Häftlingsbiografien und Fachaustausch: Gedächtnisbuch startet deutsch-polnische Partnerschaft

Das Gedächtnisbuch startet zusammen mit der Jugendbegegnungsstätte in Oświęcim/Auschwitz ein deutsch-polnisches Partnerschaftsprojekt. Die Projektträger planen, in den nächsten zwei Jahren mithilfe des Erasmus+-Projekts die Grundlagen für eine langfristige Zusammenarbeit zu legen.

Die Internationale Jugendbegegnungsstätte in Oświęcim/Auschwitz

Hier die Pressemitteilung, mit der das Gedächtnisbuch über Projekt informiert:

„Sehr berührt hat mich die Geschichte von Arthur Asur Berlinger, der trotz grausamer Haft seinen Glauben nie verloren hat. Um an diesen starken Mann zu erinnern, habe ich dieses Gedächtnisblatt erstellt.“ Arthur Berlinger war 1938 Häftling im Konzentrationslager Dachau, weil er Jude war. Sechs Jahre später wurde er aus demselben Grund in Auschwitz ermordet. Unter den Dachauer Häftlingen gab es viele, die auch im Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz leiden mussten. Von ihnen erzählen bisher nur wenige Biographien im Gedächtnisbuch. Eine davon ist die Geschichte, die  von der Dachauer Schülerin Theresa Ziegler über Arthur Berlinger aufgeschrieben wurde. Nun sollen weitere Gedächtnisblätter über Häftlinge beider Lager entstehen. Das Gedächtnisbuch für die Häftlinge des KZ-Dachau startet ein internationales Projekt mit der Internationalen Jugendbegegnungsstätte in Oświęcim/Auschwitz als Partner. Das deutsch-polnische Projekt findet im Rahmen des europäischen Erasmus+ Programms statt und ist zunächst auf zwei Jahre angelegt. Die Projektpartner wollen in diesen zwei Jahren die Grundlagen für eine langfristige stabile Partnerschaft zwischen dem Gedächtnisbuch und der Jugendbegegnungsstätte Oświęcim schaffen.

Die Projektkoordination übernimmt für den Trägerkreis des Gedächtnisbuchs das Dachauer Forum. Geschäftsführerin Annerose Stanglmayr erläutert: „Mit der Jugendbegegnungsstätte in Oświęcim haben wir einen hochkarätigen und sehr kompetenten Partner in Polen gefunden. Ganz sicher werden beide Seiten von der Zusammenarbeit profitieren.“ Geplant ist ein Fachaustausch sowie eine Weiterentwicklung der Konzepte und Lernangebote. Die Projektpartner streben einen Erfahrungsaustausch, die gegenseitige Unterstützung und die Präsentation der Ergebnisse des Partnerschaftsprojekts in beiden Ländern an.

Im Lauf der Projektdauer des Erasmus+-Projekts erstellen Ehrenamtliche Biographien polnischer und deutscher Häftlinge für das Gedächtnisbuch. Recherchiert werden soll in den nächsten zwei Jahren vor allem über NS-Verfolgte, die sowohl im Konzentrationslager Dachau als auch in Auschwitz inhaftiert waren. Zwei Studienfahrten ergänzen die kontinuierliche Online-Zusammenarbeit der Projektpartner. Die Präsentation für die Öffentlichkeit erfolgt in Form von Gedächtnisblättern und in einer deutsch-polnischen Wanderausstellung. Auf der Website des Gedächtnisbuchs www.gedaechtnisbuch.org finden sich in den zwei Jahren der Laufzeit des Projekts aktuelle Berichte zum Projektverlauf.

Derzeit laufen die Vorbereitungen für zwei wesentliche Projektmeilensteine: Mit dem neuen Schuljahr im September beginnt ein W-Seminar des Gedächtnisbuchs am Dachauer Ignaz-Taschner-Gymnasium, in dessen Rahmen die Schüler und Schülerinnen Biographien für das Erasmus+-Projekt erstellen werden. Im Oktober fahren Projektteilnehmende für eine Woche nach Oświęcim.

 „Es ist uns wichtig, dass möglichst viele Menschen von dieser Partnerschaft profitieren.“, betont Annerose Stanglmayr. „So steht zwar der Fachaustausch der beteiligten Organisationen im Mittelpunkt, doch werden von Anfang an ehrenamtlich Mitwirkende und die interessierte Öffentlichkeit in beiden Städten und darüber hinaus einbezogen.“

Deutsch-polnische Zusammenarbeit ist für das Gedächtnisbuch kein Neuland: Bereits mehrmals haben polnische Freiwillige der Aktion Sühnezeichen Friedensdienste im Rahmen ihres Freiwilligendiensts in Dachau das Gedächtnisbuch unterstützt. Auch hier gibt es einen Schnittpunkt mit dem polnischen Partner: Die Internationale Jugendbegegnungsstätte Oświęcim wurde 1986 auf Initiative von Aktion Sühnezeichen Friedensdienste gegründet. Bis heute ist die Freiwilligenarbeit von Aktion Sühnezeichen Friedensdienste dort ein wesentlicher Bestandteil der pädagogischen Aktivitäten.

(Foto: Internationale Jugendbegegnungsstätte Oświęcim/Auschwitz; IS)