„Aber Geschichte, des hod mi immer intressiert“ – Ein Interview mit Maria Kirchhuber

maria_kirchhuber1_blog_ws
Maria Kirchhuber

Im Januar lernte ich bei der Ausstellungseröffnung „Das Lager und der Landkreis“  in Odelzhausen Hedwig Grünwald kennen, und im März in Altomünster Maria Kirchhuber, die beiden Nichten von Paul Lachawietz, der  4 Jahre im KZ-Dachau inhaftiert war. Später arbeitete der aus Schlesien stammende Pfarrer als Kaplan in Altomünster und als Pfarrer in Sittenbach.
Durch die Begegnung mit den beiden Frauen, die noch viel von ihrem Onkel erzählen können und den vielen Dokumenten, wie Tagebücher, Briefe und Bilder, die sie mir zur Verfügung stellten, wurde mein Interesse an der Geschichte der Familie Lachawietz wieder neu geweckt.  So war es für mich eine große Ehre, am 13.09 2015 mit Maria Kirchhuber ein Interview über die Geschichte ihrer Familie führen zu können.
Maria Kirchhuber ist selber sehr an Geschichte interessiert und eine unglaublich gute Erzählerin. Es liegt ihr am Herzen, die Geschichte ihrer Familie weiterzugeben, damit die jungen Leute aus der Geschichte lernen und sich die Fehler der Vergangenheit nicht wiederholen. Gerade die aktuelle Flüchtlingskrise bewegt sie sehr, wie sie mir vor dem Interview erzählte, denn auch ihre Großeltern mussten aus ihrer Heimat fliehen. So verließen die Großeltern das Bauerngut, das seit über 200 Jahren in Familienbesitz war und der Großvater musste im Alter von 63 Jahren eine Stelle als Bauernknecht annehmen, um seiner Familie eine neue Existenz aufzubauen.
Eine Geschichte, die sie mir erzählt hat, ist mir besonders im Gedächtnis geblieben. Ihr Vater Franz Lachawietz, war mehrere Jahre in russischer Gefangenschaft. An einem Weihnachten, an das Jahr kann sie sich nicht mehr erinnern, bekamen die Gefangenen nichts zu essen, da nicht gearbeitet wurde und er und seine Mithäftlinge waren sich sicher, dass sie über die Feiertage verhungern würden. In dieser Not kam eine kleine alte Frau, die ihnen über den Zaun warme Pellkartoffeln zuwarf. Diese Pellkartoffeln retteten ihnen das Leben, erzählte ihr Vater. Im Gedenken an dieses Weihnachten, an dem der Vater beinahe verhungert wäre, wurde von der Familie jedes Weihnachten, bevor es das gute Essen gab, immer eine Scheibe trockenes Brot gegessen.
Die Biographie von Paul Lachawietz wird zusammen mit anderen Biographien von ehemaligen KZ-Häftlingen zwischen 12. Oktober und 20. November 2015 im Landratsamt in Dachau in der Ausstellung „Das Lager und der Landkreis“ gezeigt.

(Text: Annalena Elsner)

Schwerpunkt: Jüdische Lehrer in Oberfranken – Start W-Seminar Bamberg

Mit Beginn des neuen Schuljahres startete das W-Seminar unter Leitung von Daniel Wächter am Bamberger Eichendorff-Gymnasium.

Hisilicon K3
Teilnehmerinnen des Bamberger Seminars

Die Schülerinnen recherchieren vor allem zu jüdischen Lehrern aus Oberfranken. Am Donnerstag, den 24. September, stellte Sabine Gerhardus den groben Zeitplan des Seminars vor und teilte die Werkstattordner aus. Fragen der Teilnehmerinnen drehten sich vor allem ums Thema Archivarbeit. Viel Erfolg bei der Recherche!

Schwerpunkt Freising – Seminarstart am Camerloher Gymnasium

Mit Verfolgten aus Freising und Umgebung beschäftigt sich das aktuelle W-Seminar am Freisinger Camerloher Gymnasium schwerpunktmäßig.

Hisilicon K3
W-Seminar in Freising

13 Schülerinnen und 1 Schüler haben am 18.9.2015 unter der Leitung von Geschichtslehrer Andreas Decker mit der Arbeit begonnen. Sabine Gerhardus stellte erste Namen von Verfolgten vor und gab die Werkstattordner aus. Nächste Woche wird Andreas Decker über die Geschichte Freisings während der NS-Zeit informieren.

