„Ich hatte mir ihre Geschichte anders vorgestellt“ – Artikel im Jahresbericht des Freisinger Camerloher Gymnasiums

„Ich fand die Recherche über Renny und ihr Leben sehr spannend, weil ich mir ihre Geschichte anders vorgestellt hatte.“, schreibt Henriette Schulze über ihre Erfahrungen im W-Seminar „Biografien von Dachau-Häftlingen und in der NS-Zeit repressierten Lehrern“. Der Artikel wurde im Jahresbericht 2013/2014 des Camerloher Gymnasiums veröffentlicht.
Henriette Schulze berichtet über ihre Recherche zur Biografie der holländischen Widerstandskämpferin Renny van Ommen. Die Recherche umfasste nicht nur Archivarbeiten: Für ein Interview mit einem der Söhne Renny van Ommens, Jan van Ommen, fuhr die W-Seminar-Teilnehmerin nach Hamburg. Ihre Arbeit am Gedächtnisblatt führte sie bis nach Holland, hier erhielt sie Unterstützung durch Jos Sinnema. Sie schreibt: „Er besuchte für mich Archive in Amsterdam und prüfte, ob verwendbare Dokumente vorlagen oder nicht. Er führte mich auch durch die KZ-Gedenkstätte Herzogenbusch (Vught) und gab mir Tipps, wie ich meinen Urlaub in Amsterdam mit geschichtlicher Recherche wie den Besuch des Widerstandsmuseums kombinieren konnte.“
Was hat Henriette Schulze besonders beeindruckt? Sie schreibt: „Für den Zusammenhalt der Frauen war wohl auch die Religion verantwortlich, sie spielte aber vor allem für Renny eine große Rolle für die Bewältigung der Hafterfahrungen. Da ich selbst den Ethikunterricht besuche und keiner Religion angehöre, fand ich gerade diesen Aspekt sehr interessant.“

Den gesamten Artikel bitte bei Interesse per Mail anfordern bei irene.stuiber@googlemail.com.

 

Lynn Williams über ihren Freiwilligendienst im Gedächtnisbuch-Team: I am grateful that I can remain involved in the future

 

Lynn Williams, deren ASF-Freiwilligendienst in Dachau jetzt endet, war so nett, uns einige Zeilen zu ihrer Mitarbeit im Gedächtnisbuchprojekt zu schreiben. Die deutsche Übersetzung findet sich im Anschluss an den englischen Text. Danke, Lynn!

I arrived in Dachau in September, 2012, to begin my service as a volunteer with Action Reconciliation Service for Peace.  Part of my assignment was to work with the “Remembrance Book Project” and the companion exhibition, “Names Instead of Numbers.”  I had no idea about what this would entail.

Under the leadership of Sabine Gerhardus, I soon found out.  A new group of students was just beginning to explore biographical research.  I learned right along side of them at the seminars which Frau Gerhardus held concerning archival research, interview techniques, writing strategies and page design.  I am happy to report that I have also been able to write the biography of a former prisoner.  I am beginning to work on a second biography, which I will complete when I go home to Milwaukee, WI, in August, 2014.

I also gained experience in scheduling exhibitions of “Names Instead of Numbers” in North America.  I will continue to support this when I go home by making sure that the exhibit is kept in good condition and gets from location to location in a timely manner.

I am grateful that I had the opportunity to be a part of this project, and that I can remain involved in the future.

 

Im September 2012 kam ich in Dachau an, um meinen Freiwilligendienst bei der Aktion Sühnezeichen Friedensdienste zu beginnen. Zu meinen Aufgaben gehörte die Mitarbeit am Gedächtnisbuch und bei der begleitenden Ausstellung „Namen statt Nummern“. Ich hatte keine Ahnung, worum es genau ging.

Unter der Leitung von Sabine Gerhardus fand ich das schnell heraus. Gerade begann eine neue Gruppe von Studenten mit ihrer biographischen Recherche. Ich lernte zusammen mit ihnen in den Seminaren von Frau Gerhardus Archivrecherche, Interviewtechniken, Schreibstrategien und Layout. Mich freut es, berichten zu können, dass ich auch eine Biographie eines ehemaligen Dachau-Häftlings geschrieben habe. Gerade beginne ich mit einer zweiten Biographie, die ich daheim in Milwaukee, Wisconsin, im August des Jahres fertigstellen werde.

Ich konnte auch Erfahrungen mit der Durchführung der Ausstellung „Namen statt Nummern“  in Nordamerika sammeln. Diese Ausstellung kann ich daheim weiter unterstützen, in dem ich dafür sorge, dass sie gut erhalten und rechtzeitig zum nächsten Ausstellungsort kommt.

Ich bin dankbar, dass ich Teil dieses Projekts sein durfte und freue mich, dass ich auch in Zukunft weiter mitmachen kann.

