Studienfahrt nach Köln und Vogelsang

Drei große Themen hatte die diesjährige Studien- und Gedenkstättenfahrt vom 27.10.2010 bis zum 29.10.2017: Das NS-Dokumentationszentrum EL DE-Haus in Köln, die NS-Dokumentation Vogelsang und einen Rundgang durch das jüdische Köln. Veranstalter waren das Dachauer Forum, die evangelische Versöhnungskirche, die katholische Seelsorge an der KZ-Gedenkstätte und die KZ-Gedenkstätte Dachau.

Das Kölner NS-Dokuzentrum EL DE-Haus

Seit 1981 befindet sich ein Dokuzentrum im EL DE-Haus in Köln, dem Zentrum der Kölner Gestapo. Zunächst umfasste der Erinnerungsort nur die Gefängniszellen, denn Köln nutzte das Gebäude für Behörden, unter ihnen befand sich das Standesamt. Das hat sich gründlich geändert: Ab 1991 wurde das Gebäude zum zentralen Ort des NS-Gedenkens und zum Kölner NS-Dokuzentrum ausgebaut. Hier findet sich heute nicht nur der Gedenkort Gestapogefängnis, sondern auch eine Dauerausstellung „Köln im Nationalsozialismus“ sowie ein pädagogisches Zentrum, ein Archiv und eine Bibliothek. Der letzte Um- und Ausbau erfolgte 2009.

Die Ausstellung im Keller folgt dem Grundsatz, das Gebäude selbst als Augenzeugen zu präsentieren. Dies gelingt, da dem Besucher der beklemmende Blick in die Gefängniszellen ermöglicht wird. Die genaue Abbildung und Erläuterung der Wandkritzeleien auf Stellwänden lässt die Erlebnisse und Gefühle der hier Eingesperrten konkret werden.

Die pädagogische Abteilung präsentierte den Teilnehmerinnen und Teilnehmern der Studienfahrt die pädagogische Arbeit mit sehr jungen Besuchergruppen. Das Team des Hauses geht mithilfe von an die Decken und Wände montierten Alltagsmobiliar sehr kreativ an die Themenstellungen der NS-Geschichte heran.

 

Herrenmenschen – NS-Dokumentation Vogelsang

Eingang zur Ausstellung „Bestimmung: Herrenmensch“

2016 wurde die NS-Dokumentation in Vogelsang eröffnet. Die Ausstellung „Bestimmung: Herrenmensch“ teilt sich das Ausstellungsgebäude mit einer Präsentation zum Naturpark Eifel. Auf die ausführlichen Erläuterungen beim Gang durch die Ausstellung folgte der Workshop mit den sorgfältig gewählten pädagogischen Materialien.

Freilich warf die dargestellte Zwangsläufigkeit, mit der die „Junker“ der NS-Ordensburg zu Massenmördern wurden, auch die Frage bei den Teilnehmenden auf, wieweit dafür die ideologische Schulung in der NS-Ordensburg als Voraussetzung gelten kann. Ein Teilnehmer verwies in der Diskussion auf das Buch von Christopher Browning, das die Täterschaft „ganz normaler Männer“ dokumentiert.

Der Rundgang über das Außengelände zeigte, wie die Platzierung des Gebäudes die Weltherrschaftsansprüche der Nazis unterstreichen sollte. Deutlich wurde auch, dass die künftige NS-Elite ziemlichen Drill ausgesetzt war. Nach dem Zweiten Weltkrieg war hier zunächst britisches, ab 1950 belgisches Militär stationiert.

 

Rundgang durch das jüdische Köln

Unterwegs in Köln

Bereits seit dem 3. Jahrhundert gibt es jüdisches Leben in Köln. Die Stadtführung rief vieles davon in Erinnerung, obgleich der Schwerpunkt auf der Zeitgeschichte lag. Mit dem Deserteursdenkmal und der Inschrift zur Erinnerung an ermordete Roma und Sinti nahm die Stadtführung auch andere Opfergruppen des NS in den Blick. Spannend der allererste Stopp der Führung, das 1999 errichtete Denkmal für Edith Stein mit dem Namen „Gruppenbild einer Heiligen“: Es zeigt eine nicht unwidersprochen gebliebene Weiterentwicklung der Jüdin zur Frauenrechtlerin und schließlich zur katholischen Nonne. Weitere wichtige Stationen des Rundgangs waren das Richmondishaus und der Erich-Klibansky-Platz. Hier steht der Löwenbrunnen, der namentlich an über 1100 Mordopfer erinnert.

 

Fotos von der Exkursion

 

(5.11.17; Fotos und Text: Irene Stuiber)