Große Presseresonanz in den Niederlanden

Erfreulich große Presseresonanz findet das Gedächtnisbuchprojekt in den Niederlanden – nicht zuletzt wegen der großen Ausstellung im Amsterdamer Widerstandsmuseum.

Zeitungsartikel aus den Niederlanden
Clippings aus den Niederlanden

Von Jos Sinnema haben wir einen ganzen Stapel Zeitungsausschnitte erhalten. Damit wir auch verstehen, was die Niederländer so schreiben, hat Jos den Inhalt auf Post-Its zusammengefasst.

Herzlich willkommen, Agco und Maurycy!

Der erste Arbeitstag für unsere neuen Teammitglieder: Jede Menge neue Gesichter und Informationen gab es am 16.9.2015 für die neuen Freiwilligen im Gedächtnisbuchprojekt.

V.l.n.r.: Agco, Projektleiterin Sabine Gerhardus, Maurycy
V.l.n.r.: Agco, Projektleiterin Sabine Gerhardus, Maurycy

Die 19jährige Agco Halmen kommt aus dem rumänischen Sighisoara (Schassburg), ihr gleichaltriger Kollege Maurycy Przyrowski stammt aus der Gegend um Warschau. Die neuen Freiwilligen haben so einige Gemeinsamkeiten: Beide sprechen sehr gut deutsch, für Agco ist das sogar die Muttersprache. Beide haben eben ihr Abitur erfolgreich absolviert. Und nicht zuletzt: Beide interessieren sich sehr für Zeitgeschichte, daher fiel ihre Wahl auf Dachau. Agco kennt ihren neuen Wohn- und Einsatzort bereits, sie war Teilnehmerin einer Internationalen Jugendbegegnung.

Wir wünschen beiden viel Spaß bei der Mitarbeit im Gedächtnisbuchprojekt und ein schönes und erfolgreiches Jahr in Dachau. Herzlich willkommen!

Gegen Rassismus – Stimmen der Jugend aus aller Welt

Eine Ausstellung von Maya Bakulina und Kat Semel zeigt die Versöhnungskirche in Dachau.  Beide unterstützten im vergangenen Jahr als Freiwillige der Aktion Sühnezeichen das Gedächtnisbuch.

kat_ausstellung2_gross
Kat vor den Ausstellungstafeln

Für die Ausstellung befragten sie Bekannte aus mehreren Nationen zum Thema Rassismus. Die Antworten zeigen sie zusammen mit einem Foto der Autorin / des Autors. Zu sehen ist die Ausstellung im Gesprächsraum der Versöhnungskirche Dachau bis zum 3. November zu folgenden Zeiten: Montag 10–12, Dienstag bis Samstag, 10–16 Uhr, Sonntag 12–13 Uhr. Weitere Infos auf der Website der Versöhnungskirche: http://www.versoehnungskirche-dachau.de/angebote/pages/Ausstellungen.php

Kaunas: Die letzte Station

In den letzten Wochen habe ich Katharina mit der Kamera bei ihren Recherchen über Ferdinand Kissinger begleitet. Dank des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbands (BLLV) hatten wir nun die Möglichkeit nach Kaunas zu reisen. Die zweitgrößte Stadt Litauens war dabei nicht nur die letzte Station unserer Dokumentation über den jüdischen Lehrer aus München, sondern stellt auch das traurige letzte Kapitel seines eigenen Lebens dar. Im November 1941 wurde er hier von den Nazis erschossen.

kaunas_ Rolandas Vytautos Lingys_gross
Rolandas Vytautos Lingys führt durch das IX. Fort in Kaunas

Es ist ein besonders heißer Tag Anfang August im Jahrhundertsommer 2015 als wir Katharina vom Flughafen in Warschau, Polen abholen. Zusammen mit meinem Tonassistenten Benjamin Edwards fahren wir mit ihr von hier bis nach Kaunas. Auf dem Weg machen wir noch Halt in Treblinka, dem Ort eines der größten Vernichtungslager Polens. Hier wurden nur wenige Häftlinge zur Arbeit gezwungen. Die meisten fanden bereits Minuten nach ihrer Ankunft an der als normaler Bahnhof getarnten Rampe ihren Tod in der Gaskammer. Viel ist nicht mehr übrig vom einstigen Lager. Archäologische Ausgrabungen fördern jedoch jedes Jahr aufs Neue grausame Details über die „perfekt“ organisierte Massenvernichtung zu Tage.

