Schreibseminar in Bamberg: Feinarbeit und Fehlersuche

Um die Feinarbeit am Text ging es im zweiten Teil des Bamberger Schreibseminars am 21. Juli 2016. Sabine Gerhardus leitete den Workshop vor Ort im Eichendorff-Gymnasium.

 

Schreibseminar in Bamberg
Schreibseminar in Bamberg

Beim zweiten Teil des Schreibseminars ging es darum, den Blick fürs Detail zu schärfen, Kriterien aufzustellen, nach denen jede Schülerin ihren Text selbst überprüfen kann und das Korrekturlesen zu üben. Damit wurde auf den ersten Workshop aufgebaut: An diesem Tag hatten sich die Schülerinnen damit beschäftigt, wie sich ein Gedächtnisblatt von einer Seminararbeit unterscheidet und worauf es ankommt, damit ein Gedächtnisblatt Interesse weckt und schön zu lesen ist.

9 Schülerinnen hatten vorab eine Textprobe verfasst, um auszuprobieren, in welcher Form sie „ihre“ Person darstellen möchten. Einige Schülerinnen nutzen das letzte Treffen vor den Sommerferien auch, um sich Rat für ihre Recherche zu holen.

(Text Sabine Gerhardus)

 

Einladung: Gedenkfeier für verfolgte jüdische Ärzte

31 Beschäftigte des  Dr. von Haunerschen Kinderspital in München wurden Opfer des nationalsozialistischen Terrors. Unter ihnen war der Kinderarzt Ludwig Kaumheimer, der in einem Gedächtnisblatt geehrt wird. Eine Gedenkveranstaltung erinnert am 27.7.2016 an das Schicksal dieser Menschen.

Thomas Nowotny
Thomas Nowotny

Das Dr. von Haunersche Kinderspital lädt ein zu der öffentlichen Gedenkfeier, die am Mittwoch, den 27. Juli 2016 um 18 Uhr im Seminarraum 1 stattfindet.  Über die Erforschung der Biographien seiner verfolgten Kollegen spricht der Kinderarzt Joseph Rosenecker. An dieser Spurensuche war er maßgeblich beteiligt.

Am besten wird Geschichte begreifbar, wenn wir uns Einzelschicksale vor Augen führen. Die Biographie von  Ludwig Kaumheimer stellt Thomas Nowotny exemplarisch vor. Der Kinder- und Jugendarzt aus Stephanskirchen  hat die Geschichte dieses zur Emigration gezwungenen Berufskollegen für das Gedächtnisbuch erforscht. Als Ehrengäste werden Verwandte der Familie Kaum­heimer erwartet.

Gedenkveranstaltung am 27.7., 18 h
Seminarraum 1
Dr. von Haunersches Kinderspital
Kinderklinik und Kinderpoliklinik der

Ludwig-Maximilian-Universität München
Lindwurmstr. 4
80337 München

 

Schreibseminar am Eichendorff-Gymnasium Bamberg

Das Gedächtnisblatt schreiben – aber wie? Diese Frage beschäftigte die Schülerinnen des Eichendorff-Gymnasiums Bamberg im ersten Schreibworkshop des W-Seminars mit Sabine Gerhardus.

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Am 30.6. am Eichendorff-Gymnasium Bamberg: Viele Quellen sind gesammelt, die Schülerinnen sind Expertinnen für „ihre“ Lebensgeschichte geworden! – Aber wie soll aus all den Informationen ein gutes Gedächtnisblatt werden? Wie schreibe ich interessant  und spannend? Wie finde ich einen angemessenen und gleichzeitig unterhaltsamen Schreibstil? Diese und andere Fragen beschäftigten die Schülerinnen beim ersten Schreibseminar in Bamberg.

Alle Schülerinnen haben in den letzten Wochen in der Schule ihre bisherigen Recherche-Ergebnisse vor der Klasse präsentiert – und so bereits angefangen, Schwerpunkte zu setzen. In kurzen Einzelgesprächen berichteten die Schülerinnen nach dem Workshop über den Stand ihres Projekts und verabredeten bei Bedarf telefonische Beratungstermine.

(Text: Sabine Gerhardus)

Ein großes Danke an Andreas Kreutzkam

Das Trägerkeistreffen am 28. Juni war geprägt vom Abschied von Andreas Kreutzkam. Als Gründungsmitglied des Trägerkreises hat er das Projekt von Anfang an begleitet und auch nach Eintritt in den Ruhestand stand er dem Team in vielen Fragen zur Seite.