 

 

(Foto: BLLV)

 

Wer macht was? Erstes Arbeitstreffen im Grafinger W-Seminar

Schon ziemlich zur Sache ging es am 17. Juli  bei einem Arbeitstreffen mit den Schülerinnen und Schülern aus Grafing, die das W-Seminar Gedächtnisbuch ab dem kommenden Schuljahr belegen wollen. Die Schüler hatten Gelegenheit, ihre Erwartungen und Interessen zu schildern, damit ihnen am Anfang des Seminars passende Biographie-Projekte vorgelegt werden können. Diese Projekte betreffen dann entweder das Gedächtnisbuch für Dachauer Häftlinge oder das BLLV-Projekt „Jüdische Lehrer und Lehrerinnen in Bayern“. Sabine Gerhardus, Projektleiterin, meint: „Wenn das Interesse an der Person gegeben ist, schaffen das die meisten gut!“

 

 

(Foto: BLLV)

 

Unterzeichnung des BLLV-Gedächtnisblatts für Friedrich Reuß

Am 19. Juli wurde das BLLV- Gedächtnisblatt für Friedrich Reuß in München unterzeichnet. Mit dabei waren die Verfasserin des Gedächtnisblatts aus Bamberg, Christina Ther, ihre Mutter und die Enkel des politisch verfolgten Lehrers Friedrich Reuß. Christina Ther hatte die Biographie im Rahmen eines W-Seminars in Bamberg verfasst.

Sabine Gerhardus, Projektleiterin des Gedächtnisbuchs, schreibt dazu: Es war ein schöner Abschluss für alle Beteiligten nach einer sehr engagierten und aufwändigen Recherche zu einer ganz ungewöhnlichen Biographie. Reuß war ein intellektueller Freigeist, christlich, mit einer jüdisch-russischen Frau verheiratet, der in Bamberg in den 1920er Jahren philosophische Gesprächskreise veranstaltete und sich für die russische Kultur und Sprache interessierte. Das und seine familiären Verhältnisse waren für die Nazis Grund genug für eine Inhaftierung bereits 1933. Reuß floh anschließend mit Frau und Kind über Berlin nach Moskau, wo er wenige Jahre später aus ungeklärten Umständen starb. Seine Frau starb in der Verbannung, die Tochter kam als Flüchtling mit ihrer Familie wieder zurück nach München, wo die Enkel heute noch leben.

 

V.r.n.l.: Jan Kwiatkowski, Anne Katrin Scheffbuch, Klaus Schultz, Lynn Williams

ASF-Freiwillige berichten über ihre Erfahrungen im Team des Gedächtnisbuchs

Anne Katrin Scheffbuch, Koordinatorin des Deutschlandprogramms von Aktion Sühnezeichen Friedensdienste (ASF),  besucht zum ersten Mal die Einsatzorte der Freiwilligen in Dachau, hier im Büro des Gedächtnisbuch-Projekts beim Dachauer Forum. Im Gespräch mit Lynn Williams, USA, und Jan Kwiatkowski, Polen, der Projektleiterin des Gedächtnisbuch-Projekts Sabine Gerhardus (nicht im Bild) und dem Diakon der Evangelischen Versöhnungskirche, Klaus Schultz, geht es darum, die Erfahrungen der Freiwilligeneinsätze auszuwerten. (SG)

 

Holland: Ausstellung und Theater mit biographischem Blickwinkel

Jos Sinnema, ehrenamtlich für das Gedächtnisbuch in den Niederlanden aktiv, erzählt im Interview von der geplanten Ausstellung und den Plänen für eine Theateraufführung.

Jos, du hast ein neues Projekt mit nach Dachau gebracht. Kannst du uns etwas darüber erzählen?

Die genauen Einzelheiten kann ich noch nicht sagen – die Öffentlichkeitsarbeit beginnt erst nach den Ferien. Aber ich darf schon sagen, dass es in Holland eine Ausstellung geben wird:

Es wird eine Ausstellung über niederländische Häftlinge in Dachau geben, bei der die Biographiearbeit der Schüler im Rahmen des Gedächtnisbuchs ein wesentlicher Bestandteil sein wird. Ohne die Schüler würde es die Ausstellung nicht geben. Sie wird einen biographischen Blickwinkel haben, biographisch aufgebaut sein.

Zur Ausstellung erscheint eine Publikation, eine Sammlung der Biographien über holländische Häftlinge, die bis jetzt für das Gedächtnisbuch geschrieben worden sind, mit einer Einführung über holländische Häftlinge in Dachau. Die Biographien stammen sowohl von holländischen als auch von deutschen Schülern und die Einführung schreibe ich zusammen mit Sabine Gerhardus.

Gibt es Veranstaltungen, die die Ausstellung begleiten?

