Georg-Scherer-Station am Internationalen Museumstag

Eine Station zu Georg-Scherer betreute Karin Schwenke beim 42. Internationalen Museumstag in der KZ-Gedenkstätte Dachau am 19. Mai 2019.

An der KZ-Gedenkstätte Dachau wurden anlässlich des Museumstags neun Stationen von den Referenten betreut. Eine davon berichtete über das Leben Georg Scherers.

Interessierte Besucher konnten das Biographie-Banner zum Gedächtnisblatt Georg Scherers studieren, Texte aus Interviews hören, Fragen stellen und die Broschüre „Georg Scherer – ein Dachauer Leben“ kostenlos mitnehmen. Es ergaben sich spannende Gespräche zwischen der Betreuerin der Station und den Besuchern, die alle sehr beeindruckt von der Persönlichkeit Georg Scherers waren.

(19.5.2019; Text: Karin Schwenke/IS)

Ausstellung zu Georg Scherer: Broschüre zum Download

Noch bis Ende Juli läuft die Ausstellung über Georg Scherer in der Dachauer ASV-Halle. In diesem Artikel finden Sie den Link zum Download der Begleitbroschüre zur Ausstellung.

„Georg Scherer. Ein Dachauer Leben“, so lautet der Titel der Ausstellung. Wesentliche Stationen dieses Lebens lassen sich in der Begleitbroschüre zur Ausstellung nachlesen, die dem engagierten Dachauer Bürger, Widerstandskämpfer und Kommunalpolitiker gewidmet ist. Die Broschürentexte befassen sich mit folgenden Themen:

  • Kindheit in Armut und Not
  • Der Aufstieg des Hütebuben zum Werkmeister
  • Zweite Heimat ATSV
  • Widerstand, Verhaftung und Konzentrationslager
  • Zwischen Haft und Befreiung
  • Politikerleben: Stadtrat, Bürgermeister, Parteimitgliedschaften
  • Wirtschaftswunderzeiten
  • Vorstand des ASV Dachau
  • Erinnerungen und Ehrungen.

Hier gibt es die Broschüre zum Download:

Begleitbroschüre „Georg Scherer. Ein Dachauer Leben“ (5 MB)

Die Ausstellung über Georg Scherer ist noch bis zum 27. Juli 2019 in der Dachauer ASV-Halle zu sehen. In ihr finden sich auch Hörstationen mit O-Tönen von Georg Scherer und seiner Familie. Ergänzt wird die Ausstellung durch Ausstellungsbanner, die ein Schlaglicht auf das Leben weiterer KZ-Häftlinge aus dem Landkreis Dachau werfen. Auch können die Besucher eine ganze Reihe von Gedächtnisblättern in eigens dafür zusammengestellten Mappen betrachten.

(14.5.2019; Text: IS)

 

Befreiungsfeier in Dachau: „Ich erinnere mich und werde immer erinnern“

„Als ich zum ersten Mal in die KZ-Gedenkstätte gekommen bin und mit einem Audioguide in russischer Sprache einen Rundgang gemacht habe, konnte ich meine Tränen nicht aufhalten.“, erzählte Anastasiia Lapteva, ASF-Freiwillige in Dachau, am 5.5.2019 in ihrer Rede am Mahnmal für die ermordeten sowjetischen Kriegsgefangenen.

Anastasiia Lapteva stammt aus Perm, einer Stadt am Ural. Derzeit arbeitet sie als Freiwillige für Aktion Sühnezeichen Friedensdienste in der Versöhnungskirche und im Gedächtnisbuchprojekt.

Auf der Feier zum 74. Jahrestag der Befreiung des KZ-Dachau am Mahnmal für die ermordeten sowjetischen Kriegsgefangenen in Hebertshausen erläuterte die junge Frau ihre Motivation für diese Freiwilligentätigkeit: „Als ich zur Schule ging und auch während des Studiums hatte ich nicht nur Interesse an der russischen Geschichte, sondern auch an der Weltgeschichte. Aber wir haben viel zu wenig Informationen über den Holocaust, das faschistische Deutschland und auch über Konzentrationslager bekommen. Deshalb entschied ich mich, an einem geschichtlichen Projekt teilzunehmen.“

Ihren Wunsch zum Befreiungstag formulierte  Anastasiia Lapteva in ihrer Ansprache so: „Ich möchte, dass alle Menschen sich immer an die Opfer des nationalsozialistischen Regimes erinnern. Ich sage es laut, so dass es alle hören: „Ich erinnere mich und werde immer erinnern.“ Diesen Satz wiederholte Anastasiia Lapteva auch auf Russisch.