Trägerkreis Juni 2016
Trägerkreis Juni 2016

Am 28.6. traf sich der Trägerkreis Gedächtnisbuch, zum ersten Mal im neuen Besprechungsraum des Dachauer Forums. Im Zentrum der Besprechung stand die derzeit angespannte finanzielle Situation des Projektes. Es wurden Vorschläge erörtert, neue Sponsoren zu finden.

Das Trägerkeistreffen war geprägt vom Abschied von  Andreas Kreutzkam. Zum letzten Mal nahm der ehemalige Geschäftsführer des Dachauer Forums teil. Als Gründungsmitglied des Trägerkreises hat er das Projekt von Anfang an begleitet und auch nach Eintritt in den Ruhestand seine schützende Hand über das Gedächtnisbuch gehalten: Als Fachmann für Finanzen und in vielen anderen Fragen stand er dem Team stets zur Seite. Die Trägerkreismitglieder dankten Andreas Kreutzkam für sein Engagement.

Wir danken Dir, lieber Andreas, für Deine wertvolle Unterstützung und immer hilfreichen Ratschläge und wünschen Dir alles Gute für die Zukunft! Wir freuen uns, dass Annerose Stanglmayr nun das Dachauer Forum im Trägerkreis vertritt und ebenso, dass Klaus Schultz sie bei der Verwaltung der Finanzen unterstützen wird!

(Text: Sabine Gerhardus)

Gerhard Bökel besucht das Gedächtnisbuch

Gerhard Bökel, ehemaliger hessischer Landtagsabgeordneter und Innenminister, hat am 22. Juni 2016 das Gedächtnisbuch-Projekt besucht. Seit seinem Rückzug aus der Politik widmet er sich mit großem Engagement der Geschichte des Train Fantôme.

Gerhard Bökel beim Gedächtnisbuch
Gerhard Bökel beim Gedächtnisbuch

Dieser„Geisterzuges“ gelangte 1944 als einer der letzten Deportationszüge aus Südfrankreich nach einer langen Irrfahrt nach Dachau. Bökel, der einen Wohnsitz in Südfrankreich hat, forscht über die Geschichte der Deportierten des Train Fantôme und hat bereits zwei zweisprachige Broschüren veröffentlicht. Jetzt schreibt er an einem Buch, in dem auch die Nachkriegsgeschichte behandelt werden soll.

In den Jahren 2004/2005 sind mehrere Gedächtnisblätter zu Deportierten des Train Fantôme entstanden. Monika Graulich von der Deutsch-Französischen Gesellschaft Wettenberg, einer Gemeinde aus Bökels ehemaligem Wahlkreis, hat das Projekt beim Gedächtnisbuch angeregt. Wettenberg ist Partnergemeinde von Sorgues, einer Stadt in der Provence, die in der Geschichte des Geisterzuges und in der Erinnerung an die Deportierten eine wichtige Rolle spielt. Mithilfe des Train-Fantôme-Freundeskreises trafen bayerische Schülerinnen im August 2004 in Sorgues Überlebende und Angehörige der ehemals Deportierten und führten mit ihnen Interviews durch. Dank Robert Silve vom Freundeskreis wurde 2008 die Internationale Wanderausstellung Namen statt Nummern im Rathaus von Sorgues gezeigt.

Teilnehmerinnen mit den Betreuern Sabine Gerhardus und Günter Leitzgen vor dem Denkmal für die Deportierten des Train Fantome in Sorgues (2004)
Teilnehmerinnen mit den Betreuern Sabine Gerhardus und Günter Leitzgen vor dem Denkmal für die Deportierten des Train Fantome in Sorgues (2004)

Gerhard Bökel richtete der ehemaligen Teilnehmerin des Dachauer Projekts Moni Böck und Sabine Gerhardus Grüße von Überlebenden und Projektbeteiligten aus, berichtete von seinen Forschungen und wartete mit einer Überraschung auf: Er werde selbst auch ein Gedächtnisblatt schreiben – über den französischen Imam Abdelkader Mesli, der in der Resistance war und mit dem Train Fantôme nach Dachau gebracht worden war.