Wir planen eine Aufführung in einem bekannten Theater in Amsterdam. Bei dieser Aufführung präsentieren die Schüler die von ihnen erarbeiteten Biographien auf der Bühne. Unter ihnen sind auch zwei deutsche Schülerinnen, die über einen Holländer geschrieben haben. Das wird am 4. Mai sein, an diesem Tag ist die nationale Totengedenkfeier überall im Land. In Amsterdam ist der König mit dabei, abends um 20 Uhr, auf dem Dam. Das Projekt heißt „Theater nach dem Dam“. Auf dem Dam ist die Nationalgedenkfeier. Und „Theater nach dem Dam“ sind die Aufführungen im ganzen Land, Theater, die etwas zu tun haben mit dem Zweiten Weltkrieg.

Was ist die Grundidee dieser Theateraufführung?

Der rote Faden ist die Musik. Die Schüler präsentieren ihre Biographien und eine bekannte professionelle Theaterregisseurin übernimmt die Regie. Der Grundgedanke ist, dass Musik, die im Leben von ehemaligen Häftlingen eine Rolle gespielt hat, die Verbindung sein wird, um die Biographien zu erzählen. Zum Beispiel hört man „Dona nobis pacem“, das heißt „Schenk uns Frieden“. Das ist ein Lied, das die Frauen, die 200 holländischen Frauen im Münchner Agfa-Kommando, sehr oft gesungen haben. Dieses Lied hat ihnen Kraft gegeben. Sie haben sehr viel gesungen, auch andere Lieder, aber das war ein wichtiges Lied. Dieses Lied hört man und es ist der Anhaltspunkt, um die Lebensgeschichte von Willemijn Petroff, einer Agfa-Frau, zu erzählen, sie zu präsentieren.

Oder man hört eine Trompete, und der Zuschauer erfährt, dass das die Trompete ist, die Jaap van Mesdag mitgenommen hat, als er in einem Kanu nach England fahren wollte, um sich dort den alliierten Streitkräften anzuschließen. Er kam mit seinem Freund in schlechtes Wetter und hat diese Trompete benutzt, um das SOS-Signal abzugeben. Deshalb wurden sie gerettet, das heißt, ein Schiff der Kriegsmarine holte sie aus dem Wasser – und dann sperrte man sie ins KZ. Die Trompete war das einzige, was er von zu Hause mitgenommen hat. Er war ein leidenschaftlicher Trompeter, er spielte Jazz und Swing. Und so gibt es eigentlich in jeder Biographie Anhaltspunkte für Musik und es finden sich auch manchmal bei den Jugendlichen Anhaltspunkte für Musik. Zum Beispiel haben zwei Schüler einen Rap über Dachau geschrieben.

 

 

W-Seminar Grafing: Seminarplan steht

Petra Köpf wird als Lehrerin des Grafinger Gymnasiums das im nächsten Schuljahr beginnende W-Seminar betreuen. Heute war sie in Dachau, um mit dem Gedächtnisbuch-Team den Seminarplan fürs nächste halbe Jahr festzulegen.

15 Schülerinnen und Schüler nehmen an dem W-Seminar in Grafing teil. Die ersten Workshops widmen sich einer Einführung ins Projekt, der Geschichte des Konzentrationslagers Dachau, Fragen der Archivrecherche sowie dem Vorgehen bei Zeitzeugeninterviews.

2015: Ausstellung in Amsterdam

Seit gestern ist der niederländische Mitarbeiter des Gedächtnisbuch-Projekts, Jos Sinnema, in Dachau. Heute standen Gespräche mit der Leiterin der KZ-Gedenkstätte Dachau, Gabriele Hammermann, und mit dem Kulturamtsleiter der Stadt Dachau, Tobias Schneider, auf dem Programm.

Projektleiterin Sabine Gerhardus, Trägerkreisvertreter Andreas Kreutzkam und Jos Sinnema stellten Pläne für eine Veranstaltungsreihe in den Niederlanden vor. Geplant ist für 2015 auch eine Ausstellung in Amsterdam.

 

 

Sabine Gerhardus und Andreas Decker beim Sichten der Freisinger Gedächtnisblätter

Abschlusstreffen zum W-Seminar in Freising

„Ich finde Geschichte über diese Zeit jetzt noch interessanter.“, fasste ein Schüler seine Erkenntnisse aus dem W-Seminar Gedächtnisbuch am Freisinger Camerloher Gymnasium zusammen. Zu einem Abschlusstreffen trafen sich am 25. Juni einige Schülerinnen und Schüler, der betreuende Lehrer Andreas Decker, die Projektleiterin Sabine Gerhardus und Irene Stuiber vom Gedächtnisbuch-Team. Bei Hollersirup und Kuchen wurden  Erfahrungen ausgetauscht, die Gedächtnisblätter noch einmal gesichtet und Überlegungen für zukünftige Kooperationen angestellt.