Jahrespräsentation vom 22. März 2026 – Teil 2

Dieser Bericht gibt Einblicke in vier Präsentationen der Gedächtnisbuchpräsentation vom März 2026. Es referierten zwei Schülerinnen und ein Schüler des Theodolinden-Gymnasiums sowie Klaus Schultz, dem Gedächtnisbuch von Anfang an sehr eng verbunden.

Die Schülerin Antonia Gronski berichtete über das Schicksal eines Münchner Lehrers, der 1941 im KZ Sachsenhausen ums Leben kam.

Ludwig Frank: „Ein Leben, das in vielen Punkten vertraut wirkt“

Die Referentin führte aus, dass sich der Weg Ludwig Franks in den Schuldienst schwierig gestaltete, er schließlich aber nach dem Ende des Ersten Weltkriegs an der Rupprecht-Kreisoberrealschule in München unterrichtete. Die  Denunziation eines Kollegen während der Weimarer Republik gegenüber der Schulleitung fand in der NS-Zeit Eingang in die Polizeiakten und führte zu einer polizeilichen Befragung.

Das Resümée von Antonia Gronski: „Die Geschichte von Ludwig Frank zeigt, wie schnell sich das Leben eines Einzelnen verändern kann. Ludwig Frank war Lehrer, Akademiker und Teil des öffentlichen Lebens. Er führte ein Leben, das in vielen Punkten vertraut wirkt. Seine Verfolgung spielte sich zunächst im Alltag ab; in der Schule, im Kollegenkreis. Seine Biographie macht deutlich, dass Ausgrenzung nicht plötzlich beginnt. Zuerst verlor er seine beruflichen Möglichkeiten, später seine Stellung, schließlich seine Freiheit und sein Leben. Diese Entwicklung vollzog sich Schritt für Schritt und innerhalb bestehender staatlicher und gesellschaftlicher Strukturen.“

Karl Knapp: „Er wusste wohl davon“

Klaus Schultz bermerkte während eines Wien-Aufenthalts ein Schild an einem Gebäude, das  an den im KZ Dachau im November 1944 zu Tode gequälten Postgewerkschafter und Sozialdemokraten erinnerte. In der Öffentlichkeit war nicht allzu viel über Karl Knapps Lebensweg bekannt, Klaus Schulz begann zu recherchieren. Es gelang ihm, Kontakt zu Familienangehörigen herzustellen und weite Teile der Biographie Knapps aufzuhellen.

Karl Knapp war 1933 in den Bundesrat gewählt worden, 1934 verlor er im austrofaschistischen Österreich sein Mandat. Nach dem 20. Juli 1944 wurde er verhaftet. Klaus Schultz brachte in Erfahrung: „In der Familie wird erzählt, dass Karl Knapp nicht im Detail über das für den 20. Juli 1944 geplante Attentat auf Adolf Hitler informiert war. Er wusste aber wohl davon. Für die Zeit danach soll er als Postminister im Gespräch gewesen sein. Wenige Tage später wurde er verhaftet.“

Zur Jahrespräsentation waren Verwandte Karl Knapps aus Wien angereist. Klaus Schultz schloss sein Referat mit den Worten: „Die vergessene Lebensgeschichten von Karl Knapp und all der anderen Gedächtnisblätter zeigen, wie wichtig Erinnern ist und in Zukunft bleiben wird. Namen statt Nummern.“

Nick Hope: 1924 in der Ukraine geboren, 2025 in den USA gestorben

Den langen und weiten Lebensweg von Nick Hope recherchierte und referierte Kirill Naumenko, Schüler am Münchner Theodolinden-Gymnasium.

Nick Hope wurde 1924 unter dem Namen Nikolai Nikitovitsch Choprenko in der damaligen Ukrainischen Sozialistischen Sowjetrepublik geboren. Im Juni 1941 begann der deutsche Angriff auf die Sowjetunion, 1942 wurde Nick Hope nach München deportiert. Zunächst musste er im Zwangsarbeiterlager Buchberg bei Geretsried arbeiten. Dort traf ihn ein vermutlich unbegründeter Sabotageverdacht, so der Referent, der nach Folter und Misshandlungen zur Überstellung im Februar 1943 in das KZ Dachau führte. Zwangsarbeit leisten musste er unter anderem im Dachauer Außenlager Allach, dem späteren Münchner Stadtteil Ludwigsfeld. 1945 wurde Hope am 26.4.45 mit dem Todesmarsch in Richtung Süden geschickt, am 28. April gelang ihm die Flucht. Seine Gesundheit war so sehr angeschlagen, dass er mehrere Jahre im DP-Hospital in Gauting behandelt wurde. Später lebte er in München-Ludwigsfeld, bis er 1961 in die USA auswanderte. Hier erhielt er in den 70er Jahren die amerikanische Staatsbürgerschaft und änderte seinen Namen in Nick Hope.

„In den folgenden Jahrzehnten kehrte er mehrfach nach Deutschland zurück, besuchte die Gedenkstätte Dachau und nahm an Zeitzeugengesprächen teil.“, berichtete Kirill Naumenko.

Emil Meier: ein Münchner Schicksal

Ein räumlicher Bezug bewog die Schülerin Ella Limbrunner dazu, sich der Biographie Emil Meiers zu widmen. Meier verbrachte seine Jugend in Giesing, der Wohnort lag nur wenige Meter vom Zuhauser der Referentin entfernt.

Meier gehörte der kommunistischen Arbeiterbewegung an und wurde bereits am 10. März 1933 verhaftet. Dem ersten, 25-monatigen Aufenthalt im KZ Dachau folgten weitere Verhaftungen, Konzentrationslager- und Gefängnisaufenthalte, nicht zuletzt wegen seiner Widerstandstätigkeit auch in den Kriegsjahren. Am 29. April sollte Emil Meier in München-Stadelheim hingerichtet werden. „Doch die Wärter verweigern den Befehl.“, weiß Ella Limburger. Am 30. April 1945 wurde München befreit. In seiner Heimatstadt München starb Emil Meier im Jahr 1990.

Emil Meier war einer der ersten Häftlinge im KZ Dachau. Er wurde am Tag der Einrichtung des KZ Dachau dort zum ersten Mal eingesperrt, also genau 93 Jahre vor der diesjährigen Jahrespräsentation des Gedächtnisbuchs.

(22.4.2026; Irene Stuiber)