 

Treblinka

Es hat inzwischen etwa 35 Grad. Wir stehen auf einer grünen Wiese. Um uns herum dichter Wald. Ein Feld von Gedenksteinen, ein großes Mahnmal, ein paar Hinweisschilder, große Steine, die die Begrenzungen des Lagers anzeigen und rekonstruierte Streben der Eisenbahntrasse sind das Einzige was auf die dunkle Vergangenheit des Ortes hinweisen. Nach der Auflösung des Lagers 1943 wurde darauf geachtet, alle Zeugnisse der hier stattgefundenen Massenmorde zu vernichten.

Vögel zwitschern, nur die Natur ist zu hören. Die nächste große Straße ist weit entfernt. Bis auf eine vereinzelte kleine Reisegruppe aus Großbritannien ist die Gedenkstätte menschenleer. An diesem heißen Sommertag hat der Ort fast eine seltsame Schönheit, strahlt eine trügerische Idylle aus. Es macht das, was hier passiert ist, noch unvorstellbarer. Die Gräueltaten des Dritten Reichs werden zur abstrakten, weit entfernten Geschichte, der wir uns als zweite, oder im Fall von Katharina sogar dritte, Generation nach dem Krieg nur noch mit einer aktiven Auseinandersetzung mit dem Thema nähern können. Das hervorragende Museum am Eingang hilft dabei, die Geschichte vor unserem Auge wieder aufleben lassen. Es wird die große Aufgabe der jüngeren Generation sein, diesen dunklen Punkt deutscher Geschichte in Zeiten von Facebook und Smartphone dem Vergessen zu entreißen. Zum Glück gibt es junge Menschen wie Katharina, die sich Zeit nehmen für diese Geschichte, obwohl es so einfach wäre, sie auszublenden: „Deutschland scheint ja heute so anders zu sein. Sowas kann ja eh nicht mehr passieren. Würde man ja auf Googlemaps sehen so ein Konzentrationslager.“ An diesem heißen Sommertag in Treblinka wird mir wieder einmal bewusst, dass wir als Deutsche nie aufhören dürfen, uns zu erinnern und das bedeutet mit zunehmenden historischen Abstand immer mehr die aktive Auseinandersetzung mit unserer Geschichte.
Kaunas

Treblinka stimmt uns darauf ein, was uns am nächsten Tag in Kaunas erwartet. Zunächst besuchen wir mit Katharina den Bahnhof, an dem Ferdinand Kissinger nach seiner Deportation in Litauen ankam. Der Bahnhof wurde nach dem Krieg durch ein neues Gebäude ersetzt. Wieder brauchen wir viel Abstraktionsvermögen um uns die Ankunft des Deportationszuges mit den mit hunderten Menschen völlig überfüllten Güterwaggons vorzustellen.

katharina_bhf_kaunas_gross
Katharina am Bahnhof von Kaunas

Vom Bahnhof mussten die Häftlinge vermutlich zu Fuß mehrere Kilometer bis zum IX. Fort laufen. Die alte Wehranlage aus dem ersten Weltkrieg wurde von den Nazis kurzerhand zum Vernichtungslager umfunktioniert. Ähnlich wie in Treblinka hatte die Anlage von nun an nur noch einen Zweck: die konsequente Auslöschung aller Regimegegner und unerwünschter Minderheiten, darunter vor allem Juden. Viele der Opfer von Kaunas sind bis heute anonym. Man weiß nur, dass zahlreiche Juden aus dem Ghetto von Kaunas hier umgebracht wurden und dass weitere Opfer mit den Deportationszügen aus dem Westen kamen. Ein Zufall will es, dass gerade die Deportationsliste der Münchner Juden, auf der auch Kissinger zu finden ist, überliefert ist.

 

Das Neunte Fort

Das Museum des IX. Forts stellt uns freundlicherweise einen Experten zur Führung durch die Anlage zur Seite. Der Litauer Rolandas Vytautas Lingys ist ein weiteres gutes Beispiel eines jungen Mannes, der sich aktiv mit seiner Geschichte auseinandersetzt. Während er uns durch das Museum und das Fort führt, erzählt er von der Gräueltaten der SS, reflektiert aber auch die Mittäterschaft vieler Litauer bei den Verbrechen gegen die Juden, die von einem wütenden Mob in den Straßen von Kaunas auf Befehl der SS niedergeknüppelt wurden.