(Text: Sabine Gerhardus)

Seminararbeiten und Gedächtnisblätter schreiben

Wie bringe ich meine Recherche-Ergebnisse sinnvoll auf’s Papier? Diese Frage beschäftigt zur Zeit die Teilnehmer unserer W-Seminare. Sabine Gerhardus berichtet vom ersten Schreibworkshop des Schuljahres am Camerloher Gymnasium in Freising.

Camerloher Gymnasium Juni 2016
Camerloher Gymnasium Juni 2016

„In diesem ersten Schreibseminar ging es vorrangig darum, ein Bewusstsein für die Textart zu schaffen: Was ist im Gedächtnisblatt möglich und welche Unterschiede sind zur Seminararbeit zu beachten?  Ich hatte den Schülerinnen verschiedene Gedächtnisblätter mitgebracht. Besonders wichtig war den Schülerinnen jedoch der Aufbau der Seminararbeit, deshalb gab es dazu die meisten Fragen und die Bitte um Beispiele gelungener Seminararbeiten.

Sechs Schülerinnen hatten vor dem Seminar Textproben abgegeben. Alle waren stark an den Anforderungen der Seminararbeit ausgerichtet. Die Textproben waren teilweise sprachlich sehr gut formuliert. Die Diskussion einzelner Beispiele  wird von dem betreuenden Lehrer Andreas Decker in der nächsten Sitzung fortgesetzt.“

(Text: Sabine Gerhardus)

Henry Landmans Lederhose

Mit diesem Kleidungsstück ist eine besondere Geschichte verbunden: Henry Landman trug diese Lederhose als er aus Deutschland fliehen musste, heute gehört sie einem Augsburger Museum.

Henry Landman trägt die Lederhose, in der er als junger Mann in die USA flüchtete
Henry Landman trägt die Lederhose, in der er als junger Mann flüchtete

Rick Landman, Henrys Sohn, schreibt uns:

„I came across a photo of my dad from before he donated the lederhosen to the Augsburg Museum.  Of course, one miracle is that they still fit him.  This is the lederhosen that he wore on Kristallnacht.  One story that you may not know is that his gold ring was clipped off his finger at Dachau and it popped into the air and he thought it was lost.
But actually it fell into the cuff of the lederhosen that he brought to America.  So without him knowing it, he smuggled out a gold ring to America. He could have been shot for doing that.
I wish I can find the cut ring, but it is lost.  Henry hid it years ago, and then lost his memory as to where he hid it.
He found it when we were packing up the lederhosen to send to Augsburg.
Just wanted to give you a bit more of the history of the pants.“

Ökumenische Trauerfeier für Mirjam Ohringer und Hermann Scheipers

Am Sonntag, den 12. Juni 2016, findet um 11 Uhr eine ökumenischen Trauerfeier für Mirjam Ohringer und Hermann Scheipers in der Versöhnungskirche auf dem Gelände der Gedenkstätte Dachau statt.

Uns erreichte dazu folgende Ankündigung:

 

Kirchen trauern um die Zeitzeugen Mirjam Ohringer und Hermann Scheipers – Gottesdienst in der KZ-Gedenkstätte Dachau

Vor wenigen Tagen sind mit Mirjam Ohringer und Hermann Scheipers zwei Zeitzeugen des Widerstands gegen das NS-Regime gestorben, die eng mit Dachau verbunden waren. Beide haben hier und international viele Menschen tief geprägt. Die Evangelische Versöhnungskirche und die Katholische Seelsorge an der KZ-Gedenkstätte laden am Sonntag, 12. Juni 2016, 11 Uhr zu einer ökumenischen Trauerfeier in der Versöhnungskirche auf dem Gelände des ehemaligen Konzentrationslagers ein.

Das Team der Versöhnungskirche hatte – wie viele andere – auf weitere Begegnungen mit den beiden gehofft. Doch die Trauer über den unwiederbringlichen Verlust verbindet sich mit dankbaren Erinnerungen an die unkonventionell jüdisch-kommunistische Holländerin („Ich bin die mit Marx und Moses“) und den charismatisch-humorvollen katholischen Priester aus dem Münsterland („als Christ zum geistigen Widerstand verpflichtet“). Und diese Erinnerungen sollen auch bei der Trauerfeier im Mittelpunkt stehen.