(5.5.2019; Foto: Klaus Schultz; Text: Irene Stuiber)

Renée Lacoude ist gestorben

Die französische Widerstandskämpferin Renée Lacoude ist im Dezember 2018 gestorben. Bereits 2005 widmete ihr Monika Böck, damals Schülerin, ein Gedächtnisblatt.

Renée Lacoude mit Gedächtnisbuchautorin Monika Böck

Renée Lacoude wurde  am 12. April 1917 am  Renée Dufau in Bordeaux geboren. Ihre Tätigkeit in der Resistance führte dazu, dass sie 1944 verhaftet wurde und schließlich mit dem Geisterzug, dem Train fantôme, nach Dachau deportiert wurde. Nach wenigen Tagen Aufenthalt wurde sie nach Ravensbrück überstellt und erlebte dort die Befreiung. 2005 besuchte Renée Lacoude Dachau und war bei der Präsentation ihrer Biographie anwesend. Sie verstarb im Alter von 101 Jahren.

Das in französischer Sprache verfasste Gedächtnisblatt von Monika Böck ist in der Versöhnungskirche einsehbar. Renée Lacoude erbat sich für die Veröffentlichung im Internet ausschließlich eine Kurzinformation.

(2.5.2019; Text: IS)

Link zum Film: Ernst Sillem und Jan de Vaal erzählen

Berend Katz interviewte für seinen Film „Die Reise von van Eijsden“ Ernst Sillem und Jan de Vaal. Über beide gibt es Gedächtnisblätter. Der Film kann nun mit deutschen Untertiteln geschaut werden.

Der Filmautor im Gespräch nach der deutschen Uraufführung

Berend Katz verfolgte den Weg seines Urgroßvaters Gommair van Eijsden durch deutsche Konzentrationslager und berichtete darüber in einem Dokumentarfilm. Die deutsche Uraufführung fand anlässlich der Finissage der Ausstellung „Namen statt Nummern. Niederländische politische Gefangene im Konzentrationslager Dachau“ in der Gedenkstätte Dachau am 28. Februar 2019 statt.

Die Zuschauer waren vor allem von den Interviews mit Ernst Sillem und Jan de Vaal sehr beeindruckt. Beide Zeitzeugen sind im Gedächtnisbuchprojekt wohlbekannt, ihre Gedächtnisblätter finden sich auf dieser Website im Verzeichnis der Gedächtnisblätter. Berend Katz Film entstand in enger Zusammenarbeit mit dem Gedächtnisbuch Niederlande, die Untertitel machte ein ehrenamtliches Team möglich.

Verschiedene niederländische Fernsehsender haben „Die Reise von van Eijsden“ bereits gezeigt. Eine deutsche Fernsehpremiere steht noch aus. Hier der Link zum Film  (Niederländisch mit deutschen Untertiteln):

Die Reise von van Eijsden

(25.4.2019; Foto und Text: Irene Stuiber)

Gedächtnisbuch und Geschichtswerkstatt trauern um Helmut Beilner

Helmut Beilner, emeritierter Professor für Didaktik der Geschichte der Universität Regensburg, ist am Freitag, den 29. März 2019 im Alter von 78 Jahren gestorben. Von Beginn an engagierte sich Beilner als Lehrgangsleiter und Forscher in der Geschichtswerkstatt im Landkreis Dachau.