Gleich am Eingang zum Fort fällt das große hölzerne Tor auf. Alle Häftlinge gelangten so hinein. Wer einmal durch diese Tür ging, kam nur noch einmal heraus  –  auf dem Weg zum Erschießungsplatz. Kaunas bedeutete für fast alle Häftlinge den sicheren Tod. Gearbeitet wurde hier kaum. Nur in den letzten Kriegstagen wurde die Häftlingen gezwungen, die wieder ausgegrabenen Leichen der Opfer zu verbrennen, um die Verbrechen vor den Alliierten zu verschleiern. Als die sowjetischen Streitkräfte Kaunas schließlich 1944 befreiten, war das Vernichtungslager schon längst aufgelöst.
Ferdinand Kissinger verbrachte in Kaunas nur kurze Zeit, er wurde bereits wenige Tage nach seiner Ankunft, wie wohl die meisten seiner Mithäftlinge, erschossen. Es lässt sich heute nur erahnen, was in den Köpfen der Münchner Juden nach ihrer Ankunft vorgegangen sein muss. Sobald sie im Lager angekommen waren, mussten sie ihr gesamtes Hab und Gut abgeben und wurden in Häftlingskleidung gesteckt. Daraufhin wurden sie in die total überfüllten Zellen gepfercht. Im Winter ist es im Fort mit seinen dicken Steinwänden bitter kalt, selbst jetzt im Hochsommer fühlt es sich an wie in einem Gefrierschrank. Mehrmals täglich wurden Gefangene aus den Zellen geholt. Schnell mussten die anderen merken, dass die Ausgewählten nicht mehr zurückkehrten und an ihrer Stelle neue Gefangene ankamen. Den ganzen Tag über waren Schüsse vom nahe gelegenen Feld zu hören. Die Ungewissheit über den nahenden eigenen Tod muss zum Schlimmsten gehören, was ein Mensch durchleben kann. Auch hier ist es wieder das Unvorstellbare, was man durch die eigene Einbildungskraft erst einmal durchbrechen muss, um am Ende zwar immer noch nicht verstehen zu können, aber es sich wenigstens vorstellen zu können.

In einigen Zellen sind Gegenstände der Gefangenen ausgestellt. Wir sehen zerbrochene Brillen, Taschen, Schminketuis und Judensterne. Wie auch in Auschwitz, wo die persönlichen Gegenstände und abgeschnittenen Haare zur eindrücklichsten Erfahrung des Besuchs gehören, sind es auch hier genau diese kleinen Dinge, die uns die menschliche Tragödie am intensivsten erfahrbar machen. Während wir die Zahnbürsten und Schuhe der Ermordeten betrachten, baut sich so etwas wie ein persönlicher Bezug zu diesen Menschen auf. Mit dem Einfühlen in Einzelschicksale ist die Mauer der Abstraktion dieser noch zuvor weit entfernten Geschichte plötzlich weg. Wir sehen die Menschen sowohl hinter den Opfern als auch hinter den Tätern, in dem wir uns fragen, was einen Mensch dazu bewegen kann, vollkommen unmenschlich und ohne jegliche Empathie gegenüber anderen Menschen zu handeln.

Die letzte Station unserer Führung ist wieder durch Abstraktion gekennzeichnet. Wir stehen vor einem weiten Feld. Vor uns ist ein bombastisches Mahnmal aus sowjetischer Zeit, sicherlich auch nicht frei von jeglicher propagandistischer Ideologie mit zum Himmel reckenden Fäusten. Eine Mauer führt vom Fort zum Feld. Davor ist ein Graben. Es ist noch heißer als gestern, die Temperatur bei fast 39 Grad. Die Wiese ist frisch gemäht, man könnte fast ein Picknick machen. Doch für Katharina, Ben und mich ist jetzt nichts mehr abstrakt. Durch Katharinas Recherche ist Ferdinand Kissingers Ermordung für uns zur greifbaren Tragödie geworden. Die Abstraktion einer vermeintlich längst vergangenen Geschichte ist der persönliche Empathie mit einem Einzelschicksal gewichen.
Während wir noch schweigend vor der saftigen grünen Wiese mit dem Mahnmal stehen, verlässt gerade eine israelische Reisegruppe das Fort. Wieder einmal sind sonst nicht viele andere Touristen hier. Die meisten Besucher sind im schönen, pittoresken Kaunas und trinken einen Eiskaffee oder ein anderes kühles Getränk in dieser brüllenden Hitze. Wir setzen uns ins Auto und fahren zurück in die Altstadt. Vielleicht trinken wir auch einen Eiskaffee.

(Text und Fotos: Julian Monatzeder)

 

Kaunas: Das Neunte Fort – „eine bedrückende Erfahrung“

katharina_kaunas_gross

Nachdem wir bereits in der Gedenkstätte in Dachau, an unserer Schule in Grafing und in München Aufnahmen für den BLLV gemacht hatten, bot sich Anfang August 2015 noch einmal eine ganz besondere Gelegenheit: Der BLLV ermöglichte es mir, nach Kaunas in Litauen zu reisen, um dort zusammen mit Julian weitere Filmaufnahmen zu machen.

