ausstellung sollen die Leute die Einzelschicksale näher kennenlernen.“

„Die Ausstellung macht klar, wie schwierig es in der Zeit war, zu leben und wie schlimm es den Häftlingen im Lager erging. Dies spiegeln die Biografien wider. […] Die Biografien wirken sehr spannend auf mich und bringen mich vor allem zum Nachdenken.“

(30.1.2021; IS)

 

Trägerkreis entscheidet sich für digitale Jahrespräsentation

Die nächste Jahrespräsentation des Gedächtnisbuchs wird am 22. März 2021 digital stattfinden. Diesen Beschluss fasste der Trägerkreis bei seiner letzten Sitzung.

Screenshot vom Trägerkreistreffen

Am 22. März 2021 wird eine digitale Präsentation der neuen Gedächtnisblätter im Internet abrufbar sein. In diesem Video stellen Schülerinnen und Schüler des Dachauer Josef-Effner-Gymnasiums ihre Gedächtnisblätter vor, die sie im W-Seminar „Biographisches Schreiben“ unter Leitung von Christoph Triebfürst erarbeitet haben. Dazu kommen einzelne Arbeiten aus dem vorhergehenden Jahr.

Für den 25. Oktober 2021 hofft der Trägerkreis auf eine Präsenzveranstaltung. Auch die Sitzung des Trägerkreises konnte nur digital stattfinden.

(23.1.2021; IS)

Spurensuche in der Familie

Jörg Watzinger beschäftigt sich eingehend mit der Geschichte seiner Familie. Sein Vater erlitt als Sozialist Gefängnis und Konzentrationslager, sein Onkel dagegen war überzeugter Anhänger der Nationalsozialisten. Darüber gibt es einen Kurzfilm der ARD.

Jörg Watzinger mit einem Foto seines Vaters

Jörg Watzinger unterstützte Benedikt Leonard, Schüler am Max-Mannheimer-Gymnasium in Grafing, intensiv bei der Erforschung der Lebensgeschichte Karl Otto Watzingers, seines Vaters. Das dabei entstandene Gedächtnisblatt ist hier auf unserer Website zu sehen:

Gedächtnisblatt Karl Otto Watzinger

Er selbst ist auch in einem anderen Zusammenhang tief in die Familiengeschichte eingetaucht und hat sich mit dem Leben eines Onkels beschäftigt, der überzeugter Nazi war. Die ARD hat dazu einen kurzen Film als Magazinbeitrag erstellt. In der ARD-Mediathek ist er abrufbar:

Zum Film in der ARD-Mediathek

(18.1.2021; Foto: Jörg Watzinger; IS)

Am wichtigsten: der Kontakt zur Familie

Was bedeutet die biographische Recherche für die Schülerinnen und Schüler, die ein Gedächtnisblatt erarbeiten? Theresa Ziegler hat darüber in ihrer Seminararbeit geschrieben.

Die Schülerin Theresa Ziegler recherchierte als Teilnehmerin am W-Seminar  „Biographisches Schreiben“ am Josef-Effner-Gymnasium in Dachau das Leben der beiden Brüder Arthur Asur und Abraham Berlinger. Sie schreibt dazu:

„Es ist wichtig, über die grausamen Geschehnisse in der Zeit des Nationalsozialismus zu sprechen. Es ist wichtig, der unschuldigen Männern, Frauen und Kindern zu gedenken, welche in dieser ‘unmenschlichen’ Zeit ihren Alltag, ihre Familie und zuletzt ihr Leben verloren haben. Eben aus dieser dunklen Vergangenheit müssen wir lernen und mit Erinnerungsprojekten die verstorbenen Menschen in unseren Herzen weiterleben lassen.

So ein Erinnerungsprojekt ist das Gedächtnisbuch für die Häftlinge des KZ Dachau. Die Teilnahme an dieser ehrenamtlichen Arbeit hat mir viel bedeutet. Durch viele Telefonate, Literatursuche und Besuche in unterschiedlichen Archiven konnte ich immer mehr über das Leben und das Schicksal zweier Brüder, Abraham und Arthur Berlinger, erfahren.

Je mehr Quellen ich fand, desto interessanter, aber auch berührender wurde meine Recherche. Man begann den Menschen kennenzulernen und gern zu haben.  Am Ende das Gedächtnisblatt zu Ehren eines besonderen Menschen in Händen zu halten, ist ein besonderes Gefühl.

Was mir am meisten bedeutet hat, war der Kontakt zur Familie von Arthur Berlinger. Nur durch Zufall bin ich auf die Adresse der Tochter gestoßen und schrieb einen Brief an sie. Wenige Wochen später erhielt ich eine herzliche Antwort ihres Enkels. Er schrieb mir, dass er und seine Familie mich unterstützen wollen, wo sie können. Nach vielen Stunden der Quellenauswertung wurde mir besonders durch den Kontakt zur Familie bewusst, wie wichtig es ist, sich mit der Vergangenheit zu beschäftigen und sich für eine bessere Zukunft einzusetzen.

Es ist fundamental, dass jeder Mensch egal welcher Religion oder Staatsangehörigkeit dasselbe Recht auf ein friedliches und erfülltes Leben hat. Die jüdische Bevölkerung sollte heutzutage ihren jüdischen Glauben nicht verstecken müssen, sondern selbstbewusst ihre Identität leben können.“