Sabine Gerhardus, Leiterin des Gedächtnisbuchs und des Biographie-Projekts in der Geschichtswerkstatt „Das Lager und der Landkreis“, zeigt sich bestürzt über Beilners unerwarteten Tod: „Ich habe ihn als Kollegen und Unterstützer unserer Arbeit sehr geschätzt. In seiner bescheidenen, freundlichen Art hat er eine Güte und Herzenswärme ausgestrahlt, die man nur vermissen kann.“

Helmut Beilner, geboren am 24. April 1940 in Witkowitz (Mährisch-Schlesien), kam im Zuge der Vertreibung 1946 nach Bayern. Er wuchs in Wollomoos im Landkreis Aichach auf und lebte in Schwabhausen im Landkreis Dachau. Beilner entwarf und leitete zusammen mit Wilhelm Liebhart den Einführungslehrgang für die Teilnehmer der Geschichtswerkstatt. Von großer Bedeutung für das Gedächtnisbuch und die Geschichtswerkstatt war auch der von ihm durchgeführte Archiv-Workshop für Schüler. In seiner Heimatgemeinde Schwabhausen leitete Beilner eine Arbeitsgruppe zur Lokalgeschichte und forschte auch selbst rege mit.

„Die Geschichtswerkstatt hat ihm viel zu verdanken.“, erläuterte Annegret Braun,  Leiterin mehrerer Teilprojekte der Geschichtswerkstatt. Sie betonte beim Geschichtswerkstatt-Treffen am 3. April 2019 im Heimatmuseum Karlsfeld: „Er hat die Geschichtswerkstatt in Gang gebracht und mit dem Lehrgang Forschungsgrundlagen geschaffen. Seine Impulse und Beiträge haben die Geschichtswerkstatt sehr bereichert und nachhaltig geprägt.“ Die Mitarbeiter gedachten seiner in Dankbarkeit in einer Schweigeminute.

(15.4.2019; Text: Sabine Gerhardus/IS)

 

Studientag Zukunft Erinnerung: Vielfalt der Erinnerungsformen

Gastrednerin Aleida Assmann beeindruckte durch ihre genaue Einschätzung der deutschen Erinnerungskultur der letzten 100 Jahre. Die Vielfalt der gegenwärtigen Erinnungskultur zeigte sich in den anschließenden Workshops, unter anderem präsentierte Projektleiterin Sabine Gerhardus das Gedächtnisbuch als Form partizipativer Erinnerungsarbeit.

Zum Thema „Aktuelle Herausforderungen an die neue Erinnerungskultur“ sprach Aleida Assmann beim Studientag „Zukunft Erinnerung. Welche Erinnerungskultur brauchen wir?“.  Der Studientag fand in Dachau am 5. April 2019 statt und wurde veranstaltet vom Dachauer Forum in Kooperation mit der Katholischen Seelsorge an der KZ-Gedenkstätte Dachau.

Aleida Assmann: Vielstimmigkeit der gesellschaftlichen Erinnerung

Die Referentin berichtete über die Entwicklung der Erinnerungskultur vom Ersten Weltkrieg bis heute. Eine wichtige Wendung nahm der Umgang mit Geschichte in den 70er und 80er Jahren: Es entstand eine Erinnerungskultur, die durch die Erinnerung Orientierung für die Zukunft geben will.

Aleida Assmann entwickelte ihr Gegenmodell zu einer derzeit wieder verstärkt auftretenden Funktionalisierung der Geschichte. Von besonderer Bedeutung ist die Vielstimmigkeit in der gesellschaftlichen Erinnerung. Die Beteiligung der Zivilgesellschaft an  dieser vielstimmigen Geschichtskultur  ist Assmann deswegen besonders wichtig, weil Zivilgesellschaft immer lokal verankert ist.

Aktuelle Entwicklungen standen im Zentrum der Wortmeldungen aus dem Publikum. Was bedeutet die derzeitige Diskussion um Kunstgegenstände aus den Kolonialländern? Aleida Assman ist sich sicher: Kolonialgeschichte kann eine neue Dimension zur Geschichtserinnerung hinzufügen und die Beziehungen zu den betroffenen Ländern neu justieren.