Mirjam Ohringer wird am 26. Oktober 1924 als Kind jüdischer Emigranten aus Galizien in Amsterdam geboren. Schon früh erfährt sie durch die eigene Familie viel über Schicksale rassistisch und politisch Verfolgter, von denen nicht wenige seit 1933 in den Niederlanden Zuflucht suchen. Rückblickend sagt sie bei einer Rede 2008: „Sie waren illegal und mussten sich verstecken, von uns versteckt und am Leben gehalten werden. So jung wie ich war, habe ich daran teilgenommen, weil das für meine Eltern, für den Kreis, in dem ich aufgewachsen bin, selbstverständlich war. Ich erwähne diese Menschen, denn sie waren in meinen Augen das Beste, was Deutschland zu bieten hatte. Ihre Lehren, ihr Wissen darüber, wie man sich zu verhalten hatte, woran gedacht werden musste, um Widerstand gegen die Nazis zu leisten, diese Lehren haben uns geholfen zu überleben.“ Obwohl sie nach der deutschen Überfall auf ihre Heimat im Mai 1940 als Jüdin selbst gefährdet ist, beteiligt sie sich als Gymnasiastin am kommunistischen Widerstand, organisiert Papier für Flugblätter, tippt Nachrichten, schmuggelt illegale Zeitungen. Ihr Freund Ernst Josef Prager wird im Juni 1941 verhaftet und im KZ Mauthausen ermordet. Mirjam lebt selbst seit 1942 im Untergrund bis zur Befreiung 1945. Nach dem Krieg gründet Mirjam mit einen Holländer eine Familie und bekommt vier Kinder. Zudem engagiert sie sich in der Friedensbewegung. 1982 fährt sie zum ersten Mal nach Mauthausen. Sie wird Gründungsmitglied des Niederländischen Mauthausen-Komitees, dessen Vorsitzende sie zuletzt auch ist. Mirjam Ohringer kämpft ihr Leben lang gegen Nationalsozialismus und Faschismus, für Menschenrechte und für die Freiheit. Sie setzt sich dafür ein, das Erlebte nachfolgenden Generationen zu vermitteln. Fast 30 Jahre tut sie das auch jeden Sommer bei der Internationalen Jugendbegegnung in Dachau (IJB). 2009 erhält sie den Preis für Zivilcourage der Stadt Dachau. Über Jahrzehnte begleitet sie junge deutsche Freiwillige von „Aktion Sühnezeichen Friedensdienste“ in den Niederlanden. 2013 wirkt sie als Zeitzeugin beim Deutschen Evangelischen Kirchentag in Hamburg mit – und bezeichnet in ihrer humorvoll-respektlosen Art eine Abendandacht als „komischen christlich-jüdischen Mischmasch“, der ihr aber gefalle. Am 29. Mai stirbt Mirjam Ohringer nach kurzer, schwerer Krankheit im Alter von 91 Jahren in Amsterdam. Bei der Trauerfeier wird die Pädagogin Gisela Joelsen, die über viele Jahre zum IJB-Team gehörte, an die Verstorbene erinnern.

Als Hermann Scheipers am 24. Juli 1913 in Ochtrup/Westfalen geboren wird, regiert noch Kaiser Wilhelm II. Scheipers kommt als junger Priester der Diözese Meißen in Konflikt mit dem NS-Staat. Weil er seine Kirche auch für polnische Zwangsarbeiter öffnet, wird er 1940 verhaftet. Als er betont, dass Polen für ihn genauso Menschen sind wie Deutsche, bringt man ihn nach einem Gefängnisaufenthalt 1941 nach Dachau. Die Haft wird für ihn zur prägendsten Erfahrung seines Lebens. Erlebnisse, wie etwa die geheime Priesterweihe von Karl Leisner sind für ihn der Beweis, dass Gott die Inhaftierten auch in der Hölle von Dachau nicht vergessen hat. „Noch nie war ich Gott so nah, wie im KZ“, kommentierte er die Jahre hinter Stacheldraht. Nach seiner Flucht vom Todesmarsch bei Starnberg Ende April 1945 fährt er mit dem Fahrrad zunächst in seine Heimat Münster. 1946 kehrt er in sein Bistum Meißen zurück, um weiter als Seelsorger zu arbeiten. Mit der Gründung der DDR gerät Scheipers erneut in Konflikt mit einem politischen System. Weil er sich den Mund nicht verbieten lässt, entgeht er nur knapp der Verhaftung. Als er als Ruheständler 1983 ins Münsterland zurückkehrt, wird er zu einem geschätzten Zeitzeugen. Unermüdlich reist er durch das Land, hält Vorträge, besucht Schulklassen, um ihnen zu vermitteln und zu bezeugen, was er erlebt hat. Hunderte Teilnehmer des Münchner Ökumenischen Kirchentages 2010 erleben in der KZ-Gedenkstätte Dachau den charismatischen Zeitzeugen, der auch über seine Freundschaft mit evangelischen Mithäftlingen berichtet. Für sein Engagement wird er mit zahlreichen Auszeichnungen geehrt, darunter das Bundesverdienstkreuz und der polnische Kavaliersorden. Johannes Paul II. ernennt ihn zum Päpstlichen Ehrenprälaten. Am 2. Juni stirbt er in einem Altenheim in seiner Geburtsstadt wenige Wochen vor seinem 103. Geburtstag. Pastoralreferent Ludwig Schmidinger, Bischöflicher Beauftragter für KZ-Gedenkstättenarbeit, der Hermann Scheipers 2010 in Dachau intensiv kennenlernte, wird an ihn erinnern.