Am Donnerstag, den 6. August, flog ich also bereits früh morgens von München nach Warschau. Von dort aus ging es dann mit dem Auto weiter nach Kaunas. Diese Stadt ist für die Biographie von Ferdinand Kissinger insofern bedeutend, weil am Stadtrand das sogenannte Neunte Fort liegt. Während der Besatzung der Stadt durch die Nationalsozialisten wurden hier mehrere tausend Juden gefangen gehalten und ermordet, darunter auch Ferdinand Kissinger.

Am Morgen nach unserer Ankunft in Kaunas besuchten wir direkt das Neunte Fort. Das war eine sehr interessante, aber auch bedrückende Erfahrung. Mir vorzustellen, dass das Leben von Ferdinand Kissinger hier ein so grausames Ende gefunden hatte, fiel mir nach meiner langen Recherche nicht leicht. In der Ausstellung im Fort wird ein Raum allein der Deportation Münchner Juden im November 1941 nach Kaunas gewidmet. Hier wird auch die Liste mit den Namen aller Opfer dieser Deportation ausgestellt. Das Besondere daran ist, das diese Liste nicht wie die meisten anderen vernichtet wurde. So konnte ich auch Ferdinand Kissingers Namen wiederfinden.

Als wir dann schließlich die Filmaufnahmen beendet hatten, blieb noch Zeit, um eine andere Seite von Litauen kennenzulernen. Daher besuchten wir am nächsten Tag Vilnius, die Hauptstadt des Landes.
Am Tag darauf hieß es für mich dann jedoch wieder, zurück nach Hause zu fahren. So ging eine unglaublich spannende Reise zu Ende, an die ich mich bei Verfassen von Ferdinand Kissinger Biographie auf jeden Fall zurückerinnern werde und die mir beim Schreiben sehr helfen wird.

kaunas_liste_gross

(Text Katharina Steinegger, Fotos Julian Monatzeder)

Amsterdam: Kurzfilme der Ausstellung stehen online

Bis 25. Oktober 2015 ist im Widerstandsmuseum Amsterdam die Ausstellung „Namen statt Nummern –  Politische Gefangene aus den Niederlanden im Konzentrationslager Dachau“ zu sehen. Ausgangspunkt für die Ausstellung sind die Geschichten von ehemaligen niederländischen Häftlingen, die Jugendlichen für das Gedächtnisbuch aufgezeichnet haben.

Ernst Sillem mit Sydney

Die Ausstellung hat einen biographischen Blickwinkel. Anhand von Objekten wird gezeigt, wie Gefangene im Konzentrationslager Dachau, ein auf menschliche Entwürdigung ausgerichtetes Lager, zu überleben versuchten. Jaap van Mesdag musizierte, Lies Bueninck-Hendrikse konnte ein Foto ihres Töchterchens versteckt halten und dem Bildhauer Frits van Hall gelang es, kleine Reliefs anzufertigen.

Bei jeder Vitrine gibt es Videoscreens mit kurzen Filmen, in denen die Jugendlichen die Bedeutung der gezeigten Objekte erklären, und auf manchmal berührende Weise erläutern, was der Kontakt mit einem Überlebenden oder seiner Familie ihnen gebracht hat. Einige dieser Kurzfilme stehen jetzt online. Wie zum Beispiel:

Jelle Braaksma über ein handwerklich gefertigtes Schmuckstück, dass die Gefangene Willemijn Petroff – van Gurp im KZ geschenkt bekam:
http://www.youtube.com/watch?v=j0wbV9eKyG0

Gijs Berends  über einen nie abgeschickten Brief des ehemaligen Häftlings Jan van Kuik:
http://www.youtube.com/watch?v=R4muomT5oFQ

Ledmia Baghdadi über den ehemaligen Häftling Pim Reijntjes und seine Liebe zu seinem Bruder:
http://www.youtube.com/watch?v=Y6r97pHOC3w

Sydney Weith über den Kontakt mit dem ehemaligen Häftling Ernst Sillem:
http://www.youtube.com/watch?v=crY1JSmsN6c

Ylva Sluiter über die Bedeutung des Gedächtnisbuchprojekts:
http://www.youtube.com/watch?v=RdO_dvWTe9M

(Den Text schrieb Jos Sinnema, die Fotos stammen aus den Filmen.)

Willemijn Petroff-van Gurps Schmuck