Die gesellschaftliche Aufgabe sei es, immer wieder anschlussfähige Geschichtsnarrative zu entwickeln. „Mit jeder neuen Phase kann man die Geschichte neu anordnen. Das heißt nicht, dass man sie verfälscht.“

Workshops zeigen vielfältige Herangehensweisen

Formen partizipativer Erinnungsarbeit stellten Annegret Braun und Sabine Gerhardus vor.  Annegret Braun sprach über die Arbeit der Geschichtswerkstatt, vor allem die Forschungen zu Kriegsende und Nachkriegszeit und das aktuelle Projekt „Die 50er Jahre im Landkreis Dachau. Wirtschaftswunder und Verdrängung.“ Sabine Gerhardus stellte das Gedächtnisbuch vor sowie die Biographie-Projekte der Geschichtswerkstatt „Das Lager und der Landkreis und des BLLV-Projekt „Erinnern“. Ihr Blick hinter die Kulissen beleuchtete die Motivation und die pädagogische Begleitung der Projekte. All diese Projekte leben wären ohne das Engagement von Ehrenamtlichen nicht denkbar. Ausstellungsbanner, Anschauungsmaterial und Quellenbeispiele veranschaulichten den Einblick in die praktische Arbeit. In der Diskussion ging es den Teilnehmerinnen und Teilnehmern des Workshops vor allem um Fragen der Perspektiven der zukünftigen Arbeit, etwa andere Formen der Arbeit mit Jugendlichen.

Ludwig Schmidinger thematisierte in seinem Workshop den Umgang mit militärischen Heldengedenken am Beispiel Schliersee, Steffen Jost zeigte Methoden und Erfahrungen der digitalen Bildungsarbeit in KZ-Gedenkstätten auf. Ein weiterer Workshop mit Norbert Göttler widmete sich unterschiedlichen Bedeutungszuweisungen an den Begriff Heimat.

Lesung „Leben mit dem Schatten“

Am Ende des Studientags stand eine Autorenlesung und damit eine sehr persönliche Dimension der Erinnerung: Norbert Göttler las aus seinem autobiographischen Essay „Leben mit dem Schatten“.

 

 

(9.4.2019; Fotos: Irene Stuiber; Text: Irene Stuiber, Sabine Gerhardus)

Ausstellungseröffnung Georg Scherer: Ein wahrer Demokrat

Unter großem Andrang wurde die Ausstellung über Georg Scherer am 28. März 2019 in Dachau eröffnet. Für das Gedächtnisbuch hatte sich Sabine Gerhardus federführend an der Erstellung der Ausstellung beteiligt.

In einer szenischen Lesung stellte das Ausstellungsteam wichtige Lebensabschnitte aus dem Leben Georg Scherers vor und präsentierte dabei eine ganze Reihe von Orginalzitaten des Porträtierten. Anknüpfungspunkte gab es für diese Darstellung mehr als genug: Scherer war Arbeiter, Sportler, Widerstandskämpfer, KZ-Häftling, Stadtrat, Bürgermeister und Unternehmer.

Sabine Gerhardus betonte in ihrer Ansprache zur Ausstellungseröffnung: „Georg Scherer hat für seine Mithäftlinge im Konzentrationslager viel gewagt, er hat gute Arbeit für die Bewohner der Stadt Dachau geschaffen und beim ASV Spiel, Sport, Spaß und eine Gemeinschaft.“

Kai Kühnel, Bürgermeister der Stadt Dachau, würdigte Georg Scherer als wahren Demokraten, „der bereit war, für die Rechte seiner Mitmenschen viel aufs Spiel zu setzen.“ Kühnel betonte: „In unserer Zeit, in der nationalistische und rassistische Parteien Stimmung gegen Minderheiten und Andersdenkende machen und von vielen Menschen in Europa der Wert der Demokratie bezweifelt wird, zeigt Georg Scherer uns eindringlich, wohin ein solcher Weg führen kann, welche Grausamkeit und Zerstörungskraft hinter der menschenverachtenden Diktatur des Nationalsozialismus steckte. Georg Scherer zeigt uns auch, wie es ihm gelungen ist, diesen Weg nicht mitzugehen, sich gegen Hass und Ausgrenzung und für Menschlichkeit und Solidarität zu entscheiden.“

(4.4.2019; IS)

 

Jahrespräsentation: Zehn neue Gedächtnisblätter

Bei der 20. Jahrespräsentation des Gedächtnisbuchs stellten ehrenamtliche Autorinnen und Autoren zehn neue Biographien von Häftlingen des KZ Dachau vor. Der 92jährige Dachau-Überlebende Riccardo Goruppi schickte aus Triest eine Grußbotschaft, da er seinen Besuch aus gesundheitlichen Gründen kurzfristig absagen musste.