Pfarrer Dr. Björn Mensing, Theologe und Historiker und Diakon Klaus Schultz
Evangelische Versöhnungskirche in der KZ-Gedenkstätte Dachau
Alte Römerstraße 87, 85221 Dachau

Ludwig Schmidinger
Bischöflicher Beauftragter für KZ-Gedenkstättenarbeit
in der Erzdiözese München und Freising
Fachbereichsleiter (EOM 5.4.1.3)Katholische Seelsorge an der KZ-Gedenkstätte Dachau
Alte Römerstraße 75, 85221 Dachau

 

 

 

Wir trauern um Mirjam Ohringer

Mit Mirjam Ohringer ist eine Freundin und Unterstützerin des Gedächtnisbuchs gestorben. Ein Nachruf von Sabine Gerhardus.

Mirjam Ohringer im Jugendgästehaus in Dachau
Mirjam Ohringer im Jugendgästehaus in Dachau

Am 29. Mai 2016 ist Mirjam Ohringer gestorben.  Ich habe Mirjam Ohringer und ihre Freundin Els Schalker-Karstanje bei den Internationalen Jugendbegegnungszeltlagern kennen gelernt, wo beide häufig als Zeitzeugen waren und uns Jugendlichen von ihren Erinnerungen an die Besatzung der Niederlande und den Widerstand erzählten. 2001 schrieben Els und Harry Kraaij einen Beitrag für das Gedächtnisbuch über Els` Vater, Hubert Karstanje. Mirjam fertigte das Gedächtnisblatt an und vertrat die Interessen ihrer Freundin Els, als ihr selbst die Kommunikation mit dem Projekt nicht mehr möglich war. Seither unterstützte sie das Gedächtnisbuch-Projekt.

So kam es, dass sie für Jos Sinnema in den Niederlanden eine wichtige Ansprechpartnerin wurde. Er schreibt: „Das Niederlande-Projekt hat sie von Anfang an enthusiastisch unterstützt und gefördert. Auch für die Ausstellung im Widerstandsmuseum hat sie sich eingesetzt.“ Am 18. Februar 2012, als die Wanderausstellung im Cartesius-Lyceum in Amsterdam zu sehen war und dort das Banner von Pim Reijntjes enthüllt wurde, schrieb Mirjam ins Gästebuch: „Es ist stimmt hoffnungsvoll zu sehen, dass junge Leute sich vertiefen in Lebensgeschichten aus der Vergangenheit, vor allem aus der Zeit des Nationalsozialismus. Insbesondere ihr Einsatz, diese Geschichten weiter zu geben. Mirjam Ohringer“.

Mirjam Ohringer wurde am 26. Oktober 1924 in Amsterdam geboren. Sie stammte aus einer galizischen Einwandererfamilie. Ihre Eltern waren gläubige Juden und fühlten sich dem Sozialismus verbunden. Mirjam engagierte sich schon als Schülerin für die jüdischen Flüchtlinge aus Deutschland. Nach der Besatzung der Niederlande durch die Wehrmacht am 10. Mai 1940 schloss sich Mirjam einer illegalen Jugendgruppe an, die sich unter anderem mit Flugblattaktionen gegen die Nazis zur Wehr setzte. 1942 konnte sie untertauchen und überlebte so den Krieg.

Mirjam Ohringer hat im April 2009 den Dachau-Preis für Zivilcourage erhalten.

(Text von Sabine Gerhardus, Foto Kulturamt Stadt Dachau)