Riccardo Goruppi mit Gedächtnisblatt und den Autorinnen Luisa Ferrero-Heinz und Marizia I. Puglia in Triest 2018

Goruppi war als Angehöriger einer slowenischen Partisanengruppe zusammen mit seinem Vater verhaftet worden. Sein Leidensweg führte durch mehrere Konzentrationslager, den Tod des Vaters musste er im Außenlager Leonberg des KZs Natzweiler miterleben. Bis heute ist er unermüdlich als Zeitzeuge und Gesprächspartner vor allem für junge Leute unterwegs. Sein Gedächtnisblatt erstellten Samantha Candreva, Luisa Ferrero-Heinz und Marizia I. Puglia.

Johann Vogl blieb seiner Überzeugung treu

Nicht sein erstes Gedächtnisblatt stellte Tom Nowotny mit der Lebensgeschichte des Rosenheimer Arbeiters und Kioskbesitzers Johann Vogl vor. Schülerinnen und Schüler der Stephanskirchener Mittelschule begleiteten den Vortrag durch eine szenische Lesung.

Vogl war Mitglied der proletarischen Freidenker und der Roten Hilfe, auch während der NS-Zeit blieb er seinen Idealen treu. Am 27. März 1938 wurde er im KZ Dachau ermordet. Nach seiner Verhaftung 1936 hatte er zu Protokoll gegeben: „Auf Grund meiner Weltanschauung wende ich auch nicht den deutschen Gruß „Heil Hitler“ an, weil ich niemanden vorheucheln will, umso weniger als ich unbedingt zu Menschenrecht und Menschenwürde die Gewissensfreiheit rechne.“

Zu Samuel Gilde existiert keine persönliche Überlieferung

„Dieses Gedächtnisblatt über Samuel Gilde, diese Recherche, ist ein wichtiger Teil meines Unterrichts geworden,“ erzählte Gedächtnisbuchautor Christoph Triebfürst, Lehrer am Dachauer Josef-Effner-Gymnasium. Der Münchner Arzt Samuel Gilde lebte nach seinem Berufsverbot im Herbst 1938 kurze Zeit in Augustenfeld bei Dachau. Nach der Pogrammnacht 1938 wurde er drei Wochen im KZ Dachau gequält, die anschließenden verzweifelten Bemühungen um eine Emigrationsmöglichkeit blieben erfolglos. Gilde wurde am 30.6.1944 im Ghetto Theresienstadt ermordet.

Bei seinen Recherchen musste Christoph Triebfürst feststellen, dass kein einziger persönlicher Satz, keine einzige persönliche Notiz des Münchner Facharzts erhalten ist. Akribisch dokumentiert ist dagegen die Verfolgung, Entrechtung und die Ermordung Samuel Gildes.

Charles Delestraint: eine zentrale Figur des französischen Widerstands

Maeva Keller verfasste als Freiwillige von Aktion Sühnezeichen Friedensdienste die Biographie des französischen Generals Charles Delestraint für das Gedächtnisbuch. „Dieses Projekt war für mich sehr bedeutsam, weil es mir ermöglicht hat, eine wichtige Figur des französischen Widerstands näher kennenzulernen.“ Delestraint kommandierte die Armee secrète, wurde im Juni 1943 verhaftet und im September 1944 aus dem KZ Natzweiler in das KZ Dachau deportiert. 10 Tage vor der Befreiung des Lagers exekutierte die SS Charles Delestraint. Noch kurz vor seinem Tod notierte der Häftling ein spirituelles Vermächtnis.

Georg Scherer: Kommunalpolitiker und Widerstandskämpfer in Dachau

Kerstin Cser und Jessica Scherer konnten bei ihrer Vorstellung der Biographie Georg Scherers aus dem Vollen schöpfen. Die Ergebnisse der Recherchen lassen sich nicht nur im Gedächtnisbuch nachlesen, sondern sie werden demnächst auch in der in Dachau stattfindenden Ausstellung über Georg Scherer zu sehen sein.

Scherer wurde 1935 wegen seines Widerstands gegen die Nazis verhaftet und ins KZ Dachau gebracht, erst 1941 wurde er wieder freigelassen. Am Dachauer Aufstand kurz vor Kriegsende war er federführend beteiligt. Der Kommunalpolitiker und Sportfunktionär erlag 1985 auf der Tribüne seines Sportvereins einem Herzinfarkt.

Roger Valroff wurde mit dem Train Fantôme nach Dachau deportiert

Gerhard Bökel stellte die Lebensgeschichte des franzöisischen Résistance-Mitglieds Roger Valroff vor, der als Mitarbeiter von Imam Abdelkader Mesli Flüchtlinge versteckt und unterstützt hatte. Valroff wurde am 5.7.1944 verhaftet und mit dem Train Fantôme, dem sogenannten Geisterzug, ins KZ Dachau gebracht. Das Gedächtnisblatt für Roger Valroff hat Gerhard Bökel zusammen mit der französischen Historikerin Bénédicte Penn verfasst, die bei der Präsentation ebenfalls anwesend sein konnte. Bereits 2017 konnte Bökel die Biographie von Abdelkader Mesli präsentieren.

Emanuel Strauß war jüdischer Gemeindelehrer in Weiden

Fast 40 Jahre lang war Emanuel Strauß Gemeindelehrer und Kantor in Weiden in der Oberpfalz. Seine Lebensgeschichte, deren Bearbeitung bereits Julia Otto begonnen hatte, brachte Anastasiia Lapteva dem Publikum näher. Strauß war nach der Reichspogromnacht eine gute Woche im KZ-Dachau inhaftiert. Nach seiner Entlassung gelang ihm 1939 die Emigration über Großbritannien nach Montevideo in Uruguay. Dort starb er im Jahr 1948.

Josef Moser: Haft als zerstörerische Lebenszäsur

Entschieden trat Josef Moser als Chefredakteur der Steyrer Zeitung in den 30er Jahren gegen den Nationalsozialismus auf. Bereits zwei Tage nach dem Anschluss Österreichs wurde er inhaftiert und am 24.5.1938 schließlich ins KZ Dachau verschleppt. Im Konzentrationslager Dachau musste er bis zu seiner Entlassung am 13.9.1938 bleiben. Nach der Haft litt Moser zeitlebens an gesundheitlichen Problemen. Zu seinem Beruf fand der vorher leidenschaftliche Journalist niemals zurück, bis zur Pensionierung arbeitete er als Buchhalter.

Mosers Biographie erläuterte seine Tochter Martina Riepl, die das von ihr vorgestellte Gedächtnisblatt im Einvernehmen mit den beiden anderen Kindern Josef Mosers verfasst hat.

Jacobus de Vries  gehörte zum Führungsstab des niederländischen Ordedienst

Jos Sinnema, der das Gedächtnisbuch Niederlande betreut, präsentierte die Biographie von Jacobus de Vries. Verfasst hat er dieses Gedächtnisblatt zusammen mit der  ehemaligen ASF-Freiwilligen Maja Lynn. Jacobus de Vries gehörte dem Führungsstab der militärischen niederländischen Widerstandsgruppe Ordedienst an. Verhaftet wurde de Vries 1941. Er wurde er mehrere Jahre als Nacht-und-Nebel-Häftling in verschiedenen Konzentrationslagern gefangengehalten, darunter zweimal in Dachau. Anfang Januar 1945 starb Jacobus de Vries im KZ Dachau.

Franz Sales Müller: Pfarrer im Landkreis Dachau

Katharina Wolf berichtete über Franz Müller, der ab 1961 Pfarrer in Westerholzhausen im Landkreis Dachau war. Der gebürtigte Zwittauer wirkte ab 1926 als Kaplan und Vikar, später als Pfarrer im deutschsprachigen Wigstadtl/Vítkov in der damaligen Tschechoslowakei. Müller wurde 1941 verhaftet, nachdem die Gestapo regimekritische Briefe gefunden hatte. Von November 1941 bis April 1945 musste er im KZ Dachau unter anderem auf der Plantage Zwangsarbeit leisten, drei Wochen vor der Befreiung des Lagers wurde er entlassen.

(28.3.2019; Irene Stuiber)